Haushaltstechnik Landsberg
Textilrecycling – Möglichkeiten und Grenzen

Verschiedene Anhängeetiketten mit dem Hinweis auf recycelte Materialien.

Kennen Sie das? Sie kaufen ein neues Textil und sind froh darüber, dass eines der vielen Anhängeetiketten einen eindeutigen Hinweis auf recyceltes Material enthält, vielleicht sogar 100 Prozent recyceltes Material? Das beruhigt und vermittelt das Gefühl, umweltverträglich gehandelt zu haben. Aber ist das wirklich so?

Was steckt hinter dem Textilrecycling? Und welche Arten des Recyclings gibt es? Die Abteilung Haushaltstechnik und Textil am Agrarbildungszentrum Landsberg am Lech informiert.

Alttextilien in Deutschland

Nach Angaben des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie fielen im Jahr 2018 in Deutschland 1,3 Mio. Tonnen Alttextilien aus privaten Haushalten an. Textilien, die über den Restmüll entsorgt wurden, sind hierbei nicht eingerechnet. Steigender Konsum, Überproduktion und Fast Fashion leisten ihren Beitrag zu dieser Problematik. Herstellung und Entsorgung von Textilien sind umweltbelastende Prozesse.

Aber was passiert mit den Alttextilien? Laut Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V. kommen rund 62 Prozent der Textilien als Second-Hand-Ware zum Einsatz, beispielsweise über Kleiderkammern, Second-Hand-Läden, Verkauf über das Internet oder als Exportware. Da die Textilien jedoch eine immer schlechtere Qualität aufweisen, geht dieser Anteil zurück. Ungefähr 12 Prozent werden entsorgt, rund 26 Prozent kann man recyceln.

Möglichkeiten des Recyclings

Weiterverwendung:

Unter Weiterverwendung versteht man, dass ein Textil zwar nicht mehr tragbar ist, aber dennoch als textiles Material zum Einsatz kommt. Dabei ist es wichtig, dass das vorhandene Material möglichst sortenrein zur Verfügung steht. Dies ist herausfordernd, da die meisten Textilien aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Oft sind es mehrschichtige Textilien oder Textilien mit unterschiedlichen funktionalen Beschichtungen. Auch Knöpfe, Reißverschlüsse etc. sind ein störender Faktor beim Recyclingprozess.

Mechanisches Recycling:

Man könnte hier auch von "Downcycling" reden. Textile Flächen aus Naturfasern oder aus synthetischen Materialien werden durch Reißen aufgelöst und somit wieder zu Fasern. Diese – meist kurzen Fasern – eignen sich am ehesten zur Herstellung von Vliesstoffen für Dämmmaterialien oder Malervliese, wie wir sie im Baumarkt finden. Sind die gewonnenen Fasern lang genug, kann man sie wieder verspinnen. Das Beimischen von neuen Fasern führt zu einer Aufwertung des Materials.

Thermomechanisches Recycling:

Synthetische Textilien, die zum Großteil aus einem homogenen Material bestehen, kann man aufschmelzen und zu einem Granulat verarbeiten. Dieses Granulat dient als Ausgangsmaterial für neue Fasern. Der Nachteil dieser Methode ist, dass bereits geringe Mengen von abweichenden Materialien den Recycling-Prozess stören. Deshalb verwendet man beim thermomechanischen Recycling vor allem PET-Flaschen als Ausgangsmaterial.

Chemisches Recycling:

Beim chemischen Recycling werden Kunststoffe mit Hilfe von Chemikalien zerlegt: eine sehr energieintensive Art des Recyclings, die sich noch in der Weiterentwicklung befindet und sich nur bei großen Mengen rechnet.

Fazit

Es zeigt sich: Beim Hinweis "100 Prozent recyceltes Material" handelt es sich fast ausschließlich um recycelte PET-Flaschen. Nur knapp ein Prozent der Alttextilien wird zu neuen Textilien verarbeitet. Verantwortlich dafür ist der Materialmix in unseren Textilien. Ein bewusster Einkauf, das Beachten von Siegeln und Stoffreinheit sowie die richtige Pflege helfen, Textilmüll zu vermeiden und die Umwelt zu schonen. Weitere Tipps dazu finden Sie in der Reihe "Kleidungskonsum: Geht's noch ... etwas nachhaltiger?" des Kompetenzzentrums Hauswirtschaft.

Kleidungskonsum: Geht's noch ... etwas nachhaltiger?