Die hauswirtschaftliche Arbeitswelt in der Corona-Pandemie

Eine Frau reinigt eine Türklinke

Die Corona-Pandemie beeinflusst unsere Arbeitswelt. Mit ihren vielfältigen Arbeitsspektren ist die Hauswirtschaft hierbei nicht ausgenommen. Vielmehr trägt sie als Teil systemrelevanter Arbeitsbereiche ihren Anteil zur Bewältigung der Krise bei.
Schon im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 erfassten wir in einer Umfrage die berufliche Situation hauswirtschaftlicher Fach- und Führungskräfte sowie Lehrkräfte. Welchen Herausforderungen standen sie gegenüber? Wie sind sie damit umgegangen? 140 Personen beantworteten die Fragen. Die wissenschaftliche Auswertung übernahmen Dr. Inge Maier-Ruppert und Prof. Dr. Angelika Sennlaub von der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh).

Zweite Umfrage – Die hauswirtschaftliche Arbeitswelt in der Corona-Pandemie

Das Coronavirus führt weiterhin zu Veränderungen in der hauswirtschaftlichen Arbeitswelt. Die Dokumentation dieser Veränderungen schreiben wir mit einer Folge-Umfrage fort. Diese findet online statt. Nehmen Sie bis zum 21. März 2021 teil. Die Umfrage erfolgt anonym. Die wissenschaftliche Auswertung übernehmen Dr. Inge Maier-Ruppert und Prof. Dr. Angelika Sennlaub. Der Fokus liegt diesmal auf der Frage "Welche Veränderungen hat es in der hauswirtschaftlichen Arbeitswelt seit der letzten Umfrage gegeben?". Besonders herzlich laden wir auch Fachkräfte ein, die letztes Jahr noch nicht an unserer Umfrage teilgenommen haben.

Zweite Umfrage: "Die hauswirtschaftliche Arbeitswelt in der Corona-Pandemie" Externer Link

Unsere Fragen

Die zentrale Fragen beider Erhebungen sind: Vor welchen Herausforderungen stehen Sie durch die Corona-Pandemie? Mit welchen Lösungsstrategien begegnen Sie diesen? Was wünschen Sie sich, um künftige Krisen besser bewältigen zu können? Und wie schätzen Sie die Auswirkungen auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes und Arbeitsalltags ein?

Ergebnisse der ersten Umfrage

  • Mehrarbeit durch mehr Reinigungs- und Desinfektionsarbeit
  • erhöhtes Wäscheaufkommen
  • Umgang mit Risikogruppen
  • Abstandsregeln beachten und umsetzen
  • Mund-Nasen-Bedeckung beeinträchtigt Kommunikation und Beziehungspflege und ist eine physische Belastung bei der Arbeit
  • psychische Belastung durch allgemeine Angst und Unsicherheit bei Mitarbeitern, Schülern, Klienten und Bewohnern
  • Gestaltung von Fernunterricht

Ergebnisse der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft

Ergebnis 1: Bedürfnis, über die Arbeit mit Corona ins Gespräch zu kommen

Die vielen und teilweise sehr ausführlichen Rückmeldungen zeigen, dass hauswirtschaftliches Fach- und Führungspersonal viel über die Arbeit unter Corona-Bedingungen zu sagen hat und sich darüber austauschen möchte.

Ergebnis 2: Vielfältige Ängste

Die Befragten berichten häufig von Ängsten und Unsicherheiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kundinnen, Kunden, Schülerinnen oder Schüler. Allerdings ist oft nicht klar, worin diese Ängste bestehen. Haben sie z. B. Angst vor Krankheit oder Ansteckung, um Familienmitglieder oder davor, den Arbeitsplatz zu verlieren?

Ergebnis 3: Hoffnung auf steigende Anerkennung durch die Pandemie

Durch ihre Arbeit haben hauswirtschaftliche Fach- und Führungskräfte einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie geleistet. An einigen Stellen ist diese Arbeit in den letzten Monaten mehr in den Blick der Gesellschaft gerückt, weshalb viele Fach- und Führungskräfte die Hoffnung äußern, nun mehr Wertschätzung für ihre Arbeit zu erhalten.

Ergebnis 4: Bessere Organisation und Unterstützung durch vorgesetzte Stellen (Vorgesetzte und Entscheidungsträger in der Politik)

Zu Beginn der Pandemie waren die rechtlichen Vorgaben sehr dynamisch und änderten sich fast wöchentlich und häufig kurzfristig. In diesen Momenten wünschten sich hauswirtschaftliche Fach- und Führungskräfte eine bessere Organisation und Unterstützung durch vorgesetzte Stellen. Beispielsweise in Form von Umsetzungsbeispielen, mehr Vorbereitungszeit oder besserer Einbindung in betriebsinterne Entscheidungen.

Ergebnis 5: In Seniorenheimen arbeitet das Leitungspersonal an der Belastungsgrenze

In Seniorenheimen muss das Personal einen enormen Mehraufwand bewältigen. Dadurch ist es physischer als auch starker psychischer Belastung ausgesetzt.

Ergebnis 6: Herausforderungen in Behinderteneinrichtungen bleiben unspezifisch

Die große Bandbreite an Angebotsformen und Zielgruppen in der Behindertenarbeit macht die Anforderungen an die Hauswirtschaft vielfältig. Jeder Betrieb hat daher individuelle Herausforderungen und Lösungsstrategien.

Ergebnis 7: In Krankenhäusern geht es um gelingende Kommunikation

Die schnelle und angemessene Kommunikation tagesaktueller Informationen zum Infektionsgeschehen und zu aktuellen Vorgaben wurde als zentraler Punkt im Umgang mit der Pandemie genannt.

Ergebnis 8: Hauswirtschaftliche Dienstleisterinnen und Dienstleister thematisieren den Organisationsaufwand, nicht die wirtschaftlichen Folgen

Gerade zu Beginn der Pandemie, als große Unsicherheit über die Übertragungsmöglichkeiten des Virus herrschte, haben viele Kunden hauswirtschaftliche Dienstleistungen abgesagt. Dienstleister thematisieren jedoch weniger die wirtschaftlichen Folgen der Absagen als vielmehr den Organisationsaufwand für die verbleibenden Einsätze. Dieser entsteht durch engere Absprachen mit den Kunden, durch die Beschaffung von persönlicher Schutzausrüstung und durch die Umorganisation von Mitarbeitereinsätzen, wenn Kolleginnen wegen Krankheit oder fehlender Kinderbetreuung ausfallen.

Ergebnis 9: Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter an Bildungseinrichtungen kämpfen mit den gleichen Problemen wie Lehrerinnen und Lehrer anderer Fächer

Das Personal an Bildungseinrichtungen nennt vor allem: Fehlende Vorbereitungszeit für die Umstellung von Präsenz- auf Fernunterricht, mangelhafte EDV-Ausstattung bei Lehrern und Schülern, unzureichende Kenntnisse im Umgang mit der EDV, Gestaltung von Praxisunterricht unter Beachtung der Hygienevorschriften.

Unsere Handlungsansätze

Zwei junge Frauen im Gespräch miteinander
1. Austausch
Fachkräfte wünschen sich eine Plattform für den fachlichen Austausch und zur Netzwerkbildung. Wir erarbeiten dazu aktuell ein Format für Berufsanfängerinnen und -anfänger, das sie dabei unterstützt, berufliche Netzwerke aufzubauen und sich fachlich fortzubilden. Die Empfehlung der dgh, über den betrieblichen Umgang mit der Corona-Pandemie im Gespräch zu bleiben, wird in die Planung und Konzeptgestaltung einfließen.
Veranstaltungsflyer vor einem weißen Hintergrund
2. Branchenspezifische Informationen
Fach- und Führungskräfte brauchen gerade in Krisenzeiten branchenspezifische Informationen. Wir erweitern unserer Weiterbildungsangebotes und es gibt eine Informationsplattform mit aktuellen rechtlichen Vorgaben, die die hauswirtschaftliche Arbeitswelt betreffen.

Corona-Informationen für hauswirtschaftliche Fachkräfte

Ein junger Mann tippt etwas in einen Computer ein
3. Kommunikation der Umfrageergebnisse
Weiterer Handlungsbedarf besteht z. B. in der Förderung der beruflichen Vernetzung von Fachkräften oder der Weiterbildung hauswirtschaftlicher Lehrkräfte im Bereich Digitalisierung – hier sind wir uns mit der dgh einig. Die Ergebnisse der ersten Umfrage haben wir deshalb veröffentlicht und an die jeweils zuständigen Institutionen, wie zum Beispiel an Berufsverbände, weitergeleitet

Ergebnisse der ersten Umfrage