Kopfbild: Kuhkopf (Foto: Dieter Hawlan/iStockphoto.com)

Gemeinsame Erklärung zur Rolle der Tierhaltung und zur Verbesserung des Tierwohls in der bayerischen Landwirtschaft

Der Runde Tisch für tiergerechte Nutztierhaltung verfolgt das Ziel, mit allen Verantwortlichen in Bayern praxisgerechte und gesellschaftsorientierte Lösungen zu erarbeiten. Erstes Ergebnis war die "Gemeinsame Erklärung zur Rolle der Tierhaltung und zur Verbesserung des Tierwohls in der bayerischen Landwirtschaft". Sie wurde im Juni 2015 von Vertretern der Politik, der bäuerlichen Selbsthilfeeinrichtungen, der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Erzeuger, der Vermarkter sowie der Verbraucher unterzeichnet. In der Erklärung sind sieben Themenbereiche vereinbart, für die schwerpunktmäßig über wissenschaftlich begleitete Versuchsanstellungen und Projekte Lösungen erarbeitet werden. Vorrangig ist dabei die Umsetzbarkeit bei den Tierhaltern in Bayern. Der Text der Erklärung vom Juni 2015 ist auf dieser Seite veröffentlicht.
Zwischenbilanz zum Stand der Umsetzung
Der bis Februar 2017 erreichte Stand mit Ergebnissen und Lösungswegen ist im "Stand der Umsetzung – Gemeinsame Erklärung zur Rolle der Tierhaltung" detailliert beschrieben.

    Präambel

    Die Tierhaltung hat eine besondere Bedeutung für die bayerische Landwirtschaft. Sie ist für die meisten bayerischen Bäuerinnen und Bauern die Existenzgrundlage. Um weiter ein hohes Niveau in der tierischen Erzeugung haben zu können, müssen Tierschutz und Tiergesundheit beachtet und fortentwickelt werden. Eines unserer gemeinsamen Ziele ist die Sicherung der regionalen Erzeugung von tierischen Lebensmitteln und die Versorgung der Menschen in Bayern mit regionalen Produkten.

    Für Nutztiere tragen wir eine besondere Verantwortung. Bayern hat 2012 einen Runden Tisch für tiergerechte Nutztierhaltung eingesetzt, um den Dialog auf breit angelegter gesellschaftlicher Basis zu führen. Ziel ist es, in den Bereichen Züchtung, Tiergesundheit, Fütterung, Haltung, Transport und Tötung ein hohes Tierschutzniveau in der Nutztierhaltung sicherzustellen und Schmerzen und Leiden der Tiere zu vermeiden. Durch eine stetige Verbesserung der Tierhaltungsbedingungen sollen der Tierschutz und die Tiergesundheit gefördert sowie eine zukunftsfähige, in der Gesellschaft akzeptierte Nutztierhaltung sichergestellt werden. Daran richtet Bayern alle Maßnahmen und Initiativen in den Bereichen Forschung, Bildung, Beratung und Förderung aus. Tierschutzkonforme Haltung und Erzeugung müssen sich auch in angemessenen Preisen für die von den Landwirten erzeugten Lebensmittel niederschlagen. Nur dann können die Verbraucher auch in Zukunft auf qualitativ hochwertige tierische Lebensmittel aus heimischer Erzeugung zurückgreifen.

    Erklärung

    Um das Tierwohl weiter zu verbessern, verpflichten sich die Unterzeichner, auf folgende Maßnahmen hinzuwirken und diese zu unterstützen:
    1. Veröden der Hornanlage bei Kälbern
    Vor allem in Laufställen kann von den Hörnern der Rinder eine Gefahr für Mensch und Tier ausgehen. Das Veröden der Hornanlage ist so schonend und so frühzeitig wie möglich durchzuführen. Dabei erhalten die Kälber ein Schmerzmittel und werden medikamentös ruhig gestellt oder örtlich betäubt. Die Hornloszucht und der Einsatz von Sperma natürlich hornloser Bullen werden weiter intensiviert.
    2. Schwanzkupieren bei Ferkeln
    Ein Verzicht auf das Schwanzkupieren bei Ferkeln ist nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen unter dem Aspekt des Tierschutzes zum jetzigen Zeitpunkt problematisch. Bei unkupierten Tieren tritt häufig Schwanzbeißen auf, das aufgrund der dadurch verursachten Entzündungen mit erheblichen Schmerzen für die betroffenen Tiere verbunden ist und zusätzlichen Medikamenteneinsatz erfordert. Trotzdem soll einerseits bei Ferkeln der Verzicht auf das Schwanzkupieren unter Einbeziehung der neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis erprobt und andererseits gleichzeitig nach Mitteln und Methoden gesucht werden, den Eingriff möglichst schonend durchzuführen. Betriebe, die bereit sind, im Rahmen von Praxisversuchen bei einem Teil ihrer Tiere auf das Kupieren zu verzichten, werden von staatlicher Seite her fachlich intensiv begleitet. Die gesammelten Erfahrungen werden ausgewertet, um abzuklären, unter welchen Voraussetzungen eine Reduzierung des Schwanzkupierens in der Praxis möglich und aus Tierschutzgründen verantwortbar ist.
    3. Schnabelbehandlung bei Geflügel
    Bei Legehennen soll der Verzicht auf die Schnabelbehandlung auf der Grundlage der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis weiter erprobt werden. Betriebe, die bereit sind, im Rahmen von Praxisversuchen nicht schnabelbehandelte Hennen zu halten, werden durch die staatliche Fachberatung intensiv begleitet. Die gesammelten Erfahrungen werden ausgewertet, um weitere Empfehlungen zu gewinnen, die einen generellen Verzicht ermöglichen. Forschungsprojekte mit dem Ziel, auf die Schnabelbehandlung bei Puten und Elterntieren von Masthühnern zu verzichten, werden vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten initiiert.

    Erfahrungen mit der Haltung nicht schnabelbehandelter Legehennen (LMU) pdf 141 KB    ReadSpeaker Dokument vorlesen

    4. Gesundheitsmonitoring beim Rind
    Alle Rinderhalter und Tierärzte sind eingeladen, am kostenlosen Programm "ProGesund" teilzunehmen. Durch die Erfassung und Auswertung von Diagnosen und Beobachtungen kann der Landwirt beim Herdenmanagement, der Tierarzt bei der systematischen Bestandsbetreuung unterstützt werden. Zudem werden aus den gesammelten Daten Zuchtwerte für Gesundheitsmerkmale geschätzt.
    5. Schlachtung von hochträchtigen Nutztieren
    Die Schlachtung von hochträchtigen Nutztieren soll grundsätzlich vermieden werden. Bei Rindern, die zur Schlachtung anstehen, überprüft der Tierhalter den Trächtigkeitsstatus. Im Falle hochträchtiger Rinder (letztes Drittel der Trächtigkeit) soll nach Möglichkeit die Geburt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb abgewartet werden.
    6. Nottötung von Tieren im Bestand
    Ziel der Landwirte ist es, dass alle betreuten Tiere wachsen und gedeihen. Nottötungen sind nur zur Verhinderung von nichtbehebbaren Schmerzen und Leiden bei den Tieren zulässig. Der Nottötung muss eine Betäubung vorausgehen. Wer Tiere tötet, muss über die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen.
    7. Tiergesundheit
    Die Gesunderhaltung der Tiere ist vorrangiges Ziel und Aufgabe des Tierhalters. Hervorzuheben ist der Einsatz der landwirtschaftlichen Selbsthilfeeinrichtungen, Tiergesundheitsdienst Bayern e. V. (Tiergesundheitsberatung und Laborunter-suchungen) und Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e. V. (Leistungsprüfung und produktionstechnische Beratung) für das hohe Tiergesundheitsniveau in bayerischen Ställen. Die Erhebung und Rück-meldung von Schlachtbefunden durch den Fleischprüfring Bayern e. V. über die zentrale Informationsplattform QUALIFOOD leistet dafür einen wertvollen Beitrag. Kranke Tiere müssen aus Gründen des Tierschutzes behandelt und betreut werden. Durch kontinuierliche Verbesserung in Zucht, Haltung und Management soll die Tiergesundheit verbessert und damit der Antibiotikaeinsatz weiter reduziert werden. Das Bayerische Aktionsbündnis gegen Antibiotikaresistenzen (BAKT) unterstützt die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes. Der Einsatz von Wirkstoffen, die in der Humanmedizin besonders wichtig sind, ist in der Tierhaltung möglichst zu vermeiden.
    München, im Juni 2015

    Unterzeichner

    Folgende Organisationen unterstützen die Gemeinsame Erklärung mit ihrer Unterschrift:
    Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Helmut Brunner, Staatsminister
    Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Ulrike Scharf, Staatsministerin
    Bayerischer Bauernverband Walter Heidl, Präsident
    Arbeitsgemeinschaft der Besamungsstationen in Bayern e. V Adolf Schmid, Vorsitzender
    Bayerische Jungbauernschaft e. V. Martin Baumgärtner, Landesvorsitzender
    Bund Deutscher Milchviehhalter e. V. - Landesverband Bayern Manfred Gilch, Johann Leis, BDM-Landesvorstand
    Fleischprüfring Bayern e. V. Gerhard Stadler, Vorsitzender
    Landesverband Bayerischer Jungzüchter e. V. Florian Götz, 1. Vorstand
    Landesverband Bayerischer Rinderzüchter e. V. Siegfried Schütz, Vorsitzender
    Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft e. V. Bernd Adleff, 1. Vorsitzender
    Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e. V. Uwe Gottwald, Geschäftsführer
    Milchprüfring Bayern e. V. Dr. Christian Baumgartner, Geschäftsführer
    Ringgemeinschaft Bayern e. V. Stephan Neher, 1. Vorsitzender
    Tiergesundheitsdienst Bayern e. V. Dr. Andreas Randt, Geschäftsführer
    PROVIEH - Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung Volker Kwade, stellv. Vorsitzender
    Schweisfurth-Stiftung Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand
    Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Fakultät Land- und Ernährungswirtschaft Prof. Dr. Eggert Schmidt, Tierzucht
    Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Landtechnik, Prozesstechnik, Bauwesen, Verfahrenstechnik Tier Prof. Jörn Stumpenhausen, Studiendekan Wirtschaftsingenieurwesen Agrarmarketing und Management
    Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften Dr. Stephan Schleissing, Geschäftsführer Institut TTN
    Ludwig-Maximilians-Universität München, Tierärztliche Fakultät, Zentrum für klinische Tiermedizin, Klinik für Schweine Prof. Dr. Mathias Ritzmann, Vorstand
    Veterinärwissenschaftliches Department der Tierärztlichen Fakultät Ludwig-Maximilians-Universität München Univ.-Prof. Dr. Dr. Michael Erhard (Lehrstuhlinhaber)
    Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der TU München-Weihenstephan, Lehrstuhl für Tierernährung Prof. Dr. Wilhelm Windisch, Leiter des Lehrstuhls für Tierernährung
    Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern e. V. Hans Koller, Vorsitzender
    Genossenschaftsverband Bayern e. V. Dr. Alexander Büchel, Vorstand,
    Dr. Klaus A. Hein, i. V. Bereichsdirektor
    Brüterei Süd Zertifikatnehmer der Brüterei Weser-Ems GmbH & Co. KG Dr. Josef Bachmeier, Geschäftsführer
    Süddeutsche Truthahn AG Dieter Bockhorn, Vorstand, Georg Kirchmeier, Qualitätsmanagement
    Bergader Privatkäserei GmbH Johann Krautenbacher, Leiter Milchbeschaffung
    Molkerei Meggle Wasserburg GmbH & Co. KG Dipl. Ing. agr. Katharina Huber, Erzeugerberatung
    Verband der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft e. V. Robert Hofmeister, Präsident
    TÖNNIES Holding GmbH & Co. KG c/o A.F.G. Allgäu Fleisch GmbH Gunnar Rohwäder, Manager Landwirtschaft
    UNIFLEISCH GmbH & Co. KG Wolfgang Härtl, Geschäftsführer
    Vion GmbH Dr. Heinz Schweer, Direktor Landwirtschaft
    Verbraucherzentrale Bayern e. V. Marion Breithaupt-Endres, Geschäftsführender Vorstand