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Next Generation: Wie sieht die Zukunft der Berglandwirtschaft aus?

Mehrere Personen sitzen im Halbkreis um einen Moderator, zwei Pinnwände mit gelben Zetteln und eine Flipchart.

Foto: Planval

Eine Fortsetzung der Berglandwirtschaft ist nur möglich, wenn es gut ausgebildete und motivierte junge Menschen gibt, die eine gute Zukunft in der Berglandwirtschaft sehen. Um diese zu Wort kommen zu lassen, hat das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, im Rahmen der bayerischen EUSALP-Präsidentschaft 2017, das Projekt "Next Generation Berglandwirtschaft 2030" initiiert.

Das Projekt adressiert junge Menschen mit landwirtschaftlichem Hintergrund im Alpenraum und deren Zukunftserwartungen und Wünsche. Von Mai bis September 2018 diskutierten über 100 junge Bergbäuerinnen und Bergbauern aus sechs verschiedenen Alpenstaaten in Einzel- und Fokusgruppengesprächen über ihre Herausforderungen und passende Lösungsansätze. Die qualitative Studie beschäftigte sich vor allem mit der Problematik, wie junge Bäuerinnen und Bauern im Alpenraum mit den Herausforderungen unserer Zeit umgehen und welche Zukunftsperspektiven sie für sich erkennen können.

Neben den aktiven Landwirten sollte auch die Sicht jener jungen Menschen mit in die Studie aufgenommen werden, die zwar aus einem landwirtschaftlichen Umfeld stammen, aber aus verschiedenen Gründen in anderen Wirtschaftsbereichen tätig sind. In zehn Spiegelinterviews wurde erforscht, was der Auslöser für die Entscheidung gegen die Landwirtschaft war.

Ziele des Projektes

  • die junge Generation in politische Prozesse einbeziehen,
  • der nächsten Generation der Bergbäuerinnen und Bergbauern mehr Präsenz in der EUSALP zu verschaffen,
  • neue und kreative Ansätze und Innovationen zu mobilisieren, die letztlich zu politischen Empfehlungen führen,
  • junge Bergbäuerinnen und Bergbauern bei Entscheidungen mit Auswirkungen auf die Zukunft der Berglandwirtschaft einzubeziehen,
  • die Rahmenbedingungen für eine gute Zukunft der Berglandwirtschaft zu schaffen,
  • politische Empfehlungen auf regionaler, nationaler oder europäischer Ebene zu geben.

Erste Eindrücke

  • Die Regionen sind teilweise sehr verschieden. Es zeichnen sich Unterschiede hinsichtlich der Infrastruktur, des Wettbewerbs und des Arbeitsmarktes ab.
  • Während der nördlichere Teil oftmals durch traditionelle Erbfolge geprägt ist, ist der südlichere Alpenraum auch für Quereinsteiger interessant.
  • Es gibt zwei Extreme: „Ich mache mir die Bergwelt, wie sie mir gefällt“ (Suche nach etwas Neuem) vs. „auf vertrauten Pfaden, folge ich den Vorgaben“ (Suche nach Sicherheit).
  • Zu allgemeinen Themen gehören die Bedeutung der Gemeinschaft im Dorf, der Umgang mit dem Tourismus und die Arbeitslast durch die Bürokratisierung.
  • In fast allen Fokusgruppen wurde diskutiert, dass die Berglandwirtschaft mit Betrieben in der Ebene hinsichtlich Quantität und Preis schlecht mithalten kann. „Qualität vor Quantität“ sowie “Regionalität“ sind zwei mögliche Ansätze dieser Herausforderung zu begegnen.
„Ich werde vor allem nicht auf Wachstum setzen, sondern auf Wertschöpfungstiefe“ (Fokusgruppe Tirol)

Themen aus den Workshops

Mehrere Beschriftete Zettel zum Thema 'Berglandwirtschaft heute – wie geht es euren Betrieben?' an einer Pinnwand Zoombild vorhanden

Foto: Planval

Die Ergebnisse geben Hinweise auf denkbare Entwicklungen im Alpenraum, aber zeigen auch Möglichkeiten auf, wie man die nächste Generation strategisch bestmöglich unterstützt, sodass sie den zukünftigen Anforderungen gerecht werden kann.

Regionalvermarktung und Kooperation, Wertschätzung durch die Gesellschaft und Lenkung der Tourismusströme zählten zu den wichtigsten Diskussionspunkten.

Lebensqualität

  • Work-Life-Balance, Entlastung durch Technologien
  • Kreative Lösungen für Arbeitskraftmangel finden
  • Besucherstromlenkung durch Taxen, Vernetzung von Destinationen, gezielte Vermarktung
  • Flexibilisierung der Räumlichkeiten, Anpassung der Besteuerung um leistbaren Wohnraum am Land zu schaffen (Geschoßwohnungen, multifunktionale öffentliche Gebäude)

Arbeitsqualität

  • Individuelle, standortabhängige Beratung
  • Förderung des Ehrenamts: Anerkennung und Selbstwirksamkeit
  • 5G an jeder Milchkanne
  • Integration von Zuzug, Neues und Anderssein ist wichtig

Herausforderungen

  • Neue Konzepte für Verkauf und Produktion
  • Bergbauernmarke wird nicht überall von Verbrauchern angenommen
  • Es gibt einen Trend zu mehr Nachhaltigkeit, aber auch einen Gegentrend
  • Vorbildfunktion der Bauern selbst
  • "Bio" & "Regio" sind zukunftsträchtige Modelle, reichen aber nicht aus: weitere Konzepte sind notwendig

Regionale Unterschiede

  • Im Ländervergleich ist ein Unterschied in der Einstellung zu Lebensmitteln sichtbar (Grundprodukt vs. Veredelung)
  • Regionen können voneinander lernen: Genossenschaftswesen, Verantwortungsgefühl, Vermarktungsketten
  • Quereinsteiger, Zuzug, Rückkehrer stellen eine Chance dar (durch neue Ideen)
  • Hofübernahme ist eine kritische Phase, das Problem der Betriebsweiterführung ist auch in andern Branchen zu finden
  • Eigeninitiative und Eigenverantwortung wird in vielen Bereichen als wichtige zukünftige Grundeinstellung angesehen (Hoffeste veranstalten, Nische suchen, stärker als Unternehmen identifizieren, mit Unsicherheiten umgehen lernen)

Politische Zuständigkeit

Förderung