Blick über den Bergwald (Foto: Jan Böhm)

Schutzfunktionen des Waldes
Schutz vor Naturgefahren

Bergwald schützt vor Erosion, Lawinen und Hochwasser.

Boden- und Erosionsschutz

Bergwald vor BerggipfelZoombild vorhanden

Höhenzonierung der Waldzusammensetzung
(Foto: Florian Stahl)

Wälder festigen durch ihre intensive und tiefe Durchwurzelung den Boden, und verhindern oder dämpfen zumindest Hangrutschungen und andere Erosionsvorgänge. Mischwälder mit einem hohen Tannen- und Laubbaumanteil können diese Bodenschutzfunktion besonders gut erfüllen. Fehlt das schützende Waldkleid, so hat dies neben der lokalen Gefährdung von Siedlungen, Verkehrswegen und Wiesen und Weiden auch einen erheblichen Einfluss auf die Stabilität des Gesamtökosystems. Ohne die bodenbildende und bodenhaltende Kraft des Waldes wären unsere Berge in Steillagen blanker Fels und Schutt.

Eine besondere Art des Bodenschutzes erfüllen die Steinschlagschutzwälder. Sie halten abrollende Steine und Felsbrocken zurück und haben eine große Bedeutung entlang vielbefahrener Alpenstraßen. Wälder mit hoher Stammzahl und dichtem Unterholz aus jungen Bäumen und Sträuchern können abrollende Steine besonders gut zurückhalten.

Lawinenschutz

Im Lawinenschutzwald ist ein hoher Anteil an Fichten und Tannen von Vorteil, da deren Nadeln einen beträchtlichen Teil des frisch gefallenen Schnees in den Baumkronen festhalten. Dieser verdunstet dort oder fällt verzögert und schubweise zu Boden. Die Schneedecke wird lokal zusammengepresst und stabilisiert. Mit steigendem Laubbaum- oder Lärchenanteil geht dieser Effekt zurück, da die im Winter kahlen Bäume den Schnee kaum auffangen können.

Im Wald bläst der Wind weniger stark als auf Freiflächen. Durch die Windruhe kommt es seltener zu labilen und gleichförmigen Schneeansammlungen. Außerdem wird die Schneedecke durch die Bäume festgehalten.

Nur geschlossene Wälder mit einer unregelmäßigen und ungleichartigen Struktur können den Lawinenschutz voll gewährleisten. Daher hat die ungestörte Entwicklung der Verjüngung entscheidende Bedeutung.

Oberhalb der Waldgrenze abbrechende Lawinen kann aber selbst ein intakter Schutzwald meist nicht auffangen. Die Schutzwirkung des Waldes liegt deshalb in seiner Fähigkeit, das Abgehen von Lawinen innerhalb des Waldes zu verhindern.

Hochwasserschutz

Feuerwehr versucht Überschwämmung durch angeschwollenen Fluss zu verhindern.Zoombild vorhanden

Hochwasser im Alpenraum
(Foto: Michael Friedel)

In den Bereichen des Schutzes und der Vorsorge vor Hochwasser kommt den Wäldern eine bedeutende Rolle zu. Das gilt für die Bergwälder in Wildbacheinzugsgebieten, wo der Hochwasserschutz beginnt, aber auch für die Wälder im Flachland, insbesondere für die flussbegleitenden Auwälder.

Wald wirkt auf den Wasserabfluss verzögernd und auf den Wasserhaushalt insgesamt ausgleichend. Bäume fangen in ihren Kronen die Niederschläge auf, die dort teilweise verdunsten und so gar nicht erst auf den Boden gelangen. Durch die Beschattung taut Schnee im Wald langsamer ab. So kommt das Schmelzwasser später in den Bächen an. Darüber hinaus verhindert der Wald Erosionsprozesse und vermindert damit die Gefahr, dass abgeschwemmte Feststoffe die Wildbäche verklausen und es zu Überschwemmungen kommt.

Am besten erfüllen diesen Hochwasserschutz intakte Mischwälder mit einer intensiven Durchwurzelung des Bodens. Ein lockerer, gut durchwurzelter Waldboden kann mehr als alle anderen Böden wie ein Schwamm große Mengen an Niederschlagswasser speichern. Insbesondere bei kurzem aber heftigem Starkregen ist die verzögernde Wirkung des Waldes auf den Wasserabfluss grundsätzlich gegeben. Nicht nur im Alpenraum und den Mittelgebirgen ist der Wald damit ein äußerst wichtig für die Pufferung des Wasserabflusses. Allerdings kann der Wald nur so viel Wasser zurückhalten, wie in den Bodenporen aufgenommen werden kann.

Große Wassermengen können naturnahe Auwälder speichern. Dort wird auch die Strömungsenergie des Wassers verringert. Natürliche Überschwemmungsflächen wie der Auwald stellen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die mit Abstand wirksamste Maßnahme zur Minderung von Hochwasser dar. Die Fläche der Flussauen Bayerns, die von Natur aus überwiegend mit Wäldern bedeckt wäre, beträgt theoretisch etwa 300.000 Hektar. Wegen der weitgehenden Regulierung der Flüsse unterliegt jedoch nur noch ein kleiner Teil dieser Auendynamik.

Auch Moore sind ein wertvoller Bestandteil und wichtige regulierende Elemente im Wasserkreislauf. In der Vergangenheit wurden viele dieser Moore durch Torfabbau oder Entwässerung mit oftmals folgender Aufforstung tiefgreifend verändert. Daher kommt dem Erhalt und der Renaturierung der Moore seit Jahrzehnten eine hohe Bedeutung zu.