Vogelperspektive: Dorfmitte mit Kirche, rund zehn Häusern, Ortsstraßen und Freiflächen

Schambach
Geht nicht gibt’s nicht – so erreichen die Schambacher ihr heiß ersehntes Ziel Ortsumgehung

Vogelperspektivaufnahme: Das lang gestreckte Dorf Schambach und die in durchschnittlich 150 Metern Entfernung vorbeiführende Umgehungsstraße mit zwei Abzweigen zum Dorf.

Der Arbeitskreis „Verkehr“ hat in der Vorbereitungsphase der Dorferneuerung ein wichtiges Kapitel Kommunalgeschichte für Schambach und seine 450 Einwohner geschrieben. Er hat in dem landwirtschaftlich geprägten Straßendorf die Weichen dafür gestellt, dass nun etwa 2/3 des Dorfes frei von überörtlichem Verkehr sind. Täglich fahren fast 2 000 Kraftfahrzeuge nicht mehr wie früher durch das Dorf, sondern über die neue Umgehungsstraße. Nur unter dieser Voraussetzung sahen die Bürgerinnen und Bürger einen Sinn, die 1986 beantragte Dorferneuerung auch durchzuführen. Lange Zeit galt dieses Ansinnen des Arbeitskreises jedoch als völlig illusorisch: Wenige Jahre zuvor hatte das Verwaltungsgericht aufgrund der Klage eines betroffenen Grundeigentümers den Planfeststellungsbeschluss für eine Ortsumgehungsvariante aufgehoben.

Hartnäckiger Arbeitskreis und starke Partner

Zur Vorbereitungsphase einer Dorferneuerung gehört es in Bayern, dass engagierte Bürger eine der drei Schulen für Dorf- und Landentwicklung (SDL) besuchen. Ergebnis ist ein Leitbild – in Schambach entstand es 1996 und natürlich stand das langjährige Thema Umgehungsstraße im Brennpunkt. Sofort formierte sich dazu der Arbeitskreis „Verkehr“. Allerdings liefen alle Bemühungen ins Leere und Überlegungen, öffentliches Aufsehen durch Demonstrationen, Straßenblockaden etc. zu erregen, kamen auf. Aus der aufgekommenen Resignation heraus entstand jedoch die Idee, die Ortsumgehung als Gemeindestraße im Mindestausbaustandard einer Kreisstraße zu realisieren. Aufgrund der Vorgeschichte war der Gemeinderat skeptisch, bremste aber letztendlich den Arbeitskreis nicht. Nun zogen die Akteure voller Motivation alle Register für mehr Lebensqualität durch weniger Verkehr im Dorf. Mit im Boot des Projektes hatte man schon seit der Vorbereitungsphase zur Dorferneuerung die Ländliche Entwicklung, geschätzt wegen ihrer Umsetzungsorientierung und der Leistungskompetenz bei Landnutzungskonflikten.

Überzeugend zu Ende gedacht

Von den diskutierten Trassenvarianten zur Ortsumgehung fiel die Wahl auf einen gemeindeeigenen und ortsnahen Feldweg. Dafür wurde mit elf privaten und zwei öffentlichen Grundeigentümern mehrfach über Kauf und Tausch verhandelt und erfolgreich die Grundbereitstellung von 2,4 Hektar samt Bauerlaubnis schriftlich vereinbart. Zum Bodenmanagement stellte auch der Landkreis bereits erworbene Flächen bereit, die jedoch weit verstreut in der Gemarkung lagen. Die Träger öffentlicher Belange signalisierten ihre Zustimmung und das Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern stellte eine Förderung in Aussicht. Die in gut einem Jahr zu Ende gedachte Konzeption überzeugte die Gemeinde. Sie übernahm die Trägerschaft für „ihre“ Ortsumgehung, mit der in Schambach etliche Verkehrsspiegel an Hofausfahrten überflüssig wurden und Fußgänger und Radfahrer viel gefahrloser leben. Daraufhin arbeiteten die Dorfplaner, die schon mit den Bürgern an der SDL die „Schulbank gedrückt hatten“, für die Gemeinde die Konzeption zu einer eingabefähigen Planung aus. Der Bau der Ortsumgehung kostete die Gemeinde 960 000 Euro; der Zuschuss betrug 395 000 Euro. Ein Richtfest krönte die Leistung und ein älterer Bürger bemerkte dabei erleichtert: „Schön, dass ich das noch erleben darf“!

Image gewandelt

Beflügelt vom Erfolg der Umgehungsstraße hat das ganze Dorf sein langjähriges Image vom „unattraktivsten Dorf auf der Wallfahrt zum Bogenberg“ zum „Schmuckkästchen“ im Landkreis gewandelt. Viele private Haushalte gestalteten Haus, Hof und Vorgärten in Abstimmung mit der Dorferneuerungsplanung, vor allem entlang der ehemaligen Kreisstraße, bei deren dorfgerechtem Rückbau sich der Landkreis finanziell engagierte. Schweren Herzens und nach langer, aber vergeblicher Suche nach einem neuen Nutzungskonzept opferte man das ehemalige Dorfwirtshaus „Kupferpfandl“ zugunsten eines großzügigen Dorfplatzes. Dies öffnete den direkten Bezug zwischen Kirche, Pfarrhof und saniertem Schloss, brachte einen Omnibushalt mit großzügigem Wartebereich und ermöglichte für den Verkehr der verbliebenen Staatsstraße eine sicherere Linienführung. Anhaltenden Schwung erhielt auch das Gemeinschaftsleben durch alljährliche Kinderzeltlager, die Gestaltung der Freizeitanlagen am Schwimmbad und neue Treffpunkte für Jung und Alt.


Projektträger
Dorferneuerung Schambach und Gemeinde Straßkirchen, Lkr. Straubing-Bogen