Blick über den Bergwald (Foto: Jan Böhm)

Schutzfunktionen des Waldes
Gefahren für den Schutzwald

Die Bedingungen im Gebirge sind in jeder Hinsicht extrem: Große Temperaturschwankungen, hohe Schneelagen, heftige Stürme, Starkniederschläge und kräftige Sonnenstrahlung - das sind einige der abiotischen Faktoren, mit denen die Berg- und Schutzwälder zurechtkommen müssen.

Die Prognosen gehen davon aus, dass als Folge der Klimaveränderungen diese Extreme eher zu- als abnehmen werden. Dazu kommen biotische Gefahren, beispielsweise durch Borkenkäfer und Wildverbiss. Diese Umstände stellen große Herausforderungen für den Bergwald dar und können seine wichtigen Schutzfunktionen dauerhaft schwächen.

Schnee

Junge Bäume im Schnee (Foto: Jan Böhm)Zoombild vorhanden

Junge Bäumchen im Schnee
(Foto: Jan Böhm)

Die Schneehöhe und die Dauer der Schneebedeckung beeinflussen maßgeblich das Wachstum insbesondere der Waldverjüngung. Zwar schützt die Schneedecke die jungen Bäumchen vor extremen Frösten und vor Wildverbiss, aber sie verursacht auch Schäden am Waldbestand.

Wenn sich der Schnee setzt, kommt es ab etwa 30 Grad Hangneigung zu einem Schneekriechen innerhalb der Schneedecke und zu einem langsamen Abgleiten auf glatter Bodenoberfläche. Die dabei auftretenden Zug- und Druckkräfte können schwächere Bäume umbiegen, brechen oder sogar mitsamt der Wurzel aus dem Boden ziehen. Gleichzeitig können durch Schneeschurf in Waldlücken Bodenverletzungen entstehen, die sich mit der Zeit zu größeren so genannten Blaiken ausweiten und Ansatzpunkte für Erosionsschäden bilden.

Sturm und Borkenkäfer

Windwurffläche am Berghang mit bergiger Landschaft im Hintergrund Zoombild vorhanden

Windwurffläche
(Foto: Michael Friedel)

Mit steigender Meereshöhe nimmt die Windstärke zu. Es treten vermehrt Kronen- und Stammbrüche, bei Starkwindereignissen und Orkanen auch flächige Windwürfe auf. Besonders auf exponierten Lagen wie Kuppen und Plateaus sind diese Schäden häufig zu beobachten. In der Regel ist die Windgeschwindigkeit im Winter am höchsten.

Oft sind Sturmschäden erst der Anfang. Durch das großflächig vorhandene Schadholz der Sturmwürfe kann es in der Folge zu einer Massenvermehrung der Borkenkäfer kommen. Anfällig sind vor allem reine Fichtenbestände.

Klimawandel

Der Klimawandel hat gravierende Auswirkungen sowohl auf den Bergwald als auch auf die alpinen Naturgefahren. Die Tragweite der Auswirkungen können Experten nur prognostizieren. Verschiedene Klimamodelle gehen von einem Temperaturanstieg, zunehmenden Niederschlägen im Winter und künftig früher einsetzender Schneeschmelze aus. Außerdem ist mit einer Zunahme extremer Witterungsereignisse wie Starkregen und längerer Trockenphasen zu rechnen.

Messwerte der Waldklimastationen und Jahrringanalysen zeigen heute bereits unterschiedliche Auswirkungen auf das Baumwachstum im Bergwald. In den tieferen Lagen leiden die Bäume – allen voran die Fichte – zunehmend unter Hitze und Trockenheit. In den höheren Lagen hingegen kann sie eventuell von steigenden Durchschnittstemperaturen und einer längeren Vegetationsperiode profitieren.

Der Gebirgswaldbau und die Schutzwaldpflege müssen wahrscheinliche Folgen des Klimawandels ernst nehmen und die Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit des Bergwaldes gegenüber sich ändernden Umweltbedingungen stärken. Ziel ist eine breite Verteilung des Klimarisikos auf möglichst viele standortgemäße Baumarten. Optimale Voraussetzung dafür ist eine artenreiche Naturverjüngung auf großer Fläche.

Humusschwund

Steilhang mit Felsen und spärlichem Schutzwald aus FichtenZoombild vorhanden

Sonnseitiger Steilhang
(Foto: Michael Friedel)

Wenn Bergwaldbestände vor allem auf sonnseitigen Steilhängen durch ausbleibende Verjüngung oder sonstige Einflüsse verlichten, wird wertvoller Humus sehr rasch mineralisiert und abgebaut. Oft wird der Humusschwund von Erosionserscheinungen begleitet.

In der Folge verschlechtern sich die Wuchsbedingungen besonders für junge Waldbäume erheblich. Eine natürliche Wiederbewaldung bleibt häufig aus. Zudem verringert sich mit dem Humusverlust die Wasserspeicherkapazität der Böden und damit ihre Hochwasserschutzfunktion.

Überhöhte Schalenwildbestände

Verbissener Trieb einer TanneZoombild vorhanden

Schalenwildverbiss an Tanne
(Foto: Jan Böhm)

Gerade im Gebirge sind angepasste Schalenwildbestände eine Grundvoraussetzung für den Erhalt oder die Schaffung stabiler, gemischter Schutzwälder. Der jährliche Höhenzuwachs der jungen Bäumchen ist im Bergwald aufgrund des klimatisch bedingten langsameren Wachstums vergleichsweise gering. Die Waldverjüngung braucht daher relativ lange, bis sie aus der Verbisszone herausgewachsen ist. Schon ein einmaliger Wildverbiss hat deshalb im Bergwald weitaus schlimmere Auswirkungen als im Flachland.

Erfreulicherweise zeigen aber die Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung, dass sich die Verhältnisse im bayerischen Bergwald zwischen 1991 und 2015 merklich verbessert haben. Der Fichtenanteil an der Waldverjüngung hat sich im genannten Zeitraum von 53 auf 34 Prozent verringert. Gleichzeitig sind die Anteile der erwünschten Mischbaumarten gestiegen. Bei der Buche von 17 auf 28 Prozent, bei den Edellaubbäumen von 18 auf 25 Prozent und bei der Tanne von 3 auf 8 Prozent.

Waldweide

Kuh im WaldZoombild vorhanden

Waldweide
(Foto: Michael Friedel)

Rinder können vorwiegend junge Buchen und Bergahornbäume schädigen, deren frische Blätter sie gerne abweiden. Bedeutender sind die Trittschäden des Weideviehs, zumal die heutigen Rinderrassen viel schwerer sind als in der Vergangenheit.

Besonders schwere Verbissschäden können im Wald weidende Schafe verursachen. Schafe können auch Schutzwälder in sehr steilem Gelände erreichen und dort die notwendige Verjüngung verhindern.