Strom weg? So retten Sie Ihre gekühlten Lebensmittel!

Viele Menschen halten es für unwahrscheinlich in eine Notsituation zu geraten, in der ein Gang zum Supermarkt unmöglich wird. Ein Ernährungsnotfall kommt jedoch unerwartet und kann jeden treffen. Ein Beispiel: Anfang des Jahres 2026 fiel im Südwesten Berlins der Strom für mehrere Tage aus – Ursache war ein Brand. Betroffene müssen dann mit dem zurechtkommen, was ihnen zu Hause zur Verfügung steht. Ohne Strom fehlen nicht nur Licht oder Herd, sondern auch das Tiefkühlgerät beginnt abzutauen. Wie Sie im Notfall mit tiefgekühlten Lebensmittel-Vorräten umgehen sollten, hat das Kompetenzzentrum Hauswirtschaft (KoHW) für Sie recherchiert.

Aktualisiert am: 17.02.2026
Erstellt von: Kompetenzzentrum Hauswirtschaft (KoHW)
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Flatterband mit Blackout draufgeschrieben vor Strommasten© Smarterpix / stadtratte

Der Strom ist weg. – Was ist dann zu tun?

Sobald der Strom ausfällt, beginnt eine stetige Erwärmung des Lagerraums im Tiefkühlgerät, da der Wärmetauscher ohne Stromversorgung keine Kälte mehr erzeugen kann. Angela Fischer, Abteilungsleiterin Haushaltstechnik und Textil vom Agrarbildungszentrum Landsberg am Lech, ist unter anderem Expertin für Kühlgeräte.

Sie hat drei nützliche Hinweise:
  • Lassen Sie das Tiefkühlgerät geschlossen, um das Einströmen warmer Luft zu verhindern. So steigt die Temperatur innerhalb der ersten 24 Stunden kaum an.
  • Sie können davon ausgehen, je voller das Tiefkühlgerät befüllt ist, desto länger bleiben die Lebensmittel darin kühl, da die gefrorenen Lebensmittel als Kältereservoir fungieren.
  • Je höher die Energieeffizienzklasse des Tiefkühlgerätes, desto länger halten die Lebensmittel kühl (z.B. A oder B länger als F oder G) aufgrund der besseren Dämmung von Geräten mit einer hohen Energieeffizienzklasse. Einige Hersteller geben in ihren Produktblättern oder Gebrauchsanweisungen die Zusatzinformation "Lagerzeit bei Störungen" in Stunden an. 
gefrorene Lebesmittel im Tiefkühlschrank © Smarterpix / qwartm

Was darf bleiben – was muss weg?

Lebensmittel sind natürlicherweise mit Keimen besetzt. Deren Vermehrung wird durch die kühle Temperatur im Tiefkühlgerät gestoppt. Mit der Erwärmung des Lebensmittels beginnen die Keime erneut sich zu vermehren. Es besteht durch die steigende Keimmenge Gefahr, sich durch den Verzehr mit Krankheitserregern zu infizieren. Risiko-Lebensmittel sind Fleisch, Fisch, Meerestiere, Milchprodukte und Lebensmittel, die Ei beinhalten. Sie sollten entsorgt werden, ebenso wie auch eingefrorene Reste von selbst gekochten Speisen.

Richtiges Handeln im Ernährungsnotfall

Grundsätzlich gilt für tiefgekühlte Lebensmittel, die Sie nach einem Stromausfall verzehren möchten:
  • Werfen Sie, zur Einschätzung des Temperaturanstieges, nach wiedereinsetzendem Strom sofort einen Blick auf die Temperaturanzeige des Gefriergerätes. Das Bundesamt für Risikobewertung gibt an: Bis minus 12°C geht keine Gefahr vom Lebensmittel aus, ab minus 5 bis minus 8°C besteht ein Risiko für Lebensmittelinfektionen. 
  • Prüfen Sie vor jedem Verzehr Aussehen, Geruch und Konsistenz (Sensorik-Test). Dabei gilt: Schneebildung und Vergrauung sehen nicht schön aus, sind aber ungefährlich.
  • Beachten Sie den mit dem Antauen (die äußere Schicht des Gefrierguts ist weich, der innere Kern noch gefroren) einhergehenden Qualitätsverlust und die Verkürzung des MHDs.
  • Frieren Sie gegarte Speisen und rohe pflanzliche Lebensmittel nach dem Auftauen wieder ein oder verarbeiten Sie diese möglichst schnell. 
  • Erhitzen Sie rohe tierische Lebensmittel nach dem Auftauen zunächst vollständig auf über sechzig bis hundert Grad Celsius, um Keime zu reduzieren. Danach ist erneutes Einfrieren möglich. 
  • Entsorgen Sie aufgetautes Speiseeis immer. Das gilt auch für Lebensmittel, bei denen Sie unsicher sind.
  • Sorgen Sie dafür, dass Menschen der Risikogruppen (Kinder, Seniorinnen und Senioren, Schwangere, Immungeschwächte) betroffene Lebensmittel nicht verzehren.
  • Bei einem längeren Stromausfall: Verbrauchen Sie zunächst gekühlte und frische Lebensmittel, dann ungekühlt lange haltbare Lebensmitteln auf.
Campingkocher © Smarterpix / atercorv.gmail.com
Beachten Sie:

Wenn der Strom ausfällt, sind auch Küchengeräte wie Herd, Ofen oder Mikrowelle nicht funktionsfähig. Vielleicht haben Sie Zugriff auf eine stromunabhängige Hitzequelle z. B. Camping-Kocher, Grill? Damit könnten Sie auch tiefgefrorene Komponenten vor dem Verderb retten.

Fazit

Grundsätzlich gilt: Auch bei einem Stromausfall können Sie sich in der Regel noch einige Stunden mit Lebensmitteln aus dem Tiefkühlgerät versorgen. Wir empfehlen jedoch, einen Notfallvorrat anzulegen, mit Lebensmitteln, die ungekühlt lange haltbar sind. Weitere Informationen dazu gibt das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus auf seiner Internetseite. Tiefgekühlte Lebensmittel sind nach einem längeren Stromausfall auf ihre Genießbarkeit zu überprüfen. Sind Sie sich unsicher oder gehören zu einer Risikogruppe, so raten wir vom Verzehr der Lebensmittel ab. Außerdem sollte das Tiefkühlgerät während eines kurzen Stromausfalls nicht und während eines längeren nur selten und so kurz wie möglich geöffnet werden, um das Einströmen von Wärme zu verhindern.

Weitere Informationen der Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus zum Thema Notfallvorsorge:

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