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Wälder pflegen, Vielfalt bewahren
Nachhaltige Forstwirtschaft in BY

Unsere Wälder in Bayern sind in einem guten Zustand. In früheren Jahrhunderten oftmals ausgeplündert und streugenutzt, haben sie sich vor allem aufgrund einer nachhaltigen Bewirtschaftung durch ihre Besitzer bis in unsere Zeit zu leistungsstarken und naturnahen Wäldern entwickelt.

Laubwald im SommerZoombild vorhanden

Spessart im Naturwaldreservat Eichhall (Foto: Tobias Bosch)

Die Holzvorräte wachsen seit Jahrzehnten an und übertreffen im Freistaat, sowohl flächenbezogen als auch absolut, die aller anderen Bundesländer (BWI2). Systematisch wurden und werden anfällige Nadelholzreinbestände in stabile Mischwälder überführt. Die Vorsorge vor dem Klimawandel, eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen, verleiht dem zusätzlichen Schub. Es ist unser Ziel, durch Beratung und Förderung die bayerischen Waldbesitzer so zu unterstützen, dass bis 2020 alleine im Privat- und Körperschaftswald 100.000 Hektar in klimastabile, gemischte Wälder umgebaut werden. Vielfältige Ansprüche der Gesellschaft müssen dabei berücksichtigt werden: Für Erholung und Gesundheit spielen unsere Wälder eine wichtige Rolle, sie schützen vor Lawinen und Steinschlag, liefern sauberes Trinkwasser und bieten Tieren und Pflanzen Lebensraum. Gleichzeitig stellen sie den nachwachsenden Rohstoff Holz bereit und sind damit Grundlage für Arbeitsplätze und Wertschöpfung vor allem im ländlichen Raum. Die Verknappung fossiler Energieträger und die notwendige Umstellung auf klimaneutrale, erneuerbare Energien macht Holz als heimische Ressource für eine nachhaltige Zukunft unverzichtbar.

Der Schlüssel, um stabile, vielfältige und leistungsfähige Wälder aufzubauen und zu bewahren, ihre Funktionen zu sichern und ihre Chancen für Klima, Energie und ländliche Räume zu erschließen, liegt nicht darin, sie nach pauschalen Flächenvorgaben still zu legen. Er liegt in ihrer nachhaltigen Pflege und Bewirtschaftung!

Warum lehnt Bayern die Stilllegungsziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie ab?

Liegender Totholzstamm im WaldZoombild vorhanden

Totholz im Buchenwald (Foto: Tobias Bosch)

In der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) ist das Ziel formuliert, 5% der gesamten Waldfläche und 10% der öffentlichen Wälder nicht mehr zu nutzen und der natürlichen Entwicklung zu überlassen. Dies wären in Bayern rund 125.000 ha Wald, davon rd. 100.000 ha im öffentlichen Wald.

Bayern hat eine klare Position: Die optimale Lösung im dicht besiedelten Mitteleuropa sind multifunktionale Wälder, die auf ganzer Fläche naturnah und nachhaltig bewirtschaftet werden, ergänzt durch gezielte Arten- und Biotopschutzmaßnahmen wie die Erhaltung von Totholz und Biotopbäumen, sowie die Einrichtung von Naturwaldreservaten (Integrationsmodell). Ein Segregationsmodell mit pauschalen, fachlich nicht hinterlegten Stilllegungsprozenten lehnt Bayern ab.

Ist Bayern verpflichtet, die Nationale Biodiversitätsstrategie zu befolgen?

Nein, die 2007 von der Bundesregierung – ohne Beteiligung der Länder – beschlossene „Nationale Biodiversitätsstrategie“ ist keine Rechtsvorschrift und damit auch für Bayern nicht verbindlich. Zur Umsetzung der Biodiversitätsziele hat der Bayerische Ministerrat am 1. April 2008 eine eigene Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt (Bayerische Biodiversitätsstrategie) beschlossen. Diese sieht keine pauschale Flächenstilllegung vor sondern verfolgt vielmehr den integrativen Ansatz zum Schutz der Biodiversität. Sie ist nachzulesen unter:

Stimmt diese Haltung mit dem Waldgesetz für Bayern überein?

Ja, denn in Art. 1 Absatz 1 des Waldgesetzes für Bayern (BayWaldG) heißt es:

Der Wald hat besondere Bedeutung für den Schutz von Klima, Wasser, Luft und Boden, Tieren und Pflanzen, für die Landschaft und den Naturhaushalt. Er ist wesentlicher Teil der natürlichen Lebensgrundlage und hat landeskulturelle, wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Aufgaben zu erfüllen. Der Wald ist deshalb nachhaltig zu bewirtschaften, um diese Leistungen für das Wohl der Allgemeinheit dauerhaft erbringen zu können.

Der solchermaßen klar beschriebene integrative Ansatz für die Waldbewirtschaftung ist waldgesetzlicher Auftrag in Bayern und Vorgabe für die bayerische Forstwirtschaft.

Was zeichnet eine naturnahe Forstwirtschaft aus?

Eine nachhaltige und naturnahe Nutzung des Waldes und die Erhaltung eines intakten Naturhaushaltes schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander. Wie in kaum einem anderen Wirtschaftszweig kann in der Forstwirtschaft das natürliche Potenzial so schonend und im umfassenden Sinne nachhaltig genutzt werden, dass es auch für folgende Generationen ungeschmälert erhalten bleibt.

„Im Einklang mit der Natur wirtschaften“ gilt deshalb als Leitprinzip der bayerischen Forstwirtschaft. Es bietet am besten Gewähr dafür, dass der Wald gesund, stabil und leistungsfähig erhalten wird und seine Funktionen erfüllen kann. Dies dient dem Wohle des Waldes, der Gesellschaft und des Waldbesitzers gleichermaßen.

Die wichtigsten Elemente einer naturnahen Forstwirtschaft sind im Waldgesetz für Bayern (BayWaldG) verankert. Sie lauten wie folgt:

Vermeidung von Kahlhieben

Der Schirm des Altbestandes bietet jungen Pflanzen Schutz vor Witterungseinflüssen. Durch die sukzessive Entnahme hiebsreifer, alter Bäume kann die Entwicklung der nachwachsenden Generation gefördert werden. Dies eröffnet außerdem die Möglichkeit zur Naturverjüngung, die das Potential vorhandener standortgerechter Altbestände ausnutzt. Langfristige und kleinflächige Verjüngungsverfahren sichern den Strukturreichtum und erhöhen die Artenvielfalt der Wälder. Wichtige Voraussetzung für die natürliche Verjüngung der standortsgemäßen Baumarten sind angepasste Wildbestände nach dem Grundsatz „Wald vor Wild“.

Standortgemäße Mischwälder und Waldumbau

Mit der Erhaltung und Schaffung von standortgemäßen Wäldern können alle wichtigen Funktionen der Wälder auf ganzer Fläche erfüllt werden. Risikoreiche, also z. B. für Stürme und Schädlingsbefall besonders anfällige Nadelholzbestände werden in klimatolerantere Mischwälder umgebaut, um deren Stabilität zu erhöhen. Wichtig ist dabei die angemessene Beteiligung von Baumarten der natürlichen Waldgesellschaften.

Stärkung von Stabilität und Leistungsfähigkeit

Zielgerichtete und schonende Waldpflege nutzt die natürlichen Steuerungskräfte im Wald. Sie erhöht die Stabilität der Wälder gegen biotische und abiotische Risiken und fördert die Klimatoleranz, den Strukturreichtum und die Vielfalt der Wälder (Mischung, Alter, Stufigkeit und seltene Baumarten). Sie gewährleistet darüber hinaus die Produktion von wertvollem und hochwertigem Holz.

Waldschutz durch biologische Maßnahmen

Standortsgerechte Baumarten, gemischte Wälder, naturnahe Verjüngungs- und Pflegeverfahren sowie die Erhaltung und Schaffung von Lebensräumen für vielfältige Lebensgemeinschaften erhöhen die Widerstandskraft der Wälder. Durch Anwendung der Prinzipien des integrierten Pflanzenschutzes kann der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln weitestgehend vermieden werden.

Boden- und bestandsschonende Holzernte

Die Ernte von Holz in den Wäldern erfolgt so, dass weder der Boden noch die Waldbestände in ihrer Funktionsfähigkeit als wichtige natürliche Ressource und Produktionskapital geschädigt werden. Waldwege sind notwendige Voraussetzung für eine schonende Bewirtschaftung des Waldes. Systematische Feinerschließung reduziert Bodenschäden bei der Holzernte. Sachgerechte Planung und Bauausführung hilft Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu vermeiden. Die Biomassenutzung in Wäldern orientiert sich an den standörtlichen Voraussetzungen.

Biologische Vielfalt

Gezielte Maßnahmen für den Arten- und Biotopschutz, die Pflege seltener Waldtypen, die Erhaltung und Anlage strukturreicher Waldränder, das Belassen von Totholz und Biotopbäumen sowie die Förderung seltener Baum- und Straucharten sichern und verbessern waldtypische Lebensräume und Lebensgemeinschaften.

Die ökologisch wertvollen Wälder in Bayern sind Ergebnis einer naturnahen Waldbewirtschaftung über Generationen von Waldbesitzern und Forstleuten und damit Bestätigung für den integrativen Weg der bayerischen Forstwirtschaft.

Wäre die Einstellung der Holznutzung der bessere Beitrag für den Klimaschutz?

Nein! Zwar ist richtig, dass vor allem junge Wälder, wenn man sie aus der Nutzung nimmt, noch einiges an Kohlenstoff im zuwachsenden Holz speichern können und damit klimaschädliches CO2 aus der Luft nehmen. Dies pendelt sich jedoch langfristig in einem Gleichgewicht ein, das System nimmt dann kein zusätzliches CO2 mehr auf. Bei alten Wäldern ist der verbleibende „Speicherplatz“ im Falle der Einstellung der Nutzung deshalb deutlich geringer.

Anders der genutzte Wald: Hier wird zusätzlich zur Festlegung im wachsenden Waldbestand auch noch langfristig CO2 im nachhaltig geernteten und verbauten Holz festgelegt. Energieintensive Bau- und Werkstoffe werden substituiert. Der nachhaltig genutzte Wald ist in Verbindung mit intelligenter Holzverwendung dem stillgelegten Wald deshalb auf lange Sicht bezüglich der CO2- und Klimawirkung immer überlegen.

Zusätzlich ist zu bedenken, dass der Bedarf am umweltfreundlichen Rohstoff Holz bei Einstellung der naturnahen Nutzung in heimischen Waldgebieten in wachsenden Anteilen durch Importe gedeckt werden müsste – möglicherweise aus Regionen mit geringerem Nachhaltigkeitsanspruch der dortigen Forstwirtschaft und höherem Energieaufwand und CO2-Ausstoß beim Ferntransport.

Wie würden sich großflächige Stilllegungen auf die Holzversorgung auswirken?

Im Wald aufgereihte Baumstämme.Zoombild vorhanden

Wertvolles Eichenstammholz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung (Foto StMELF)

Die Forst- und Holzwirtschaft ist wirtschafts- und gesellschaftspolitisch eine der wichtigsten Branchen im Freistaat Bayern. Der Umsatz des Clusters Forst und Holz liegt bei jährlich über 37 Milliarden Euro (2009). Rund 190.000 Menschen in Bayern finden derzeit in der Forst- und Holzwirtschaft ihren Arbeitsplatz. Das ist deutlich mehr als zum Beispiel in der Bayerischen Metallindustrie oder in der Chemiebranche.

Der Großteil der Arbeitsplätze liegt im ländlichen Raum. Dem Cluster Forst und Holz kommt deshalb dort eine ganz besondere Schlüsselrolle zu.
Ziel der Cluster-Initiative Forst und Holz Bayern, die im Jahre 2006 von der Bayerischen Staatsregierung ins Leben gerufen wurde, ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit aller Unternehmen der gesamten Forst- und Holzwirtschaft und damit die Sicherung und der weitere Ausbau der Arbeitsplätze.

Die innovative Verwendung von Holz beim Neubau, Bauen im Bestand und bei der Dämmung von Gebäuden spielt eine wichtige Rolle im Klimaschutz und bei der Energiewende in Bayern.
Eine großräumige Flächenstilllegung von Wäldern würde die ausreichende Versorgung der Branche mit dem Rohstoff Holz gefährden, die positiven Trends in der Holzverwendung unterlaufen und die Rohstoffversorgung der Menschen in Bayern gefährden. Sie wäre damit – gerade auch in Zeiten von Energiewende und Klimaschutz – das völlig falsche Signal.

Verweigert der Freistaat Bayern die Herausgabe von Daten?

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen führt im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) eine Erhebung von ungenutzten Waldflächen in Deutschland durch. Damit soll sondiert werden, wo Deutschland in puncto Stilllegung von Wäldern im Sinne der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) gegenwärtig steht. Da pauschale Stilllegungen für Bayern kein Ziel sind (siehe oben), hat es von hier aus keine Beteiligung an dem Projekt gegeben. Unabhängig davon sind die vorliegenden Informationen über geschützte Waldbestände in Bayern mehrfach veröffentlicht.

Um dem Interesse an den besonders alten Wäldern („Klasse 1-Wälder“ nach Naturschutzkonzept der BaySF) im Staatswald Rechnung zu tragen, führen die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) gegenwärtig dazu eine Erhebung in den Betrieben durch, für die das Naturschutzkonzept schon fertiggestellt ist. Anschließend wird dem Bayerischen Landtag darüber berichtet.

Wie entwickeln sich die Buchenwälder in Bayern?

Die Buche ist die Gewinnerin des Waldumbaus durch konsequente, jahrzehntelange naturnahe Forstwirtschaft in Bayern. Zwischen Bundeswaldinventur I und II, also zwischen 1987 und 2002, hat ihre Fläche in Bayern bereits um 51.000 Hektar zugenommen. Sie wird weiter anwachsen. So hatte die Buche in der Vorausverjüngung unter dem Schirm des Altbestandes nach BWI² bereits einen Anteil von 22 %. Zum Vergleich: Der Anteil der Buche an Bayerns Wäldern beträgt 12,4 %. Das bedeutet, dass die Buche auch Flächen erobert, die bisher mit anderen Baumarten bestockt waren. Hierin werden die Bemühungen um den aktiven Umbau von Nadelholzbeständen hin zu stabilen Laub- und Mischbeständen sichtbar.

Das Durchschnittsalter steigt dabei an, das heißt Buchenwälder können in Bayern alt werden. Die Fläche der über 160 Jahre alten Buchenbestände hat sich z.B. zwischen 1987 und 2002 mehr als verdoppelt.

Mehr als verdoppelt haben sich auch die Buchenholzvorräte in den Wäldern Bayerns. Das betrifft auch die besonders dicken Buchen. Im Durchmesserbereich über 60 cm war zwischen den Bundeswaldinventuren eine Vorratszunahme von 62% zu registrieren.

Die Holznutzung in Buchenwäldern lag zwischen 1987 und 2002 bei weniger als der Hälfte des Zuwachses. Das heißt, die nachhaltig möglichen Erntemengen wurden bei weitem nicht ausgeschöpft.

Die Entwicklung der Wälder und damit die Ergebnisse einer nachhaltigen und naturnahen bayerischen Forstwirtschaft werden über die zehnjährlich durchzuführenden Bundeswaldinventuren weiter beobachtet. Gegenwärtig laufen die Außenaufnahmen zur dritten Bundeswald¬inventur. Die Ergebnisse der Förderung im Privat- und Körperschaftswald und der Forst-einrichtungen im Staatswald lassen eine weitere Fortsetzung der beschriebenen Trends erwarten.

Weitere Informationen zur Entwicklung der Buchenwälder in Bayern finden Sie hier:

Entwicklung der Buchenwälder in Bayern pdf 332 KB