Blick auf Lappersdorf im Landkreis Regensburg

Vision für die bayerische Landwirtschaft im Jahr 2040
Bayerische Junglandwirte-Kommission – was bewegt die nächste Generation der Landwirtschaft?

Wie geht es mit mir und meinem Hof weiter? Habe ich Perspektiven auf dem Land? Finde ich ein Auskommen? Wie kann ich den rechtlichen Vorgaben, aber auch den Erwartungen der Gesellschaft in Zukunft gerecht werden? Mit diesen Fragen hat sich die bayerische Junglandwirte-Kommission befasst.

Die von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber im Mai 2019 einberufene Junglandwirte-Kommission hat am 13. Juli 2020 ihren Abschlussbericht vorgestellt. Das 37-köpfige Gremium sollte aus Sicht der nächsten Generation Handlungsempfehlungen und eine Vision für die bayerische Landwirtschaft im Jahr 2040 entwickeln.

Ministerin Kaniber: "Motivierende Vision und viele gute Vorschläge"

"Neben einer Vision für eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Bayern wurde geradezu ein Ideenfeuerwerk gezündet, das viele Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung der bayerischen Agrarpolitik enthält“, sagte die Ministerin als sie den Bericht bei einer Abschlusskonferenz in der Münchner Residenz entgegennahm.
Der Bericht kommt laut der Ministerin zur rechten Zeit, denn sowohl auf EU- wie auf Bundesebene stehen intensive Debatten und Entscheidungen zur Neuausrichtung der Agrarpolitik an – der Green Deal mit der Strategie „vom Hof auf den Tisch“, die Diskussionen zur Biodiversität oder der Umbau der Nutztierhaltung.

Pressemitteilung vom 13. Juli 2020

Empfehlungen der Junglandwirte-Kommission für die Ausrichtung der bayerischen Agrarpolitik

Die Kernforderungen der Junglandwirte-Kommission:

  • Praktikable und verlässliche Rahmenbedingungen
  • Gleiche Wettbewerbsbedingungen im EU-Binnenmarkt und sozial-ökologischer Außenschutz für Lebensmittelimporte in die EU
  • Kennzeichnung aller in der EU zugelassenen Lebensmittel nach deren Herkunft
  • Verbot der preisgebundenen Werbung für Lebensmittel
  • Begrenzung der Dauer von Schlachttiertransporten
  • Verstärkte digitale Beratung zu Fach- und Förderrecht
  • Einführung eines speziellen Förderprogramms zur Verbesserung des Tierwohls
  • Einführung eines Bonussystems für Regionalprodukte im Lebensmitteleinzelhandel
  • Einführung eines Netzes an Praxis-Forschungsbetrieben (Experimentierbetrieben)

Skizze

Vision der Junglandwirte-Kommission für die bayerische Landwirtschaft 2040

Landwirte und Gesellschaft als Partner
Die Landwirtschaft in Bayern ist nach wie vor bäuerlich geprägt. Sie produziert – so wie jede andere Branche auch – nachfrageorientiert Nahrungsmittel, Rohstoffe, Energie und weitere gesellschaftlich gewünschte Leistungen wie Biodiversität oder Erholungsräume. Die Landwirte setzen das seit Generationen erworbene Wissen in Kombination mit modernen Technologien ein. Die heimische Landwirtschaft genießt Vertrauen und Wertschätzung.
Regionale Lebensmittelversorgung
Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen beim Einkauf eindeutig bayerische Lebensmittelprodukte. Sie können sich mit diesen Produkten identifizieren und fragen diese bewusst nach.
Fairer Wettbewerb
Die Agrarmärkte sind nach wie vor offen, wovon Bayern als exportorientiertes Land auch profitiert. Importierte Produkte erfüllen unsere hiesigen Produktionsvorgaben. Die fachrechtlichen Vorschriften innerhalb der EU sind einheitlich umgesetzt, Wettbewerbsverzerrungen zulasten der deutschen Landwirtschaft gibt es in diesem Bereich nicht mehr.
Tiergerechte Haltung
Die wissenschaftlich fundierten Kriterien für die gesellschaftlich akzeptierten Ställe der Zukunft stehen fest, es gibt Planungssicherheit. Die Nutztierhaltung ist tiergerecht und umweltverträglich. "Schwarze Schafe" gehören infolge eines gut funktionierenden, transparenten Kontrollnetzes der Vergangenheit an.
Umwelt- und klimaverträgliche Landwirtschaft
In der Landwirtschaft ist eine Kreislaufwirtschaft etabliert, Abfälle im klassischen Sinn sind minimiert. Lebensmittelverschwendung ist auf ein unvermeidbares Mindestmaß zurückgeführt. Neue Flächen dürfen nur in Anspruch genommen werden, wenn an anderer Stelle im gleichen Umfang Flächen entsiegelt werden. Der Klimawandel wird auf ein vertretbares Maß gebremst, die landwirtschaftliche Produktion ist an das veränderte Klima angepasst und leistet selbst einen anerkannten Beitrag zur Klimastabilisierung.
Landwirt/in als Wunschberuf
Staatliche Transferzahlungen, insbesondere die Direktzahlungen, sind auf notwendige Anpassungshilfen sowie die Honorierung von Ökosystemleistungen und Tierwohlleistungen begrenzt. Die Landwirte erzielen aus ihrer Geschäftstätigkeit ausreichende Gewinne zur Deckung der Lebenshaltung und zur positiven Weiterentwicklung des Unternehmens. Die Erzeugerpreise lassen eine wirtschaftlich orientierte, familiengeführte Landwirtschaft zu. Bäuerinnen und Bauern genießen ein hohes Ansehen in der Gesellschaft. Landwirt/in ist ein attraktiver Beruf für Hofnachfolger und Quereinsteiger.

Gruppenbild

Mitglieder der Junglandwirte-Kommission

Die Junglandwirte-Kommission setzt sich aus einem Querschnitt der bayerischen Landwirtschaft zusammen. So sind Jungbäuerinnen und Jungbauern aus allen Regierungsbezirken, unterschiedlichen Ausbildungswegen, verschiedenen Betriebsschwerpunkten sowie Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe vertreten.

Eine Gruppe von Personen auf einer Treppe. Im Vordergrund die Ministerin mit einem großen Schild mit Unterschriften und den Worten "Junglandwirte-Kommisssion. Agrarpolitik mitgestalten!"

Die beiden Fotos am Seitenende wurden bei der ersten Sitzung der bayerischen Junglandwirte-Kommission im Mai 2019 aufgenommen (Fotos: Seyfarth/StMELF).