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Wieviel Mensch verträgt der Wald? - Forstinfo 02/2020
von Michael Friedel, Referat Öffentlichkeitsarbeit

Zwei Spaziergänger und Radfahrer unterhalten sich im Wald (© Tobias Hase/StMELF)Zoombild vorhanden

Erholung im Wald ist in. (© Tobias Hase/StMELF)

Was haben ein Schnapsbrenner aus dem Spessart, ein Wildkräuterkoch aus dem Fichtelgebirge, ein Berufsjäger aus dem Allgäu und eine Heimatführerin vom Tegernsee gemeinsam? Sie alle sind Waldbotschafter von Bayern Tourismus, der Marketinggesellschaft für die bayerische Tourismuswirtschaft.

Die Marketingfachleute haben 2019 extra ein eigenes Magazin zum Wald herausgebracht. Wer bei einer Online-Buchhandlung den Begriff „Waldbaden“ eingibt, dem werden aktuell 30 deutschsprachige Bücher zu diesem Thema angeboten. Und mittlerweile gibt es fast keine Volkshochschule in Bayern mehr, die nicht irgendwelche Lehrgänge zu Gesundheit aus dem Wald in ihrem Programm hat. Wald ist in.

Druck auf heimische Erholungsgebiete steigt

Uns Forstleute freut es, dass der Wald plötzlich eine solche Wertschätzung als Erholungs- und Gesundheitsraum erfährt. Seit vielen Jahren zeigen wir im Rahmen unserer waldpädagogischen Aktivitäten Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren die Schönheiten der bayerischen Wälder und erzählen ihnen auch, welche Bedeutung der Wald als Lebensraum, Rohstofflieferant oder in der Daseinsvorsorge für die Menschen hat. Allerdings sehen wir zunehmend auch, dass das durch die Bayerische Verfassung garantierte Recht auf Genuss der Naturschönheiten mancherorts an seine Grenzen stößt.

Durch die Corona-Krise und die damit verbundenen Reisebeschränkungen ist der Druck auf die heimischen Erholungsgebiete heuer enorm gestiegen. Dies trifft vor allem auf die waldreichen Mittelgebirge, das Voralpenland mit seinen Seen und die bayerische Alpenregion zu. An schönen Tagen meldet der Verkehrsfunk bereits in den Morgenstunden kilometerlange Staus auf den Zufahrtsstrecken zu den Erholungsgebieten und überfüllte Parkplätze entlang der Seen und an den Ausgangspunkten zu Wander- und Radtouren.

Verantwortungsloses Verhalten in der Natur häuft sich

Mountainbiker im Wald abseits der Wege (© PantherMedia/Gorilla)Zoombild vorhanden

Unverantwortliche Trailfahrer gefährden Mensch und Natur
(© PantherMedia/Gorilla)

Für uns Forstleute und die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer birgt vor allem der zunehmende Mountainbike-Tourismus Konfliktpotential: Das unvernünftige und rücksichtslose erhalten mancher Biker, die dadurch nicht nur Fußgänger gefährden, sondern auch zum Teil massive Schäden an Forstwegen und Steigen verursachen. Die steigende Zahl von e-Bikes, die es auch Radlerinnen und Radlern ermöglicht, in Bereiche vorzudringen, die ihnen sonst verwehrt wären.

Die Trailfahrer, die verantwortungslos abseits von Wegen durch den Wald oder über Wiesen brettern, die Vegetation zerstören und Erosionsansätze schaffen. Eine weitere konfliktträchtige Entwicklung ist der zu beobachtende Trend zum – übrigens verbotenen – Wildcampen im Wald. Neben der nicht zu unterschätzenden Gefahr, die von – ebenfalls verbotenen – Feuerstellen im Wald ausgeht, und der Störung von Wildtieren rund um die Uhr, bleiben an den Lagerplätzen oftmals unschöne Müllablagerungen zurück.

Lösungsansätze: Verkehrskonzepte und Informationskampagnen

In manchen Gebieten ist mittlerweile die Schmerzgrenze für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, Almwirtschaft und die einheimische Bevölkerung erreicht. Die betroffenen Kommunen denken über Verkehrskonzepte, aktive Parkraumbewirtschaftung und Maßnahmen zur Besucherlenkung nach. In anderen Orten gehen Einheimische auf die Straße und demonstrieren gegen den Besucheransturm. Angesichts dieser Situation plant das Staatsministerium eine bayernweite Informationskampagne zur Sensibilisierung der Erholungssuchenden unter dem Motto "Dein Freiraum. Mein Lebensraum.". Mit dem gleichnamigen Projekt hat der Naturpark Nagelfluhkette im Oberallgäu bereits seit Jahren gute Erfahrungen gemacht.

Mit "Runden Tischen" zum Erfolg

Zwischenzeitlich haben am Staatsministerium bereits zwei "Runde Tische" mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Organisationen und Verbände aus der Sportszene, dem Tourismus und Naturschutz sowie der Land- und Forstwirtschaft stattgefunden. Ziel einer von allen beteiligten Organisationen gemeinsam getragenen Dachkampagne unter dem genannten Motto ist es, vor allem die junge Generation der Waldnutzer anzusprechen, der oftmals das Bewusstsein für die Belange der Natur und der Forstwirtschaft fehlt. Dabei sollen vorwiegend positive Botschaften vermittelt und nachvollziehbare Verhaltensempfehlungen gegeben werden. Konkrete Routen- oder Tourenvorschläge sollen den Waldbesucherinnen und Waldbesuchern naturverträgliche Alternativen aufzeigen.

Alle diese Tipps werden auf die unterschiedlichen Nutzergruppen und den Einsatz in verschiedenen Medien der teilnehmenden Kampagnenpartner zugeschnitten. Wenn Appelle an die Vernunft keine Wirkung zeigen, bleibt im Einzelfall nur das Instrumentarium des Ordnungsrechts. Aktuell arbeiten das Forst- und das Umweltministerium deshalb an einer gemeinsamen Bekanntmachung zum Radfahren im Wald.
Damit die Dachkampagne "Dein Freiraum. Mein Lebensraum." die erhoffte Akzeptanz bei allen Beteiligten findet und bei den angesprochenen Zielgruppen zu einem Nachdenken und entsprechenden Verhaltensänderungen führt, soll eine Profiagentur ein stimmiges Kommunikationskonzept erstellen.

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