Teil eines Dachstuhls mit zahlreichen Verstrebungen

Bayerisches Vogtland
Vier Gemeinden gestalten den Wandel „Vom Rand in die Mitte Deutschlands“ gemeinsam

Ehemalige Mauer, Wachturm und einige Häuser Mödlareuths (auch „Little Berlin“ genannt)

Wir liegen nicht mehr am Rand Bayerns und Deutschlands! Welche Chancen haben wir jetzt und wer hilft uns dabei, sie zu nutzen? Die Gemeinden Gattendorf, Feilitzsch, Töpen und Trogen der Verwaltungsgemeinschaft Feilitzsch im Landkreis Hof rückten 1990 mit der deutschen Einheit plötzlich und unvermutet vom Rand in die Mitte Deutschlands und des geeinten Europas. Es brauchte etwas Zeit, die ersten Anstürme und neuen Wechselbeziehungen nach der Grenzöffnung zu verarbeiten. Die neue Situation überdeckte zunächst die schon in den Jahren zuvor gewachsenen Probleme durch die demografische und strukturelle Entwicklung.

Region mit Identität gestalten

Ein übergemeindliches Entwicklungskonzept der Gemeinden, deren Zusammenarbeit später in die Integrierte Ländliche Entwicklung Bayerisches Vogtland übergeführt wurde, zeigte Vorschläge und Hinweise zur Stärkung der Region und der eigenen Identität auf. Unter intensiver Beteiligung der Bürger und fachlicher Begleitung durch ein Planungsbüro wurden Stärken und Schwächen analysiert und die Handlungsfelder Siedlungsentwicklung, Landwirtschaft und Landnutzung, Naherholung und ländlicher Tourismus, Handwerk und Gewerbe sowie Kultur und Soziales bearbeitet. Daraus ergaben sich zahlreiche Teilprojekte und Konzepte, deren Umsetzung längst begonnen hat und Schritt für Schritt erfolgt. Begünstigt und gefördert wird die Realisierung von Maßnahmen durch Projekte der Dorferneuerung und Flurneuordnung.

Sehenswertes aufbereiten

Zum Handlungsfeld Naherholung und sanfter Tourismus war eine Freizeit-, Rad- und Wanderwegekarte das erste Ergebnis der Kooperation. Sie enthält Sehenswürdigkeiten wie das Deutsch-Deutsche Grenzmuseum in Mödlareuth und den Drei-Freistaaten-Stein am Dreiländereck Bayern-Sachsen-Thüringen genauso wie das Golddorf Kirchgattendorf oder markierte Rad- und Wanderwege und Einkehrmöglichkeiten. Zudem erläutern auf den Routen Informationstafeln Dorf, Landschaft, Kultur und Geschichte.

Kinder und Jugendliche sind für die Zukunft der Region unersetzlich

Der demografische Wandel und stetig abwandernde Bürger waren von Anfang an das Thema in den Arbeitskreisen. Kurzzeitige Zuwächse in der Entwicklung der Bevölkerung gleich nach der Wende sind abgeflaut und haben sich wieder in einen negativen Saldo gedreht. Die Stärkung der Wirtschaft, der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen und eine offensive und nachhaltige Jugendarbeit waren die gesteckten Ziele.
Für die Jugend wurde inzwischen Vieles umgesetzt! Neue Spielplätze in vier Dörfern, teilweise in 72-Stunden-Aktionen von der Landjugend errichtet, bieten nun Kindern und Eltern die Möglichkeit zu Spiel und Gespräch. Das neu gebaute Jugendhaus in Töpen und der eigens gegründete Jugendverein „House Töpen e.V.“ geben den Jugendlichen den notwendigen Raum für eigenständige und selbstorganisierte Treffen und Veranstaltungen. Weitere Jugendräume sind im Gemeinschaftshaus „Jahnsanwesen“ in Feilitzsch eingerichtet.

Weiterentwicklung und Sanierung der Ortskerne

Der demografische Wandel und die Entwicklung in der Landwirtschaft führten in den ländlich geprägten Gemeinden und Dörfern zu deutlichen Veränderungen. Leer stehende und teilweise dem Verfall preisgegebene Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden im Dorfbild immer zahlreicher. Die eingeleiteten Dorferneuerungen in allen vier Gemeinden konnten mit gezielten Projekten hier bereits positive Akzente setzen.
Ein gutes Beispiel hierfür ist das „Jahnsanwesen“ mitten in Feilitzsch. Hier handelt es sich um einen ehemaligen Dreiseithof, den die Gemeinde erwerben konnte. Gefördert und begleitet durch die Dorferneuerung wurde das Wohnstallhaus renoviert. Es dient heute der Gemeinschaft für kulturelle Veranstaltungen und im 1. Stock der Jugend als Aufenthaltsraum für Treffen, Spiel und Freizeitbeschäftigungen. Die maroden Nebengebäude wurden abgebrochen und durch ansprechende Neubauten für Gewerbe und Nahversorgung ersetzt. So entstand zusammen mit den neu gestalteten Außenanlagen und dem gegenüberliegenden Rathausbereich wieder ein lebenswerter Dorfplatz, auf dem Dorfleben gepflegt wird. Zudem konnten neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
Auch in Trogen findet sich ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Umnutzung von leer stehender landwirtschaftlicher Bausubstanz. Eine große Scheune am Dorfanger, dem Festplatz der Gemeinde Trogen, wurde langfristig gepachtet und renoviert. Im Außenbereich entstanden eine Grillstation, neu gestaltete Außenanlagen für die zahlreichen Feste der Bürger und Vereine sowie Sanitäranlagen. Die Dorfscheune wird auch von den Ortsbürgern für private Feiern und Festlichkeiten häufig genutzt.
Weitere Beispiele für die Umnutzung leer stehender Bausubstanz sind das Gemeinschaftshaus und das Jugendhaus in Töpen sowie das Bürgerhaus in Gattendorf. Zahlreiche infrastrukturelle und gestalterische Maßnahmen an Ortsstraßen, Gehwegen und Plätzen im Zuge der Dorferneuerungen haben die Ortschaften zusätzlich attraktiver und lebenswerter gestaltet.

Erneuerbare Energien und Direktvermarktung

Energiewende und die Nutzung alternativer Energien waren mehrfach zentrales Thema in den Sitzungen der Steuergruppe der Integrierten Ländlichen Entwicklung. Biogasanlagen in mehreren Ortschaften mit Nahwärmenetzen zur Nutzung der Abwärme sind bereits in Betrieb oder konkret in Planung. Photovoltaik- und Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Gebäuden und einer Schule sowie Windparks erzeugen Strom, der in das öffentliche Netz eingespeist wird. Hackschnitzelheizungen liefern Wärme für private und öffentliche Gebäude wie z.B. dem „Jahnsanwesen“ in Feilitzsch oder der Dorfscheune in Trogen. Die Direktvermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte hat erste Standbeine mit einem Dorfladen an der Fattigsmühle in Töpen, in einigen landwirtschaftlichen Anwesen und auch in den örtlichen Ladengeschäften.

Projektträger
Integrierte Ländliche Entwicklung Bayerisches Vogtland mit den Gemeinden Feilitzsch, Gattendorf, Töpen und Trogen im Landkreis Hof