Kopfbild: Kuhkopf (Foto: Dieter Hawlan/iStockphoto.com)

Tierische Erzeugung
Tiergerechte Haltung von Nutztieren

Das Tierwohl gerät immer stärker in das Bewusstsein der Verbraucher und die gesellschaftlichen Anforderungen an eine tiergerechte Nutztierhaltung steigen. Eine tiergerechte Haltung liegt auch im Interesse der bayerischen Landwirte, die rund drei Viertel ihres Einkommens aus der Nutztierhaltung erwirtschaften.

Die Tierhaltung ist das wirtschaftliche Rückgrat der bayerischen Landwirtschaft und sichert die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Nahrungsmitteln aus heimischer Erzeugung. Maßnahmen zur Verbesserung der Tierhaltungsbedingungen wie der Runde Tisch für tiergerechte Nutztierhaltung, intensiver Wissenstransfer und Forschung, Fördermaßnahmen sowie Beratung zum Tierwohl werden vom Landwirtschaftsministerium koordiniert und führen zum Erfolg.

Runder Tisch für tiergerechte Nutztierhaltung

Um die Ansprüche der Tiere mit den Erfordernissen einer wirtschaftlichen Tierhaltung in Einklang zu bringen, ist eine weitere Verbesserung der Tierhaltungsbedingungen notwendig, Nur so kann die Akzeptanz unserer Nutztierhaltung in der Gesellschaft dauerhaft gesichert werden. Innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens muss eine verantwortungsvolle Tierhaltung auch den ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten einer nachhaltigen Entwicklung entsprechen.
Darstellung Kuh, Huhn, Schwein
Der Runde Tisch für tiergerechte Nutztierhaltung verfolgt das Ziel, mit allen Verantwortlichen in Bayern praxisgerechte und gesellschaftsorientierte Lösungen für die Nutztierhaltung zu erarbeiten. Er wurde im Juli 2012 eingerichtet und tagte inzwischen fünf Mal.

80 Teilnehmer aus 60 Organisationen vertreten die Interessen der verschiedenen Bereiche beim Runden Tisch, sodass alle Sparten entsprechende Berücksichtigung finden. Hohe Sachlichkeit im Umgang mit der Thematik der tiergerechten Nutztierhaltung zeichnet dieses Gremium aus, das auch weiterhin gemeinsam alle Bereiche des Tierwohls bearbeiten wird. Die wissenschaftliche Begleitung von Projekten und praktischen Versuchsanstellungen sichern die Umsetzbarkeit für die Nutztierhalter und die Akzeptanz in der Gesellschaft.
Teilnehmer am Runden Tisch
  • Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.
  • Arbeitsgemeinschaft der Besamungsstationen in Bayern e.V.
  • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
  • Bayerische Landestierärztekammer
  • Bayerischer Bauernverband
  • Bayerischer Landesausschuss für Hauswirtschaft e.V.
  • Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit
  • Bergader Privatkäserei GmbH & Co. KG
  • Brüterei Süd, ZN der BWE-Brüterei Weser-Ems GmbH & Co. KG
  • Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V.
  • Bundesverband praktizierender Tierärzte - Landesverband Bayern e.V.
  • Deutscher Tierschutzbund - Landesverband Bayern e.V.
  • Diözesanrat der Katholiken der Erzdiözese München und Freising - Sachausschuss Ökologie und Nachhaltigkeit
  • EDEKA Handelsgesellschaft Südbayern GmbH
  • Erzeugergemeinschaft Gankofen KG
  • Fleischprüfring Bayern e.V.
  • Genossenschaftsverband Bayern e.V.
  • Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - Fakultät Land- und Ernährungswirtschaft
  • Kaiser`s Tengelmann AG
  • Landesinnungsverband für das Bayerische Fleischerhandwerk
  • Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e.V.
  • Landesverband Bayerischer Rinderzüchter e.V.
  • Landesverband bäuerliche Junggeflügelmäster e. V.
  • Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft e.V.
  • Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V.
  • Lidl Stiftung & Co. KG
  • Ludwig-Maximilian-Universität München -
    • Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften
    • Klinik für Wiederkäuer mit Ambulanz und Bestandsbetreuung
    • Klinik für Schweine
    • Veterinärmedizinische Fakultät - Institut für Tierschutz, Verhaltenskunde und Tierhygiene
  • Milchprüfring Bayern e.V.
  • Milchwerke Jäger GmbH & Co. KG
  • Molkerei Meggle Wasserburg GmbH & Co. KG
  • Neuland e.V.
  • Real SB Warenhaus GmbH
  • Ringgemeinschaft Bayern e.V.
  • Stiftung Bündnis Mensch & Tier
  • Technische Universität München
    • Lehrstuhl für Tierhygiene
    • Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaues
  • Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.
  • Verband der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft e.V.
  • Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern e.V.
  • VION GmbH
  • Zott SE & Co. KG

Ergebnisse des Runden Tisches
Gemeinsame Erklärung zur Rolle der Tierhaltung und zur Verbesserung des Tierwohls

Vertreter von Politik, bäuerlichen Selbsthilfeeinrichtungen, Wissenschaft, Wirtschaft, Erzeugern, Vermarktern und Verbrauchern haben im Juni 2015 eine gemeinsame "Erklärung zur Rolle der Tierhaltung und zur Verbesserung des Tierwohls in der bayerischen Landwirtschaft" unterzeichnet. In der Erklärung sind sieben Themenbereiche vereinbart, für die Lösungen erarbeitet werden. Vorrangig ist dabei die Praxistauglichkeit für die Tierhalter.

Wissenstransfer und Forschung zum Tierwohl

Den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, landwirtschaftlichen Betrieben, Verarbeitern und Verbrauchern gilt es auszubauen und zu vertiefen mit dem Ziel, die Innovationen schneller in der landwirtschaftlichen Praxis einzuführen. Mit der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn), den Beraterinnnen und Beratern an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) sowie den Verbundpartnern und den renommierten Hochschulen (Kooperationsvertrag) hat Bayern beste Voraussetzungen.

Wichtige Forschungsschwerpunkte

  • Weiterentwicklung der Haltungssysteme, bei denen die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen möglichst ungehindert ausüben können, z. B. Weidegang, Auslauf, Beschäftigung, Erweiterung des Platzangebots je Tier
  • Unterstützung der Tierhalter bei der Überwachung und Betreuung der Tiere, wie Aktivitätsmuster, Futteraufnahme, Körpertemperatur, Tiergesundheit
  • Verbesserung der Tiergesundheit durch Züchtungs- und Managementmaßnahmen.

Tierwohl-Forschungsprojekte für einzelne Nutztierarten an der Landesanstalt für Landwirtschaft

Rinderzucht und -haltung

  • Pro-Gesund - Entwicklung eines Gesundheitsmonitorings in Rinderbeständen Bayerns
  • Entwicklung von Prognosemodellen zur Früherkennung von Klauenerkrankungen durch Analyse von Verhaltens-, Leistungs- und Klauengesundheitsdaten von Milchkühen
  • Untersuchungen zum Lernverhalten bei Rindern mit dem Ziel der Vermeidung von Stresssituationen
  • Praxistauglichkeit von Indikatoren zur betrieblichen Eigenkontrolle der Tiergerechtheit in der Rinderhaltung ("Inzeit")
  • Tierindividuelle vernetzte Sensorsysteme zum Monitoring des aktuellen Tierstatus und zur Früherkennung von Erkrankungen (Teilprojekt von "DigiMilch")
  • Beteiligung am bundesweiten Projekt zur Abstimmung und Verbreitung von Wissen im Bereich Tierwohl („FoKuS_TUN“, Gefördert durch das BMEL)
  • Vermeidung des Mähtod von Wildtieren bei der Futterwerbung zur Schonung von Wildtieren
  • Reduktion des Antibiotikaeinsatzes beim Milchvieh durch Selektives Trockenstellen ("Rast")
  • Zucht auf Gesundheit mit Hilfe weiblicher Lernstichproben (Braunvieh-Vision, FleQS)
  • Genomische Werkzeuge zur Optimierung von Resilienz und Effizienz in der europäischen Rinderhaltung
  • Genetische Analyse von Abgangsursachen in der bayerischen Rinderzucht
  • Ökologische Tierhaltung
    • Status-Quo-Analyse der kuhgebundenen Kälberaufzucht

Schweinezucht und -haltung

  • Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration mit Schwerpunkt Ebermast
  • Verzicht auf das Kupieren der Ferkelschwänze
  • Alternativen zur Einzelhaltung von säugenden und zu besamenden Sauen in Kastenständen
  • Entwicklung von tiergerechten Ställen für Ferkel und Mastschweine
  • Berücksichtigung von Gesundheits- und Verhaltensmerkmalen in der Schweinezucht
  • Verbesserung der Tiergesundheit und des Tierwohls durch Fütterungsmaßnahmen
  • Steigerung der Energieeffizienz in der Schweinehaltung
  • Bewertung und Verbesserung der Umweltwirkung von Stallungen und Produktionsverfahren
  • Ökologische Tierhaltung
    • Funktionale Merkmale ferkelführender Sauen - Ein Beitrag zur Züchtung und Eigenremontierung

Geflügelhaltung

  • Erfassung von Tierwohlindikatoren bei Legehennen und Puten
  • Forschung im Bereich Zweinutzungshuhn
  • Auswirkungen unterschiedlicher Futterkonzepte für normal und langsam wachsende Hähnchen auf Umwelt- und Tierwohlaspekte
  • Konzepte zur Erhaltung gefährdeter Rassen
  • Zukünftige Arbeitsfelder (bauliche Vorbereitungen laufen)
    • Entwicklung neuer Haltungssysteme für Legewachteln mit besonderem Augenmerk auf Tierwohlparameter
  • Ökologische Tierhaltung
    • Eignungsprüfung für Zweinutzungshühner unter den Bedingungen des Öko-Landbaus
    • Ökologische Fütterung von Puten
Weitere Projekte unserer Forschungseinrichtungen

Suche nach Forschungsprojekten

Fördermaßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls

Einzelbetriebliches Investitionsförderprogramm/Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP)

Mit dem AFP werden Investitionen in besonders tiergerechte Haltungsverfahren (btH-Premium) finanziell unterstützt (25 % Zuschuss). Um die Umstellung von der Anbindehaltung bei Kühen in Laufställe voranzubringen oder aber die Haltung von Zuchtsauen zu verbessern, wird ein weiterer Zuschlag von 5 Prozentpunkten gewährt, so dass hier die Förderung 30 % beträgt.

EIF – Teil A: Agrarinvestitionsförderprogramm (Förderwegweiser)

Bayerisches Sonderprogramm Landwirtschaft

Mit dem Bayerischen Sonderprogramm Landwirtschaft (BaySL) fördert Bayern die Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung bei Milchvieh in kleineren Betrieben (Bestandsgröße max. 30 Kühe). Außerdem werden kleine Investitionen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen von Nutztieren finanziell unterstützt. Hier sind beispielhaft die Anlage von befestigten Tierausläufen bzw. Laufhöfen oder die Anschaffung bestimmter Einrichtungsgegenstände für die Schweinehaltung zu nennen. Für diese Investitionen zur Verbesserung des Tierwohls werden 30 % Zuschuss gewährt.

Bayerisches Sonderprogramm Landwirtschaft (Förderwegweiser)

Kulturlandschaftsprogramm

Beim Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) wird die Sommerweidehaltung (Weideprämie) bei Rindern (Maßnahme B60) honoriert.

Kulturlandschaftsprogramm (Förderwegweiser)

Beratung

Das Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e. V. (LKV) hat in den Jahren 2012 bis 2014 ein vom Staatsministerium gefördertes Konzept zur Optimierung des Tierwohls in der bayerischen Rinder- und Schweinehaltung erarbeitet und bietet seit 2015 im Rahmen der Verbundberatung im Rinderbereich die LKV-Haltungsberatung an.

Verbundberatung

Tierwohl-Label

Tierschutz und "Tiergerechte Haltung von Nutztieren" sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur gelingen kann, wenn Landwirte, Politik, Wirtschaft und die Verbraucher ihren Beitrag dazu leisten. Damit die Verbraucher ihrer Verantwortung für das Tierwohl bei der Kaufentscheidung auch gerecht werden können, haben sie derzeit folgende Entscheidungsmöglichkeiten beim Kauf von Fleisch und Fleischwaren:

1. Brancheninitiative Tierwohl
2. Label des deutschen Tierschutzbundes
3. Label der teilnehmenden Lebensmittel-Handelsunternehmen (Haltungsform.de)

Lebensmittel mit dem staatlichen Label "Mehr Tierwohl" des Bundeslandwirtschaftsministeriums sollen im Jahr 2020 erhältlich sein.