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Wald schützt
Schutzfunktion des Waldes

Der Berg- und Schutzwald in den bayerischen Alpen

Fichtenwald mit Tal und Berghang im Hintergrund (Foto: Michael Friedel)Zoombild vorhanden

Schutzwald in den Alpen
(Foto: Michael Friedel)

Ungefähr die Hälfte - also rund 260.000 Hektar - der bayerischen Alpen sind mit Wald bedeckt. Bergwälder bieten den Menschen und der Infrastruktur im bayerischen Alpenraum einen wirksamen Schutz vor Naturgefahren wie Steinschlag, Muren, Hangrutschungen oder Lawinen. Sie schützen den Boden aber auch vor Erosion, haben eine besondere Bedeutung für den Hochwasserschutz und spenden sauberes Trinkwasser. Gleichzeitig liefern sie den nachwachsenden Rohstoff Holz. Gäste aus nah und fern finden dort Erholung und Ausgleich. Die seit Jahren steigenden Besucherzahlen zeigen, dass die Alpen und ihre Wälder für die Freizeitgestaltung zunehmend attraktiver werden. Überdies gibt es in den bayerischen Alpen große zusammenhängende und naturschutzfachlich besonders wertvolle Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen.

Im Alpenraum erwarten Experten weitaus spürbarere Auswirkungen des Klimawandels als im übrigen Bayern. Vor allem die Erwärmung schreitet dort schneller voran und wird sich auf den Wald und dessen Baumartenzusammensetzung auswirken. Gleichzeitig stellen vorhergesagte häufigere Starkniederschläge hohe Anforderungen an die Bergwälder. Die Stabilisierung der Wälder und die natürliche Regulierung des Wasserabflusses werden an Bedeutung gewinnen.
Broschüre "Der Berg- und Schutzwald in den bayerischen Alpen"

Bergwaldoffensive

Die Anpassung der Bergwälder an den Klimawandel und der Erhalt ihrer Schutzfunktionen stellen gerade im oft kleinflächig strukturierten Privat- und Körperschaftswald die Eigentümer vor besondere Herausforderungen. Aus diesem Grund hat die Bayerische Staatsregierung bereits 2008 im Rahmen des Klimaprogramms die Bergwaldoffensive (BWO) ins Leben gerufen. Sie unterstützt mit einem gezielten Maßnahmenbündel die privaten und kommunalen Waldbesitzer bei ihrem Bemühen, den Bergwald für den Klimawandel fit zu machen.
Logo Bergwald Offensive

Ein wichtiger Grundsatz der Bergwaldoffensive ist, die Betroffenen zu Beteiligten zu machen. Waldbesitzer, Jäger, Naturschützer, Almbauern, Tourismusverbände bis hin zu den Kommunen erarbeiten gemeinsam vor Ort angepasste Lösungsansätze insbesondere in den Bereichen Waldpflege, Wegebau, Jagdmanagement, Biotoppflege und Trennung von Wald und Weide. Die Einbeziehung der Beteiligten bereits bei der Auswahl der Projektgebiete und in Form von BWO-Beiräten hat sich dabei als besonders hilfreich erwiesen.

Im Rahmen der Bergwaldoffensive wurden in den vergangenen acht Jahren rund 500 000 junge Bäumchen gepflanzt und so zusammen mit natürlich verjüngten Baumarten auf rund 700 Hektar gefährdete Nadelwälder in klimatolerante Mischwälder umgewandelt. Auf weiteren 750 Hektar wurden durch Pflegemaßnahmen die Voraussetzungen für künftige Naturverjüngung geschaffen. Damit in den nächsten Jahren weitere, bisher nicht erreichbare Bergwaldflächen auf den Klimawandel vorbereitet werden können, wurden in den 47 Projektgebieten naturverträglich rund 150 Kilometer Waldwege oder befestigte Rückewege angelegt. Zudem wurden bei Naturschutzmaßnahmen beispielsweise Feucht- bzw. Trockenbiotopen angelegt oder Auerhuhnhabitate gepflegt.

16 Millionen Euro (Stand 31.12.2015) hat der Freistaat bislang für die Bergwaldoffensive bereitgestellt. Für Staatsminister Brunner ist jeder Cent gut angelegt, denn: "Der Erhalt unserer Berg- und Schutzwälder ist unverzichtbare Zukunftsaufgabe und aktive Vorsorgepolitik für die Menschen im Alpenraum." Die Bergwaldoffensive ist Teil des "Klimaprogramms Bayern 2050".

Baumarten und Holzvorrat im Bergwald

Wie die Bundeswaldinventur 2012 ergab, ist der Wald im Gebirge älter und hat größere Vorräte je Hektar als Wald im Flachland. Mit einem Anteil von 68 Prozent herrschen im Bergwald die Nadelbaumarten vor.

Baumarten

Ast mit Nadeln der Gemeinen FichteZoombild vorhanden

Fichtenast (Foto: Jan Böhm)

Allein die Fichte, die im Alpenraum einen ihrer natürlichen Verbreitungsschwerpunkte hat, ist mit 58 Prozent am Waldaufbau beteiligt. Die Tanne rangiert mit rund sieben Prozent an zweiter Stelle bei den Nadelbaumarten, gefolgt von der Kiefer mit einem Anteil von zwei Prozent. Lärchen und Zirben spielen in den bayerischen Alpen lediglich eine untergeordnete Rolle.

Die vorherrschende Laubbaumart im bayerischen Alpenraum ist die Buche mit einem Flächenanteil von rund 19 Prozent. Bergahorn und Esche, die beide zu den Edellaubbaumarten zählen, nehmen zusammen etwa 10 Prozent ein. Die verbleibenden drei Prozent verteilen sich auf sonstige Laubbaumarten wie Vogelbeere, Mehlbeere, Erle, Birke und Weide.

Ursprünglich setzte sich der Bergwald in der montanen Stufe zwischen 700 und 1.400 Meter Meereshöhe zur Hälfte aus Fichte sowie jeweils zu rund 20 bis 25 Prozent aus Buche und Tanne zusammen. Die weiteren Mischbaumarten waren mit etwa fünf bis zehn Prozent am Waldaufbau beteiligt.
Tannenkrone mit Bergwald im Hintergrund

Tanne

Nahaufnahme: Tannenzweig

Tannenzweig

Fichten am Hang mit bewaldeten Hügeln im Hintergrund.

Fichtenwald

Mit Nadel- und Laubhölzern bewaldeter Berghang

Bergmischwald

Holzvorrat

Wegen der extremen klimatischen Bedingungen im Hochgebirge wachsen die Bäume in den Alpen wesentlich langsamer als im Flachland. Die Bergwälder sind mit durchschnittlich 101 Jahren älter als die Wälder im Flachland mit 83 Jahren. Mit rund 420 Vorratsfestmeter pro Hektar liegt der durchschnittliche Holzvorrat im Bergwald etwa sechs Prozent über dem bayerischen Landesmittel. Seit vielen Jahrzehnten liegt die Holznutzung deutlich unter dem Zuwachs.

Schutzfunktionen

Feuerwehr versucht Überschwämmung durch angeschwollenen Fluss zu verhindern.Zoombild vorhanden

Hochwasser im Alpenraum
(Foto: Michael Friedel)

Bergwald schützt vor Erosion, Lawinen und Hochwasser: Von den 260.000 Hektar Bergwald erfüllen rund 60 Prozent vorrangige Schutzfunktionen und sind durch das Waldgesetz für Bayern (BayWaldG) besonders geschützt. Die Erhaltung intakter Schutzwälder bzw. deren Wiederherstellung ist daher eine forstpolitische und gesellschaftspolitische Aufgabe von hohem Rang. Dazu ist es notwendig, die Berg- und Schutzwälder zu pflegen und zu bewirtschaften.

Die vielfältigen Schutzfunktionen der Gebirgswälder werden von der Bayerischen Forstverwaltung im Rahmen der Waldfunktionsplanung erfasst und in Karten dargestellt.

In den Regionen Allgäu, Oberland und Südostbayern haben rund

  • 50 Prozent der Waldfläche besondere Bedeutung für den Bodenschutz;
  • 30 Prozent der Waldfläche besondere Bedeutung für den Lawinenschutz;
  • 85 Prozent der Waldfläche sind Wildbacheinzugsgebiete.
Viele Waldflächen erfüllen sogar mehrere dieser Funktionen gleichzeitig.
Erosion, Lawinen und Hochwasser - wie schützt uns der Wald?

Merkmale eines intakten Schutzwaldes

Intakte Schutzwälder, die ihre Schutzfunktionen optimal erfüllen können, weisen idealerweise folgende Merkmale auf:

Ungleichaltrig

Sehr alte Bäume neben NaturverjüngungZoombild vorhanden

Foto: Michael Friedel

Ein stufig aufgebauter Waldbestand mit Bäumen aller Altersstufen ist weitgehend unempfindlich gegen Störungen und bietet einen kontinuierlichen Schutz. Wenn alte Bäume absterben, durch Schadereignisse ausfallen oder geerntet werden, können jüngere Bäume in der nächsten Umgebung deren Funktion nahtlos übernehmen.

Besonders wichtig ist dabei die Tanne, da diese Baumart jahrzehntelang im Schatten der alten Bäume überleben und entstehende Lücken rasch schließen kann.

Gemischt

Der bis etwa 1.400 m natürlich vorherrschende Bergmischwald mit den Hauptbaumarten Fichte, Buche und Tanne ist besonders stabil und anpassungsfähig, da die einzelnen Baumarten unterschiedliche Ansprüche an Boden und Klima haben. Ändern sich die Wuchsbedingungen oder treten Schädlinge auf, sind in der Regel nicht alle Baumarten in gleicher Weise betroffen. Die Schutzfähigkeit des Bestandes bleibt erhalten, zumal sich zu den Hauptbaumarten noch weitere Arten wie Bergahorn, Bergulme, Esche, Linde, Kiefer, Mehl- und Vogelbeere gesellen.

Dauerhaft

Im Schutzwald ist es wichtig, dass der Waldboden dauerhaft bestockt ist. Im Schutz des Altbestands kann sich die neue Waldgeneration über Naturverjüngung entwickeln und später die Schutzfunktion der alten Bäume übergangslos ablösen. Auf diese Weise werden labile Bestandsphasen vermieden. Allerdings sind Naturverjüngungsverfahren, die einen solchen gleitenden Übergang ermöglichen, sehr langfristig und müssen gut geplant werden. Der Tanne als Schatten ertragender Baumart kommt dabei eine entscheidende Rolle als Bindeglied zwischen den Waldgenerationen zu.

Gefahren für den Schutzwald

Windwurffläche am Berghang mit bergiger Landschaft im HintergrundZoombild vorhanden

Windwurf (Foto: Michael Friedel)

Große Temperaturschwankungen, hohe Schneelagen, heftige Stürme, Starkniederschläge und kräftige Sonnenstrahlung: Das sind einige der abiotischen Faktoren, mit denen die Berg- und Schutzwälder zurechtkommen müssen.

Die Bedingungen im Gebirge sind in jeder Hinsicht extrem. Die Prognosen gehen davon aus, dass als Folge der Klimaveränderungen diese Extreme eher zu- als abnehmen werden. Dazu kommen biotische Gefahren, beispielsweise durch Borkenkäfer und Wildverbiss. Diese Umstände stellen große Herausforderungen für den Bergwald dar und können seine wichtigen Schutzfunktionen dauerhaft schwächen.
Schnee, Sturm und Borkenkäfer - wie schwächen sie den Wald?

Schutzwaldpflege

Berg- und Schutzwälder erfüllen ihre vielfältigen Funktionen für das Gemeinwohl am besten, wenn sie sich aus standfesten, vitalen und widerstandsfähigen Bäumen zusammensetzen, die optimal an die mitunter extremen Wuchsbedingungen im Gebirge angepasst sind.

Im Vertrauen auf die Fähigkeit zur Selbstregulierung der Natur könnte man meinen, bisher unberührte oder kaum menschlich beeinflusste Wälder erfüllen viele der Anforderungen, die an einen idealen Schutzwald gestellt werden. Dies ist aber nicht zwangsläufig so. Schutzwälder bedürfen der Pflege.

Schutzwälder bedürfen der Pflege

Sich selbst überlassene Wälder können – trotz beachtlicher ökologischer Stabilität – Eigenschaften aufweisen, die ihre Schutzwirkung nicht unerheblich einschränken. Im Laufe ihres Bestandslebens durchlaufen Wälder auch Phasen, in denen Baumgruppen altersbedingt zusammenbrechen ("Zerfallsphase"). Bei Stürmen oder starkem Borkenkäferbefall kann das auch flächiger passieren. Ohne menschlichen Einfluss kann die Wiederbewaldung lange dauern und der Schutz durch den Wald wäre in dieser Zeitspanne nicht gewährleistet. Durch gezielte Pflegemaßnahmen kann man diese kritischen Phasen vermeiden. Dazu ist über Jahrzehnte hinweg regelmäßige Pflege notwendig. Die Schutzwälder müssen sich kontinuierlich kleinflächig verjüngen können, bis die neue Waldgeneration ihre Schutzfunktionen voll übernehmen kann.

Schutzwaldpflege fördert insbesondere stufige, ungleichaltrige und stabile Waldstrukturen, bei denen im Katastrophenfall die Verjüngung schon in den Startlöchern steht. Sie begünstigt standortgemäße Mischbaumarten. Wo diese fehlen, werden sie auf dem Weg der Pflanzung eingebracht.

Schutzwaldpflege wird gefördert

Oranger Seilkran bei der Arbeit im BergwaldZoombild vorhanden

Seilkranbrinung im Gebirge
(Foto: Johannes Loschek)

Die Bewirtschaftung der Berg- und Schutzwälder ist wesentlich schwieriger und aufwändiger als im Flachland. Waldpflegemaßnahmen verursachen deshalb weit höhere Kosten. Aus diesem Grund unterstützt der Freistaat Bayern die privaten und kommunalen Waldbesitzer im Rahmen verfügbarer Haushaltsmittel über sein forstliches Förderprogramm seit Jahren bei der Schutzwaldpflege mit erhöhten Fördersätzen, um die Schutzfunktionen der Wälder zu erhalten oder zu verbessern. Grundsätzlich sind neben der Naturverjüngung und der Wiederaufforstung auch die Jungbestandspflege, verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Waldlebensgemeinschaften sowie die Walderschließung förderfähig. Im Schutzwald können zusätzlich die Bekämpfung rindenbrütender Schadinsekten und die Seilkranbringung bezuschusst werden. Gerade die Pflege unzureichend erschlossener Steillagen, aus denen das Holz nur mithilfe mobiler Materialseilbahnen gebracht werden kann, wäre ohne Förderung häufig unrentabel.

Die Försterinnen und Förster der Bayerischen Forstverwaltung stehen allen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern bei der Bewirtschaftung ihrer Berg- und Schutzwälder als neutrale Ansprechpartner zur Verfügung. Ihre Beratung findet im Regelfall objektbezogen im Wald statt und ist für die Waldeigentümer unentgeltlich. Hierbei erfahren Sie auch, welche Fördermaßnahmen in Ihrem Falle konkret möglich sind.

Schutzwaldsanierung

1986 erhob die Bayerische Forstverwaltung den Zustand der Schutzwälder in allen Waldbesitzarten und leitete daraus eine erste langfristige Gesamtplanung für die Schutzwaldsanierung im bayerischen Alpenraum ab. Seither wird der Plan in regelmäßigen Abständen fortgeschrieben und den neuesten Erkenntnissen angepasst.
Als sanierungsnotwenig gelten Schutzwälder, wenn ihre Funktionstauglichkeit deutlich gestört ist und diese im Rahmen der regulären Waldbewirtschaftung nicht wieder hergestellt werden kann.

Dies trifft vor allem zu bei

  • verlichteten Schutzwäldern ohne ausreichende Verjüngung,
  • überalterten Schutzwäldern (Durchschnittsalter über 200 Jahren ohne ausreichende Verjüngung und mehr als einem Drittel kümmernder, absterbender oder toter Bäume in der Oberschicht),
  • durch Sturmwurf, Borkenkäfer, Schälschäden oder nachlassende Vitalität geschädigten Schutzwäldern,
  • wegen hoher Verbissschäden oder Weidebelastung nicht entwicklungsfähigen Schutzwaldverjüngungen.
Derzeit gibt es im bayerischen Alpenraum 1.190 Sanierungsflächen mit insgesamt etwa 14.000 Hektar Fläche. Dies entspricht rund einem Zehntel der gesamten Schutzwaldfläche. Vor allem durch Sturmwürfe und nachfolgende Borkenkäferkalamitäten nahm deren Umfang seit der ersten Planung 1986 um rund 1.200 Hektar zu. Knapp 40 Prozent der Sanierungsflächen haben eine besondere Bedeutung für den Objektschutz und besitzen deshalb eine sehr hohe Priorität.

Da die Sanierungsmaßnahmen in der Regel großräumig koordiniert und mit anderen Maßnahmen abgestimmt werden müssen, wurden die Sanierungsflächen zu Sanierungsgebieten zusammengefasst. Sie umfassen zum Beispiel die Summe der Sanierungsflächen einer Bergflanke mit Lawinenschutzwald oberhalb einer Bundesstraße oder einer Ortschaft oder alle Sanierungsflächen in einem Wildbacheinzugsgebiet. Auf Ebene der Sanierungsgebiete werden notwendige flankierende Maßnahmen wie zum Beispiel großräumige Jagd- und Wildmanagementkonzepte koordiniert.
Weitere Informationen zur Schutzwaldsanierung

Jagd im Gebirge

Jäger mit Hund im Schutzwald. Im Hintergrund Dreibeine aus Holz und bewaldete Berghänge. (Foto: Matthias Ziegler/BaySF)Zoombild vorhanden

Foto: Matthias Ziegler/BaySF

Bayerns Bergwälder sind Lebensraum für die Schalenwildarten Rot-, Reh- und Gamswild sowie zum Teil seltener Wildarten, die nicht bejagt werden. Trotz unterschiedlicher Ansprüche an ihren Lebensraum überlappen sich deren Habitate vor allem im Waldbereich. Um Wildschäden in sensiblen Schutzwaldlagen auf ein verträgliches Maß zu reduzieren, muss beim Jagdmanagement konsequent auf angepasste Wildbestände der drei Schalenwildarten hingewirkt werden.

Das Bayerische Jagdgesetz regelt, dass Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung durch das Wild möglichst zu vermeiden sind. Insbesondere soll die Bejagung die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen.

Sanierungsflächen werden aufgrund ihrer oftmals südlichen Exposition gerne vom Wild genutzt, da diese Flächen relativ schneearm sind und ein für die Tiere günstiges Kleinklima aufweisen. Um den Verbissdruck ganzjährig möglichst gering zu halten, wird im Rahmen einer Verordnung der Regierung von Oberbayern für bestimmte Sanierungsgebiete und Sanierungsflächen die Schonzeit aufgehoben. Die dort getätigten Abschüsse erfolgen lediglich im Rahmen der regulären Abschussplanung und machen nur einen geringen Anteil an der Strecke aus. Ziel ist es, durch ausgewählte Abschüsse von vorrangig männlichem Wild ausreichende Vergrämungseffekte dahingehend zu erzielen, dass diese Flächen möglichst wildfrei gehalten werden. Die Verordnung zur Aufhebung der Schonzeit hat jeweils eine Laufzeit von fünf Jahren und wird unter Beteiligung aller involvierten Interessengruppen sach- und fachgerecht beurteilt. Sie hat sich als wichtiges Instrument zur Sicherung der Schutzwaldsanierung bewährt.

Waldweide

Kuh im WaldZoombild vorhanden

Waldweide
(Foto: Michael Friedel)

Die meisten der heutigen Weiderechte in den bayerischen Alpen wurden Anfang des 19. Jahrhunderts nach der Säkularisation des Kircheneigentums festgeschrieben.

Als im April 1958 das Gesetz über die Forstrechte in Bayern in Kraft trat, waren rund 120.000 Hektar Bergwald in Oberbayern mit Weiderechten belastet. Dies entsprach in etwa zwei Drittel der Staatswaldfläche, auf der sich die Mehrzahl der Weiderechte konzentrierte.

In den letzten Jahrzehnten ist es gelungen, auf mehr als der Hälfte der ehemals weiderechtsbelasteten Fläche in den bayerischen Alpen Wald und Weide zu trennen. Heute existieren im bayerischen Staatswald noch auf etwa 50.000 Hektar Weiderechte mit Schwerpunkt in den oberbayerischen Alpen. Auf rund der Hälfte dieser Fläche wird die Waldweide noch aktiv ausgeübt. Gleichzeitig konnte die Zahl der aufgetriebenen Tiere verringert und somit die Waldbestände entlastet werden.

Zwei wichtige landeskulturelle Ziele verfolgt die Weiderechtsbereinigung in den bayerischen Alpen:

  • Erhalt der traditionellen Bewirtschaftung unserer Almen durch leistungs- und zukunftsfähige landwirtschaftliche Betriebe
  • Entlastung insbesondere des Schutzwaldes von landeskulturell nachteiligen Waldweiderechten

Politische Aktivitäten rund um den Bergwald

Bayerischer Landtag

Der Bergwaldbeschluss des Bayerischen Landtages vom 5. Juni 1984 war richtungsweisend und stellt auch heute noch den Rahmen für den Erhalt und die Pflege der Bergwälder im Freistaat dar. Der Landtag macht darin unter anderem Vorgaben zur Information der Bevölkerung über die Bedeutung des Bergwaldes, zu seiner Bewirtschaftung und zu angepassten Schalenwildbeständen. Ferner legt er darin den Grundstein für die Schutzwaldsanierung.

Bergwaldbeschluss: Maßnahmen zum Schutz des Bergwalds

Zwei Jahre später, am 11. Juni 1986, beschloss der Bayerische Landtag einstimmig, den Zustand der Schutzwälder zu erfassen, das Gefährdungspotenzial zu ermitteln und erforderlichenfalls festgestellte Defizite zu beheben. Dies markiert die Geburtsstunde der Schutzwaldsanierung in Bayern.

Schutzwaldbeschluss: Schutzwaldkartierung und Prioritätenliste

Am 4. Februar 2015 wurden im Bayerischen Landtag Experten zu Aufgaben, zu Gefährdungen und zum Zustand der Bergwälder angehört. Parlamentarier und Fachleute waren sich einig, dass ein intakter Bergwald mehr denn je unverzichtbar für den bayerischen Alpenraum ist und vor Schädigungen geschützt werden muss.

Bergwaldagenda

Wälder und Waldbesitzer werden vom Klimawandel stark betroffen, obwohl sie umgekehrt sehr viel zum Klimaschutz beitragen. Dies gilt ganz besonders für den Alpenraum. Deshalb engagieren sich der Freistaat Bayern für die aktive zielgerichtete Anpassung der Bergwälder, aber auch für die Stärkung und wirtschaftliche Weiterentwicklung des Forstsektors im Alpenraum. Hierfür sind Anstrengungen auf allen Ebenen erforderlich.

In der gemeinsam von Bayern, Österreich, Südtirol, Tirol und Trient aufgestellten Bergwaldagenda werden die wichtigsten Herausforderungen, Leitlinien und Handlungsfelder beschrieben. Für die Zukunft sehen die Unterzeichner deutlich mehr als bisher auch die europäische Ebene gefordert.

Die Alpenkonvention

Die Alpenkonvention vom 7. November 1991 ist ein völkerrechtlicher Vertrag über den umfassenden Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Alpen. Unterzeichner sind neben der Bundesrepublik Deutschland alle weiteren sieben Alpenstaaten und die Europäische Union. Das Bergwaldprotokoll aus dem Jahr 1994 regelt die Umsetzung der Ziele der Alpenkonvention im Bereich der Berg- und Schutzwälder. Viele politische Dokumente wie beispielsweise der Aktionsplan zum Klimawandel äußern sich zum Bergwald. Zu den Gremien der Alpenkonvention gehört seit 2013 auch eine Arbeitsgruppe Bergwald, in der auch Vertreter aus Bayern aktiv mitwirken.

www.alpconv.org/de

ARGE ALP

In der Arbeitsgemeinschaft der Alpenländer (Arge Alp) bündeln der Freistaat Bayern und neun weitere Alpenregionen ihre Aktivitäten, um gemeinsam den Alpenschutz voranzutreiben. Der Bergwald spielt dabei unter anderem im gemeinsamen Projekt "Ökologie und Ökonomie im Schutzwald" eine wesentliche Rolle.

www.argealp.org

EUSALP

Die EU-Kommission beschloss am 28. Juli 2015 auf Initiative Bayerns und weiterer Alpenregionen die Alpenstrategie der Europäischen Union (EUSALP). Neu an dem gemeinsamen Aktionsplan sind die Konzentration auf ökonomische und ökologische Schwerpunkte sowie der so genannte Multi-Level-Governance-Ansatz: Eine Strategie – sieben Alpenstaaten –48 Regionen. Wald und Forstwirtschaft sind auch in dieser Strategie ein wichtiger Baustein für Wirtschaftswachstum und Innovation, Schutz vor Naturgefahren, wie auch für Umwelt und Energie.

INTERREG

Das Förderprogramm INTERREG ist ein wirksames Instrument der Europäischen Union zur Finanzierung von grenzüberschreitenden oder transnationalen Projekten. Es stärkt die Verwirklichung und Umsetzung politischer Prozesse – auch und gerade im Bergwald.

www.alpine-space.eu

Der Holzvorrat im Bergwald liegt mit 421 Vorratsfestmeter pro Hektar rund sechs Prozent über dem Landesdurchschnitt.
Der Holzzuwachs ist mit 8,7 Vorratsfestmeter pro Jahr und Hektar allerdings um 7 Festmeter niedriger als im Flachland.

Die Nadelbaumarten machen im Bergwald 68 Prozent aus. Der Anteil der Fichte beträgt 58 Prozent. Die wichtigste Laubbaumart ist die Buche mit 19 Prozent.

Die Bildung von 30 cm Humus auf alpinen Kalkböden dauert ungefähr 1.000 Jahre.

Seit 1986 wurden auf den Schutzwaldsanierungsflächen bereits 13 Millionen junge Bäumchen gepflanzt, davon rund 70 Prozent Nadelbäume und 30 Prozent Laubbäume.

Mit insgesamt rund 108 Millionen Festmeter stehen 11 Prozent des bayerischen Holzvorrats in den Gebirgswäldern. Nur ein Teil davon wird genutzt.

Der Waldboden in einem intakten Bergmischwald kann bis zu 145 Liter Wasser pro Quadratmeter speichern und damit den Hochwasserabfluss enorm entschärfen.

147.000 Hektar oder mehr als 56 Prozent der bayerischen Bergwälder sind als Schutzwald nach dem Waldgesetz für Bayern eingestuft.

Die Waldfläche im bayerischen Alpenraum beträgt rund 260.000 Hektar. Dies entspricht einem Waldanteil von rund 50 Prozent - das sind 13 Prozentpunkte mehr als der bayerische Landesdurchschnitt.

Knapp 60 Prozent der Fläche im Wuchsgebiet Bayerische Alpen stehen unter Naturschutz. Über 1.700 Hektar Bergwald sind im bayerischen Alpenraum als Naturwaldreservat ausgewiesen.

Die Wälder in den bayerischen Alpen sind im Durchschnitt 101 Jahre alt. Das Durchschnittsalter im Flachland liegt bei 83 Jahren.

53 Prozent des Bergwaldes sind Staatswald im Eigentum des Freistaats Bayern, 43 Prozent sind Privatwald und 4 Prozent Kommunalwald.

Knapp 10 Prozent der Schutzwälder in den bayerischen Alpen sind in ihren Schutzfunktionen beeinträchtigt und müssen saniert werden.

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Wasserschutzgebiete in Bayerns Wäldern

Kleiner Wassertümpel im WaldZoombild vorhanden

Foto: Jan Böhm

Überdurchschnittlich viele Wasserschutzgebiete liegen in Bayern in Wäldern. Insgesamt sind es annähernd zwei Drittel der Wasserschutzgebiets-Flächen oder rund 140.000 Hektar. Zum Vergleich: Der Anteil der Waldflächen an der Gesamtfläche Bayerns liegt nur bei gut einem Drittel (36 Prozent). Das zeigt, welche positive Wirkung der Wald auf unser Grundwasser hat.

Während die Schwefelbelastung der Wälder seit etwa 20 Jahren rückläufig ist und mittlerweile eigentlich keine Rolle mehr spielt, ist beim Stickstoff keine Abnahme der atmosphärischen Einträge zu erkennen. Die Daten der Waldklimastationen der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zeigen, dass der Eintrag von Stickstoff seit den 90er Jahren bis heute unverändert hoch ist. Gleichzeitig wird aber ein geringerer Stickstoffaustrag beobachtet. Diese Messergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Waldböden noch über Speicherkapazitäten verfügen. Bestätigt wurde dieses Ergebnis von der Anfang der 2000er durchgeführten Bayerischen Nitratinventur und der fünf Jahre später erfolgten zweiten Bodenzustandserhebung (BZE II). Die flächenrepräsentativen Untersuchungen zeigten, dass die Wälder noch in der Lage sind, Stickstoff im Ökosystem zurückzuhalten.

Als Indikator für eine Stickstoffsättigung von Waldökosystemen bzw. für die Stickstoffbelastung werden die Nitratkonzentrationen der Bodenlösung unterhalb des Hauptwurzelhorizontes herangezogen. Als Grenzwert im Hinblick auf eine mögliche Grundwasserbeeinträchtigung (Belastungsgrenze) wird hier ein Wert von 25 Milligramm pro Liter (mg/l) verwendet. Dieser wurde an 10 % der BZE II-Punkte überschritten.

LWF-aktuell 66: Gutes Wasser aus dem Wald? - Trinkwasser aus dem Wald Externer Link