Das Erbe der Wetzsteinmacher
LEADER hilft das Wissen um ein altes Handwerk zu bewahren

In einem Band vom Forggensee bis nach Ohlstadt ziehen sich die sogenannten Ammergauer Schichten oberflächennah durch den Felsen und bilden eine einmalige, geologische Besonderheit in Mitteleuropa. Diese Gesteinsschichten waren die Voraussetzung für die Produktion von natürlichen Wetzsteinen, die für die damalige Zeit ein echter Exportschlager waren. Das LEADER-Projekt "Das Erbe der Wetzsteinmacher" erzählt von der Geschichte dieses gefährlichen, bedeutsamen und beinahe vergessenen Handwerks.

Wetzsteinmacher-Gemeinden tun sich zusammen

Die handwerkliche Herstellung von natürlichen Wetzsteinen begann in den kleinen Wetzsteindörfern am Fuße der Ammergauer Alpen und am Heimgarten etwa um 1350. Die Wetzsteine fanden deutschland- und europaweit reißenden Absatz. Sie wurden zum Schärfen und Schleifen von Werkzeugen und Klingen verwendet. Vor allem in der Landwirtschaft waren sie für das Schärfen der Sensen unverzichtbar. Mit der Herstellung von synthetischen Wetzsteinen und dem allgemeinen technischen Fortschritt endete die Produktion zwischen 1930 und 1950.

Seit dem Ende der Produktion wird das "Erbe der Wetzsteinmacher" von engagierten Bürgerinnen und Bürgern in historischen Vereinen, Heimatvereinen und Museen auf örtlicher Ebene gepflegt. Denn nur noch wenige Zeitzeugen wissen, dass vor dem Ende des zweiten Weltkriegs, Wetzsteine in diesen Gemeinden handwerklich hergestellt und überregional gehandelt wurden. Deswegen galt es, das Wissen über die Wetzsteinmacherei zu sichern und durch geeignete Aktionen, Darstellungen und Medien nach außen zu tragen. Unterstützung kam auch von den "Wetzsteinmacher-Gemeinden" Unterammergau, Ohlstadt, Halblech, Schwangau und Grafenaschau-Schwaigen.

Erinnerungen an ein altes Handwerk und an vergessene Wege sichern

Im Rahmen von zwei LEADER-Projekten mit einer Förderung von insgesamt knapp 107.000 Euro, haben die fünf Wetzsteinmacher-Gemeinden zusammen mit vielen ehrenamtlichen Akteuren die historischen Vernetzungen über ihre Gemeindegrenzen hinaus wieder aufleben lassen.

Das Ziel dieses bemerkenswerten Projekts ist, das Wissen um die Wetzsteinmacherei als frühere Erwerbsquelle der bäuerlichen Bevölkerung zu sichern und durch verschiedene Aktionen und Medien wieder bekannt zu machen. Hierzu wurden Informationstafeln und Info-Faltblätter erstellt, die das Wissen um das alte Handwerk vorstellen. Eine Internetseite und eine App vermitteln weitere Inhalte, die das Angebot für Einheimische und Gäste abrunden. Zudem wird jede beteiligte Kommune ein Archiv mit internen Dokumenten, Bildern und Fotos zum Thema Wetzsteinmacherei anlegen. Neben dem Erhalt des Wissens um die Herstellung der Wetzsteine konnten so auch die Angebote in den Bereichen Kultur, Freizeit und Wandern, Naherholung und Tourismus aufgewertet werden.

Auf geht’s zum Wandern auf den Spuren der Wetzsteinmacher

Ein wichtiges Anliegen des Projekts war die Instandsetzung und Wiederherstellung der historischen Wege der Wetzsteinmacher auf lokaler und regionaler Ebene. Hierzu wurde der "Lückenschluss" zwischen den bereits vorhandenen Wetzsteinmacher-Wegen ausgeführt. Der wieder neu belebte Wanderweg verläuft auf den historischen Spuren der Wetzsteinmacherei zwischen Hohenschwangau und dem Bauernhofmuseum Glentleiten bei Ohlstadt. Auf der landschaftlich wunderschönen, aber durchaus anspruchsvollen Strecke sind insgesamt rund 75 Kilometer und fast 3000 Höhenmeter zu bewältigen.

Mithilfe der Informationstafeln und von historischen Bildern entlang des Wanderweges werden der Prozess der Wetzsteinproduktion, sowie auch die einzelnen Dörfer und ihre jeweilige Verbindung zur Wetzsteinmacherei vorgestellt. Zur besseren Orientierung ist der Wanderweg durchgehend mit dem Projekt-Logo "Das Erbe der Wetzsteinmacher" gekennzeichnet. Mit LEADER konnte hier ein Projekt verwirklicht werden, das sowohl zur Bewahrung der bayerischen Kultur als auch der Aufwertung unserer Heimat beiträgt, ganz getreu dem LEADER-Motto "Heimat sind wir".

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