Konzept: Nachhaltigkeit im hauswirtschaftlichen Betrieb

Das Thema Nachhaltigkeit zieht sich durch alle (hauswirtschaftlichen) Bereiche eines Unternehmens. Daher kann es anfangs herausfordernd sein, nachhaltige Maßnahmen einzuführen. Schnittstellenprozesse und Entscheidungsbefugnisse müssen gut beachtet werden.

Aktualisiert am: 17.10.2023
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Führungskräfte der Hauswirtschaft haben zunächst die Möglichkeit, im eigenen Verantwortungsbereich nachhaltig zu agieren. Sehr schnell werden sie jedoch Entscheidungen treffen müssen, die Schnittstellenprozesse betreffen oder nicht ihrer alleinigen Entscheidungsbefugnis unterstehen. Deshalb sollte das gesamte Unternehmen in die nachhaltigen Planungen einbezogen werden. So kann ein ganzheitliches nachhaltiges Konzept entstehen, das nicht nur aus Einzelmaßnahmen besteht.

Gruppenberatung © Michael Friedel/StMELF

Zur Planung der Umsetzung sollten sich alle Verantwortlichen des Unternehmens besprechen und beispielsweise einen Arbeitskreis bilden, der sich speziell diesem Thema widmet. Der Arbeitskreis kann die notwendige Expertise und Perspektiven aus verschiedenen Abteilungen des Unternehmens zusammenführen.

Bevor man konkrete Maßnahmen ergreift, ist es entscheidend, die Motivation zu klären, warum das Unternehmen nachhaltiger werden sollte. Möglicherweise sind finanzielle Vorteile, wie Einsparungen bei den Energiekosten oder die Zufriedenheit von Gästen oder Bewohnerinnen und Bewohnern, ein entscheidender Faktor. Darüber hinaus können Bemühungen, nachhaltiger zu handeln, das Image des Unternehmens fördern oder das Vertrauen der Kunden stärken.

Zudem sollten Betriebe die Maßnahmen in messbare und nachvollziehbare Ergebnisse umwandeln, um sie öffentlichkeitswirksam darzustellen. Damit die Umsetzung klappt, ist die Erstellung eines Gesamtkonzepts sinnvoll. Wir stellen vor, welche Punkte Sie dabei berücksichtigen sollten.

In fünf Schritten zum nachhaltigen Konzept

1. Vorbereitungsphase

AufgabeBeispiele
Relevante Akteure gewinnenGeschäftsführung, Leitungen, weitere Professionen (z. B. Pflege), betreffendes Personal (z. B. Wäscherei, Küche), …
Arbeitskreis erstellen und Details besprechenZusammentragen verschiedener Sichtweisen und Perspektiven, Zeitraum zur Umsetzung definieren (kurz-, mittel- oder langfristig), Besprechung möglicher Maßnahmen, …
Motivation für nachhaltige Maßnahmen im Betrieb klärenLeitbild verankern, positives Image, Kostenersparnis, gesetzliche Neuerungen, Zufriedenheit der Kunden/Gäste steigern
Öffentlichkeitsarbeit von Anfang anWebseite, Aushänge, Pressearbeit

2. Ist-Situation analysieren

AufgabeBeispiele
Welche Bereiche im Betrieb setzen bereits nachhaltige Maßnahmen um? Wäscherei nutzt Dosiersysteme und ökologische Waschmittel, …
Welchen Wissensstand bzw. Kompetenzen haben Beteiligte?sparsame Bedienung von Geräten, Wissen zum korrekten Heizen/Lüften, ...
Wo liegen ungenutzte Potenziale?sonnige Lage für Photovoltaik-Anlage, besondere Fähigkeiten einzelner Mitarbeitender
Welche Bereiche oder Prozesse soll das Nachhaltigkeitskonzept betreffen?Wäscherei, Reinigung, Küche, Energiemanagement, (Textil)-Beschaffung, ...
Überprüfung aktueller VerbrauchszahlenStrom, Wasser, Warmwasser, Gas, Heizkosten, …
Priorisieren einzelner Bereiche, z. B. wo werden nachhaltige Maßnahmen am dringendsten benötigt?Warmwasserverbrauch besonders hoch: Priorisieren von Sparduschköpfen

3. Formulierung der Ziele

AufgabeBeispiele
SMART-Ziele für Überprüfbarkeit des ErfolgsS = spezifisch M = messbar A = attraktiv R = realistisch T = terminiert
Einbezug der UN-Ziele und der drei Dimensionen der NachhaltigkeitDrei Dimensionen der Nachhaltigkeit: sozial, ökonomisch, ökologisch 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs)

4. Maßnahmen planen und durchführen

AufgabeBeispiel
Was wird benötigt?Mitarbeiterschulungen, Anschaffung neuer Geräte, Neustrukturierung von Arbeitsabläufen, …
Wen betrifft die jeweilige Maßnahme?Reinigungsteam bei Einsatz eines neuen Reinigungsmittels
Start mit PilotphaseSammeln von Erfahrungswerten mit neuen Dosierungen, Waschprogrammen, Arbeitsabläufen, …
Festlegen einer Ansprechperson und FeedbackschleifenSammeln von Erfahrungswerten mit neuen Dosierungen, Waschprogrammen, Arbeitsabläufen, …
Eventuelle Optimierung der Maßnahmeschrittweise Optimierung von neuen Dosierungen und Waschprogrammen bis das Waschergebnis zufriedenstellend ist.

5. Maßnahmen bewerten

AufgabeBeispiel
Vergleich der Ist-Situation vor Einführung der Maßnahme und zum aktuellen ZeitpunktVergleich der Verbrauchszahlen (Wasser, Strom, Gas, …), Feedbackbögen (Zufriedenheit der Mitarbeitenden, Bewohnerinnen und Bewohner, …)
Steht der Nutzen im Verhältnis zum Aufwand?Konnten die Energiekosten tatsächlich gesenkt werden? Erhöhen sich durch neue Prozessabläufe die Personalkosten? Lohnt sich die neue Maßnahme, wenn man beide Faktoren gegeneinander rechnet?
Lässt sich die aktuelle Maßnahme ausbauen?Wechsel auf regionalen Lieferanten mit anschließender Bestellung unverpackter Ware

Fazit

Die Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen in Betrieben erfordert eine individuelle Herangehensweise, da jeder Betrieb über unterschiedliche Ausgangssituationen und Ressourcen verfügt. Daher ist es entscheidend, zuerst eine umfassende Analyse der Ist-Situation durchzuführen und darauf basierend nachhaltige Maßnahmen zu planen. Nur so lässt sich nachvollziehen, ob die eingeführten Maßnahmen erfolgreich waren und einen positiven Beitrag zur ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit des Unternehmens leisten. Und vergessen Sie nicht, Ihre Erfolge gut zu präsentieren!

Checkliste des Bayerischen Landesamts für Umwelt

Für die Planung nachhaltiger Maßnahmen im Betrieb, stellt das Bayerische Landesamt für Umwelt eine umfassende Checkliste zur Verfügung.

Umweltpakt Bayern (Bayerisches Landesamt für Umwelt)

Quellen

Quellen liegen am Kompetenzzentrum Hauswirtschaft vor.