Planungsphase
Objektgestaltung und Garten

Machen Sie sich auch im Bereich Wohnraum-/Objektgestaltung und Garten während der Planung Gedanken: Welche Leistungen möchten Sie erbringen? Wer soll sie durchführen? Wie oft dekorieren Sie neu und was passiert mit der alten Dekoration? Wer ist für die Dekoration verantwortlich? Wer kümmert sich um die Gartenpflege? Welche Feste möchten Sie feiern und wie? Und wo ziehen Sie Grenzen zu Zusatzleistungen (z. B. Geburtstagsfeiern)?
Gerade an diesem Bereich sind viele Professionen beteiligt (Hausmeister, Hauswirtschaft, ggf. externe Gärtner, Betreuung). Daher sind klare Aufgabenverteilungen notwendig. Erstellen Sie auch hierfür ein Wohnraum-Konzept. Dies sollte Folgendes beinhalten: Leistungsverzeichnis (LV), Standards, Kennzahlen, die angewendeten Methoden, Etat, Leistungsabgrenzungen und die geplanten Jahresfeste. Die Befragungen zeigen, dass die Einrichtungen jahreszeitliche Dekorationen und/oder Deko für Feste und Feiern gerne mit den Bewohnern anfertigen. In vielen Fällen übernimmt diese Aufgabe die Betreuung.

Garten, Pflanzen und Tiere

Eine ältere Dame pflegt ihre Blumen auf dem Fensterbrett
Ein geschützter Garten ermöglicht vor allem demenziell erkrankten Menschen mit Bewegungsdrang kontrolliert und sicher die Freiheit des Umhergehens. Er bietet zusätzlich viele Möglichkeiten, Bewohnerinnen und Bewohner zu aktivieren und einzubeziehen. Auch Angehörige nutzen Gärten und Grünanlagen gerne, um sich mit den Bewohnern während eines Besuchs zu beschäftigen. Einige Einrichtungen gestatten den Bewohnern auch, eigene Pflanzen im Zimmer oder auf den Balkonen zu halten – solange sie der Pflege der Pflanzen selbst nachkommen können. Teilweise ist es aber ratsam, die Bewohnerinnen und Bewohner bei der Pflege ihrer Pflanzen zu betreuen oder zu kontrollieren.

Bauliche Besonderheiten im Garten:

  • großer gepflasterter Innenhof, um auch Bettlägerigen einen "Ausflug" an die frische Luft zu ermöglichen
  • Bewegungsgeräte für Seniorinnen und Senioren
  • Unterfahrbare Hochbeete, damit Rollstuhlfahrer nicht seitlich arbeiten müssen
  • Unterstellmöglichkeit für Gartenmöbel

Aktivierungsmöglichkeiten im Garten:

  • Hochbeete bepflanzen und Ernte zur Speisezubereitung nutzen (Gemüse, Kräuter)
  • Blumengießen und Rasenmähen
  • Unkraut zupfen
  • Vogelhäuser zum Füttern und Beobachten der Vögel
  • Bewohner bei Gartenarbeiten zu Rat ziehen (z. B. beim Rosenschneiden)
  • hauseigene Tiere (Ziegen, Laufenten, Katze, Hund, Fische, Hasen); teilweise sind Bewohnern sogar eigene Tiere erlaubt, solange sie sich noch darum kümmern können
  • regelmäßige Tierbesuche (Mitarbeiter bringen eigene Tiere mit)

Hauswirtschaftliche Aktivierung im Garten

Bayerische Demenzwoche 2021
Ergebnisse aus dem Seminar "Ab in den Garten"

Hochbeet mit Zitronen-Thymian
Im Rahmen der Bayerischen Demenzwoche 2021 veranstaltete das Kompetenzzentrum Hauswirtschaft ein Seminar zum Thema "Ab in den Garten – Hauswirtschaftliche Aktivierung für Menschen mit Demenz". Wir haben die Ergebnisse aus dem Seminar mit Gartentherapeutin Stefanie Herrmann für Sie zusammengefasst.
Der hauseigene Garten bietet zahlreiche Möglichkeiten, Menschen mit Demenz zu aktivieren. Er fördert die Grob- und Feinmotorik der Hände und unterstützt die Mobilität der Seniorinnen und Senioren. Die hauswirtschaftliche Aktivierung im Garten regt zudem die Sinne "Sehen", "Hören", "Schmecken", "Riechen" und "Tasten" an. Das Bayerische Naturschutzgesetz (BayNatSchG) gewährt jedem Menschen ein Recht auf Naturgenuss (Art. 26): (1) Jedermann hat das Recht auf den Genuss der Naturschönheiten und auf die Erholung in der freien Natur. (2) Dieses Recht wird nach Maßgabe des Art. 141 Abs. 3 der Verfassung und der folgenden Bestimmungen dieses Teils gewährleistet; weitergehende Rechte auf Grund anderer Vorschriften bleiben unberührt.

Viele wissenschaftliche Betrachtungen bestätigen:

  • Natur senkt das Stresshormon-Level.
  • Ohne Stimulierung aus der natürlichen Umwelt erleidet der Mensch physische und psychische Störungen.
  • Der Aufenthalt im Freien stärkt das Immunsystem (Vitamin-D-Bildung).
  • Heilung nach Operationen beschleunigt sich schon allein durch den Blick in die Natur.

Der Garten fördert die Grob- und Feinmotorik der Hand. Er unterstützt somit die Mobilität der Seniorinnen und Senioren. In der Bildergalerie sehen Sie typische Griffe bei der Gartentherapie.

Praktische Ideen zur Umsetzung

Schmetterling auf einer Blumen
Beispiel 1: Den Garten mit allen Sinnen erleben
Regen Sie die Seniorinnen und Senioren an: Was sehen wir im Garten (z. B. Insekten, Menschen bei der Arbeit, erntereifes Obst/Gemüse)?. Was hören wir im Garten (z. B. Wind, Tiere, Quietschen des Gartentors, Rasenmäher etc.)? Was riechen wir (z. B. Kräuter – eventuell an Blättern reiben, Blumen etc.)? Wie fühlt sich der Untergrund an, auf dem wir laufen (weich, hart; Steine oder Gras)? Auch Themenspaziergänge bieten sich zur Aktivierung an. Geben Sie den Seniorinnen und Senioren Impulse zum Sehen, Hören, Riechen oder Tasten. Verteilen Sie Aufträge. Die Seniorinnen und Senioren sollen beim Spaziergang zum Beispiel gelbe, blaue, rote Dinge oder Wasserstellen suchen.
Zwei Personen misch Kräutersalz mit gehakten Kräutern
Beispiel 2: Jahreszeitliche Aktivierung
Auch jahreszeitlich können Sie die Seniorinnen und Senioren aktivieren. Säen Sie im Frühjahr gemeinsam Samen aus, bepflanzen Sie Hochbeete oder pressen Sie gemeinsam mit den Seniorinnen und Senioren Blumen. Der Sommer eignet sich für Tätigkeiten wie Unkraut jäten oder Kräutersalz und Rosenzucker zubereiten. Im Herbst können Sie die motorischen Fähigkeiten durch das Sammeln von Blättern, Zweigen oder Kastanien fördern. Auch Vorratshaltung und Kuchen backen sind herbstliche Aktivitäten. Richten Sie im Winter Vogelfutterplätze mit den Seniorinnen und Senioren ein oder organisieren Sie eine Teestunde mit Geschichten.
Zurück zu:
Planungsphase