Buchenwald mit Totholz (© Stephan Thierfelder)

Naturwälder - Bayerns wilde Waldnatur
Waldnatur erleben

Nirgendwo lassen sich die Zusammenhänge im Ökosystem Wald so eindrucksvoll erleben wie im Wald selbst. In Naturwäldern bleibt die Waldnatur sich selbst überlassen: Ungelenkt, frei, unvorhersehbar. Der Natur „über die Schulter zu schauen“, sie zu beobachten, zu erleben und von ihr zu lernen, ist ein Ziel in den neuen Schutzgebieten.

Wilde, spannende Wälder

Biber am Seeufer sitzend Zoombild vorhanden

Biber (Foto: H.-J. Fünfstück/
www.5erls-naturfotos.de)

Naturwälder entfalten eine natürliche Dynamik, die das Erscheinungsbild bei Sturm oder Schnee über Nacht verändern kann oder über Jahrzehnte hinweg altbaumreiche Waldbestände begünstigt. Naturwälder sind daher nie gleich: Sie sind oftmals geprägt von alten Bäumen, Totholz und Biotopbäumen. Wo aber Altbäume absterben oder vom Wind geworfen werden entstehen Lücken im Kronendach und Blütenpflanzen sowie junge Bäume können auf diesen lichten Flächen wachsen.

So entsteht ein vielfältiger Lebensraum für Schwarzspecht, Sperlingskauz, Bockkäfer und Co. Mit etwas Glück können in diesen wilden Wäldern Spechte beim Füttern, Biber beim Burgenbau oder Waldeidechsen beim Sonnenbaden beobachtet werden. Ein Besuch einer Naturwaldfläche ist immer spannend, immer anders und immer in der freien Natur.

Schonend beobachten und erleben

Radweg im Auwald am Fluss entlangZoombild vorhanden

Naturwälder schonend beobachten und erleben - von den Wegen aus
(© Felix Brundke)

Die Bayerische Forstverwaltung und die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) fördern Erholung und Naturerleben, auch und besonders in den Naturwäldern. Besondere Flächen gilt es besonders zu behandeln. Bei der Auswahl der Wege wird darauf geachtet, die richtige Balance zu finden. Interessante Bereiche sollen zugänglich und damit für Waldbesucherinnen und Waldbesucher erlebbar gemacht werden. Wo erforderlich, wird auf besonders sensible Bereiche hingewiesen und um einen sorgsamen, verantwortungsvollen Umgang gebeten. Waldbiotope und Lebensräume geschützter und seltener Arten sollen sich möglichst unbeeinflusst entwickeln können.

Um die verschiedenen Ansprüche der unterschiedlichen Waldbesucherinnen und Waldbesucher auf den gleichen Flächen und Wegen miteinander abzustimmen, werden Naturwaldentwicklungs-Konzepte erarbeitet. Nachhaltiges Naturerleben gelingt allerdings nur, wenn alle Beteiligten ihren Beitrag leisten, auch Sie als Waldbesucher. Es gibt in Naturwäldern bewusst keine Einschränkung des Betretungsrechts. Alle Waldflächen sind frei zugänglich. Wir bitten Sie jedoch darum, sich auch des eigenen Einflusses auf die Umwelt und damit Ihrer Verantwortung für diese besonderen Wälder bewusst zu sein. Besonders auf empfindlichen Standorten, wie Mooren oder an Steilhängen, kann häufiges Betreten den Pflanzenbewuchs beeinträchtigen. Die Wege in Naturwäldern sind bewusst ausgewählt und so beschaffen, dass Waldbesucher gut und sicher vorankommen.
Schwarzpappel (© Felix Brundke)
Hinweis: Mehr Natur - mehr Totholz!
Bitte bedenken Sie: Ein Mehr an wilder Waldnatur bedeutet auch ein mehr an Totholz - von toten Ästen in der Baumkrone bis zum ganzen abgestorbenen Baum. Totholz kann unvermittelt und ohne Vorwarnung zu Boden fallen und schwere Verletzungen verursachen. Es handelt sich hierbei um waldtypische Gefahren, deren sich jeder Waldbesucher bewusst sein und sie selbst einschätzen muss. Verlassen Sie den Naturwald bei stärkerem Wind umgehend. Der Besuch eines Naturwaldes erfolgt auf eigene Gefahr.

Foto: Schwarzpappel mit Totholzanteil (© Felix Brundke)

Urwald braucht Zeit

Höhlenbaum (© Felix Brundke)Zoombild vorhanden

Höhlenbaum
(© Felix Brundke)

Bitte um Geduld: Auf einem Teil der Wälder hat zuletzt noch nachhaltige Bewirtschaftung stattgefunden. Dabei wurde auch auf Strukturreichtum und Biodiversität geachtet. Um sich zum „Urwald“ zu entwickeln, braucht es dennoch Zeit, auch wenn bewusst reife Wälder als Naturwälder ausgewählt worden sind. Wenn man genau hinsieht, erkennt man aber, dass diese Prozesse laufen: Umgestürzte Bäume bleiben liegen, einzelne Bäume sterben ab, es entstehen Lücken usw. Auf manchen Flächen ist die Bewirtschaftung schon lange eingestellt, dort ist diese Entwicklung oft schon weit fortgeschritten. Und man wird wahrnehmen, dass die Wälder jetzt unberührt sind: keine fremden Geräusche, keine Maschinen, kein eingeschlagenes Holz – Aspekte, die auch bei behutsamer, naturnaher Nutzung des Rohstoffs Holz unvermeidbar sind – beeinflussen hier das Naturempfinden.