Teil eines Dachstuhls mit zahlreichen Verstrebungen

Wirtschaftsband A9 - Fränkische Schweiz
Achtzehn Kommunen auf der Überholspur

Gruppenbild mit den Bürgermeistern der ILE-Gemeinden und weiteren Verantwortlichen auf der Treppe vor einem Rathaus

Fragen zur Zukunft des ländlichen Raums und seiner Wahrnehmung in der Metropolregion Nürnberg zwischen den Großstädten Erlangen, Nürnberg und Fürth im Süden und der Stadt Bayreuth im Norden haben zu Beginn des Jahres 2006 18 Kommunen dazu bewegt, ihre zukünftige Entwicklung gemeinsam zu planen. In rund zwei Jahren entstand ein Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept, das die Arbeitsgrundlage für die kommunale Arbeitsgemeinschaft „Wirtschaftsband A9 - Fränkische Schweiz“ darstellt.

Die Gebietskulisse der Integrierten Ländlichen Entwicklung erstreckt sich über 18 Städte und Gemeinden aus zwei Landkreisen; elf aus dem südlichen Landkreis Bayreuth und sieben Kommunen aus dem östlichen Landkreis Forchheim. Auf einer Fläche von insgesamt 626 Quadratkilometern leben über 56.000 Einwohner. Die B 2 und B 470 erschließen die Region im Innern und die Bundesautobahn A9 garantiert eine gute überregionale Erreichbarkeit.
Die Kommunen der Integrierten Ländlichen Entwicklung liegen in einer abwechslungsreichen, reizvollen und naturräumlich wertvollen Landschaft mit Tälern, Hängen, Hochflächen und Wäldern. Typische Fachwerkhäuser prägen noch vielfach das Gesicht der Dörfer und Städte. Der Tourismus ist ein wirtschaftliches Standbein der Region und die Gäste können sich an einmaligen Höhlen, prägenden Burgen oder geologischen Attraktionen erfreuen. Zudem ist die Region wegen gutem Essen und den typisch fränkischen Bieren sehr geschätzt. Weithin bekannt sind auch die barocke Wallfahrtsbasilika in Gößweinstein und die Teufelshöhle in Pottenstein mit ihren bizarren Tropfsteinformationen.

Die kommunale Allianz hat sich gemeinsame Ziele gegeben

Unter der wissenschaftlichen und fachlichen Begleitung zweier Büros führten Untersuchungen der Region unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen zur Formulierung folgender Hauptziele, die mit der Umsetzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts erreicht werden sollen:
- Positionierung des Wirtschaftsbands A9 - Fränkische Schweiz innerhalb der Europäischen Metropolregion Nürnberg
- Stabilisierung des Arbeitsmarktes
- Belebung der Innenstädte und Ortskerne
- Schaffung von Rahmenbedingungen für Innovationen
- Kommunale Kooperation und Vernetzung

Für die inhaltliche Ausgestaltung der Hauptziele wurden fünf Handlungsfelder identifiziert. In den Bereichen Landwirtschaft und Landschaft, dörfliche und städtebauliche Entwicklung, Tourismus und Naherholung, Wirtschaft sowie Kultur - Soziales - Lebensqualität wurden wiederum über 50 Projekte entwickelt, die sukzessive umgesetzt werden sollen.
Im Folgenden wird anhand ausgewählter Beispielprojekte die große Bandbreite der integrierten ländlichen Entwicklung „Wirtschaftsband A9 - Fränkische Schweiz“ aufgezeigt. Die Projektinhalte können an dieser Stelle nur kurz skizziert werden. Erste Erfolge der Zusammenarbeit sind die gemeinsame Internetseite www.wirtschaftsband A9.de, die monatlichen Projekt-Nachrichten in allen Amts- und Mitteilungsblättern der Mitgliedskommunen sowie der Aufbau von Netzwerkstrukturen zwischen den einzelnen Gemeinden und den regionalen und überregionalen Behörden und Institutionen.

Handlungsfeld Jung und Alt

Eines der wichtigsten Handlungsfelder ist die demographische Entwicklung, die gerade ländliche Teilräume vor neue Herausforderungen stellt. Durch rückläufige Bevölkerungszahlen, begleitet von einer älter werdenden Gesellschaft, ändern sich die Ansprüche an die kommunale Daseinsvorsorge. Auslastungs- und Tragfähigkeitsprobleme bedingen flexible Angebotsformen und angepasste Angebote für alle Generationen. Hier setzt das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept an. Folgende zwei Leitprojekte werden stellvertretend für die Vielzahl von Möglichkeiten dargestellt:

Wirtschafts- und Juniorenakademie Pegnitz

Die Wirtschafts- und Juniorenakademie unterstützt junge Menschen beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. Wöchentliche Informationsangebote über die in der Region der kooperierenden Kommunen vorhandenen Ausbildungsmöglichkeiten sprechen vorrangig junge Leute an. Ziel ist es, die in der Region bestehenden beruflichen Chancen zu verdeutlichen und eine berufsbedingte Abwanderung in Verdichtungsräume zu verhindern. Ein weiterer Baustein der Akademie ist das so genannte Schülerpatenprojekt, bei dem Hauptschüler mit schlechten Startchancen ab der 8. Klasse von ehrenamtlichen Paten individuell bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz bzw. beim Übergang in das Berufsleben betreut werden. Das Schülerpatenprojekt wurde bei einem bayernweiten Wettbewerb des Arbeitskreises „Schulewirtschaft“ auf Platz 1 gewählt.

Lebensperspektive für Senioren

Die Alterung der Gesellschaft ist eine Tatsache, der sich die Kommunen stellen müssen. Das gemeinsame Projekt „Lebensperspektive für Senioren“, das im Rahmen der „Innovativen Altenhilfekonzepte“ des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen den Status eines Modellprojekts erhalten hat, begegnet dieser Herausforderung. Durch die Vernetzung vielfach in der Region vorhandener sozialer und karitativer Einrichtungen werden neue Angebote und Synergieeffekte geschaffen. Ebenso ist die Bündelung ehrenamtlichen Engagements in Netzwerken ein weiteres Aufgabenfeld. Eine Beratungsstelle soll helfen, dass die ältere Generation lange zuhause Wohnen bleiben kann. Eine Messe, die sich speziell mit den Bedürfnissen der älteren Generation befasste, wurde im Herbst 2009 durchgeführt und erfreute sich großer Resonanz.
Die Alterung der Gesellschaft ist eine Tatsache, der sich die Kommunen stellen müssen. Das Projekt „Lebensperspektive für Senioren“, das im Rahmen der „Innovativen Altenhilfekonzepte“ des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen den Status eines Modellprojekts erhalten hat, begegnet dieser Herausforderung. Durch die Vernetzung vielfach in der Region vorhandener sozialer und karitativer Einrichtungen werden neue Angebote und Synergieeffekte geschaffen. Ebenso ist die Bündelung ehrenamtlichen Engagements in Netzwerken ein weiteres Aufgabenfeld. Eine Beratungsstelle soll helfen, dass die ältere Generation lange zuhause Wohnen bleiben kann. Eine Messe, die sich speziell mit den Bedürfnissen der älteren Generation befasste, wurde im Herbst 2009 durchgeführt und erfreute sich großer Resonanz.

Regionaler Gewerbeflächenpool

Ein ökonomisches Leitziel der interkommunalen Zusammenarbeit ist die Positionierung der Region innerhalb der Europäischen Metropolregion Nürnberg. Erst durch den Zusammenschluss können auch kleinere Städte und Gemeinden gemeinsam stark nach außen hin auftreten. Beim bayerischen Modellprojekt „Regionaler Gewerbeflächenpool im Wirtschaftsband A9 - Fränkische Schweiz“ ziehen die kooperierenden Kommunen an einem Strang. Die Idee ist das virtuelle Einbringen von gemeindlichen Gewerbeflächen und Ausgleichsflächen in einen Pool, der aktiv die Vermarktung dieser Flächen betreibt. Besonders innovativ dabei ist: Durch die eingebrachten Flächen erhalten die Kommunen Poolanteile. Diese sind Grundlage für die Verteilung möglicher Verkaufserlöse und weiterer Einnahmen an die Mitgliedsgemeinden - und zwar unabhängig von der konkreten Standortwahl potenzieller Investoren im Gebiet der Integrierten Ländlichen Entwicklung. Kleine Gemeinden, teilweise ohne eigene gewerbliche Entwicklungsmöglichkeiten, profitieren so von der wirtschaftlichen Entwicklung der Gesamtregion. Darüber hinaus wird eine Reduzierung des Flächenverbrauchs durch die Vermeidung überdimensionierter Gewerbegebietsausweisungen erreicht.

Auf dem Weg zur Bioenergie-Region

Auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft einzugehen und eine landschaftsbildverträgliche Regionalentwicklung zu ermöglichen, das sind die Notwendigkeiten, die sich auch und gerade in der Region der kooperierenden Kommunen wiederfinden. Eine positive Entwicklung im „Wirtschaftsband A9 - Fränkische Schweiz“ wird es nur geben, wenn beide Erwartungen adäquat bedient werden können. Ein wichtiges Projekt ist dabei die Bioenergie-Region.
Die Konflikte bei der Flächennutzung haben sich auch im Kooperationsgebiet in den letzten Jahren deutlich verschärft. Kontrovers diskutiert werden sowohl von den Landnutzern als auch von Verbandsvertretern und Behörden des Naturschutzes und der Landwirtschaft die Fragen, in welchem Umfang zukünftig Nahrungsmittel angebaut oder Energiepflanzen erzeugt werden sollen und welche Flächen als Vorranggebiete für Natur- und Landschaftsschutz einzustufen sind. Zusammen mit der Region Bayreuth konnte die Region der Integrierten Ländlichen Entwicklung „Wirtschaftsband A9 - Fränkische Schweiz“ als einer von 25 Siegern aus dem Bundeswettbewerb Bioenergie-Regionen hervorgehen. Zwei konkrete Projekte zum Umgang mit entsprechend veränderten Landnutzungen werden in diesem Zusammenhang umgesetzt:
- Im Kulissenplan Bioenergie (Energie, Nahrung, Natur) wird eine Orientierungs- und Planungshilfe für die kooperierenden Gemeinden erarbeitet, in welchem Umfang künftig die unterschiedliche landwirtschaftliche Flächennutzung im Gemeindegebiet erfolgen soll.
- Im kommunalen Informationssystem „Erneuerbare Energien“ haben zahlreiche Kommunen seit Jahren vielfältige Initiativen gestartet und Erfahrungen zum Thema Bioenergie gesammelt. Fast in jeder dieser Kommunen gibt es Experten, die spezifische Probleme kreativ und wirtschaftlich vor Ort gelöst haben. Der Aufbau eines „kommunalen Informationssystems Bioenergie“ soll einen Erfahrungs- und Wissensaustausch unter den Kommunen anregen, fördern und ermöglichen.

Durch Dorferneuerungen und Flurneuordnungen Maßnahmen umsetzen

Die Bearbeitung und Umsetzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts hat das Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken finanziell gefördert und fachlich begleitet. Für die Umsetzung bzw. Unterstützung verschiedener Projekte kommen jetzt die unterschiedlichen Instrumente der Verwaltung für Ländliche Entwicklung zum Einsatz.
Im Gebiet der Integrierten Ländlichen Entwicklung „Wirtschaftsband A9 - Fränkische Schweiz“ laufen derzeit 41 Projekte der Ländlichen Entwicklung in den unterschiedlichsten Bearbeitungsständen. Ziel ist es, die Inhalte der laufenden Projekte mit den übergeordneten Handlungsfeldern des ILEK zu koordinieren und die Einleitung neuer Projekte oder Maßnahmen daran auszurichten.

Beispiele der Umsetzung

- Lösungen von Landnutzungskonflikten durch Flurneuordnungen oder im Freiwilligen Landtausch bzw. Freiwilligen Nutzungstausch werden im Projekt „Kulissenplan Bioenergie“ untersucht und aufgezeigt.
- Die umfangreichen Chancen der Bodenordnung in Dorf und Flur wurden in der Flurneuordnung Zips (Stadt Pegnitz) zur Umsetzung eines Hochwasserschutzkonzeptes genutzt.
- Die Schwerpunktaufgabe „Innenentwicklung der Dörfer“ zeigt ganz hervorragend das Beispiel Dorferneuerung Betzenstein. Die Beseitigung der Leerstände im historischen Ortskern von Betzenstein stellen die Stadt, die Teilnehmergemeinschaft und die beauftragten Planer vor eine immense Aufgabe. Dieser enge Schulterschluss und die zielgerichtete Planung führten bisher dazu, dass bereits mehrere Objekte wieder mit neuem Leben erfüllt werden konnten.
- Zusammen mit anderen Partnern konnte in Betzenstein der an einem überregionalen Wanderweg gelegene Schmidberg-Aussichtsturm erneuert werden. Die touristische Infrastruktur wird damit gestärkt.
- Das Instrument der „einfachen Dorferneuerung“ war bestens geeignet, um in Poppendorf (Gemeinde Ahorntal) eine touristische und kulturhistorische Besonderheit, die über zweihundert Jahre alte Kirchhofmauer, wieder instand zu setzen.
- In Elbersberg (Stadt Pottenstein) laufen derzeit die Planungen, ein privat finanziertes Projekt zum altersgerechten Wohnen durch entsprechende Gestaltungsmaßnahmen im Ort und durch Umnutzung von leer stehender Bausubstanz mit einer einfachen Dorferneuerung zu ergänzen.
- Neue Freizeiteinrichtungen, wie gemeindeübergreifende Rad- und Wanderwege, erhöhen die Lebensqualität im Kooperationsgebiet und tragen zur Belebung des Tourismus und damit zu einer zusätzlichen Wertschöpfung bei. Die im Projekt „Optimierung des Radwegenetzes“ erarbeiteten Vorschläge zum Lückenschluss von Radwegeverbindungen konnten in dem Gebiet durch die Infrastrukturmaßnahmen der Ländlichen Entwicklung bereits realisiert werden, wie zum Beispiel der Radweg von Hummeltal nach Gesees.

Projektträger
Integrierte Ländliche Entwicklung “Wirtschaftsband A9 - Fränkische Schweiz“ mit den Kommunen Ahorntal, Betzenstein, Creußen, Gesees, Haag, Hummeltal, Pegnitz, Plech, Pottenstein, Prebitz, Schnabelwaid, alle Landkreis Bayreuth sowie Egloffstein, Gößweinstein, Gräfenberg, Hiltpoltstein, Igensdorf, Obertrubach, Weißenohe, alle Landkreis Forchheim