Panoramabild im Landkreis Ostallgäu: Wiesen mit Kühen, Wald und Baumgruppen (Foto: Tobias Hase)

Förderung
Benachteiligte Gebiete in Bayern

In den benachteiligten Gebieten erhalten Landwirte als Teilausgleich für ungünstige Standortbedingungen eine Ausgleichszulage (AGZ). Damit sollen die Fortführung der Landwirtschaft in diesen Gebieten sowie die flächendeckende Pflege und die Erhaltung der Kulturlandschaft nachhaltig gesichert werden.

Nach Artikel 32 der Verordnung (EU) Nr. 1305/2013 wurden die benachteiligten Gebiete in Bayern neu abgegrenzt. Diese Neuabgrenzung gilt ab 2019.
Ansicht der neuen Gebietskulisse im Detail

1. Notwendigkeit einer Neuabgrenzung

Mit der Agrarreform von 2013 haben Rat und Europäisches Parlament beschlossen, eine EU-weite Neuabgrenzung der benachteiligten Gebiete durchzuführen. Deshalb musste auch Bayern die aus erheblichen naturbedingten Gründen benachteiligten Gebiete (bisher Benachteiligte Agrarzone einschließlich Kerngebiet) gemäß Anhang III der ELER-Verordnung (EU) Nr. 1305/2013 neu abgrenzen.

In diesem Zuge sind auch die weiteren Gebietskategorien (Berggebiete, aus anderen spezifischen Gründen benachteiligte Gebiete) auf eine aktuelle Basis gestellt worden. Dadurch können viele rein nach den biophysikalischen Kriterien herausfallende Gebiete neu begründet werden. So konnte bezogen auf die gesamte Landesfläche eine vergleichbar starke und insgesamt ausgewogene Gebietskulisse gesichert werden.

ELER-Verordnung (EU) Nr. 1305/2013: Detaillierte Informationen siehe Anhang III (PDF; 1,61 MB) Externer Link

2. Grundsätzliche Eckpunkte

Um zu einer von den Betroffenen und auch von der EU-Kommission akzeptierten Gebietskulisse zu gelangen, hat sich Bayern gemeinsam mit dem Bund und dem Berufsstand dafür eingesetzt, dass folgende übergreifende Eckpunkte in Bayern angewendet werden konnten:

    Gemarkung
    Verwendung der Gemarkung als eindeutige Referenzgröße und klar definierte räumliche Bezugseinheit in allen drei Gebietskulissen, statt der oft erheblich größeren Abgrenzungseinheit "Gemeinde".
    Ertragsmesszahl (EMZ)
    Verwendung der Ertragsmesszahl (EMZ) sowohl als Feinabgrenzungskriterium (siehe Nr. 4.) als auch bei der Abgrenzung der aus anderen spezifischen Gründen benachteiligten Gebiete (siehe Nr. 5).
    Mindestens 60 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF)
    einer Gemarkung müssen benachteiligt sein, damit die gesamte Gemarkung in die Kulisse aufgenommen werden kann (außer Berggebiet); Anwendung aller verwendeten objektiven Kriterien auf die gesamte Fläche Bayerns (keine Regionalisierung).

    3. Berggebiete

    Bisher beschränkte sich die Berggebietskulisse in Bayern auf den Alpenraum. Die ostbayerischen Mittelgebirgslagen, Spessart und Rhön sowie Teile des Jura fallen nun ebenfalls in die neue Berggebietskulisse. Die Landwirte in diesen Gebieten sind auch mit Bewirtschaftungsnachteilen aufgrund der Höhenlage (verkürzte Vegetationszeit) und Bewirtschaftungserschwernissen infolge der Hangneigung konfrontiert. Angelehnt an das unmittelbar angrenzende österreichische Berggebiet wurden Gemarkungen neu als Berggebiet abgegrenzt, in denen die

    • durchschnittliche Höhenlage >= 700 m oder
    • durchschnittliche Höhenlage >= 500 m und die durchschnittliche Hangneigung >= 15 % oder
    • die durchschnittliche Hangneigung >= 18 % ist.
    Berechnungsgrundlage für Höhenlage und Hangneigung ist dabei die gesamte Gebietsfläche einer Gemarkung.

    Zusätzlich wurden Gebiete einbezogen, wenn eine oder mehrere zusammenhängende, vollständig von Berggebieten umschlossene Gemarkungen (Enklaven) gegeben waren.

    4. Aus erheblichen naturbedingten Gründen benachteiligte Gebiete

    Bei der EU-rechtlich verpflichtenden Abgrenzung dieser Gebietskategorie gab es keine Spielräume für Bayern. Die Kriterien sind detailliert und abschließend in Anhang III der ELER-Verordnung festgelegt und mussten nach den strikten Vorgaben der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission (Joint Research Centre) umgesetzt werden.

    Für die aus erheblichen naturbedingten Gründen benachteiligten Gebiete musste zwingend auch eine Feinabstimmung vorgenommen werden. Das bedeutet: Wenn trotz festgestellter Benachteiligung sehr gute Standortvoraussetzungen z. B. für einen erfolgreichen Anbau von Intensivkulturen vorliegen, müssen diese Gemarkungen wieder aus der Kulisse entfernt werden. In Bayern trifft dies für Gemarkungen mit einer durchschnittlichen EMZ je Ar > 46 zu.

    5. Aus anderen spezifischen Gründen benachteiligte Gebiete

    1. Schritt
    Gemarkungen sind aus anderen spezifischen Gründen benachteiligt, wenn in einem 1. Schritt mindestens 60 % der LF einer Gemarkung durch besondere Gründe benachteiligt waren. Berechnet und geprüft wurden dabei die auf die Feldstücke einer Gemarkung bezogenen Kriterien wie Größe, Form, Erreichbarkeit, EMZ sowie Hochwassergefahren und die Nutzung als Dauergrünland. Zusätzlich wurde noch die auf eine gesamte Gemarkung bezogene Reliefenergie ("Hügeligkeit") berücksichtigt. (Tabelle 1)
    2. Schritt
    Zusätzlich musste aber nach EU-Vorgabe in einem 2. Schritt für die Gemarkung mindestens ein weiteres Kriterium zutreffen, das die Notwendigkeit der Landwirtschaft zur Erhaltung oder Verbesserung der Umwelt, zur Erhaltung des ländlichen Lebensraums sowie zur Erhaltung des Fremdenverkehrspotentials ausdrückt. Konkret musste dazu der Schwellenwert für den Anteil der Natur-, Arten- und Landschaftsschutzgebiete, für besondere Landschaftstypen, für naturschutzfachlich als bedeutend eingestufte Landschaften oder für den Nebenerwerbsanteil erreicht werden. (Tabelle 2)
    Wenn eine Gemarkung in beiden Schritten die Schwellenwerte erreicht, wurde diese als aus andern spezifischen Gründen benachteiligt eingestuft.

    Mit dieser komplexen, aber mit objektiven und soliden Daten durchgeführten Abgrenzung konnte Bayern den maximal zulässigen Umfang von 10 % der Landesfläche für ein gesamtausgewogenes Ergebnis nutzen.

    Tabelle 1: Kriterien für besondere Gründe der Benachteiligung

    Tabelle 1: Kriterien für besondere Gründe der Benachteiligung
    KriteriumSchwellenwertMittelwert Bayern
    (ohne Berggebiet)
    BezugseinheitQuelle
    1. Größe der Feldstücke< 1,00 ha1,78 haFeldstückInVeKoS
    2. Ertragsmesszahl (EMZ< 44,5 EMZ/Ar46,4 EMZ/ArFeldstückLfSt, LDBV, InVeKoS
    3. HochwassergefahrenHQ häufig oder HQ 100-FeldstückLfU
    4. Geometrie der Feldstücke - Konvexität< 0,80,95FeldstückTUM
    5. Erreichbarkeit der FeldstückeEntfernung zum übergeordneten Verkehrsnetz > 600 m, davon > 300 m auf nicht asphaltierten/betonierten WegenEntfernung 403 m, davon 222 m nicht asphaltiertFeldstückTUM
    6. DauergrünlandflächeAlle Nutzungscodes mit Dauergrünlandstatus-FeldstückInVeKoS
    7. Reliefenergie> 140,0 m/Gemarkung128,4 m/GemarkungGemarkungIÖR

    Tabelle 2: Kriterien zur Bemessung der Notwendigkeit der Landwirtschaft für Umwelt, Lebensraum und Tourismus

    Tabelle 2: Kriterien zur Bemessung der Notwendigkeit der Landwirtschaft für Umwelt, Lebensraum und Tourismus
    KriteriumSchwellenwertMittelwert Bayern
    (ohne Berggebiet)
    BezugseinheitQuelle
    1. Anteil der Schutzgebiete - Natur-, Arten- und Landschaftsschutz> 62,5 %41,0 %Gebietsfläche GemarkungLfU
    2. Anteil besonderer Landschaftstypen> 65,0 %54,8 %Gebietsfläche GemarkungBfN
    3. Landschaftsbewertung    
    a) Anteil besonders schutzwürdiger und schutzwürdiger Landschaften> 40 %12,1 %Gebietsfläche GemarkungBfN
    b) Anteil besonders schutzwürdiger, schutzwürdiger und schutzwürdiger Landschaften mit Defiziten> 95 %49,0 %Gebietsfläche GemarkungBfN
    4. Anteil der Nebenerwerbslandwirte> 70,0%58,8 %Gebietsfläche
    Gemarkung
    InVeKoS

    6. Gesamtergebnis

    Mit der Genehmigung durch die EU-Kommission werden von insgesamt 3.195.790 ha LF in Bayern abgegrenzt als

    • Berggebiete:
      459.625 ha LF (bisher: 212.828 ha LF)
    • aus erheblichen naturbedingten Gründen benachteiligt:
      805.943 ha LF (bisher: 1.741.831 ha LF)
    • aus anderen spezifischen Gründen benachteiligt:
      702.135 ha LF (bisher: 5.233 ha LF)
    Insgesamt umfassen damit die neu abgegrenzten benachteiligten Gebiete in Bayern 1.967.703 ha LF (bisher 1.959.891 ha). Das heißt, dass die neue Gebietskulisse fast die gleiche Größe hat wie die bisherige. Allerdings ist es aufgrund der Vorgaben unvermeidbar, dass rund 236.000 ha LF aus der bisherigen Kulisse herausfallen. In etwa der gleichen Größenordnung kommen neue Gebiete hinzu.

    Eine Gemarkung ist stets vollständig und eindeutig einer dieser drei Gebietskategorien zugeordnet, oder sie ist nicht benachteiligt. Die räumliche Verteilung der neu abgegrenzten Gebietskulissen ist aus der oben verlinkten Karte ersichtlich.