1. Einstiegsphase – Vorüberlegungen im Team

Vier Schülerinnen in einem Gespräch miteinander

Um die Einführung eines HGK reibungslos zu gestalten, müssen Sie bereits vor der Planung einiges beachten.
Nehmen Sie sich vor allem für die Einstiegs- und Planungsphase ausreichend Zeit.

Die Einstiegsphase gliedert sich in sechs Schritte: Team bilden, informieren, Ist-Situation analysieren, Leitbild und -ziele definieren sowie Behörden und Partner akquirieren. Gehen Sie Schritt für Schritt vor. Nachdem Sie die Punkte der Einstiegsphase abgearbeitet und sich ausreichend informiert und Gedanken gemacht haben, steigen Sie in die Planungsphase ein.

Team bilden

Bilden Sie zunächst ein Projektteam. Neuerungen bedeuten auch immer Umstellung und Herausforderung und setzen eine Menge Planung voraus. Rekrutieren Sie daher ein Team, welches sich intensiv mit der Organisation und Planung des neuen Konzeptes beschäftigt.

Die Interviewpartner empfahlen:

  • Möglichst alle von der Umstellung betroffenen Professionen einzubeziehen, ist hilfreich und gewinnbringend. Akteure aus der Pflege, der Hauswirtschaft sowie der Verwaltung und der Geschäftsebene bringen verschiedene Sichtweisen, Erfahrungen und Bedürfnisse ein.
  • Der Einbezug der Fachkräfte aus der Praxis bereichert die Überlegungen und Planungen um die praktischen Erfahrungen. Sie können die Umsetzung und Realisierbarkeit der Pläne im Voraus gut bewerten und Schwachstellen oder Knackpunkte frühzeitig erkennen.

Steht das multiprofessionelle Team fest, beginnen Sie mit der gemeinsamen Informationsphase. Das hilft Ihnen zu entscheiden, was Sie und das Team am Ende wollen oder nicht wollen.

Informieren

Bringen Sie nun alle Teammitglieder auf den gleichen Wissensstand. Nachfolgend einige wichtige Informationen dazu.

Was ist das Hausgemeinschaftskonzept?

Das Hausgemeinschaftskonzept ist eine Form der stationären Altenpflege, die sich aus dem klassischen Konzept weiterentwickelt hat. Das Motto ist "Leben in Gemeinschaft". Hausgemeinschaften bieten pflegebedürftigen, älteren Menschen die Möglichkeit, in familiären, alltagsorientierten sowie überschaubaren Wohnstrukturen zu leben. Sie wohnen in Gemeinschaften von acht bis zwölf Bewohnern. Ein wesentliches Merkmal ist die Dezentralität der hauswirtschaftlichen Versorgung und Aktivierung der Bewohner mit hauswirtschaftlichen Tätigkeiten. Das Wohngruppenkonzept ist eine ähnliche Einrichtungsform. Jedoch unterscheiden sich unter anderem Bewohneranzahl und Dezentralisierungsgrad von der Struktur der Hausgemeinschaften.

Welche Erfolgsfaktoren benennt die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft e.V.?

  • Gleichberechtigung der Professionen
  • Wertschätzung der Arbeit des jeweils anderen
  • Konzeptionelle Fundierung
  • Klare Rollenformulierung
  • Einsatz der hauswirtschaftlichen Fachkraft auf der Leitungsebene
  • Im Arbeitsablauf Probleme erkennen und klare Absprachen treffen
  • Einbezug aller Beteiligten in den gesamten Prozess
Was verbirgt sich hinter dem MAKS-Ansatz und was bedeutet es für das Hausgemeinschaftskonzept?

MAKS ist eine nicht medikamentöse Therapie von Personen mit demenzieller Erkrankung. Die Therapie zielt ab auf Motorische, Alltagspraktische sowie Kognitive Aktivierung und Soziale Einstimmung. Professor Elmar Gräßel entwickelte diese Therapie und wies in Studien nach, dass sich durch die Aktivierung sowohl die kognitive Leistung verbesserte als auch die Fähigkeit für alltagspraktisches Arbeiten. Diese Studienergebnisse sprechen also für das Konzept der Hausgemeinschaften.

MAKS-Ansatz (MAKS) Externer Link

Welche hauswirtschaftlichen Berufe eignen sich für Hausgemeinschaften?

Hauswirtschafter/in, Dorfhelfer/in, Fachhauswirtschafter/in, Meister/in der Hauswirtschaft und hauswirtschaftliche/r Betriebsleiter/in eignen sich für die Besetzung hauswirtschaftlicher Stellen in Hausgemeinschaften. Ausführliche Informationen finden Sie auf der Seite "Hauswirtschaft professionell besetzen".

Hauswirtschaft professionell besetzen (KoHW)

Welche gesetzlichen Grundlagen gelten für Hausgemeinschaften?

Eine detaillierte Auflistung der Gesetze, Richtlinien und Verordnungen für Hausgemeinschaften finden Sie im folgenden PDF.

Regeln und Gesetze für das HGK (KlöberKassel) pdf 61 KB    ReadSpeaker Dokument vorlesen

Kochen in sozialen Einrichtungen

Ein hilfreicher Ratgeber beim Kochen in der Hausgemeinschaft ist das Buch "Wenn in sozialen Einrichtungen gekocht wird – Die Leitlinie für eine gute Lebensmittelhygienepraxis in sozialen Einrichtungen" (Hrsg. Deutscher Caritasverband e.V. und Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche Deutschland e.V.). Einen Auszug sehen Sie unter angefügtem Link. Die Neuauflage wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2021 veröffentlicht.

"Wenn in sozialen Einrichtungen gekocht wird" (Veröffentlichung des Deutschen Caritasverbandes, docplayer) Externer Link

Praktische Tipps und Hilfestellungen für die Planung aus Sicht der Hauswirtschaft

Die Unternehmensberatung KlöberKASSEL gibt Tipps zur Planung von Hausgemeinschaften aus Sicht der Hauswirtschaft. Im ersten Kapitel erhalten Sie eine kurze Einführung in das Thema Hausgemeinschaften, deren Leitbild und Zielgruppe. Anschließend liegt der Fokus auf der Hauswirtschaft in Hausgemeinschaften: Wer erledigt die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten? Welche Herausforderungen und Schnittstellen gibt es? Welche Ziele verfolgt die Hauswirtschaft? Der letzte große Block gibt detaillierte Handlungsempfehlungen und Tipps für die bauliche Planung.

Planungsinformationen für Hausgemeinschaften aus Hauswirtschaftssicht (KlöberKassel) pdf 944 KB    ReadSpeaker Dokument vorlesen

Weitere Lese-Tipps:

  • Bewohnerorientierte Hauswirtschaft (Hrsg. Elisabeth Leicht-Eckardt)
  • Den Alltag leben! – Hauswirtschaftliche Betreuung. Ein innovativer Weg für soziale Einrichtungen und Dienste (Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft, 2012)

Ist-Situation analysieren

Nachdem Sie sich über das HGK informiert und einen Einblick bekommen haben, werden Sie sich über die Ausgangssituation klar. Analysieren Sie, welche Ressourcen Ihnen zur Verfügung stehen und welche möglichen Herausforderungen oder Hemmnisse auftauchen können.

Folgende Fragen helfen Ihnen, die Ist-Situation zu analysieren:

  • Warum wollen Sie ein neues Konzept einführen?
  • Steht der Träger/Hauptverantwortliche hinter der Konzepteinführung?
  • Wie sind die Rahmenbedingungen?
    • privater, freier oder öffentlicher Träger
    • geltende gesetzliche Grundlagen (PfleWoqG, PSG III etc.)
    • Organisationsstruktur
    • Lage der Einrichtung und Einbindung in vorhandene Strukturen
    • Bewohnerstruktur (Alter, Pflegegrad, Geschlechterverteilung etc.)
  • Welche Ressourcen sind vorhanden?
    • Finanzierung, Förderung
    • Neubau oder Umbau
    • bereits vorhandenes Personal
    • Vorwissen oder Vergleichseinrichtung
  • Welche Hürden und Herausforderungen können Ihnen auf dem Weg zur Umsetzung des HGK begegnen?
  • Bei Umbau: Was wollen Sie beibehalten? Welche Strukturen sind gut?

Leitbild definieren

Überlegen Sie nun, welche übergreifenden Ziele Sie in Ihrer Einrichtung verfolgen und formulieren Sie ein Leitbild. Orientieren Sie sich dabei am Leitgedanken des HGK: Alltagsorientierung, Partizipation, Hilfe zur Selbsthilfe, Transparenz, Empathie und Geborgenheit.

Formulieren Sie Vision und Mission. Sie stellen die Grundlage für die Erarbeitung der Leitziele dar, die gemeinsam das Leitbild ergeben.

Die Vision beschreibt den Idealzustand der Einrichtung: Was möchten Sie langfristig erreichen? Achten Sie bei der Formulierung darauf, dass die Vision realistisch und klar verständlich ist. Zudem sollte Sie sie in einem Satz wiedergeben können.

Beispiel:
Etablierung einer Einrichtung, die pflegebedürftigen alten Menschen ein geborgenes, den Ansprüchen und Bedürfnissen entsprechendes Zuhause bietet.

Ausgehend von der Vision beschreibt die Mission, welchen Zweck die Einrichtung für die Gesellschaft bzw. die Bewohnerinnen und Bewohner erfüllen soll.

Beispiel:
Angebot einer bedürfnisorientierten Betreuung und Pflege von Senioren – insbesondere mit demenzieller Erkrankung – im Großfamiliensetting.

Leitziele definieren

Machen Sie sich nun Gedanken über die Ziele, die Sie verfolgen. Achten Sie darauf, dass Sie die Ziele SMART formulieren. Das heißt, das Ziel ist spezifisch formuliert, messbar, attraktiv, realistisch sowie terminiert. Halten Sie alle Überlegungen schriftlich fest. Dann können Sie im späteren Verlauf immer wieder darauf zugreifen und sich daran orientieren.

Beispiel:
Unsere Einrichtung bietet ab Januar 2021 60 Seniorinnen und Senioren ein neues Zuhause. Unsere Bemühungen und unsere Fürsorge gelten in erster Linie den Bedürfnissen und Lebensumständen unserer Bewohner. Die Qualität in allen Bereichen sichern wird durch ein internes Qualitätsmanagement. Wir erhalten und fördern die Sicherheit und Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner durch bedarfsgerechte Angebote und das Gewähren von Normalität im Tagesablauf.

Behörden und Partner akquirieren

Informieren Sie sich, welche Partner und Behörden bei der Einführung eines neuen Konzeptes wichtig sind. Beziehen Sie die Beteiligten frühzeitig ein, um spätere Hürden zu vermeiden.

  • Träger
  • Bürgermeister/ Landrat/ Gemeinde
  • Bauamt
  • Medizinischer Dienst der Krankenkassen (MDK)
  • Pflegekasse
  • Lebensmittelüberwachung/ Gesundheitsamt
  • Unterstützenden Behörden wie Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn), überregionale Sachgebiete für Ernährung und Gemeinschaftsverpflegung, Kompetenzzentrum Hauswirtschaft für Fortbildungen und Schulungen