Picea abies
Die Fichte

Zwei Fichten in einem Waldbestand

(Foto: G. Aas)

Mit fast der Hälfte aller Bäume in den bayerischen Wäldern ist die Gemeine Fichte die wichtigste Wirtschaftsbaumart. Sie wird daher gern als Brotbaum der Forstwirtschaft bezeichnet. Ihr Siegeszug begann, als die durch Plünderung und Krieg verwüstenden Wälder wieder in eine Bestockung zurückgeführt werden sollten. In der anspruchslosen, unempfindlichen und dennoch leistungsfähigen Fichte sahen die Förster der damaligen Zeiten die optimale Baumart, um schnell die Holznot zu lindern.

Fichtenreinbestände, vor allem auf mäßig oder weniger geeigneten Standorten, sind jedoch anfällig gegenüber Schadereignissen. Die Folgen des Klimawandels werden das Einsatzgebiet der Fichte einschränken. Dennoch hat die Fichte als Teil standortsgerechter Mischbestände ihren Platz im Wald und in der Forstwirtschaft.

Die Fichte kann unter optimalen Bedingungen bis zu 1,5 Meter dick, 600 Jahre alt und bis zu 40 (im Idealfall auch bis zu 60) Meter hoch werden. Die bis drei Zentimeter langen Nadeln sind radial um den Zweig angeordnet. Sie sind vierkantig, stechend spitz und glänzend grün. Die Rinde der Fichte ist in jungen Jahren braun und später graubraun schuppig. Kennzeichnend sind der gerade Stamm und die regelmäßig kegelförmige Krone.

Die Zapfen erreichen eine Länge von 10 bis 15 Zentimetern, hängen an den Zweigen und fallen als Ganzes ab. Die Fichte bildet ein tellerförmiges Wurzelsystem mit in die Tiefe gehenden Senkerwurzeln. Bei mangelnder Durchlüftung (Staunässe) ist sie ein Flachwurzler.

Ansprüche der Baumart

Die Fichte ist eine recht bescheidene Baumart. Lediglich bei der Bodendurchlüftung und bei der Wasserversorgung ist sie vergleichsweise anspruchsvoll. Ihr Optimum erreicht sie in niederschlagsreichen Gebirgslagen auf frischen gut durchlüfteten Standorten.
Die Ansprüche im Einzelnen
  • Licht
    • Halbschattbaumart
    • wächst noch unter Altholzschirm wenn genügend Licht durchdringt
  • Wasser
    • regelmäßige Wasserversorgung
    • keine Staunässe oder hochstehendes Grundwasser
  • Boden
    • saure wie alkalische Böden
    • geringe Nährstoffansprüche
    • frische, lehmige Böden
    • keine Tonböden oder trockene Böden
  • Klima
    • gleichmäßiges Klima
    • mindestens 40 Millimeter Niederschalg im Monat während der Vegetationsperiode
    • frostresistent
    • anfällig gegenüber Trockenperioden

Bildergalerie

Wald aus Fichten

Fichtenbestand
(Foto: J. Böhm)

Zweig einer Fichte

Nadeln der Fichte
(Foto: G. Aas)

Hängender grüner Zapfen und stehende rote zapfenähnliche Blüte (2 Bilder)

Zapfen und Blüte
der Fichte
(Foto: G. Aas)

Rinde der Fichte

Rinde der Fichte
(Foto: J. Böhm)

Waldbauliche Behandlung

Noch heute finden sich auf vielen Waldflächen in Bayern Fichtenreinbestände. Die Baumart liefert hohe Erträge, droht aber in Reinbeständen außerhalb der für sie optimalen Standortsbedingungen komplett auszufallen. Bei der waldbaulichen Behandlung der Fichte steht daher zunächst die Stabilität der Bestände im Mittelpunkt.

Durch frühzeitige und notfalls kräftige Durchforstungseingriffe wird den Fichten ausreichend Standraum und Licht geboten. Eine einfache Faustregel besagt, dass die Krone mindestens ein Drittel, besser die Hälfte der Baumelänge einnehmen soll. Zukünftig kann die konkurrenzstarke Fichte weiterhin als Mischbaumart Verwendung finden. Die Halbschattbaumart lässt sich gut natürlich verjüngen und zeigt bei guter Pflege ein rasches ertragreiches Wachstum.

Gefahren für die Fichte

Insbesondere außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes und in Reinbeständen ist die Fichte anfällig gegenüber Witterung und Insekten. Da die Wurzel nicht Stau- oder Grundwasser führende Schichten im Boden durchdringt, sind die Bäume auf ungeeigneten Standorten besonders anfällig gegenüber Windwurf. Lange Trockenphasen setzen der Fichte zu und erhöhen die Anfälligkeit gegenüber Insekten (Borkenkäfer) und Pilzen (Hallimasch, Rotfäule).

Klimaaussichten

Künftig wird nur noch ein kleiner Teil Bayerns für den Fichtenanbau uneingeschränkt geeignet sein. Die zunehmende Sommertrockenheit ist für die Baumart problematisch. Die Fichte wird aber weiterhin auf geeigneten Standorten als ökonomisch reizvolle Mischbaumart die Bestände bereichern. Hier hängt die Entscheidung, in welchem Umfang die Fichte angebaut werden kann, stark von den lokalen Verhältnissen ab.

Der Wald in Zeiten des Klimawandels

Holznutzung

Das Holz der Fichte hat ein breites Spektrum an Verwendungsmöglichkeiten und ist das aktuell am häufigsten verwendete Bauholz. Bei einem geringen Gewicht, besitzt es vergleichsweise hohe Festigkeits- und Elastizitätseigenschaften. Anwendung findet Fichtenholz im Wohnungs-, Innenaus- und Möbelbau. Eine Verwendung im Außenbereich benötigt besondere Schutzmaßnahmen. Auch in der Papier-, Zellstoff- und Faserplattenindustrie ist schwachdimensioniertes Fichtenholz gefragt.

Der Holzmarkt – von regional bis global

Hätten Sie es gewusst?

Fichtenholz spielt eine besondere Rolle im Musikinstrumentenbau. Kein anderes Holz oder synthetischen Material kann die notwendigen Eigenschaften aus Elastizität und Widerstandskraft so gut kombinieren wie Klangholz aus Fichtenstämmen.

Der Absud aus Fichtennadeln galt als hilfreich gegen Skorbut.

Ein Bad mit einem Sud aus Fichtennadeln soll nervenstärkend sein, ein Sud aus Fichtenrinde bei Hautkrankheiten, Rheuma und Gicht helfen.

Wegen ihrer rotbraunen Rinde wird die Fichte gelegentlich fälschlicherweise auch „Rottanne“ genannt.

Die erstmalige synthetische Herstellung von Vanillin gelang aus dem Saft der Rinde von Fichten.

Weitere Informationen

Zeichnung eines bayerischen Forstbeamten (Grafik: N. Maushake)
Unser Tipp:

Fragen kostet nichts! Unsere Beratungsförster/innen helfen bei Fragen zur Baumartenwahl gerne weiter. Mit unserem praktischen Försterfinder können auch Sie schnell Ihren zuständigen Förster finden.  

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