Wie reinige ich nachhaltig?

Worauf muss ich achten, um der Umwelt bei der Reinigung so wenig wie möglich zu schaden? Und sind hausgemachte Reinigungsmittel nachhaltiger als herkömmliche?

In der Reihe "Nachgefragt" greift das Kompetenzzentrum Hauswirtschaft hauswirtschaftliche Alltagskompetenzen auf. Wir geben jungen Menschen, die gerade einen eigenen Haushalt gründen, Tipps zum nachhaltigen Hauswirtschaften. Auch für erfahrene Hausfrauen und Hausmänner ist etwas Wissenswertes dabei.

Wie schädlich sind Reinigungsmittel für die Umwelt?

Reinigungsmittel bestehen aus vielen chemischen Substanzen, z. B. Tensiden, Citraten, Farb- und Duftstoffen. Gelangen Tenside ungefiltert ins Gewässer, setzen sie dort die Oberflächenspannung herab. Das hat einen negativen Einfluss auf Kleinstlebewesen und die Pflanzenwelt. In Deutschland gelangt Abwasser jedoch zunächst in Kläranlagen. Diese müssen die Tenside innerhalb von 28 Tagen abbauen. Der erste Abbauschritt erfolgt nach wenigen Stunden. Er sorgt dafür, dass Tenside keinen Einfluss mehr auf die Oberflächenspannung haben. Im weiteren Verlauf dürfen keine Abbauprodukte entstehen, die sich in der Umwelt anhäufen und sich negativ auf Lebewesen auswirken.
Die Umweltproblematik von Tensiden ist daher dank Einsatz von Kläranlagen in Deutschland gering.
Im Reinigungsmittel befinden sich aber auch Substanzen, die Kläranlagen nur schwer oder gar nicht abbauen können. Diese greifen in das Ökosystem Wasser ein. Das sind z. B. Duftstoffe, vor allem Limonene, sowie Konservierungsstoffe. Einige dieser Substanzen lösen Allergien aus. Umstritten ist auch die Verwendung von Erd- oder Palmöl zur Herstellung der Tenside. Mit Erdöl kommt ein begrenzter Rohstoff zum Einsatz, mit Palmöl eine Pflanze, deren Anbau die Regenwälder verdrängt.

Nachhaltiges Reinigen bedeutet:
Die Reinigungsmittel ermöglichen eine hygienische Reinigung und belasten dabei die Gesundheit und die Umwelt so wenig wie möglich. Auch der sparsame Einsatz von Reinigungsmitteln und Wasser ist wichtig.

Unsere Reinigungstipps

Vermeiden Sie Schmutz, bevor er anfällt:

Verwenden Sie Untersetzer, Schmutzfangmatten oder ziehen Sie im Eingangsbereich Ihre Schuhe vor Betreten der Räume aus.

Entfernen Sie Schmutzflecken, bevor sie sich festsetzen:

Überlegen Sie dabei auch: Ist eine trockene Reinigung möglich, z. B. in Form von Staub wischen, kehren oder trocken wischen?

Wählen Sie das richtige Reinigungsmittel aus und entfernen Sie ...

  • Fettflecken mit Spülmittel, Allzweckreiniger oder Gallseife
  • Kalkflecken mit Säuren, z. B. Essig- oder Zitronensäure
  • Eiweiß mit Soda
  • Zucker mit Wasser

Dosieren Sie Ihr Reinigungsmittel richtig:

Beachten Sie die Dosieranweise auf dem Produkt (Rückseite).

Achten Sie auf Siegel:

Siegel wie der Blaue Engel, Ecocert oder Euroblume stehen für Nachhaltigkeit (z. B. Verwendung von Tensiden aus vor allem in Europa nachwachsenden Rohstoffen wie Sonnenblumen, Raps, Oliven)

Mit folgenden Mitteln kommt Ihr Haushalt aus:

  • Allzweckreiniger
  • WC-Reiniger
  • Glasreiniger
  • Zitronensäure

Nachhaltigkeit heißt auch: Vorsicht mit der eigenen Gesundheit!

  • Vermeiden Sie Sprühflaschen! Diese können durch die feinen Aerosole zu Atemproblemen und Lungenschäden führen.
  • Ziehen Sie vor der Reinigung Handschuhe an! Säure oder Soda greifen die Haut an.
  • Lösen Sie Reinigungsmittel in kaltem Wasser auf! Mischen mit heißem Wasser lässt Dämpfe entstehen, die die Atemwege negativ beeinflussen.

Reinigungsmittel selbst herstellen?

Auch selbst hergestellte Mittel bestehen aus chemischen Substanzen wie Kernseife, Gallseife, Zitronen- oder Essigsäure, die die Umwelt belasten können. Eine falsche Anwendung schadet der Gesundheit des Menschen und dem Material. Die richtige Dosierung selbst hergestellter Mittel ist außerdem oft unklar. Das Mischen saurer und alkalischer Substanzen ist zudem gefährlich: Zum einen kann die falsche Mischung zu einer starken chemischen Reaktion mit gesundheitlichen Folgen führen. Zum anderen können sich alkalische und saure Inhaltsstoffe gegenseitig neutralisieren. Das Reinigungsmittel ist dann unbrauchbar.

Beispiele:

  • Essig: Der Einsatz auf Fliesen zerstört das Fugenmaterial zwischen den Fliesen. Ebenso greift er Gummi- oder Silikonverkleidungen an. Essig ist eine flüchtige Säure, die man auch riecht. Sie kann den Atemwegen schaden.
  • Soda hilft bei eiweißhaltigem Schmutz. Es greift aber auch andere eiweißhaltige Substanzen an und führt zu Verätzungen an Händen und Schleimhäuten.

Reinigungstabs und Shampoo zur Reinigung?

Reinigungstabs

Hersteller bewerben Reinigungsmittel in Form von Tabs als sehr umweltfreundlich. Sie argumentieren mit der geringeren Umweltbelastung durch weniger Verpackungsmaterial und dem niedrigerem Transportgewicht des Produktes.
Prof. Thomas Schupp von der Fachhochschule Münster bestätigt, dass Tabs weniger Transportemissionen verursachen. Den Vorteil der Verpackung schwächt er jedoch ab. Zwar benötigen Tabs weniger Verpackungsmaterial, allerdings sind bei manchen Anbietern die Tabs einzeln in Verbundwerkstoffe verpackt, z. B. Polyethylenfolie und Aluminium. Diese Stoffe sind schwer bis nicht zu recyceln. In diesem Fall fällt der Vorteil für weniger Verpackungsmaterial weg. Prof. Dr. Benjamin Eilts von der Hochschule Sigmaringen gibt zudem zu bedenken, dass das Konzentrieren der Reinigungsmittel in einen auflösbaren Tab sehr viel Energie benötigt und somit auch viel CO2 erzeugt.

Die Inhaltstoffe von Tabs und konventionellen Reinigungsmitteln sind identisch. Es handelt sich um Tenside, Zitronensäure, Farb- und Duftstoffe sowie um Backpulver (bei Tabs), damit sich die Tablette auflöst. Tabs liegen hochkonzentriert vor.

Fazit:

Vergleicht man die Reinigungskraft von Tabs und herkömmlichen Reinigern, kommt man zu folgendem Ergebnis: Die Reinigungskraft insgesamt ist für einen privaten Haushalt zwar ausreichend, aber die Kalklösung ist geringer. Die Reinigungswirkung von Tabs setzt zudem verspätet ein. D.h. man muss das Mittel entweder länger einwirken lassen oder mehr Mittel verwenden. Die letzte Entscheidung liegt beim Verbraucher.

Shampoo

Einige Medienberichte empfehlen Produkte der Körperpflege als natürliches Reinigungsmittel. Eines davon ist Haarshampoo. Es soll vor allem schmutzige Spülbecken ganz einfach und schnell reinigen.

Unsere Einschätzung:

  • Shampoos enthalten Tenside, die den Schmutz lösen.
  • Shampoos haben einen pH-Wert zwischen 5,5 und 7, d. h. sie liegen im leicht sauren Bereich. Säuren tragen dazu bei, dass sich Kalkablagerungen gut lösen.
  • Shampoos enthalten Duft- und Pflegestoffe. Sie sorgen dafür, dass die Kopfhaut nicht austrocknet oder die Haare einen schönen Glanz bekommen. Diese Substanzen sind für die Oberflächenreinigung aber überflüssig und gelangen daher ungenutzt ins Abwasser.

Fazit:

Das Spülbecken mit Haarshampoo zu reinigen, ist möglich. Aber Allzweckreiniger und Handspülmittel enthalten deutlich weniger Inhaltsstoffe. Dadurch gelangt weniger Reinigungschemie in die Kläranlagen. Spülmittel ist außerdem preiswerter als Shampoo. Gegen Kalkverschmutzungen hilft auch eine Zitronensäurelösung.