Anna's Erfahrungen als jüngstes Mitglied des Prüfungsausschusses

Anna ist Mitglied des Prüfungsausschusses - mit nur 23 Jahren. Hier gibt sie einen kleinen Einblick in ihre Erfahrungen aus ihrem ersten Jahr auf Prüferseite mit spannenden und herausfordernden Prüfungssituationen, humorvollen Momenten und welche wertvollen Erkenntnisse sie für ihren eigenen Berufsalltag gewinnen konnte.

Aktualisiert am: 20.01.2026
Erstellt von: Anna
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Meine ersten Erfahrungen als stellvertretendes Mitglied im Prüfungsausschuss

Im vergangenen Jahr habe ich euch bereits davon erzählt, dass ich stellvertretendes Mitglied in zwei Prüfungsausschüssen bin. Inzwischen durfte ich meine ersten echten Erfahrungen sammeln: schriftliche Prüfungen korrigieren, praktische Prüfungen abnehmen sowie betriebliche Aufträge lesen und Präsentationen bewerten. Eines kann ich direkt vorwegnehmen: Es ist ein sehr spannendes Ehrenamt, das unglaublich viele Einblicke ermöglicht und bei dem man jede Menge dazulernt.

Botschafterin Anna auf dem Weg zum Prüfungsausschuss © Anna Göller

Ein lustiges Erlebnis vorweg

In einer Schule, in der ich mich nicht auskannte, bin ich ins Lehrerzimmer gegangen und habe gefragt, wo der Prüfungsraum sei. Die Antwort einer Lehrkraft: „Ach, du bist der Prüfling.“ Meine Reaktion: „Nein, ich bin eine der Prüferinnen.“ Ein Moment, über den ich heute herzlich lachen kann 😄

Jüngstes stellvertretendes Mitglied – Vorteil oder Nachteil?

Mit gerade einmal 23 Jahren wurde ich Mitglied im Prüfungsausschuss. Natürlich macht man sich anfangs Gedanken: Bin ich diesem Amt überhaupt gewachsen? Gerade erst die Fortbildung zur Betriebswirtin abgeschlossen und noch keine langjährige Berufserfahrung – Zweifel gehören da einfach dazu. Diese Gedanken waren jedoch schnell verflogen. Nach der ersten Prüfung weiß man, wie alles abläuft, und vor allem: Man ist nie allein. Es gibt immer erfahrene Prüferinnen und Prüfer, die unterstützen, Fragen beantworten und Sicherheit geben. Zusätzlich werden regelmäßig Prüfschulungen angeboten, in denen zum Beispiel Formulare und Abläufe genau erklärt werden. Ein großer Vorteil ist definitiv das aktuelle Fachwissen, das man direkt aus der Fachakademie mitbringt. Nicht selten fragen sogar erfahrene Prüfende: „Wie hast du das gelernt?“ oder „Macht man das heute wirklich so?“ Mein Fazit: Die Vorteile überwiegen ganz klar – und man findet sich schneller in der Prüfungsthematik zurecht, als man denkt.

Aus Prüfungen lernen

Die Erfahrungen, die man als Prüferin sammelt, sind Gold wert. Aus jeder Prüfung nimmt man etwas mit – egal ob positiv oder negativ. Manchmal steht man daneben und denkt sich: Mach das lieber nicht, das wird nicht funktionieren. Als Prüfender muss man jedoch immer neutral bleiben und sich nichts anmerken lassen, um den Prüfling nicht zu verunsichern. In solchen Momenten hilft es, sich einfach umzudrehen oder – wenn mehrere Prüflinge da sind – weiterzugehen. Spannend ist auch, dass man sich von den Prüflingen selbst immer wieder neue Ideen, Tipps, Tricks oder sogar Rezepte abschauen kann.

Gelassenheit und ein neuer Blick auf den Berufsalltag

Durch mein Ehrenamt im Prüfungsausschuss habe ich gemerkt, wie viel ich auch für meinen Berufsalltag mitnehmen kann. Man betrachtet viele Dinge entspannter und gelassener. Gerade durch die unterschiedlichen Prüflinge wird schnell klar: Nicht jeder kann jede Aufgabe gleich gut bewältigen – und nicht jeder lernt auf die gleiche Weise. Auch der Austausch mit den anderen Prüfenden eröffnet neue Blickwinkel, da alle in ganz unterschiedlichen Betrieben tätig sind. Nach jedem Prüfungstag geht man mit „frischen Augen“ zurück an die eigene Arbeit.

Schriftliche Prüfungen – anstrengender als gedacht

Ein echtes Highlight für mich war die Korrektur der schriftlichen Prüfungen in zwei Prüfungsfächern – vor allem, weil meine eigene Aus- und Fortbildungszeit noch gar nicht so lange zurückliegt. Einige Fragen kannte ich tatsächlich noch aus meiner eigenen Prüfung. Was ich dabei festgestellt habe: Korrigieren ist unglaublich anstrengend. Auch bei der 15. Prüfung muss man genauso aufmerksam sein wie bei der ersten. Zudem blättert man ständig zurück, um zu prüfen, wie man ähnliche Antworten zuvor bewertet hat – Fairness steht hier an oberster Stelle.

Praktische Prüfungen – Spannung pur

Ein weiteres Highlight war das Abnehmen der praktischen Prüfungen. Diese sind nicht nur für die Prüflinge aufregend, sondern auch für die Prüfenden. Man fiebert richtig mit und sieht den Prüflingen den Stress oft deutlich an. Vor Beginn wird die Gewichtung der einzelnen Teilaufgaben festgelegt. Anschließend führen die Prüflinge ihre Arbeitsaufgabe durch. Danach werden die Speisen probiert oder zum Beispiel das Tischdecken begutachtet. Zunächst bildet sich jeder Prüfer seine eigene Meinung, erst danach wird gemeinsam diskutiert. Anschließend ziehen sich die Prüfenden zurück, füllen den Bewertungsbogen aus und vergeben die Punkte. Zum Abschluss gibt es noch ein Gespräch mit dem Prüfling, in dem Fragen gestellt werden und der Prüfling sich selbst einschätzt.

Der betriebliche Auftrag

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist der betriebliche Auftrag. Hier überlegt sich der Prüfling selbst ein Projekt, das er in seinem Ausbildungsbetrieb umsetzt. Die Themen sind dabei sehr vielfältig: Von der Neugestaltung der Speisekammer inklusive Fruchtaufstrichherstellung, über das Anlegen von Kräuterschnecken bis hin zu einem sommerlichen Menü für Urlaubsgäste ist alles dabei. Der Auftrag umfasst Planung, Umsetzung und Dokumentation. Als Prüferin lese ich diese Ausarbeitung sorgfältig, notieren dabei Fragen und hören mir anschließend die Präsentation des Prüflings an. Danach folgt eine Fragerunde und schließlich die Notenfindung.

Ausschusssitzungen und Austausch

In regelmäßigen Abständen finden Ausschusssitzungen statt. Themen sind unter anderem die Einteilung der Prüfer, Prüfschulungen oder Feedback zu vergangenen Prüfungen. Was dabei nie fehlen darf, ist der Austausch untereinander – denn genau hier sammelt man die meisten Erfahrungen.

Porträt der Botschafterin Anna © Thomas Friedel Photography

Mein Fazit

Für mich war es ein sehr erfolgreiches Prüfungsjahr, in dem ich unglaublich viele Einblicke gewinnen und wertvolle Erfahrungen sammeln durfte. Ich bin dankbar für dieses Ehrenamt und freue mich auf alles, was noch kommt.