Flusslauf der Isar (© Felix Brundke)

Naturwälder – Bayerns wilde Wälder
Naturwald "Auwälder an der mittleren Isar"

Der Naturwald Auwälder an der mittleren Isar umfasst als größtes Auwaldschutzgebiet Bayerns rund 2.430 ha. Er verbindet auf rund 50 km Länge einen der artenreichsten Lebensräume vom Norden Münchens bis nach Landshut. Die Auwälder an der Isar sind ein naturraumübergreifender, vielfältiger, innig verzahnter Lebensraum von europäischem Rang. Eingebettet in das FFH-Gebiet „Isarauen zwischen Unterföhring und Landshut“ sowie das Vogelschutzgebiet „Vogelfreistätte Mittlere Isarstauseen“ umfassen die flussbegleitenden Waldflächen neben arten- und biotopreichen Auwäldern auch Offenlandlebensräume der Auen. Sie stärken mit ihrer natürlichen Entwicklung die Verbund- und Wanderachse Isar für Flora und Fauna von den Alpen bis zur Donauregion.
Nahaufnahme Knabenkraut (© Felix Brundke)Zoombild vorhanden

Helmknabenkraut
(© Felix Brundke)

Die vielgestaltigen, baumartenreichen Auwälder sind geprägt durch das Wasserregime des zweitgrößten bayerischen Gebirgs- und Voralpenflusses. Je nach Wassereinfluss wachsen hier neben Esche, Stieleiche, Erlen, Feldahorn auch seltene Baumarten wie Schwarzspappel, Silberweide und Flatterulme. Auwälder gehören in Mitteleuropa zu den arten- und strukturreichsten Waldgesellschaften überhaupt und bieten in Verbindung mit Nebenbächen, Altarmen, Still-, Klein- und Kleinstgewässern sowie offenen Landflächen eine mosaikreiche Heimat für eine Vielzahl gefährdeter Arten: Schwarzpappel, Kammmolch, Gelbbauchunke, Waldorchidee Frauenschuh oder die seltene, nur wenige Millimeter große Schmale Windelschnecke. An die Lebensbedingungen im Auwald angepasste Vogelarten, wie Kleinspecht, Pirol, Grauspecht oder Wespenbussard haben hier ebenso ihre Heimat wie der Biber. Er hat sich seinen ursprünglichen Lebensraum zurückerobert. Spuren der „Burgherren“ sowie ihre Bauten können in dem Gebiet beobachtet werden. Sogenannte „Brennen“ werten als kleinflächige, baumfreie Trockeninseln das Gebiet für Pflanzen- und Tierarten, die sich auf einen warmen und trockenen Lebensraum spezialisiert haben, weiter auf.

Lage, Größe und Ausformung

Zwischen Garching bei München und Landshut erstreckt sich der Naturwald meist zu beiden Seiten der Isar über die vier Landkreise München, Freising, Erding und Landshut. Die Naturwälder bilden ein weitgehend zusammenhängendes grünes Band von 2.430 ha Größe entlang des Mittellaufes der Isar. In bis zu einem Kilometer Breite säumt der Auwald den Flusslauf auf einer Länge von insgesamt rund 50 Kilometern.
Übersichtskarte der Naturwälder "Auwälder an der mittleren Isar" bei Freising/München, Moosburg und Landshut
(Geobasisdaten: Bayerische Staatsforsten BaySF, Bayerische Landesvermessung LDBV, Landesamt für Umweld LfU)

Übersichtskarte des Artenschutzgebiets bei der die Ausweisungen als Naturwaldfläche nach Art. 12 a BayWaldG mit dunkelgrüner Farbe eingezeichnet sind. Naturschutzgebiete sind blau und Naturwaldreservate orange schraffiert. (Geobasisdaten: Bayerische Staatsforsten BaySF, Bayerische Landesvermessung LDBV, Landesamt für Umweld LfU)

Charakteristische Waldlebensräume

Die Naturwälder sind von einer Vielzahl charakteristischer Wald-Wasser- und Offenlandlebensräume geprägt. Unter anderem kommen vor:

  • Hartholz-Auwälder mit Esche, Eiche, Ulme und Pappel
  • Weichholz-Auwälder mit Weide und Erle
  • Quell-Wälder
  • Auetypische Gewässerstrukturen wie Altarme, Klein- und Kleinstgewässer
  • Kleinflächige Offenland-Biotope auf Sonderstandorten, wie Brennen oder Quellen
Fotos: Felix Brundke
Biberdamm im Auwald (© Felix Brundke)

Biberdamm im Auwald

Kleingewässer mit umgebrochenen Bäumen und Schilf (© Felix Brundke)

Kleingewässer im Isar-Auwald

Die Isar - umgeben vom Auwald

Die Isar - umgeben vom Auwald

Höhlenbaum

Höhlenbaum

Liegendes Totholz

Liegendes Totholz

Wiese mit Knabenkraut, dahinter der Auwald (© Felix Brundke)

Brenne mit Helmknabenkraut

Charakteristische Arten mit Waldbezug

Die strukturreichen, mit Totholz und Biotopbäumen angereicherten Wälder bieten abwechslungsreiche Lebensräume für eine Vielzahl heimischer, auwaldtypischer Arten, u. a.:

  • Waldorchidee Frauenschuh
  • Biber
  • diverse Amphibien, u. a. Kammmolch, Springfrosch
  • diverse Waldfledermausarten
  • Grauspecht, Wespenbussard, Turteltaube
  • Pirol
  • Kleinspecht
  • Mittelspecht
  • Halsbandschnäpper
Nahaufnahme einer gelb-roten Frauenschuh-Blüte, im Hintergrund zwei weitere Pflanzen

Gelber Frauenschuh
(© Gero Brehm)

Biber am Seeufer sitzend

Biber
(© H.-J. Fünfstück)

Kammmolch in menschlicher Hand

Kammmolch
(© Philipp Gilbert)

Zwei Grauspechte an Spechthöle

Grauspechte
(© Norbert Wimmer)

Wespenbussard sitzt auf Ast

Wespenbussard
(©H.-J. Fünfstück)

Zwei Turteltauben sitzen auf Ast

Turteltauben
(©H.-J. Fünfstück)

Pirol sitzt auf einem Ast

Pirol
(© H.-J. Fünfstück)

Besonderheiten

Der mittlere Abschnitt der Naturwälder zwischen Garching und Moosburg besitzt eine besondere Bedeutung als Einstand und Lebensraum der dortigen Rotwildpopulation. Es handelt sich hierbei um das einzige Rotwildgebiet zwischen Donau und Alpenraum. Das Vorkommen umfasst rund 300 Hirsche, Hirschkühe und -kälber (Fischer A. & Wotschikowsky, W., 2004).

Naturwaldflächen erleben

Die natürliche, ungestörte Entwicklung der Naturwälder bietet die Möglichkeit, der Natur bei diesem spannenden Weg „über die Schulter zu schauen“. Hierfür stehen Besucherinnen und Besuchern Forststraßen und je nach Gebiet Parkplätze, Rad- und Wanderwege zur Verfügung. Die Wege können gemäß ihrer Bestimmungen genutzt werden. Fußgängern und Wanderern gilt hierbei der Vorrang.
Schwarzpappel (© Felix Brundke)
Hinweis: Mehr Natur – mehr Totholz
In Naturwäldern wird die natürliche Entwicklung von Wäldern mit jungen, alten und absterbenden Bäumen geschützt. Ein erhöhter Totholzanteil ist hier durchaus erwünscht. Umfallendes Totholz und herabfallende Äste gehören zu waldtypischen Gefahren und können auf diesen Flächen in verstärktem Maße auftreten. Bitte seien Sie sich dieser waldtypischen Gefahren bewusst und verlassen Sie den Naturwald bei stärkerem Wind umgehend. Der Besuch des Naturwaldes erfolgt auf eigene Gefahr.

Foto: Schwarzpappel mit Totholzanteil (© Felix Brundke)

In den zahlreichen Anliegergemeinden des Naturwaldes werden öffentliche Parkplätze angeboten, von wo aus man Ausflüge in den Naturwald zu Fuß oder mit dem Rad unternehmen kann. Darüber hinaus bieten folgende Parkplätze einen Zugang:

  • Am Südrand des Naturwaldes gibt es nördlich der B 471 Parkmöglichkeiten, die über die B 471 angefahren werden können.
  • Östlich von Neufahrn, an der Staatsstraße St 2053 liegt nördlich und südlich der Staatsstraße je ein Parkplatz.
  • Südlich der Ortschaft Bruckberg liegt am Waldrand in fußläufiger Entfernung zum Naturwald ein Wanderparkplatz.
Die Landkreise Freising, Erding und Landshut bieten auf ihren Webseiten eine Vielzahl an Tourenvorschlägen mit detaillierten Beschreibungen an. Beispielhaft werden im Folgenden zwei Wanderwege im Naturwald beschrieben.

Südlicher Bereich des Naturwaldes

  • Der „Alte Seebachweg“ verbindet die Parkplätze nahe der B471 bei Ismaning und an der St 2053 bei Mintraching. Auf einer Länge von rund 9 km ist es möglich beinahe den ganzen südlichen Teil des Naturwaldes zu durchwandern. Es besteht Verbindung zu weiteren Wanderwegen Richtung München sowie Richtung Moosburg und Landshut.

Nördlicher Bereich des Naturwaldes

  • In der Nähe von Altdorf, südwestlich von „Klötzlmüller-Viertel“, bietet der „Plantagenweg“ Zugang zum Naturwald. Er endet in der Nähe der Autobahnbrücke und hat Anschluss an den Radweg, der zum Wanderparkplatz südlich der Ortschaft Bruckberg führt.
Radweg im Auwald am Fluss entlang (© Felix Brundke)Zoombild vorhanden

Isarradweg
(© Felix Brundke)

Isarradweg
Der Isarradweg begleitet die Isar auf ihrem landschaftlich reizvollen Weg von der Quelle bis zu ihrer Mündung in die Donau. Verschiedene Etappen des knapp 300 Kilometer langen Radweges führen zwischen München und Landshut durch den Naturwald.

Ein guter Startpunkt ist Parkplatz an der B 471 am südlichen Rand des Naturwaldes. Der Isarradweg führt direkt am Parkplatz vorbei Richtung Norden und folgt dem Lauf der Isar im Naturwald bis nach Moosburg. Ab hier verlässt der Radweg den Naturwald und verläuft südlich der Isar außerhalb des Waldes Richtung Landshut.

www.isarradweg.de Externer Link

Radweg bei Bruckberg
Vom Parkplatz südlich der Ortschaft Bruckberg führt ein Radweg Richtung Isar und mündet in der Nähe der Autobahnbrücke in den Plantagenweg. Dieser führt durch einen Großteil des Naturwaldes und endet in der Nähe von Altdorf, südwestlich von „Klötzlmüller-Viertel“.

Ansprechpartner

Wollen Sie mehr über die Naturwaldfläche Isarauen erfahren, stehen Ihnen die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Landshut, Erding und Ebersberg als Ansprechpartner zur Verfügung.