Innovativer Waschmaschinenfilter nach Fischkiemen-Prinzip

Im Verlauf des Waschvorgangs wird die Wäsche mechanisch, chemisch und thermisch bearbeitet. Dadurch lösen sich aus synthetischen Textilien Fasern. Mikroplastik gelangt in das Waschwasser. Bisher geläufige Filtersysteme neigen dazu, zu verstopfen, oder sie haben nur eine begrenzte Rückhaltefähigkeit. Laut Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) verursacht jede Person jährlich in Deutschland im Durchschnitt ca. 4 Kilogramm Mikroplastik. Rund 80 g davon stammen aus Textilfasern. Ob sich die Aufnahme von Mikroplastik schädlich auf den Organismus auswirkt, bestätigt das BfR (Bundesamt für Risikobewertung) bisher nicht – die genaue Auswirkung auf Menschen und Umwelt ist unklar. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Bonn arbeiten daran, durch verbesserte Waschmaschinentechnik, den Mikroplastikanteil durch das Wäschewaschen zu minimieren.

Aktualisiert am: 05.03.2026
Erstellt von: KoHW
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Jemand belädt eine Waschmaschinentrommel mit Schmutzwäsche© KoHW

Forschung am Fischkiemen-Filter

Die Universität Bonn forschte zusammen mit Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) und einer Filter herstellenden Firma an einem Filter für Waschmaschinen, der das Mikroplastik entfernt. Als Vorbild für den effizienten, nachhaltigen und haltbaren Filter diente das Prinzip der Fischkiemen.

Das tierische Vorbild

Fische filtern durch die mit den winzigen Kamm- und Zähnchenstrukturen besetzten, trichterförmig angeordneten Kiemenbögen das Wasser nach winzigen Nahrungspartikeln. Sie geben dann das gefilterte Wasser wieder ab. Die herausgefilterten Nahrungspartikel wandern mit der Zeit, durch die Wasserströmung angetrieben, immer weiter nach hinten im Fischmaul. Das Futter wartet vor dem Eingang zum Verdauungssystem so lange, bis der Fisch schluckt und es dadurch aufnimmt.

Der bionische Mikroplastik-Filter

Der trichterförmige Filterapparat von Fischkiemen ist laut den Forschenden gut mit den Bedingungen in der Waschmaschine kompatibel. Das Forschungsteam orientierte sich am Aufbau der Kiemen verschiedener Fischarten und versuchte, diese nachzuahmen. Über Computermodelle, Simulationen und 3D-Druck entstanden so Prototypen, die dann getestet und verglichen wurden. Das Funktionsprinzip ist Folgendes: Die Mikroplastikteilchen wandern entlang des trichterförmigen Siebes immer weiter bis zum Filterausgang. Das Mikroplastik wird dort regelmäßig abgepumpt und dann z.B. als trockenes Pellet entfernt und im Restmüll entsorgt.

Zeichnung eines Fisches bei dem die Fischkiemen hervorgehoben sind © aldonagriskeviciene / smarterpix
Erfolge

Die neuen Filtersysteme entfernten in Tests über 99 Prozent des Mikroplastiks aus dem Waschmaschinenabwasser. Sie filterten sogar Plastikpartikel mit einer Größe von weniger als 5 Millimetern aus dem Wasser. Der Filter verstopft durch regelmäßiges Abpumpen der Filtrat-Suspension nicht. Außerdem besteht der Filter aus einfachen Materialien ohne Mechanik, was ihn kostengünstig herstellbar macht. Das Forschungsteam des "FishFlow"-Projekts besitzt die Patentrechte für den Filter. Es erhofft sich nun, dass ihr Patent auf dem Markt der Waschmaschinen einzieht und in Zukunft verbaut wird, um den Mikroplastik-Eintrag durch das Wäschewaschen zu minimieren. Die Studie aus dem Jahr 2025 kann beim KoHW angefordert werden.

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