Schweine
Schweinezucht

In der Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern w. V. sind 46 bayerische Herdbuchbetriebe zusammengeschlossen. Im Jahr 2020 wurden in den Herdbuchbetrieben 2.800 Sauen gehalten.

Bayerische Herdbuchbetriebe

Die bayerischen Herdbuchbetriebe erzeugen Reinzucht- und Kreuzungstiere für die Landeszucht und die Besamungsstationen. Rund 80 Prozent der in Bayern gehaltenen Zuchtsauen entstammen der Genetik des bayerischen Zuchtprogramms. Im Jahr 2020 wurden von der Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern w. V. (EGZH) rund 25.300 Zuchttiere, davon circa 1.600 Eber, verkauft. Exportierte Zuchttiere gingen vor allem nach Spanien und Griechenland.

Durchführung der Zuchtprogramme

Die Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern w. V. (EGZH) arbeitet bei der Durchführung ihrer Zuchtprogramme eng mit dem Institut für Tierzucht, den Bayerischen Staatsgütern, der staatlichen Tierzuchtberatung, dem Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e. V. (LKV) und den Besamungsstationen zusammen. Die Besamungsstationen beteiligen sich an der Finanzierung der Zuchtprogramme.

Organisationen in der Schweinezucht Externer Link

Mutterrassen

Die Züchtervereinigung unterhält zur Erzeugung von Jungsauen und zur Erhaltung der Linienvielfalt ein Basiszuchtprogramm für die Rassen Deutsche Landrasse (DL) und Deutsches Edelschwein (DE). Ergänzt wird das Basiszuchtprogramm durch DL- und DE-Herdbuchzüchter.
Eber steht im SandZoombild vorhanden

Deutsche Landrasse

Durch die künstliche Besamung wird der in der Herdbuchstufe erzielte Zuchtfortschritt schnell an die Ferkelerzeugerbetriebe weitergegeben. Ziel ist die Erzeugung von fruchtbaren, mütterlichen, gesunden und langlebigen Jungsauen, sowohl in der Reinzucht als auch in der Kreuzungszucht (Bayernhybriden). Zur Zuchtwertschätzung auf Fruchtbarkeit, Langlebigkeit und Anomalienvererbung werden auch Daten der Produktionsstufe mit einbezogen. Die Langlebigkeit wird zudem durch die stärkere Gewichtung von Würfen älterer Sauen berücksichtigt. Seit 2015 wird an den Leistungsprüfungsanstalten das Auftreten von Hilfsschleimbeuteln erhoben und in einem Zuchtwert Bursitiden zusammengefasst. Für ökologisch wirtschaftende Betriebe wird der Bayerische Ökoindex (BÖI) geschätzt, der die Merkmale Mütterlichkeit, Wurfhomogenität und Langlebigkeit besonders beachtet.

Vaterrassen

Piétrain-EberZoombild vorhanden

Piétrain-Eber bei der Körung

Etwa 80 Prozent der Mastschweine in Bayern entstehen aus einer Kreuzung mit einem Piétrain-Endstufeneber. Grundlage des Zuchtprogramms für die Rasse Piétrain sind die stationäre Prüfung auf die Erzeugungs- und Qualitätsparameter und die daraus resultierende Zuchtwertschätzung. Dabei wird neben dem Fleischanteil im Schlachtkörper auch großer Wert auf die Mastleistung, Futterverwertung und insbesondere auf die Fleischqualität gelegt. Zur züchterischen Bearbeitung des Ebergeruchs werden seit dem Jahr 2015 routinemäßig nicht kastrierte männliche Tiere in die Prüfung einbezogen und die Leitmerkmale Androstenon und Skatol im Speck ermittelt. Aus den Zuchtwerten für beide Merkmale wird der Ebergeruchsindex ermittelt. Die Ermittlung des Auftretens von Hilfsschleimbeuteln am Ende der Prüfzeit ist fester Bestandteil der Nachkommenprüfung. Weiter an Bedeutung gewinnt die züchterische Bearbeitung des Vatereinflusses (paternaler Effekt) auf die Wurfhomogenität oder den Geburtsverlauf. Aktuelle Forschungsvorhaben beschäftigen sich mit dem Einfluss von Gesundheitsmerkmalen auf das Auftreten von Schwanzverletzungen bei nicht kupierten Tieren.
Piétrain-Eber

Fleischreicher Piétrain-Eber bei Körung

Es werden Zuchtwerte für Fruchtbarkeit, Wurfvitalität, Mütterlichkeit, Geburtsverlauf, Wurfhomogenität, Langlebigkeit, Anomalien, Mast- und Schlachtleistung, Fleischqualität, Gesäugemängel, Ebergeruch und Bursitiden geschätzt.

Die Zuchtkandidaten der Vater- und Mutterrassen werden hinsichtlich Gesundheit, Fundamente und Anomalien phänotypisch vorselektiert. Einmalig in Deutschland erfolgt dann eine individuelle Vorschätzung der Einzelmerkmale und Krankheitsresistenzen anhand einer Genotypisierung der Zuchtkandidaten. Sowohl für die Sauen als auch für die Eber werden wichtige Leistungsmerkmale entsprechend ihrer Erblichkeit und Bedeutung für das Zuchtziel im Gesamtzuchtwert zusammengefasst.

Seit 2015 wird dieser Meilenstein der Etablierung der genomischen Zuchtwertschätzung in Bayern umgesetzt.

Bayerische Zuchtwert-Informationen Schwein (LfL) Externer Link

Deutsche Landrasse

Deutsche Landrasse entstand aus Landschlägen unter Einkreuzung mehrerer englischer Rassen.Zoombild vorhanden

Deutsche Landrasse

Zuchtziel der Deutschen Landrasse (LR) ist ein mütterliches, widerstandsfähiges, langlebiges und fruchtbares Schwein von rein weißer Farbe mit guter Entwicklung und genügend hohem Muskelfleischanteil bei sehr guter Fleischbeschaffenheit.
Die Landrasse entstand aus Landschlägen unter Einkreuzung mehrerer englischer Rassen. Das veredelte deutsche Landschwein wies bis in die 1960er Jahre einen hohen Fleischanteil auf. Ab den 70er Jahren erfolgte aufgrund der zunehmenden Kreuzungszucht eine starke Konzentration auf Fruchtbarkeit, Mütterlichkeit und Stressstabilität. Es dient in Bayern dem Edelschwein als Kreuzungspartner für die Erzeugung der Bayernhybriden oder auch als fleischbetonte Mutterlinie.

Deutsches Edelschwein

EberZoombild vorhanden

Deutsches Edelschwein

Zuchtziel beim Deutschen Edelschwein (DE) ist ein großrahmiges weißes Schwein mit Stehohren bei sehr guter Fruchtbarkeit, Vitalität und Langlebigkeit. Eine ausgeprägte Mastleistung, Robustheit und eine sehr gute Futterverwertung werden ebenfalls beachtet. Ursprüngliche Schwerpunkte der Zucht waren England und Dänemark, wo man ostasiatische Rassen zur Steigerung der Frühreife und Fruchtbarkeit einkreuzte. In Bayern wird es als idealer Anpaarungspartner der Landrasse zur Erzeugung der Bayernhybriden eingesetzt.

Piétrain

Piétrain-EberZoombild vorhanden

Piétrain-Eber

Zuchtziel der Piétrainrasse (Pi) ist ein wüchsiges, stabiles auf gute Ausprägung der wertvollen Teilstücke gezüchtetes buntes Schwein. Zunehmend tritt im Zuchtziel die Fleischqualität mit dem intramuskulären Fettgehalt, dem Tropfsaftverlust und der Geruchsfreiheit in den Mittelpunkt. Auch die paternalen Effekte auf Wurfparameter wie Anomalien oder der Verbesserung des Geburtsverlaufs und der Wurfhomogenität spielen zunehmend eine Bedeutung in der bayerischen Vaterrassenzucht. Die züchterische Verbesserung von Verhaltens- und Gesundheitsmerkmalen, insbesondere bei der Haltung nicht kupierter Tiere, sind Gegenstand aktueller Forschungsvorhaben.
Das Pietrainschwein entstand aus einem Landschlag eines belgischen Züchters um etwa 1920. Die Rasse Pietrain wird in Bayern seit den 70er Jahren als Endstufengenetik (Vaterrasse) zur Produktion wüchsiger Mastendprodukte mit guter Fleischigkeit verwendet. Aktuell haben über 80 Prozent der bayerischen Mastschweine einen Bavarian-Pietrain als Vater.

Bayernhybriden

Erstellt werden die Bayernhybriden aus einer systematischen Kreuzung aus Landrasse und Edelschwein.Zoombild vorhanden

Bayernhybriden

Bei den Bayernhybriden (BayHyb) wird neben der Fruchtbarkeitsleistung, besonders auf hohe Wurfvitalität und ausgeprägte Mütterlichkeit bei besonderer Eignung für neue Haltungsformen geachtet. Stressstabilität, Robustheit und ein sehr gutes Fundament ermöglichen den Tieren bei sehr guter Mastleistung auch einen über den Wettbewerbern liegenden Magerfleischanteil für bayerische Verhältnisse zu realisieren.
Die Bayernhybriden stellen eine systematischen Kreuzung aus Landrasse und Edelschwein dar. Zur stärkeren Standardisierung und Etablierung etwa von Krankheitsresistenzen werden die Eltern dabei über das Basiszuchtkonzept züchterisch bearbeitet. Insbesondere mit den geringsten Ferkelverlusten bilden die Bayernhybriden daher seit Jahren die Spitze nach den Leistungszahlen des Landeskuratoriums der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e. V. (LKV).

Zuchtleistungsprüfung

Auszubildende beurteilen eine MuttersauZoombild vorhanden

Auszubildende beurteilen eine Muttersau

Die Organisation und Durchführung der Zuchtleistungsprüfung obliegt dem Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e. V. (LKV). Im Jahr 2020 wurde bei ca. 5.500 Herdbuchwürfen der Mutterrassen die Zuchtleistungsprüfung durchgeführt. Ergänzt wurden diese Daten durch die Fruchtbarkeitsergebnisse von etwa 10.000 mit Abstammungsdaten erfassten Ferkelerzeugersauen.

Das hohe genetische Niveau der bayerischen Mutterrassengenetik im Merkmal Aufzuchtleistung zeigen die Leistungen der Bayernhybriden im LKV Bayern. 2020 wurden im Mittel 29,2 Ferkel/Sau und Jahr geboren und dies bei den geringsten Verlusten aller Hybridherkünfte. Die Landeszucht kann somit über die künstliche Besamung an diesem Zuchtfortschritt unmittelbar teilhaben.

Ermittlung der Erzeugungs- und Qualitätsmerkmale

Bestimmung des Muskelfleischanteils mit einer MesssondeZoombild vorhanden

Bestimmung des Muskelfleischanteils am Schlachtkörper.

Die Geschwister- und Nachkommenprüfung auf Mast- und Schlachtleistung stellt eine wichtige Grundlage für die Zuchtprogramme bei den Vater- und Mutterrassen dar. Sie wird an den bayerischen Leistungsprüfungsstationen in Grub und Schwarzenau durchgeführt.

Im Jahr 2020 wurden insgesamt 6.066 Prüftiere an beiden Stationen eingestallt. Zusätzlich wurden etwa 500 Tiere aus Zuchtprojekten geprüft. Mit 3.290 Prüftieren stammen die meisten Tiere aus der Herdbuchzucht, 2.435 Prüftiere sind Nachkommen von Besamungsebern aus Ferkelerzeugerbetrieben. Das Schlachtendgewicht beträgt bei den Mutterrassen und den Mastendprodukten 95 kg, bei den Piétrain-HB-Tieren 90 kg.
Leistungsniveau 2020 bei 95 bzw. 90 kg Schlachtendgewicht
Mast- und SchlachtleistungDeutsche Landrasse (DL)Piétrain (Pi)Pi x DL
Tageszunahmen in g1.006824907
Futterverzehr je kg Zuwachs2,562,222,35
Muskelfleischanteil LPA53,168,263,4

Besamung

In Bayern wurden 2020 von den Besamungsstationen Bayern Genetik GmbH und Neustadt a. d. Aisch 559 Eber (350 Piétrain, 5 Edelschwein, 37 Deutsche Landrasse, 167 sonstige Rassen) zur künstlichen Besamung gehalten. Die Stationen halten zur Sicherung der genetischen Linienvielfalt überproportional viele Mutterrasseneber. Insgesamt wurden 450.000 Erstbesamungen, davon nahezu 99 Prozent von Eigenbestandsbesamern durchgeführt.

Staatlich anerkannte Besamungsstationen mit Sitz in Bayern

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