GAP ab 2023 - Was kommt auf die Landwirte zu?

Die wesentlichen Neuerungen der GAP ab 2023 sind das Neue Umsetzungsmodell sowie die Grüne Architektur. Beim Neuen Umsetzungsmodell steht die Zielerreichung im Vordergrund. Es steht nicht mehr die alleinige Überprüfung der einzuhaltenden Regeln im Vordergrund. Die Bewertung der EU-Kommission zielt künftig insbesondere darauf ab, ob jeder Mitgliedstaat seine selbst gesetzten Ziele erreicht hat. Jeder Mitgliedstaat legt seine Ziele in einem nationalen GAP-Strategieplan fest.

Die Grüne Architektur der neuen GAP zielt auf eine nachhaltigere Nutzung der natürlichen Ressourcen Boden, Wasser und Luft ab. Das heißt konkret, allen Landwirten werden künftig deutlich mehr Leistungen im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei einem etwa gleichbleibendem EU-Agrarbudget abverlangt. Die Gesellschaft wünscht sich mehr Leistungen im Bereich Nachhaltigkeit und Tierwohl. Unsere Betriebe werden durch die neue GAP künftig mehr Möglichkeiten haben, Leistungen in diesen Bereichen durch Transferzahlungen vergütet zu bekommen.

Für das StMELF ist dabei entscheidend, Ökologie und Ökonomie zusammenzubringen und Maßnahmen durchzusetzen, mit denen insbesondere kleine und mittlere Familienbetriebe gestärkt werden.

Bayerische Betriebe können in der neuen GAP z. B. besonders profitieren von:

  • einer deutlich gestärkten Umverteilungsprämie (Anhebung von 7 % auf 12 % des Direktzahlungsbudgets)
  • einer Verdreifachung der Junglandwirte-Prämie (134 €/ha bis maximal 120 ha für maximal 5 Jahre!)
  • Beitragszuschüssen zu Mehrgefahrenversicherungen

Mit unserem Kulturlandschafts- und Vertragsnaturschutzprogramm wird in Bayern schon heute ein Spitzenniveau im Bereich der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen erreicht. Da die neuen Öko-Regelungen künftig Teile der bayerischen Landesprogramme übernehmen, ermöglichen dadurch freiwerdende Mittel zusätzliche Maßnahmen in der 2. Säule, um bayerische Betriebe krisenfest und zukunftsfähig aufzustellen, wie z.B.:

  • Ausdehnung Ökolandbau (+ 20 Mio. €/Jahr für Ausbaupfad hin zu 30 % in 2030)
  • Neue Fördermaßnahmen wie kleinteilige Flächen, Lebensraum für Feldvögel & Insekten, Humusmehrung und blühende Ackerkulturen
  • Tierwohlprämien (in Ergänzung zum Konzept der sog. "Borchert-Kommission")

Dabei ist es das erklärte Ziel im Sinne des Bayerischen Weges in der Agrarpolitik, für alle Betriebsgrößen passgenaue Maßnahmen anbieten zu können.

Grafik: Grundlegend neue Struktur der GAP

KERNPUNKTE DER NATIONALEN UMSETZUNGEN

Umsetzung der neuen GAP in Deutschland – 1. Säule

2023202420252026
Basisprämie157 €155 €152 €147 €
Umverteilung bis 40 ha69 €68 €67 €65 €
Umverteilung 41 bis 60 ha41 €41 €40 €39 €
Gekoppelte Zahlung, Mutterschaf und -ziege35 €34 €34 €33 €
Gekoppelte Zahlung, Mutterkuh78 €77 €76 €74 €
Junglandwirte-Prämie134 €134 €134 €134 €

Zahlungsansprüche

  • Die Einkommensgrundstützung wird als bundeseinheitlicher Betrag je Hektar förderfähige Fläche gewährt (System der Zahlungsansprüche wird zum 1. Januar 2023 abgeschafft; Wert der ZA verfällt)
  • Vereinfachte Verfahren für Zahlungen an Kleinlandwirte werden nicht angewendet – gleiches System für alle
  • Aktiver Betriebsinhaber
    • Mitgliedschaft in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung
    • oder §§ 125 (Bahn, Bund) oder 128 (Land) VII. SGB
    • oder weniger als 5.000 € Direktzahlungen im Vorjahr

Umschichtung von Direktzahlungsmitteln in die 2. Säule (bis 2020: 4,5%)

  • Übergangsperiode: 2021: 6 % 2022: 8 %
  • Neue Förderperiode: 2023: 10 % 2024: 11 % 2025: 12,5 % 2026: 15 %
  • Die umgeschichteten Mittel werden zweckgebunden eingesetzt für:
    • AUKM
    • Tiergerechte Haltung und Tierwohl
    • Schutz der Ressource Wasser
    • Ökolandbau
    • benachteiligte Gebiete

Anhebung der Umverteilungsprämie (erste Hektare) von 7 % auf 12 % der DZ-Mittel

  • 1 bis 40 ha: 69 bis 65 €/ha
  • 41 bis 60 ha: 41 bis 39 €/ha
  • Umverteilungsprämien sinken – wie alle weiteren Direktzahlungen (Ausnahme Junglandwirteprämien) – im Lauf der Jahre wegen steigender Umschichtung

Einführung gekoppelter Direktzahlungen (2 % der DZ-Mittel nach Umschichtung)

  • Mutterschafe und -ziegen
    • mind. 6 Muttertiere
    • 35 € pro Muttertier
    • mind. 10 Monate alt, Haltung vom 15. Mai bis mind. 15. August
    • Pflicht zur Registrierung und Kennzeichnung von Tieren
  • Mutterkühe
    • mind. 3 Muttertiere
    • 78 € pro Mutterkuh
    • Haltung vom 15. Mai bis mind. 15. August
    • Pflicht zur Registrierung und Kennzeichnung von Tieren
    • Betriebsinhaber darf keine Kuhmilch oder Kuhmilcherzeugnisse abgeben (reine Mutterkuhbetriebe wg. Abgrenzungsproblemen)

Junglandwirteprämie

  • Anhebung der Junglandwirteprämie auf mind. 3 % der DZ-Mittel (EU-Beschluss)
  • 134 €/ha bis maximal 120 ha für max. 5 Jahre
  • Voraussetzung:
    • Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Landwirtschaft oder
    • Studienabschluss oder
    • erfolgreiche Teilnahme an Bildungsmaßnahmen zur Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes im Umfang von mind. 300 Stunden oder
    • mind. zwei Jahre zu mind. 15 Std/Woche im landwirtschaftlichen Betrieb beschäftigt

Öko-Regelungen – neuer Baustein der Direktzahlungen

  • Liste mit 7 Öko-Regelungen
  • Dafür sind jährlich 23 % der DZ-Mittel vorgesehen
  • Begünstigte haben einen Rechtsanspruch auf die Zahlungen
  • Kompliziertes Kürzungsschema, wenn zu viele Ökoregelungen beantragt werden (betrifft auch Basisprämie, erste Hektare und gekoppelte Prämie)

KONDITIONALITÄT ALS VORAUSSETZUNG FÜR DEN ERHALT VON EU-ZAHLUNGEN

Konditionalität (ersetzt Cross Complaince)

  • Die Anforderungen der Konditionalität bestehen aus
    • Grundanforderungen an die Betriebsführung (GAB)
    • Standards für den guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand von Flächen (GLÖZ)
    • ab 2025 Regelungen zur Beschäftigung von Arbeitnehmern, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Mindestvorschriften für Arbeitsmittel ("Soziale Konditionalität")
  • Konditionalität muss von allen Empfängern von Flächenzahlungen eingehalten werden und ist die Grundlage (Baseline) für die Öko-Regelungen der 1. Säule und flächenbezogenen Zahlungen in der 2. Säule
  • Eine Nicht-Einhaltung dieser Vorschriften wird bei den Zahlungen sanktioniert
  • Details der Ausgestaltung legen die Mitgliedstaaten fest
  • Grundsätzlich: alle Regelungen gelten erst mit Inkrafttreten der GAP-KondV, frühestens am 01.01.2023
  • D.h. alle Regelungen, die den Anbau im Herbst betreffen (z.B. GLÖZ 6 und Teile von GLÖZ 8) werden erst im Sommer und Herbst 2023 relevant
  • Alle Vorgaben, die auf Kulissen beruhen (z.B. GLÖZ 2 und GLÖZ 5) werden erst mit Inkrafttreten der LandesVO und der darin veröffentlichten Kulisse relevant
  • Und schließlich sind GLÖZ 7 und GLÖZ 8 2023 „ausgesetzt“ (die 2023 geltenden Regelungen vgl. GAPAusnV)

Konditionalität (GAB)

  • Die Grundanforderungen an die Betriebsführung (GAB) beinhalten u. a. Anforderungen aus dem bestehenden Fachrecht, z. B. Regelungen zur Düngung und zum Pflanzenschutz, Tierseuchen, Tierkennzeichnung
  • Streichung von Regelungen zur Registrierung und Kennzeichnung von Tieren in der Konditionalität ist auf EU-Ebene angenommen worden (langjährige Forderung
  • Ausnahme: bei gekoppelten Tierprämien muss die Tierkennzeichnung weiterhin geprüft und Verstöße bei diesen Prämien sanktioniert werden
  • fachrechtliche Pflicht zur Kennzeichnung bleibt erhalten (Bußgeldbewährung)

Konditionalität (GLÖZ 1: Erhalt von Dauergrünland)

  • Dauergrünland darf grundsätzlich nur mit Genehmigung umgewandelt werden – Ersatzflächen sind erforderlich
  • Bei Dauergrünland, das ab 2015 oder im Rahmen von bestimmten Agrarumweltmaßnahmen entstanden ist, wird die Genehmigung ohne Ersatzfläche erteilt
  • Stichtagsregelung: Dauergrünland, das ab dem 1. Januar 2021 neu entstanden ist, kann vorbehaltlich anderer rechtlicher Regelungen ohne Genehmigung umgewandelt werden
  • Geringfügige Umwandlung bis zu 500 m² grundsätzlich ohne Genehmigung erlaubt (Bagatellregelung)
  • Nimmt der DGL Anteil einer Region um mehr als 4% ab, werden keine Genehmigungen mehr erteilt, auch die Bagatellregelung findet dann keine Anwendung
  • 5-Jahresregelung zur Entstehung des Dauergrünlandes bleibt grundsätzlich bestehen
  • Neu ist allerdings, dass bei einem Grünfutterwechsel die Fünfjahresfrist zur Entstehung von Dauergrünland auf einer Fläche neu beginnt. Ein Grünfutterwechsel liegt dabei vor, wenn entweder Gras nach dem Anbau einer Mischung von Gras und Leguminosen oder eine Mischung von Gras und Leguminosen nach dem Anbau von Gras angesät wird.

Konditionalität (GLÖZ 2: Kohlenstoffreiche Böden)

  • Kohlenstoffreiche Böden (Feuchtgebiete und Moore) sollen angemessen geschützt werden
  • Für die Neuanlage und Instandsetzung bzw. Erneuerung von Entwässerungsanlagen gelten ab 1. Januar 2023 folgende Verpflichtungen:
    • Erstmalige Entwässerung in der Gebietskulisse Genehmigung nur mit Genehmigung der zuständigen Behörden unter Beachtung insbesondere klimarelevanter Belange im Einvernehmen mit der zuständigen Naturschutz- und der zuständigen Wasserbehörde
    • Instandsetzung und Erneuerung nur zulässig, wenn damit keine Tieferlegung des Entwässerungsniveaus erfolgt
    • Ausnahmen möglich, wenn es für die Sicherstellung der landwirtschaftlichen Nutzung zwingend erforderlich ist
  • Dauergrünland darf nicht umgewandelt oder gepflügt werden
  • Dauerkulturen dürfen nicht in Ackerland umgewandelt werden
  • Auf Ackerflächen keine Veränderung des Bodenprofils durch
    • Eingriffe mit schweren Baumaschinen
    • Bodenwendung tiefer als 30 cm
    • Aufsandung
  • Die Gebietskulisse wird erarbeitet (Corg-Gehalte mind. 7,5 % organischer Bodenkohlenstoff oder 15 % organische Bodensubstanz)
  • Innerhalb der Gebietskulisse ist eine standortangepasste nasse Nutzung im Sinne einer Paludikultur zulässig
    • Dies gilt nicht für besonders schützenswertes Dauergrünland (FFH- Vogleschutzgebiete; geschützte Biotope)

Konditionalität (GLÖZ 3: Abbrennen von Ackerstoppeln)

  • Stoppelfelder dürfen nicht abgebrannt werden

Konditionalität (GLÖZ 4: Pufferstreifen an Gewässer)

  • Betroffen sind alle Gewässer (natürlich und künstlich) nach WHG
  • Ausgenommen sind Gewässer von wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung
  • Dies entspricht der Gewässerdefinition im Dünge- und Pflanzenschutzrecht, allerdings nicht exakt der Gewässerdefinition für Gewässerrandstreifen nach Bayerischem Naturschutzrecht (natürliche und naturnahe Gewässer)
  • Schaffung von Pufferstreifen an Gewässern (3 m) mit Verbot des Ausbringens von Dünge-/Pflanzenschutzmitteln ab Böschungsoberkante
  • Stilllegung nach GLÖZ 8 entlang der Gewässer möglich

Konditionalität (GLÖZ 5: Erosion)

  • 2 Gefährdungsstufen (KWind, KWasser1 und KWasser2)
  • Neben den Faktoren K (Bodenerosivität) und S (Hangneigung) muss der Faktor R (Regenerosivität) aufgenommen werden
  • KWasser1: Pflugverbot von 1. Dezember bis 15. Februar; nach Ernte der Vorfrucht darf nur bis zum 30.11. gepflügt werden
  • KWasser2: wie KWasser1 plus Pflug nur bei unmittelbar folgender Saat plus Pflugverbot vor Reihenkulturen
  • Raue Winterfurche bleibt in Bayern erlaubt, sofern:
    • Frühzeitige Aussaat einer frühen Sommerung
    • Bearbeitung quer zum Hang (nur KWasser1)
    • Abdeckung mit Vlies oder Kulturschutznetzen
    • Erosionsschutzstreifen
    • Begrünte Abflusswege
    • Rasenbildende Kultur als Vorfrucht
    • Hangteilung durch Kulturwechsel Sommerung-Winterung

Konditionalität (GLÖZ 6: Mindestbodenbedeckung)

Mindestbodenbedeckung in sensiblen Zeiten

  • Eine Mindestbodenbedeckung wird auf mindestens 80% der Ackerfläche eines Betriebs vorgeschrieben; auf den verbleibenden 20% gelten diesbezüglich keine Vorgaben
  • Als Mindestbodenbedeckung gelten:
    • Mehrjährige Kulturen
    • Winterkulturen
    • Zwischenfrüchte
    • Stoppelbrachen von Körnerleguminosen und Getreide (inkl. Mais)
    • Begrünungen
    • Mulchauflagen (inkl. Belassen von Ernteresten)
    • Mulchende, nicht wendende Bodenbearbeitung (z. B. mittels Grubber oder Scheibenegge)
    • Abdeckung durch Folien, Vlies oder engmaschigem Netz
  • Grundsatz-Zeitraum für die Mindestbodenbedeckung: 15. November des Antragsjahres bis zum 15. Januar des Folgejahres
  • Abweichende Zeiträume gelten für folgende Ackerflächen:
    • Ackerflächen mit frühen Sommerkulturen: Mindestbodenbedeckung vom 15. September bis 15. November
    • Ackerflächen mit schweren Böden: Mindestbodenbedeckung von der Ernte bis 1. Oktober

Definition frühe Sommerungen: sind vor allem Sommergetreide (ohne Mais, Hirse), Leguminosen (ohne Soja), Sonnenblumen, Sommerraps, Sommerrübsen, Körnersenf, Körnerhanf, Leindotter, Lein, Mohn, Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen, Küchenkräuter, Faserhanf, Buchweizen, Amaranth, Quinoa, Kleegras, Klee-, bzw. Luzernegras-Gemisch, Ackergras, Grünlandeinsaat, Kartoffeln, Rüben, Gemüsekulturen (z.B. Radieschen, Rettich, Salate, Möhren, Petersilie, Pastinaken, Spinat)

Aussaattermin frühe Sommerung: die Aussaat muss spätestens bis 31. März, in höheren Lagen (Mittelgebirge, Hochgebirge) bis 15. April erfolgen.

  • Auf Ackerland mit zur Bestellung im Folgejahr vorgeformten Dämmen gilt Folgendes: Zwischen den Dämmen ist vom 15. November des Antragsjahres bis zum 15. Januar des Folgejahres eine Begrünung zuzulassen.
  • Auf Obstbaumkulturen und Weinbauflächen darf eine vorhandene Begrünung zwischen den Reihen zwischen dem 15. November des Antragsjahres bis 15. Januar des Folgejahres auf 100 % der Flächen nicht beseitigt werden.
  • Brachliegende Ackerflächen und Dauergrünlandflächen, die nicht für die landwirtschaftliche Produktion verwendet werden, sind der Selbstbegrünung zu überlassen oder durch Ansaat zu begrünen. Im Zeitraum vom 1. April bis zum 15. August eines Jahres ist das Mähen oder Zerkleinern des Aufwuchs auf diesen Flächen verboten.

Konditionalität (GLÖZ 7: Fruchtwechsel)

  • Wird im Jahr 2023 aufgrund einer EU Vorgabe und der Umsetzung in Deutschland ausgesetzt
  • Künftige Neuregelung:
    • Auf mindestens 33 Prozent AF eines Betriebes hat – bezogen auf das Vorjahr - eine Wechsel der Hauptkultur zu erfolgen.
    • Auf mindestens weiteren 33 Prozent AF hat ein Fruchtwechsel durch jährlichen Wechsel der Hauptkultur oder durch den Anbau einer Zwischenfrucht oder durch die Begrünung durch Untersaat zu erfolgen (Aussaat Zwischenfrucht / Begrünung muss vor dem 15. Oktober erfolgen und muss bis zum 15. Februar des Folgejahres auf der Flächen belassen werden).
    • Auf der restlichen Ackerfläche findet ein Wechsel der Hauptkultur spätestens im dritten Jahr, erstmals im Jahr 2024, statt.
    • Sommerungen und Winterungen sind unterschiedliche Kultur (wie Öko-Regelung).
    • Ausgenommen von der FF-Regelung sind Mais zur Herstellung von anerkanntem Saatgut, Tabak und Roggen.
    • Sammelcodes im Gartenbau gelten als Fruchtwechsel.
    • Die Verpflichtung gilt nicht bei mehrjährigen Kulturen, Gras oder anderen Grünfutterpflanzen oder brachliegenden Flächen.
  • Ausnahmen gemäß Bundesrecht für Betriebe
    • bei > 75 % der AF für Grünfutter, Leguminosen, Brache (verbleibende AF muss kleiner 50 ha sein)
    • bei > 75 % der LF als DGL oder für Grünfutterpflanzen (verbleibende LF muss kleiner 50 ha sein)
    • für bis zu 10 ha AF
    • Öko-Betriebe sind befreit

Konditionalität (GLÖZ 8: Nichtproduktive Ackerflächen)

  • Wird im Jahr 2023 aufgrund einer EU Vorgabe und der Umsetzung in Deutschland ausgesetzt.
    • Verfügt der Landwirt über Flächen, die in den Jahren 2021 und 2022 stillgelegt waren, kann er die Ausnahme nur nutzen, wenn diese Flächen stillgelegt bleiben.
    • Und kein Anbau von Mais, Soja und Kurzumtriebs-Plantagen auf mind. 4% der Ackerflächen.

Ab 2024:

  • Mindestens 4 % der Ackerfläche eines Betriebes sind als nichtproduktive Fläche (Brache) oder Landschaftselemente zu verwenden.
  • Mindestparzellengröße 0,1 ha.
  • Verbot von Dünger und Pflanzenschutzmitteln.
  • Neben Selbstbegrünung auch aktive Begrünung durch Aussaat (aber keine landwirtschaftliche Kultur in Reinsaat) zulässig.
  • Brache ganzjährig, beginnend nach der Ernte der Hauptfrucht im Vorjahr, aber: ab 01.09. Aussaat / Pflanzung (keine Ernte vor Jahresablauf) bzw. Beweidung durch Schafe oder Ziegen möglich.
  • Ausnahmeregelung für die Vorbereitung und unmittelbar folgende Einsaat von Winterraps und Wintergerste bereits ab dem 15. August (ohne zusätzliche Anzeigepflicht für den Landwirt).
  • Ausnahmen gemäß Bundesrecht für Betriebe wie GLÖZ 7
    • bei > 75 % der AF für Grünfutter, Leguminosen, Brache (verbleibende AF muss kleiner 50 ha sein)
    • bei > 75 % der LF als DGL oder für Grünfutterpflanzen (verbleibende LF muss kleiner 50 ha sein)
    • für bis zu 10 ha AF
  • Keine Ausnahme für Öko-Betriebe

Konditionalität (GLÖZ 9: Verbot der Umwandlung von Dauergrünland)

  • Verbot der Umwandlung / des Pflügens von Dauergrünland in FFH- und Vogelschutzgebieten (umweltsensibles Dauergrünland).
  • Narbenerneuerung ist mindestens 15 Werktage vor der geplanten Durchführung schriftlich oder elektronisch anzuzeigen, sofern umweltsensibles Dauergrünland betroffen ist; Klima-, Umwelt- und Naturschutzgründe dürfen nicht entgegenstehen.
  • Dies gilt entsprechend für gesetzlich geschützte Biotope.
  • Die Länder können Regelungen treffen, um Dauergrünland in einzelnen Vogelschutzgebieten ganz oder teilweise von der Regelung zum Umwandlungs- bzw. Pflugverbot auszunehmen, sofern wichtige Gründe, etwa solche des Umwelt- und Naturschutzes oder des Pflanzenschutzes, dafür sprechen. Belange des Umwelt-, des Natur- oder des Klimaschutzes dürfen einer solchen Herausnahme keinesfalls entgegenstehen.

ÖKO-REGELUNGEN

Vergleich Öko-Regelungen – AUKM

Grundsätze:

  • Öko-Regelungen haben Priorität
  • Doppelförderung ist auszuschließen
Öko-RegelungenAUKM
Laufzeit1 Jahr5 bis 7 Jahre
ZuwendungsempfängerLandwirteAlle Landbewirtschafter
TeilnahmeFreiwilligFreiwillig

Öko-Regelungen – welche Maßnahmen gibt es?

ÖR 1: Ackerbrachen

    • Im Jahr 2023 nicht möglich für Betriebe, die das Aussetzen der GLÖZ 8 Stilllegung nutzen.
    • Max. 6 % der Ackerfläche eines Betriebes (über die Verpflichtung von 4 % bei GLÖZ 8 hinaus) möglich:
      • kein Pflanzenschutzmittel-Einsatz
      • Selbstbegrünung oder Begrünung durch Aussaat (keine landwirtschaftlichen Kulturen in Reinsaat)
      • Stilllegung ganzjährig (bei nachfolgendem Anbau Winterkultur bis 1. September – sofern Winterraps oder Wintergerste angebaut werden bis 15. August)
      • Mindestgröße 0,1 ha
      • nicht anrechenbar: Landschaftselemente mit Beseitigungsverbot und Agroforstflächen
    • Prämien (über die 4 % Brache bei GLÖZ 8) für das
      • erste Prozent der AF 1.300 €/ha
      • zweite Prozent der AF 500 €/ha
      • dritte und jedes weitere Prozent (bis max. 6%) 300 €/ha

    ÖR 1: Blühstreifen (-flächen) auf den Ackerbrachen

    • Aussaat bis 15. Mai mit definierten Saatgutmischungen ein- oder zweijährig
    • kein PSM-Einsatz
    • Streifen mind. 20 m und max. 30 m breit
    • Blühflache max. 1 ha groß
    • bei Aussaat einer nachfolgendem Winterkultur endet Stilllegungszeitraum am 31. August, sofern die Öko-Regelung bereits im Vorjahr auf derselben Fläche ohne diesen Umbruch bzw. diese Aussaat oder Pflanzung umgesetzt wurde
    • Prämie: 150 €/ha

    ÖR 1: Blühstreifen (-flächen) in Dauerkulturen

    • keine Vorgaben zu Mindestgrößen und -breiten
    • Prämie: 150 €/ha

    ÖR 1: Altgrasstreifen (-flächen) auf Dauergrünland

    • max. 6 % möglich
    • kein Pflanzenschutzmittel-Einsatz
    • Kein Pflanzenschutzmittel-Einsatz
    • zweijähriger Wechsel der Altgrasstreifen auf der Fläche
    • Beweidung und Schnittnutzung ab 1. September möglich
    • Prämien:
      • bis 1 % 900 €/ha
      • 2 bis 3 % 400 €/ha
      • 4 bis 6 % 200 €/ha

    ÖR 2: Vielfältige Kulturen im Ackerbau

    • mindestens fünf verschiedene Hauptfruchtarten
    • jede Hauptfruchtart muss auf mindestens 10 % und darf auf höchstens 30 % angebaut werden
    • Hauptfrucht ist die Kulturart, die vom 1. Juni bis 15. Juli am längsten auf der Fläche steht
    • Ackerbrache zählt nicht als Hauptfruchtart
    • Anteil Getreide max. 66 %
    • mindestens 10 % Leguminosen
    • Prämie: 45 €/ha

    ÖR 3: Beibehaltung Agroforstbewirtschaftung

    • Flächenanteil zwischen 2 und 35 %
    • mindestens zwei Agroforststreifen pro Schlag
    • Breite der einzelnen Gehölzstreifen zwischen 3 und 25
    • Größter Abstand zwischen den Gehölzstreifen sowie zwischen den Gehölzstreifen und Rand der Fläche 100 m; Kleinster Abstand 20 m
    • Holzernte im Antragsjahr in den Monaten Januar, Februar und Dezember
    • Prämie: 60 €/ha

    ÖR 4: Grünlandextensivierung

      Extensivierung des gesamten betrieblichen Dauergrünlandes

      • Viehbesatz des Gesamtbetriebs mindestens 0,3 RGV und maximal 1,4 RGV je Hektar förderfähiges Dauergrünland (nicht Hauptfutterfläche!) vom 1. Januar bis 30. September des Antragsjahres
      • 0,3 RGV darf an nicht mehr als 40 Tagen im genannten Zeitraum unterschritten werden
      • Düngereinsatz nur im Umfang von maximal 1,4 RGV/Hektar
      • kein Einsatz von PSM
      • Pflugverbot im Antragsjahr
      • Prämie:
        • 2023: 115 €/ha
        • ab 2024: 100 €/ha

      ÖR 5: Kennarten im Dauergrünland

        Ergebnisorientierte extensive Bewirtschaftung von Dauergrünlandflächen mit mindestens vier regionalen Kennarten.

        • Vorkommen von mindestens vier Pflanzenarten aus der Kennarten-Liste.
        • Prämie:
          • 240 €/ha in den Jahren 2023 und 2024
          • 225 €/ha im Jahr 2025
          • 210 €/ha im Jahr 2026

        ÖR 6: Pflanzenschutzmittel-Verzicht

          Bewirtschaftung von Acker-/Dauerkulturflächen ohne chemisch-synthetischen PSM:

          • Kein PSM-Einsatz vom 1. Januar bis zur Ernte, mindestens aber bis zum 31. August für Sommergetreide (inkl. Mais), Eiweißpflanzen inkl. Gemenge, Sommerölsaaten, Hackfrüchte, Feldgemüse.
          • Kein PSM-Einsatz vom 1. Januar bis 15. November auf Ackerflächen, die zur Erzeugung von Gras oder anderen Grünfutterpflanzen oder von als Ackerfutter genutzten Eiweißpflanzen inkl. Gemenge genutzt werden.
          • Kein PSM-Einsatz vom 1. Januar bis 15. November auf Dauerkulturflächen.
          • Einzelne Flächen können beantragt werden.
          • Ackerland und Dauerkulturflächen, auf denen aufgrund rechtlicher Vorgaben ein Verbot von PS-Mitteln besteht, sind nicht begünstigungsfähig.
          • Prämie:
            • 130 €/ha im Jahr 2023
            • 120 €/ha im Jahr 2024
            • 110 €/ha ab 2025
            • 50 €/ha bei Gras- und Grünfutterpflanzen

          ÖR 7: Natura 2000-Gebiete

            Bewirtschaftung von Flächen in Natura 2000-Gebieten, Naturschutzgebieten oder gesetzlich geschützten Biotopen:

            • Keine zusätzlichen Entwässerungsmaßnahmen oder Instandsetzung bestehender Anlagen zur Absenkung von Grundwasser oder Drainage im Antragsjahr.
            • Keine Auffüllungen, Aufschüttungen oder Abgrabungen, außer sie sind von der für Naturschutz zuständigen Behörde angeordnet.
            • Prämie: 40 €/ha

            BEWERTUNG AUS DER SICHT DES STMELF

            • Die landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern profitieren in der 1. Säule besonders von der Umverteilungsprämie auf die ersten Hektare und von der Junglandwirte-Prämie.
            • Neuer Verteilungsschlüssel für die ELER-Mittel innerhalb Deutschlands bringt Bayern zusätzlich 14,8 Mio. € im Jahr.
            • Somit bleibt im Zeitraum 2021 bis 2027 das GAP-Budget in Bayern trotz Kürzungen fast in gleicher Höhe erhalten.
            • Durch Wegfall der Zahlungsansprüche, Senkung des Sanktionsrisikos bei der Tierkennzeichnung und Flexibilisierungen beim Dauergrünland wird Bürokratie-aufwand verringert.
            • Die GAP wird grüner. Das heißt, allen Landwirten werden künftig deutlich mehr Leistungen im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit für die EU-Zahlungen abverlangt.
            • Intensiv wirtschaftende Betriebe sind besonders gefordert.
            • Einige KULAP-Maßnahmen können künftig nicht mehr angeboten werden, weil
              • sie künftig unter den Ökoregelungen bei den Direktzahlungen angeboten werden
              • sie zwischenzeitlich zur Pflicht geworden sind.
            • Reaktion der EU Kommission und des Bundes auf den Krieg in der Ukraine und der damit verbundenen Zuspitzung der Versorgungslage ist eine Forderung Bayerns. Das Aussetzen von GLÖZ 7 und GLÖZ 8 ist richtig!
            • Freiwerdende Mittel des KULAP bleiben der bayerischen Landwirtschaft erhalten für:
              • Ausdehnung Ökolandbau (+ 20 Mio. €/Jahr für Ausbaupfad hin zu 30 % in 2030)
              • Neue Fördermaßnahmen wie kleinteilige Flächen, Lebensraum für Feldvögel & Insekten, Humusmehrung und blühende Ackerkulturen
              • Tierwohlprämien (in Ergänzung zum Konzept der sog. "Borchert-Kommission")
              • Beitragszuschüsse zu Mehrgefahrenversicherungen