Forstpolitik

Waldumbau - zukunftsfähige Strategie für anpassungsfähige und klimatolerante Wälder
Gesucht: Brotbaum Nummer 1 - Die Fichte in Klimawandel und Waldumbau
von Günter Biermayer (ehemals Leiter des Referats "Forschung, Innovation, Waldpädagogik")

Noch dominiert der Fichtenwald in Bayern - Waldumbau hin zu Mischwälder wird dies ändern

Waldumbau mit Buchen: Mischbestände unterschiedlichen Aufbaus und Alters sind klimastabil (Bild: L. Steinacker, LWF) Zoombild vorhanden

Waldumbau mit Buchen
(Foto: L. Steinacker, LWF)

Bayerns Wälder werden im Laufe des 21. Jahrhunderts in vielen Landschaften durch den notwendigen Waldumbau ihr Gesicht verändern. Noch ist die Fichte ist die häufigste Baumart in den Wäldern Bayerns. Doch für anpassungsfähige und klimatolerante Wälder braucht es mehr als einen Brotbaum. Der Weg über den Waldumbau für jeden über die Aufgabe, rechtzeitig für sich eine zukunftsfähige Waldumbau-Strategie zu entwickeln.

Dass die bayerische Forstwirtschaft im deutschen und europäischen Vergleich wirtschaftlich gut dasteht, liegt nicht zuletzt am zuwachsstarken Fichtenwald.
Kein Wunder, dass Waldbesitzer und Vertreter der Holzwirtschaft immer wieder mahnen, auch beim Waldumbau mit Augenmaß vorzugehen, nicht von einem Extrem ins andere zu fallen und auf jeden Fall weiter mindestens 50 Prozent Fichte anzubauen. Das ist wegen der aus der Vergangenheit gewohnten, günstigen Eigenschaften der Fichte als Wirtschaftsbaumart zwar verständlich, aber nur mit Blick in den Rückspiegel lässt sich schlecht in die Zukunft fahren.

Es gibt kein "Weiter so!" - Waldumbau ist das Gebot der Stunde

In einigen bayerischen Landschaften profitierte die Forstwirtschaft mit Fichte auf natürlichen Buchenstandorten sehr von der optimalen Kombination von ausreichend Niederschlägen, noch passenden Durchschnittstemperaturen und nährstoffreichen, wasserspeichernden Böden.
Unter diesen Verhältnissen war die Fichte keine Katastrophenbaumart, als die sie oft verteufelt wurde. Bei guter Pflege bot ein Mischwald mit dominierender Fichte in Süd- und Ostbayern beste Chancen für eine ökonomisch, ökologisch und sozial wirklich nachhaltige, ertragreiche Forstwirtschaft. Hier konnte die Fichte unbestritten Brotbaum der Forstwirtschaft sein.

Sie wird es für die bayerische Holz- und Forstwirtschaft auch noch lange bleiben, denn auch bei einem jetzt beginnenden verstärkten Waldumbau prägt der die jetzt vorhandene Wald mit dominierender Fichte die Holzernte in Bayern noch für Jahrzehnte.
Bei der Verjüngung sollten die Waldbesitzer den Waldumbau als notwendige Anpassungsmassnahme an den Klimawandel stets im Auge behalten. Wächst auch auf vielen Standorten schon bei schwacher Auflichtung Fichten-Naturverjüngung, so sind wir gut beraten, wenn wir uns davon nicht blenden lassen: Wo heute Fichten-Sämlinge und Jungpflanzen ankommen, wachsen in einigen Jahrzehnten nicht unbedingt vitale Fichtenwälder.

Niemand kennt die Zukunft genau - mit und ohne Waldumbau

Prognosen und Szenarien gaukeln uns manchmal etwas anderes vor, aber jeder von uns weiß, dass alle Vorhersagen ungewiss sind. Das bedeutet aber nicht, dass der Waldumbau Unsicherheiten nicht berücksichtigen sollte. Ganz im Gegenteil: Im Wald haben wir die Chance, die Zukunft mit einem fachgerechten Waldumbau zu gestalten. Wir brauchen für den Waldumbau allerdings mehr nur als einen Brotbaum allein, und sollten folgende Aspekte beherzigen:
  • Mit vielfältig aufgebauten Wäldern endet die Waldwirtschaft auch bei veränderten Lebensbedingungen nicht im Desaster. Bestehender oder durch Waldumbau begründeter Mischwald mit unterschiedlichem Aufbau und Alter der Bäume und mit Verjüngungsvorräten unter Schirm hat ein hohes Selbstheilungsvermögen bei schadensbedingten Störungen und im Klimawandel. Auch bei Kalamitäten entstehen keine großen Kahlflächen.
  • Erst der Verzicht, nicht alles auf eine Karte zu setzen, macht die Forstwirtschaft zum Vorbild für wirklich nachhaltiges Wirtschaften. Nur Mischwälder und ein zielgerichteter Waldumbau mit auch noch in Zukunft standortgerechten Gastbaumarten, bringen Ökonomie, Ökologie und soziale Aspekte ins Gleichgewicht.
  • Waldumbau ist die Vision für die Forstwirtschaft in unserem Land mit Wald, der naturnah und pfleglich bewirtschaftet wird und nicht Holzacker ist in Plantagenform, kaschiert mit ein paar Total-Reservaten. Nachhaltig bewirtschafteter Wald ist dauerhafte Grundlage für eine wettbewerbsfähige Forstwirtschaft und Holzwirtschaft aus eigenverantwortlichen Besitzern und am Markt überlebensfähigen Unternehmern.

Waldumbau oder nicht - eine Zeitreise ist möglich

Es ist verständlich, dass skeptische Waldbesitzer ungern Abschied nehmen vom Brotbaum Fichte.
Eine Zeitreise würde die künftige Entwicklung der Wälder überzeugend zeigen und eine solche Zeitreise ist möglich. Wer mit eigenen Augen sehen will, wie Fichtenwald ohne Waldumbau auf fruchtbaren Böden mit Niederschlägen und Temperaturen zurechtkommt, die uns Szenarien in 70 oder 80 Jahren vorhersagen, braucht Bayern nicht zu verlassen. An der Grenze zu Hessen am Anstieg zum Odenwald existieren solche Verhältnisse schon.
Dort gibt es auch Fichten, die nicht schlecht wachsen. Auf Normalstandorten halten sie aber nur als Zeitmischung aus. Als langlebige Mischbaumart brauchen sie beste sehr frische Standorte an Unterhängen und in Tälern und erreichen so im Wald nur Anteile von insgesamt 10 bis 20 Prozent.
Die "Zeitreise" zeigt, es gibt keine Alternative zum aktiven Waldumbau unserer Wirtschaftswälder in klimatolerantere Mischwälder.

Waldbau und Waldumbau ist Klimaschutz

Jeder Waldbauer muss sich heute in einer unsicheren Erkenntnislage entscheiden: Wartet er bis die letzten Unsicherheiten abschließend geklärt sind und verliert wertvolle Zeit oder riskiert er mögliche Fehlentscheidungen, wenn er in seinen Wald den Waldumbau sofort anpackt. Sinnvoll erscheint in der aktuellen Situation, anstatt einfach abzuwarten und seinen Wald dem Zufall zu überlassen, mit klugem Waldumbau vorzubeugen ohne radikale Maßnahmen anzustreben.
Mit Mischwald nutzen Waldbesitzer die standörtliche Vielfalt und steuern den künftigen Waldaufbau auf der Basis von Risikoeinschätzungen. Die Försterinnen und Förster an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützen und beraten die Waldbesitzer kompetent, kostenfrei und objektiv beim Waldumbau, unter anderem mit Hilfe von neuen Karten, die verschiedene Szenarien aufzeigen abhängig von den individuellen Verhältnissen vor Ort.

Angepasste Wildbestände - Waldumbau für klimastabile Wälder

Ein wichtiger Erfolgsfaktor für den Waldumbau sind angepasste Schalenwildbestände, so dass alle geeigneten Baumarten ohne Schutzmaßnahmen aufwachsen können. Messlatte für den Erfolg ist nur das erfolgreiche Aufwachsen von Buchen, Edellaubbäumen, Tannen und Eichen. Gerade die relativ klimatolerante und leistungsfähige Tanne ist eine wichtige Nadelbaumart der Zukunft. Im Waldumbau sollte sich die künstliche Verjüngung, wie Pflanzung oder Saat, auf im Altholz fehlende Baumarten beschränken können.
Um heute für kommende Generationen klimastabile Wälder zu erziehen, sollten alle Waldbesitzer als Jagdgenossen ihre Jagdpächter als Partner für den Waldumbau in die Pflicht nehmen.

Einen Korb voller Brotbäume

Die Kompetenz und die Aufgabe der Mitarbeiter der Bayerischen Forstverwaltung ist es, Möglichkeiten und Grenzen eines sinnvollen Baumarten-Portfolios der Zukunft aufzuzeigen und die Waldbesitzer bei der Entscheidung zum Waldumbau nach ihren individuellen Bedürfnissen mit Beratung zu unterstützen.

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