Schutzfunktion des Waldes

Die Schutzfunktionen des Waldes sind vielfältig. Im bayerischen Alpenraum schützt der Bergwald den Menschen vor Lawinen, Steinschlag, Muren und Hochwasser. Aber auch in tieferen Lagen Bayerns spielt der Wald eine tragende Rolle im Hochwasserschutz und der Sicherstellung von sauberen Trinkwasser für den Menschen.

Aktualisiert am: 19.06.2026
Drucken

Der Berg- und Schutzwald in den bayerischen Alpen

Tannenkrone mit Bergwald im Hintergrund © Michael Friedel

Rund 260.000 Hektar der bayerischen Alpen sind mit Wald bedeckt. Bergwälder bieten den Menschen und der Infrastruktur im bayerischen Alpenraum einen wirksamen Schutz vor Naturgefahren wie Steinschlag, Muren, Hangrutschungen oder Lawinen. Sie schützen den Boden aber auch vor Erosion, haben eine besondere Bedeutung für den Hochwasserschutz und spenden sauberes Trinkwasser. Gleichzeitig liefern sie den nachwachsenden Rohstoff Holz. Gäste aus nah und fern finden dort Erholung und Ausgleich. Die seit Jahren steigenden Besucherzahlen zeigen, dass die Alpen und ihre Wälder für die Freizeitgestaltung zunehmend attraktiver werden. Überdies gibt es in den bayerischen Alpen große zusammenhängende und naturschutzfachlich besonders wertvolle Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen.

Im Alpenraum erwarten Experten weitaus spürbarere Auswirkungen des Klimawandels als im übrigen Bayern. Vor allem die Erwärmung schreitet dort schneller voran und wird sich auf den Wald und dessen Baumartenzusammensetzung auswirken. Gleichzeitig stellen vorhergesagte häufigere Starkniederschläge hohe Anforderungen an die Bergwälder. Die Stabilisierung der Wälder und die natürliche Regulierung des Wasserabflusses werden an Bedeutung gewinnen.

Bergwaldoffensive

Die Anpassung der Bergwälder an den Klimawandel und der Erhalt ihrer Schutzfunktionen stellen gerade im oft kleinflächig strukturierten Privat- und Körperschaftswald die Eigentümer vor besondere Herausforderungen. Aus diesem Grund hat die Bayerische Staatsregierung bereits 2008 im Rahmen des Klimaprogramms die Bergwaldoffensive (BWO) ins Leben gerufen. Sie unterstützt mit einem gezielten Maßnahmenbündel die privaten und kommunalen Waldbesitzer bei ihrem Bemühen, den Bergwald für den Klimawandel fit zu machen. Waldbesitzer, Jäger, Naturschützer, Almbauern, Tourismusverbände bis hin zu den Kommunen erarbeiten gemeinsam vor Ort angepasste Lösungsansätze insbesondere in den Bereichen Waldpflege, Wegebau, Jagdmanagement, Biotoppflege und Trennung von Wald und Weide.

Baumarten und Holzvorrat im Bergwald

Ast mit Nadeln der Gemeinen Fichte © Jan Böhm
Fichtenast

Wie die Bundeswaldinventur 2022 ergab, ist der Wald im Gebirge älter und hat größere Vorräte je Hektar als Wald im Flachland. Mit einem Anteil von rund 69 Prozent herrschen im Bergwald die Nadelbaumarten vor. Die Fichte, die im Alpenraum einen ihrer natürlichen Verbreitungsschwerpunkte hat, dominiert den Waldaufbau deutlich. Die Tanne rangiert an zweiter Stelle bei den Nadelbaumarten, gefolgt von der Kiefer. Lärchen und Zirben spielen in den bayerischen Alpen lediglich eine untergeordnete Rolle. Die vorherrschende Laubbaumart im bayerischen Alpenraum ist die Buche, gefolgt von Bergahorn und Esche, die beide zu den Edellaubbaumarten zählen. Ein kleiner Flächenanteil verteilt sich auf sonstige Laubbaumarten wie Vogelbeere, Mehlbeere, Erle, Birke und Weide.

Wegen der extremen klimatischen Bedingungen im Hochgebirge wachsen die Bäume in den Alpen wesentlich langsamer als im Flachland. Die Bergwälder sind mit durchschnittlich 118 Jahren älter als die Wälder im Mittel in Bayern mit 88 Jahren. Mit rund 443 Vorratsfestmeter pro Hektar liegt der durchschnittliche Holzvorrat im Bergwald etwa zehn Prozent über dem bayerischen Landesmittel. Seit vielen Jahrzehnten liegt die Holznutzung deutlich unter dem Zuwachs.

Schutzfunktionen

Bergwald schützt vor Erosion, Lawinen und Hochwasser

Von den 260.000 Hektar Bergwald erfüllen rund 57 Prozent vorrangige Schutzfunktionen und sind durch das Waldgesetz für Bayern (BayWaldG) besonders geschützt. Die Erhaltung intakter Schutzwälder bzw. deren Wiederherstellung ist daher eine forstpolitische und gesellschaftspolitische Aufgabe von hohem Rang. Dazu ist es notwendig, die Berg- und Schutzwälder zu pflegen und zu bewirtschaften. Die vielfältigen Schutzfunktionen der Gebirgswälder werden von der Bayerischen Forstverwaltung im Rahmen der Waldfunktionsplanung erfasst und in Karten dargestellt.

In den Regionen Allgäu, Oberland und Südostbayern haben rund
  • 50 Prozent der Waldfläche besondere Bedeutung für den Bodenschutz; 
  • 30 Prozent der Waldfläche besondere Bedeutung für den Lawinenschutz;
  • 85 Prozent der Waldfläche sind Wildbacheinzugsgebiete. 

Viele Waldflächen erfüllen sogar mehrere dieser Funktionen gleichzeitig.

Gefahren für den Schutzwald

Windwurffläche am Berghang mit bergiger Landschaft im Hintergrund © Michael Friedel
Windwurf im Gebirge

Große Temperaturschwankungen, hohe Schneelagen, heftige Stürme, Starkniederschläge und kräftige Sonnenstrahlung: Das sind einige der abiotischen Faktoren, mit denen die Berg- und Schutzwälder zurechtkommen müssen. Die Bedingungen im Gebirge sind in jeder Hinsicht extrem. Die Prognosen gehen davon aus, dass als Folge der Klimaveränderungen diese Extreme eher zu- als abnehmen werden. Dazu kommen biotische Gefahren, beispielsweise durch Borkenkäfer und Wildverbiss. Diese Umstände stellen große Herausforderungen für den Bergwald dar und können seine wichtigen Schutzfunktionen dauerhaft schwächen.

Schutzwaldpflege

Berg- und Schutzwälder erfüllen ihre vielfältigen Funktionen für das Gemeinwohl am besten, wenn sie sich aus standfesten, vitalen und widerstandsfähigen Bäumen zusammensetzen, die optimal an die mitunter extremen Wuchsbedingungen im Gebirge angepasst sind. Sich selbst überlassene Wälder können – trotz beachtlicher ökologischer Stabilität – Eigenschaften aufweisen, die ihre Schutzwirkung einschränken. Schutzwälder bedürfen deshalb teils intensiver Pflege. Sie fördert insbesondere stufige, ungleichaltrige und stabile Waldstrukturen, bei denen im Katastrophenfall die Verjüngung schon in den Startlöchern steht. Schutzwaldpflege begünstigt standortgemäße Mischbaumarten. Wo diese fehlen, werden sie auf dem Weg der Pflanzung eingebracht.

Schutzwaldpflege wird gefördert

Die Bewirtschaftung der Berg- und Schutzwälder ist wesentlich schwieriger und aufwändiger als im Flachland. Waldpflegemaßnahmen verursachen deshalb weit höhere Kosten. Aus diesem Grund unterstützt der Freistaat Bayern die privaten und kommunalen Waldbesitzer im Rahmen verfügbarer Haushaltsmittel über sein forstliches Förderprogramm seit Jahren bei der Schutzwaldpflege mit erhöhten Fördersätzen, um die Schutzfunktionen der Wälder zu erhalten oder zu verbessern.

Schutzwaldsanierung

Als sanierungsnotwenig gelten Schutzwälder, wenn ihre Funktionstauglichkeit deutlich gestört ist und diese im Rahmen der regulären Waldbewirtschaftung nicht wieder hergestellt werden kann. 1986 erhob die Bayerische Forstverwaltung den Zustand der Schutzwälder in allen Waldbesitzarten und leitete daraus eine langfristige Gesamtplanung für die Schutzwaldsanierung im bayerischen Alpenraum ab. Seither wird der Plan in regelmäßigen Abständen fortgeschrieben und den neuesten Erkenntnissen angepasst.

Weitere Informationen zur Schutzwaldsanierung:

Jagd im Gebirge

Jäger mit Hund im Schutzwald. Im Hintergrund Dreibeine aus Holz und bewaldete Berghänge. (Foto: Matthias Ziegler/BaySF) © Matthias Ziegler/BaySF

Bayerns Bergwälder sind Lebensraum für die Schalenwildarten Rot-, Reh- und Gamswild sowie zum Teil seltener Wildarten, die nicht bejagt werden. Trotz unterschiedlicher Ansprüche an ihren Lebensraum überlappen sich deren Habitate vor allem im Waldbereich. Um Wildschäden in sensiblen Schutzwaldlagen auf ein verträgliches Maß zu reduzieren, muss beim Jagdmanagement konsequent auf angepasste Wildbestände der drei Schalenwildarten hingewirkt werden.

Waldweide

Kuh im Wald © Michael Friedel
Waldweide

Als im April 1958 das Gesetz über die Forstrechte in Bayern in Kraft trat, waren rund 120.000 Hektar Bergwald in Oberbayern mit Weiderechten belastet. Dies entsprach in etwa zwei Drittel der Staatswaldfläche, auf der sich die Mehrzahl der Weiderechte konzentrierte. In den letzten Jahrzehnten ist es gelungen, auf mehr als der Hälfte der ehemals weiderechtsbelasteten Fläche in den bayerischen Alpen Wald und Weide zu trennen. Heute existieren im bayerischen Staatswald noch auf etwa 48.000 Hektar Weiderechte mit Schwerpunkt in den oberbayerischen Alpen. Gleichzeitig konnte die Zahl der aufgetriebenen Tiere verringert und somit die Waldbestände entlastet werden.

Zwei wichtige landeskulturelle Ziele verfolgt die Weiderechtsbereinigung in den bayerischen Alpen:
  • Erhalt der traditionellen Bewirtschaftung unserer Almen durch leistungs- und zukunftsfähige landwirtschaftliche Betriebe
  • Entlastung insbesondere des Schutzwaldes von landeskulturell nachteiligen Waldweiderechten

Politische Aktivitäten rund um den Bergwald

Wasserschutzgebiete in Bayerns Wäldern

Überdurchschnittlich viele Wasserschutzgebiete liegen in Bayern in Wäldern. Insgesamt sind es annähernd zwei Drittel der Wasserschutzgebiets-Flächen oder rund 140.000 Hektar. Zum Vergleich: Der Anteil der Waldflächen an der Gesamtfläche Bayerns liegt nur bei gut einem Drittel (36 Prozent). Das zeigt, welche positive Wirkung der Wald auf unser Grundwasser hat.

Während die Schwefelbelastung der Wälder rückläufig ist, ist beim Stickstoff keine Abnahme der atmosphärischen Einträge zu erkennen, wie die Daten der bayerischen Waldklimastationen zeigen. Gleichzeitig wird aber ein geringerer Stickstoffaustrag beobachtet. Diese Messergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Waldböden noch über Speicherkapazitäten verfügen. Auch die Ergebnisse der Anfang der 2000er durchgeführten Bayerischen Nitratinventur und der fünf Jahre später erfolgten zweiten Bodenzustandserhebung (BZE II) bestätigen das. Die flächenrepräsentativen Untersuchungen zeigten, dass die Wälder noch in der Lage sind, Stickstoff im Ökosystem zurückzuhalten.

LWF-aktuell 66: Wald und Wasser externer Link

Ihre Ansprechpartner

Bei Fragen rund um den Berg- und Schutzwald, zur Schutzwaldsanierung oder zu Wasserschutzgebieten in Bayern stehen Ihnen die Försterinnen und Förster der Bayerischen Forstverwaltung jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

Weitere Informationen