Schlussbericht 2021
Erhebung zur Ernährung in Bayern

Gefüllter Einkaufswagen (Foto: Judith Schmidhuber/StMELF)

Welche Lebensmittel essen Frauen und Männer in Bayern am häufigsten, an welchem Ort und in welcher Menge? Wie sieht es mit dem Körpergewicht, Nahrungsergänzungsmitteln und Unverträglichkeiten aus? Diese Fragen beantwortet eine aktuelle Erhebung zur Ernährung in Bayern, die im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten von Ende 2019 bis Ende 2020 durchgeführt wurde. Dazu hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) insgesamt 8.000 repräsentativ ausgewählte Verbraucherinnen und Verbraucher befragt und die Verzehrmengen einzelner Lebensmittel mittels Ernährungsprotokoll erfasst.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Bayern ihre Ernährungsweise im Durchschnitt sehr ausgewogen gestalten. Pflanzliche und überwiegend pflanzliche Lebensmittel machen über drei Viertel der verzehrten Speisen aus. Das Zuhause als Ort des Essens hat immer noch eine große Bedeutung. Ernährungsbezogene Themen wie Übergewicht und Nahrungsergänzungsmittel sind für einen großen Teil der Bevölkerung relevant, Nahrungsmittelunverträglichkeiten betreffen hingegen nur einen kleineren Teil der Bevölkerung.

Die wichtigsten Ergebnisse

Zuhause
Zuhause is(s)t’s am besten – Bayern essen bevorzugt zuhause
Zuhause wird als Konsumort von nahezu allen Befragten als der Hauptkonsumort angegeben, und dabei sind Frühstück und Abendessen die häufigst genannten Mahlzeiten, die zuhause eingenommen werden. Insgesamt 83 % aller Speisen und 79 % aller Getränke wurden in den eigenen vier Wänden konsumiert. Am wenigsten wurden dabei Vorspeisen, aber auch Fleisch- und Fischgerichte daheim gegessen. Am meisten dagegen Käse und Käseprodukte (nicht als Brotbelag), Suppen/Eintöpfe, salzige Snacks, Cerealien und auch Wurstwaren.
(Bericht: S. 9, 11, 12, 13)
Breze
Semmel und Brezn sind des Bayern Frühstückslieblinge
Die Klassiker Semmeln und Brezn kamen bei 60 % der Befragten zum Frühstück auf den Tisch. Das entspricht im Durchschnitt etwa 66 Gramm pro Tag. Mit größerem Abstand von 41 Gramm pro Tag folgen Cerealien und Obst mit 22 Gramm pro Tag. Mit am seltensten waren Eier sowie Wurst und Käse als Snack zu verzeichnen.
(Bericht: S. 15)
Ausgewogene Ernährung
Pflanzliche und tierische Lebensmittel sind ausgewogen
Brot, Brezn und Co. sind mit 140 Gramm pro Tag auf Platz zwei der mengenmäßig am meisten verzehrten Speisen in Bayern, nach Gemüse-, Nudel- und Kartoffelgerichten mit 153 Gramm und noch vor Fleischgerichten mit 114 Gramm pro Tag. Pflanzliche Lebensmittel sind in Bayern somit also bereits gut vertreten, unter den Top 5 sind zudem noch Salate mit 67 Gramm und Obst mit 64 Gramm pro Tag zu finden.
(Bericht: S. 13)
Fisch
Freitag ist Fischtag und am Wochenende gibt’s Fleisch
Der Freitag als Fischtag hat traditionellen Wert. Auch wenn unter der Woche Fisch auf den Teller kommt, so steigt der Konsum freitags nochmal erkennbar an. Fleisch ist hingegen an den beiden Wochenendtagen und am Montag zu Wochenbeginn sichtlich häufiger Teil des Speiseplans. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung kann nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung pro Woche 300 bis 600 Gramm Fleisch enthalten. Fisch wird mit ein- bis zweimal die Woche angesetzt.
(Bericht: S. 17, 18)
Getränke
Wasser, Kaffee und Tee sind die Lieblingsgetränke der Bayern
Die regelmäßig für ganz Deutschland erfassten Zahlen des Getränkeverbrauchs spiegeln sich in großen Teilen auch in Bayern wider. Mengenmäßig am meisten werden Kaffee und Kaffeegetränke getrunken, allerdings erst nach Wasser. Auf Platz drei bis fünf folgen Tee, Erfrischungsgetränke, Saftschorlen sowie Säfte und Bier. Die geringsten Mengen werden von alkoholfreien Cocktails und höherprozentigen alkoholischen Getränken konsumiert.
(Bericht: S. 14)
Gewicht
Frauen sind im Durchschnitt schlanker als die Männer
Neben dem Lebensmittelverzehr wurden die Studienteilnehmer auch zu Körpergewicht und Körpergröße befragt. Somit konnte der Body-Mass-Index (BMI) berechnet werden, der eine grobe Einschätzung des Bevölkerungsanteils mit Übergewicht oder schwerem Übergewicht bzw. Adipositas zulässt. Bei den Männern ergab die Erhebung, dass ein Anteil von 42 % übergewichtig ist und 20 % von Adipositas betroffen sind. Bei den Frauen lagen die Anteile für Übergewicht bei 27 % und für schweres Übergewicht bzw. Adipositas bei 17 %.
(Bericht: S. 25, 26)
Nahrungsergänzung
Frauen nehmen häufiger Nahrungsergänzungsmittel als Männer
Nahrungsergänzungsmittel sind bei einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung nicht notwendig, dennoch gaben 51 % aller Teilnehmer an, dass sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Der Anteil bei den Frauen, die Nahrungsergänzungsmittel einnahmen, lag mit 58 % deutlich über dem Anteil der Männer, von denen 43 % zu Nahrungsergänzungsmitteln griffen. Mit Abstand am häufigsten wurde bei beiden Gruppen die Einnahme von Magnesium angegeben.
(Bericht: S. 26, 27)
Unverträglichkeit
Frauen geben häufiger Unverträglichkeiten an als Männer
Ein weiteres wichtiges Thema in der Erhebung waren Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Von der Gruppe der Frauen gaben fast 16 % an, von einer Allergie oder Unverträglichkeit gegen Lebensmittel bzw. Lebensmittelinhaltsstoffe betroffen zu sein. Bei der Gruppe der Männer gaben dies gut 7 % an. In beiden Gruppen wurde am häufigsten die Laktoseintoleranz genannt, gefolgt von unspezifischen Unverträglichkeiten bzw. Allergien.
(Bericht: S. 28)

Sonderbefragung – Corona-Pandemie und Ernährungsverhalten

Die Corona-Pandemie hat alle Menschen vor große Herausforderungen gestellt. Obwohl die Lebensmittelversorgung zu jeder Zeit gesichert war, mussten viele Menschen ihren Alltag komplett umstellen, da Arbeitsstätten, Schulen, Kitas, Kantinen und Gasthäuser geschlossen waren. Haben die Menschen in dieser Zeit mehr Fertiggerichte gekauft? Wurde mehr selbst gekocht? Und was nehmen die Menschen mit aus der Krise? Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu bekommen, hat das Staatsministerium die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) beauftragt, die Menschen zu ihrem Ernährungsverhalten während der Corona-Krise zu befragen.

Die Sonderbefragung fand im Rahmen der Verzehrerhebung statt. Für die dritte Erhebungswelle im Mai und Juli 2020 wurde eine zusätzliche Befragung zur Corona-Pandemie und dem Einfluss auf das Einkaufs- und Ernährungsverhalten eingefügt. Die Ergebnisse sind somit ein Spiegelbild der Verbraucherwahrnehmung im Kontext Ernährung und Corona.

Fragen der Erhebung

  • Ob und wie haben sich die Einschränkungen durch Corona auf Ihr Einkaufs-, Ernährungs- und Kochverhalten ausgewirkt?
  • Haben Sie mehr oder weniger Lebensmittel und Getränke konsumiert?
  • Wie schätzen Sie Ihr Einkaufs-, Ernährungs- und Kochverhalten in der Zeit nach den Corona-Einschränkungen ein?

Wichtige Ergebnisse

  • 44 % aller Befragten geben an, dass sich ihr Einkaufsverhalten durch Covid-19 verändert hat, dabei sehen vor allem Frauen und überproportional viele 35- bis 50-Jährige eine Änderung ihres Einkaufsverhaltens.
  • Das Großstadt-Umfeld gibt an, beim Einkauf frische Lebensmittel, Qualität und Regionalität zu favorisieren.
  • 35 % der Teilnehmer haben laut Studie wegen Corona mehr Zeit für die Essenszubereitung aufgewendet.
  • Die Haushaltsgröße hat die größten Effekte bei den sozialen Kontakten: 1-Personenhaushalte vermissen stark die gemeinschaftliche Verpflegung, 2- und Mehr Personenhaushalte kochen häufiger gemeinsam.

Fazit

  • Fast die Hälfte aller Befragten (44 %) hat eine Veränderung ihres Einkaufs-, Ernährungs- und Kochverhaltens bemerkt.
  • Die Veränderung beibehalten zu wollen, geben zu 58 % weibliche Teilnehmer an. Männer fallen bei einer Einschätzung zu einem Mehrkonsum an Fertigprodukten (59 %) oder auch beim Anlegen eines Vorrats an Grundnahrungsmitteln (52 %) auf.
  • Höher gebildete und höhere Einkommensgruppen sowie ältere Menschen nehmen eher Veränderungen wahr - hin zu "achten, auf was man isst". Sie wählen "Einkaufsstätten mit regionalem Angebot" und tendieren auch stärker zu "vegetarischer/veganer Ernährung".
  • Jeder sechste Befragte geht davon aus, dass sein Einkaufs-, Ernährungs- und Kochverhalten nach Corona verändert sein wird, was eine Verstärkung des Trends hin zu regionalen und frischen Lebensmitteln bedeuten würde.

Projektinformation
Projekttitel: Erhebung zur Ernährung in Bayern
Projektleitung: Helmut Hübsch, Gesellschaft für Konsumforschung (GfK)
Laufzeit: 06.2019 - 12.2020
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten