Die hauswirtschaftliche Arbeitswelt in der Corona-Pandemie

Eine Frau reinigt eine Türklinke

Die Corona-Pandemie beeinflusst unsere Arbeitswelt. Mit ihren vielfältigen Arbeitsspektren ist die Hauswirtschaft hierbei nicht ausgenommen. Vielmehr leistet sie als Teil systemrelevanter Arbeitsbereiche ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise.
Schon im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 erfassten wir in einer Umfrage die berufliche Situation hauswirtschaftlicher Fach-, Führungs- und Lehrkräfte. Eine Folge-Umfrage führten wir vom 24. Februar bis zum 21. März 2021 durch. Prof. Dr. Angelika Sennlaub und Dr. Inge Maier-Ruppert von der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh) werteten die Antworten wissenschaftlich aus.

Zweite Umfrage

Unsere Fragen

"Was hat sich in der hauswirtschaftlichen Arbeitswelt seit der ersten Erhebung verändert?" – Diese Frage stand bei der zweiten Umfrage im Vordergrund. Die zweite Erhebung untergliederten wir in vier Themenbereiche mit insgesamt 25 Fragen. Diese umfassten: Arbeitsumfeld, Umgang mit der Corona-Pandemie im Arbeitsumfeld, hauswirtschaftlicher Arbeitsmarkt und allgemeine Angaben.

Wer hat an der zweiten Umfrage teilgenommen?

294 Personen reagierten auf unsere Einladung zur Umfrage. Letztendlich konnten wir 146 vollständig ausgefüllte Fragebögen aus ganz Bayern auswerten. Bei der Frage nach den Berufsfeldern der Teilnehmenden zeigt sich, wie vielfältig die Einsatzbereiche der Hauswirtschaft sind.

Berufsfelder der Teilnehmenden:

  • Senioreneinrichtung (31)
  • Hauswirtschaftliche Dienstleistungen (25)
  • Unterricht in Aus- und Fortbildung (18)
  • Unterricht an allgemeinbildenden Schulen (11)
  • Behinderteneinrichtung (11)
  • Kita/Mittagsbetreuung (9)
  • Krankenhaus (6)
  • Tagungshaus/Hotel/Pension (6)
  • Catering/Mensa/Kantine (5)
  • Freie Referententätigkeit (4)
  • Sonstiges Berufsfeld (20)

Veränderungen seit der ersten Umfrage

  • Die Angst vor Ansteckungen im beruflichen Umfeld ist, u. a. aufgrund besserer Informationsmöglichkeiten und besserer Ausstattung mit persönlicher Schutzausrüstung (PSA), gesunken.
  • Informations- und Kommunikationswege zwischen den Befragten und Behörden, Gesetzgebern und betriebsinternen Partnern funktionieren besser. Ausnahmen gibt es in den Bereichen der hauswirtschaftlichen Dienstleistungen und im Lehrbetrieb. Dort sind die Informationswege häufig immer noch ungeklärt, was zu Verunsicherung und Frustration führt.
  • Ein Ergebnis der ersten Umfrage war, dass vor allem das Leitungspersonal von Senioreneinrichtungen an der Belastungsgrenze arbeitet. Dieser Druck hat abgenommen. Zwar stimmen nur wenige Teilnehmende der Aussage "Wir arbeiten im Normalbetrieb" zu, aber viele Teilnehmende geben an, sich an die neuen Anforderungen gewöhnt zu haben und diese als "neuen Normalbetrieb" zu empfinden.
  • Bei Anbietern haushaltsnaher Dienstleistungen rücken nach der Sorge um die zu versorgenden Personen langsam auch finanzielle Sorgen in den Blick.

Welche weiteren Entwicklungen gibt es?

  • Die Pandemie-Situation entwickelt sich allmählich zum "Normalbetrieb": Die Maßnahmen werden zum Großteil akzeptiert und umgesetzt, die persönliche Schutzausrüstung ist in ausreichenden Mengen vorhanden und die Kommunikationswege sind geklärt.
  • Nur noch wenige Befragte geben an, dass ihnen Schutzausrüstung in mangelhafter Anzahl oder Qualität zur Verfügung steht.
  • Viele Befragte gaben an, dass sie ihren Jahresurlaub aufgrund von Vertretungen nicht vollständig nehmen konnten. Diese Angabe deutet auf einen hohen Krankenstand hin, vor allem in Bereichen in denen Leistungen personennah erbracht werden.
  • Die Pandemie förderte in vielen Unternehmen die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und Kooperation.
  • Die Befragten äußern weiterhin die Hoffnung auf steigende Anerkennung ihrer Arbeit und ihres Berufsbildes durch die Pandemie.
  • Fortbildungen sollte man spezifisch für einzelne Berufsgruppen planen, da jede Berufsgruppe individuelle Herausforderungen im Arbeitsalltag hat. Beispielsweise für Anbieter haushaltsnaher Dienstleistungen, von denen auffällig viele (44%) nicht planen, an einer Fortbildung teilzunehmen. Die Gründe dafür sind aus den Antworten leider nicht ersichtlich.
  • Die Digitalisierung in der Hauswirtschaft nimmt zu. Knapp die Hälfte der Befragten gab an, in den letzten Monaten im Bereich der digitalen Anwendungen dazugelernt zu haben.

Neu erlernte Fähigkeiten der letzten Monate, z. B.

  • Fachwissen im Umgang mit Corona (122)
  • Gestaltung von Arbeitsprozessen (105)
  • Digitale Anwendungen, z. B. Ansicht und Erstellung von Dienstplänen, Qualitätsmanagement, Informationsweitergabe (73)

Unsere Handlungsfelder

Zwei junge Frauen im Gespräch miteinander
1. Information der Fachkräfte
Wir ergänzen weiterhin die Liste mit hilfreichen Links zur Corona-Pandemie auf unserer Webseite. Aktuell haben wir zum Beispiel die Leitlinie "Soziale Teilhabe von Menschen in Alten- und Pflegeheimen auch unter Corona-Bedingungen sicherstellen" der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) hinzugefügt.

Corona-Informationen für hauswirtschaftliche Fachkräfte

Veranstaltungsflyer vor einem weißen Hintergrund
2. Fortbildungen/Veranstaltungen/Bildung
Wir bieten unsere Fortbildungen weiterhin als Präsenz- und Online-Veranstaltungen an.
Ein junger Mann tippt etwas in einen Computer ein
3. Kommunikation der Umfrageergebnisse
Wir kommunizieren die Umfrageergebnisse an die Fachpresse und die Fachverbände, damit diese und andere Institutionen die Ergebnisse nutzen können.

Erste Umfrage

Unsere Fragen

Die zentralen Fragen der ersten Erhebung waren: Vor welchen Herausforderungen stehen Sie durch die Corona-Pandemie? Mit welchen Lösungsstrategien begegnen Sie diesen? Was wünschen Sie sich, um künftige Krisen besser bewältigen zu können? Und wie schätzen Sie die Auswirkungen auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes und Arbeitsalltags ein?

Die häufigsten Herausforderungen

  • Mehrarbeit durch mehr Reinigungs- und Desinfektionsarbeit
  • erhöhtes Wäscheaufkommen
  • Umgang mit Risikogruppen
  • Abstandsregeln beachten und umsetzen
  • Mund-Nasen-Bedeckung beeinträchtigt Kommunikation und Beziehungspflege und ist eine physische Belastung bei der Arbeit
  • psychische Belastung durch allgemeine Angst und Unsicherheit bei Mitarbeitern, Schülern, Klienten und Bewohnern
  • Gestaltung von Fernunterricht

Ergebnisse der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft

Ergebnis 1: Bedürfnis, über die Arbeit mit Corona ins Gespräch zu kommen

Die vielen und teilweise sehr ausführlichen Rückmeldungen zeigen, dass hauswirtschaftliches Fach- und Führungspersonal viel über die Arbeit unter Corona-Bedingungen zu sagen hat und sich darüber austauschen möchte.

Ergebnis 2: Vielfältige Ängste

Die Befragten berichten häufig von Ängsten und Unsicherheiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kundinnen, Kunden, Schülerinnen oder Schüler. Allerdings ist oft nicht klar, worin diese Ängste bestehen. Haben sie z. B. Angst vor Krankheit oder Ansteckung, um Familienmitglieder oder davor, den Arbeitsplatz zu verlieren?

Ergebnis 3: Hoffnung auf steigende Anerkennung durch die Pandemie

Durch ihre Arbeit haben hauswirtschaftliche Fach- und Führungskräfte einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie geleistet. An einigen Stellen ist diese Arbeit in den letzten Monaten mehr in den Blick der Gesellschaft gerückt, weshalb viele Fach- und Führungskräfte die Hoffnung äußern, nun mehr Wertschätzung für ihre Arbeit zu erhalten.

Ergebnis 4: Bessere Organisation und Unterstützung durch vorgesetzte Stellen (Vorgesetzte und Entscheidungsträger in der Politik)

Zu Beginn der Pandemie waren die rechtlichen Vorgaben sehr dynamisch und änderten sich fast wöchentlich und häufig kurzfristig. In diesen Momenten wünschten sich hauswirtschaftliche Fach- und Führungskräfte eine bessere Organisation und Unterstützung durch vorgesetzte Stellen. Beispielsweise in Form von Umsetzungsbeispielen, mehr Vorbereitungszeit oder besserer Einbindung in betriebsinterne Entscheidungen.

Ergebnis 5: In Seniorenheimen arbeitet das Leitungspersonal an der Belastungsgrenze

In Seniorenheimen muss das Personal einen enormen Mehraufwand bewältigen. Dadurch ist es physischer als auch starker psychischer Belastung ausgesetzt.

Ergebnis 6: Herausforderungen in Behinderteneinrichtungen bleiben unspezifisch

Die große Bandbreite an Angebotsformen und Zielgruppen in der Behindertenarbeit macht die Anforderungen an die Hauswirtschaft vielfältig. Jeder Betrieb hat daher individuelle Herausforderungen und Lösungsstrategien.

Ergebnis 7: In Krankenhäusern geht es um gelingende Kommunikation

Die schnelle und angemessene Kommunikation tagesaktueller Informationen zum Infektionsgeschehen und zu aktuellen Vorgaben wurde als zentraler Punkt im Umgang mit der Pandemie genannt.

Ergebnis 8: Hauswirtschaftliche Dienstleisterinnen und Dienstleister thematisieren den Organisationsaufwand, nicht die wirtschaftlichen Folgen

Gerade zu Beginn der Pandemie, als große Unsicherheit über die Übertragungsmöglichkeiten des Virus herrschte, haben viele Kunden hauswirtschaftliche Dienstleistungen abgesagt. Dienstleister thematisieren jedoch weniger die wirtschaftlichen Folgen der Absagen als vielmehr den Organisationsaufwand für die verbleibenden Einsätze. Dieser entsteht durch engere Absprachen mit den Kunden, durch die Beschaffung von persönlicher Schutzausrüstung und durch die Umorganisation von Mitarbeitereinsätzen, wenn Kolleginnen wegen Krankheit oder fehlender Kinderbetreuung ausfallen.

Ergebnis 9: Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter an Bildungseinrichtungen kämpfen mit den gleichen Problemen wie Lehrerinnen und Lehrer anderer Fächer

Das Personal an Bildungseinrichtungen nennt vor allem: Fehlende Vorbereitungszeit für die Umstellung von Präsenz- auf Fernunterricht, mangelhafte EDV-Ausstattung bei Lehrern und Schülern, unzureichende Kenntnisse im Umgang mit der EDV, Gestaltung von Praxisunterricht unter Beachtung der Hygienevorschriften.