Jäger mit Fernglas (Foto: Lara Nachtigall)

Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung

Försterin mit Laptop begutachtet markierte, junge Fichte. (Foto: Florian Stahl, LWF)Zoombild vorhanden

Foto: Florian Stahl

Die Bayerische Forstverwaltung erstellt alle drei Jahre für die rund 750 bayerischen Hegegemeinschaften Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung (kurz auch Vegetationsgutachten genannt).

In den Gutachten werden die Situation der Waldverjüngung sowie ihre Beeinflussung durch Schalenwild bewertet und Abschussempfehlungen abgegeben. Die Forstlichen Gutachten sind für die Beteiligten ein wichtiges Hilfsmittel bei der Abschussplanung für Schalenwild. Das Verfahren der Forstlichen Gutachten gibt es seit 1986.

Forstliche Gutachten 2018

Ergebnisse

Der Anteil der Laubbäume in der Verjüngung hat sich in den letzten 27 Jahren von rund 39 % im Jahr 1991 auf rund 51 % im Jahr 2018 erhöht. Der Anteil der Nadelbäume ist entsprechend von 61 % auf rund 49 % zurückgegangen.

Insgesamt liegt die Verbisssbelastung der jungen Bäume etwas über der von 2015. Der wichtigste Weiser für den Schalenwildeinfluss auf die Waldverjüngung ist der Anteil der Pflanzen mit Leittriebverbiss. Bei 3 % der Fichten (2015: 2 %), 13 % der Tannen (2015: 12 %), 5 % der Kiefern (2015: 4 %), 13 % der Buchen (2015: 12 %), 26 % der Eichen (2015: 24 %) und 22 % der Edellaubbäume (2015: 21 %) waren die Leittriebe vom Schalenwild frisch verbissen.

In 53 % der Hegegemeinschaften können sich standortgemäße Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen gegen Schalenwild erfolgreich verjüngen.

Revierweise Aussagen – eines der wichtigsten Instrumente zur Beteiligung der Waldbesitzer und Jäger – stoßen auf der Fläche auf große Akzeptanz und wurden für rund 7.500 der 12.700 Jagdreviere in Bayern angefertigt.

Hintergründe

Jäger und Förster bei Inventuraufnahmen zum Forstlichen Gutachten im Wald (Foto: T. Bosch, LWF)Zoombild vorhanden

Foto: Tobias Bosch, LWF

Die Bayerische Forstverwaltung hat im Jahr 2018 zum zwölften Mal seit 1986 für die rund 750 Hegegemeinschaften in Bayern die Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung erstellt.

In den Gutachten äußern sich die Forstbehörden zum Zustand der Waldverjüngung und ihre Beeinflussung durch Schalenwildverbiss und Fegeschäden. Sie beurteilen die Verbisssituation in den Hegegemeinschaften und geben Empfehlungen zur künftigen Abschusshöhe ab.

Die Forstlichen Gutachten 2018 sollen die Beteiligten vor Ort in die Lage versetzen, für die Schalenwild-Abschussplanperiode 2019/22 einvernehmlich gesetzeskonforme Abschusspläne aufzustellen. Für die unteren Jagdbehörden stellen sie eine wichtige Entscheidungsgrundlage bei der behördlichen Abschussplanung dar.

Faltblatt zum Forstlichen Gutachten 2018 (Bestellportal - Bayerischen Staatsregierung) Externer Link

Anweisung

Aktivierung erforderlich

Durch das Klicken auf diesen Text werden in Zukunft Youtube-Videos im gesamten Internetauftritt eingeblendet.
Aus Datenschutzgründen weisen wir darauf hin, dass nach der dauerhaften Aktivierung Daten an YouTube übermittelt werden.
Auf unserer Seite zum Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und können diese Aktivierung wieder rückgängig machen.

Evaluation des weiterentwickelten Forstlichen Gutachtens zur Situation der Waldverjüngung 2012

Mitarbeiter der Bayerischen Forstverwaltung untersuchen junge Tannen am Waldboden.Zoombild vorhanden

Gemeinsame Aufnahme der Verjüngungsfläche (Foto: T. Bosch)

Im Jahre 2011 wurde durch den damaligen Forstminister Helmut Brunner eine Weiterentwicklung des Forstlichen Gutachtens in Form eines 10-Punkte-Programms vorgestellt. Die zehn Punkte sollen die Aussagekraft und die Transparenz des Forstlichen Gutachtens verbessern sowie die Eigenverantwortung der Beteiligten vor Ort stärken und ein vertrauensvolles Miteinander fördern.

Weiterentwickeltes Forstliches Gutachten pdf 5,3 MB    ReadSpeaker Dokument vorlesen

Durch ein Projekt der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) wurde die Wirksamkeit und Akzeptanz der Weiterentwicklung untersucht.

Die Ergebnisse dieses Prokjektes finden Sie hier... Externer Link

Gesetzliche Grundlagen

Gesetzliche Grundlage für die Erstellung der Forstlichen Gutachten ist der Artikel 32 Abs. 1 des Bayerischen Jagdgesetzes (BayJG):

  • "Bei der Abschussplanung ist neben der körperlichen Verfassung des Wildes vorrangig der Zustand der Vegetation, insbesondere der Waldverjüngung zu berücksichtigen. Den zuständigen Forstbehörden ist vorher Gelegenheit zu geben, sich auf der Grundlage eines forstlichen Gutachtens über eingetretene Wildschäden an forstlich genutzten Grundstücken zu äußern und ihre Auffassung zur Situation der Waldverjüngung darzulegen."

Wesentlicher Maßstab bei der Bewertung der Verjüngungssituation sind der im Waldgesetz für Bayern (BayWaldG) formulierte Grundsatz "Wald vor Wild" und das sogenannte "Waldverjüngungsziel" des Bayerischen Jagdgesetzes:

  • "Dieses Gesetz soll insbesondere dazu dienen, einen standortsgemäßen und möglichst naturnahen Zustand des Waldes unter Berücksichtigung des Grundsatzes "Wald vor Wild" zu bewahren oder herzustellen." (Art. 1 Abs. 2 Nr. 2 BayWaldG)
  • "Die Bejagung soll insbesondere die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen." (Art. 1 Abs. 2 Nr. 3 BayJG)

Erstellung der Forstlichen Gutachten

Die Forstlichen Gutachten werden mit folgendem Ablauf erstellt:

  • Vor dem Beginn der Vegetationsperiode im Frühjahr wird auf über 25.000 systematisch ausgewählten Waldverjüngungsflächen eine Inventur zur Verjüngungssituation durchgeführt. Die Jagdgenossen und Jäger können an den Inventuraufnahmen teilnehmen, um sich direkt vor Ort ein Bild zu verschaffen.
  • Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) wertet die Inventurdaten aus und leitet die Ergebnisse an die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten weiter.
  • Die Ämter stellen die Inventurergebnisse vorab den betroffenen Jagdvorständen, Eigenjagdbesitzern und Revierinhabern zur Verfügung, die dazu Stellung nehmen können.
  • Auf Basis der Ergebnisse der statistisch abgesicherten Verjüngungsinventur, der Stellungnahmen der Beteiligten und anderer Erkenntnisse, wie zum Beispiel aus ergänzenden Revierweisen Aussagen, gemeinsamen Revierbegängen oder Weiserflächen, werden dann von den Forstfachleuten die Forstlichen Gutachten erstellt. In den Gutachten wird u.a. die Verbisssituation in der Hegegemeinschaft in vier Stufen bewertet ("günstig", "tragbar", "zu hoch" oder "deutlich zu hoch") und eine Abschussempfehlung abgegeben ("deutlich senken", "senken", "beibehalten", "erhöhen" oder "deutlich erhöhen").
  • Die Beteiligten erhalten dann im Herbst das Forstliche Gutachten für die jeweiligen Hegegemeinschaften, um auf einer fundierten Basis die Drei-Jahres-Abschussplanung im kommenden Frühjahr durchführen zu können.

Frühere Gutachten

Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2015
Im Jahr 2015 hat sich der bayernweite Anteil der durch Rehe, Hirsche und Gämsen verbissenen Waldbäume auf dem Niveau von 2012 stabilisiert. Bei Nadelbäumen ist er von vier auf drei Prozent zurückgegangen, bei Laubbäumen liegt er konstant bei 18 Prozent.
Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2012
Die Forstlichen Gutachten 2012 zeigen, dass sich die Waldverjüngung in Bayern insgesamt auf einem guten Weg hin zu stabilen Mischwäldern befindet. In den letzten 20 Jahren haben sich die Anteile der Laubbäume und der Tanne in der Verjüngung spürbar erhöht. Die Verbisssituation hat sich bayernweit nach 2009 ein weiteres Mal verbessert.
Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2009
Gegenüber 2006 hat sich im Jahr 2009 die Verbisssituation in Bayern wieder verbessert. Bayernweit ist der Anteil abgebissener Leittriebe bei Nadelbäumen von acht auf sechs Prozent zurückgegangen, bei Laubbäumen von 28 auf 24 Prozent.

Forstliche Gutachten 2009 pdf 9,4 MB    ReadSpeaker Dokument vorlesen

Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2006
Der Verbiss an jungen Waldbäumen durch Schalenwild hatte im Jahr 2006 nach dem Rückgang in den letzten Jahren wieder zugenommen. Bayernweit war gegenüber 2003 der Anteil abgefressener Leittriebe bei Nadelbäumen von fünf auf acht Prozent gestiegen, bei Laubbäumen von 22 auf 28 Prozent.

Forstliche Gutachten 2006 pdf 7,6 MB    ReadSpeaker Dokument vorlesen

Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2003
Zum siebten Mal seit 1986 wurden im Jahr 2003 die Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung erstellt. Der durchschnittliche Leittriebverbiss lag bei den Nadelbäumen bei fünf Prozent, bei den Laubbäumen bei 22 Prozent.

Forstliche Gutachten 2003 pdf 7,6 MB    ReadSpeaker Dokument vorlesen

Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2000
Im Jahr 2000 wurden die Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung zum sechsten Mal erstellt. Gegenüber 1997 hatte sich der durchschnittliche Leittriebverbiss bei allen Baumarten von 17 auf 14 Prozent und bei den Laubbäumen von 29 auf 23 Prozent verringert.

Forstliche Gutachten 2000 pdf 1,7 MB    ReadSpeaker Dokument vorlesen

Weitere Informationen