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Mischbaumart mit Potential für den Klimawandel
Winterlinde - Baum des Jahres 2016

Lindenblüten (Foto: Jan-Philipp Egner)Zoombild vorhanden

Lindenblüten waren bereits im Mittelalter als Heilmittel bekannt
(Foto: Jan-Philipp Egner)

Die Winterlinde (Tilia cordata) ist der Baum des Jahres 2016. Sie ist die kleine Schwester unserer beiden Lindenarten. Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) war bereits 1991 Baum des Jahres.

In der Forstwirtschaft ist die Linde eine geschätzte Mischbaumart. Sie wird oft als "dienende Baumart" unter Eichen gepflanzt, um deren Stämme zu beschatten und somit das schnellere Absterben der unteren Äste zu fördern. Dies führt zu einer besseren Holzqualität.

Wegen ihres relativ geringen Risikos gegenüber Trockenheit und höheren Temperaturen wird die Winterlinde im Rahmen des Waldumbaus zur Anpassung an den Klimawandel weiter an Bedeutung gewinnen.

Der Rindenbast der Linde wurde früher für Schnüre, Kleidung, Taschen und Schuhe verwendet.

Linden hatten für die Bevölkerung in früherer Zeit eine sehr hohe Bedeutung als Gerichts- oder Tanzlinde.

Dank der Herzform der Blätter wurde die Linde in der Vergangenheit und Mythologie zum Baum der Liebe und der Liebenden erkoren.

Auch heute begegnet man in Ortschaften noch vielen alten Dorflinden oder in der Feldflur als Grenzbäume.

Lindenblüten waren bereits im Mittelalter als Heilmittel bekannt. In der modernen Arzneimittelgeschichte sind sie in europäischen Arzneibüchern als offizielles Heilmittel "Flores Tilae" aufgenommen und anerkannt.

Lindenblütentee hilft z. B. gegen Fieber, Erkältung oder Husten. Er kann aber auch zur Stärkung des Kreislaufes verabreicht werden.

Auch Blättern, Rinde und Bast der Winterlinde wird eine heilende Wirkung nachgesagt.

Vorherige Nächste
Die Winterlinde ist eine typische Mischbaumart, die Schatten gut verträgt. Sie gewinnt überall dort an Raum, wo die Buche in ihrer Konkurrenzkraft geschwächt ist, wie beispielsweise in trockenen Eichen-Hainbuchen-Wäldern sowie in der Hartholzaue. Des Weiteren wird die Winterlinde in Wäldern wegen ihres sich rasch zersetzenden Laubes geschätzt, was sie zu einer der bodenpfleglichsten Baumarten macht.
Lindenholz ist sehr weich und leicht. Es splittert nicht während der Bearbeitung: Deswegen ist es bestens zum Schnitzen und für die Bildhauerei geeignet. Auch im Tischlerhandwerk ist Lindenholz ein geschätzter Werkstoff. Aus dem Holz der Linde werden auch Bleistifte hergestellt. Der Rindenbast der Linde wurde früher für Schnüre, Kleidung, Taschen und Schuhe verwendet.
Linden hatten für die Bevölkerung in früherer Zeit eine sehr hohe Bedeutung als Gerichts- oder Tanzlinde. Auch heute begegnet man in Ortschaften noch vielen alten Dorflinden oder in der Feldflur als Grenzbäume. Dank der Herzform der Blätter wurde die Linde in der Vergangenheit und Mythologie zum Baum der Liebe und der Liebenden erkoren.

Verbreitung und Standortsansprüche

Verbreitung
Die Winterlinde ist in Europa weit verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Mittel- nach Nord- und Osteuropa und reicht im Osten bis zum Ural und dem Schwarzen Meer. Sie kommt vorwiegend in den Mittelgebirgen vor. Im nördlichen Tiefland ist sie seltener.
Standortsansprüche
Die Winterlinde bevorzugt lockere, frische und tiefgründige Böden, insbesondere nährstoffreiche, kalkhaltige Lehm- oder Sandböden. Sie ist weniger wärmebedürftig als die Sommerlinde.

Steckbrief

Früchte

  • kleine gestielte Nüsschen
  • Windverbreitung bis zu 150 Meter durch längliches Tragblatt am Blütenstand
  • bleiben bis in den Winter hinein am Baum hängen
  • dienen Vögeln und Kleinsäugern als Nahrung

Habitus

  • im Durchschnitt 25 bis 35 Meter hoch
  • Im Freistand: Breite Kronen bei geringer Baumhöhe von bis zu 20 Metern

Blätter

  • herzförmig
  • goldgelbe Herbstfärbung
  • rostrote Haarbüschelchen auf der ansonsten glatten Blattunterseite ("Achselbärte")

Blüte

  • erste Blüte im Alter von ca. 20 Jahren; danach fast jährlich
  • Blüten stehen zu 5-12 in sogenannten "Trugdolden" zusammen
  • öffnen sich erst Anfang Juli (relativ spät im Jahresverlauf)
  • bis zu 60.000 Blüten je Baum
  • intensiver Duft
  • große Bedeutung für Bienen und Hummeln wegen starker Tracht und später Blüte

Rinde

  • in jungen Jahren glatt
  • später ausgeprägte und lebhafte Netzborke

Wurzel

  • tiefgehendes Herzwurzelsystem
  • neigt auf schlecht durchlüfteten Böden zur Verflachung mit Ausbildung von Senkerwurzeln
  • insgesamt relativ stabil gegen Sturmwurf
  • Besonderheit: Bildung dicker Innenwurzeln im Stamm von oft beeindruckender Stärke; treten in Erscheinung, wenn der Stamm aufreißt oder hohl wird.

Unterscheidungsmerkmale zwischen Winter- und Sommerlinde

Winterlinde Sommerlinde
Blattunterseite in den Nervenwinkeln rostrot-bärtig, +/- glatt weißbärtig, Nerven hervortretend
Knospenschuppen 2 (selten 3) 3 (selten 2)
Blüten/Früchte je Blütenstand 5 bis 12 2 bis 5
Reife Früchte glatt, zerdrückbar mit Längsrippen, steinhart
Jahrestriebe und Blattstiele kahl behaart
Austrieb und Blüte Ende Juni bis Anfang Juli ca. zwei Wochen früher

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