Agrarministertreffen in Brüssel: Bayern drängt auf verlässliche EU-Finanzierung und Bürokratieabbau für eine sichere Ernährungsversorgung

Aktualisiert am: 05.12.2025
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(4. Dezember 2025) Brüssel – Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat beim Agrarministertreffen in Brüssel klar Position zur Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union ab 2028 bezogen. In intensiven Gesprächen mit EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sowie Generaldirektorin Elisabeth Werner machte sie deutlich: "Eine stabile Finanzierung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume ist nicht verhandelbar." Im Mittelpunkt ihrer Forderungen steht die ausreichende finanzielle Ausstattung der GAP, die auch künftig gesicherte Mittel für die Förderung der ländlichen Räume enthalten muss. Die von der Kommission geplante Kürzung des gesicherten Agrarbudgets um 20 Prozent lehnt Bayern klar ab. "Der ländliche Raum ist das Rückgrat unseres gesamten Landes. Wenn wir dort kürzen, gefährden wir Stabilität, Miteinander und Lebensqualität", sagte Kaniber in Brüssel. Die Ministerin warnte eindringlich vor den Folgen der Sparpläne. "Diese Kürzungen untergraben die zentrale Rolle unserer Landwirtschaft für eine sichere Ernährungsversorgung in Europa – und das ist völlig inakzeptabel", betonte sie. Positiv nehme sie aus dem Gespräch mit Kommissar Hansen mit, dass nunmehr zehn Prozent aus dem nationalen Fonds für regionale Entwicklung für die Belange des ländlichen Raumes reserviert werden. Dieser positive Schritt der Kommission gehe in die richtige Richtung, doch reiche dieser bei weitem nicht aus. Zudem forderte die Ministerin mehrere europäische Gesetze, wie die Wiederherstellungsverordnung, die Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) sowie das Bodenschutzgesetz dringend zu überprüfen und zumindest inhaltlich zu überarbeiten. Bestenfalls träten diese Gesetze nicht in Kraft. "Wenn weniger Geld fließt, müssen zwingend gleichzeitig die Anforderungen sinken. Sonst bringen wir viele Betriebe an ihre Belastungsgrenzen oder darüber hinaus. Und dann schwächen wir unsere Versorgungssicherheit", erklärte die Ministerin. Die Ernährungssouveränität Europas sei ein geopolitisches Kernziel. "Dieses dürfen wir niemals aufs Spiel setzen. Wir dürfen keinesfalls weitere Abhängigkeiten schaffen, schon gar nicht bei unseren Lebensmitteln", so Kaniber weiter. Positiv bewertet Kaniber, dass sich Agrarkommissar Christophe Hansen bei seinen Vorschlägen zur GAP ab 2028 eng an bayerischen Forderungen orientiert hat. Viele Inhalte folgen den Empfehlungen des von ihr eingesetzten Bayerischen Praktikerrates. Die Beibehaltung einkommenswirksamer Zahlungen für Familienbetriebe und der Abbau kleinteiliger Vorgaben seien praxistaugliche Schritte. Es brauche weniger, aber dafür wirksame Nachhaltigkeitsstandards "Die Vorschläge zeigen: Wer mit Menschen aus der Praxis spricht, bekommt Lösungen, die funktionieren", so Kaniber. Am Ende ihres Besuchs richtete Kaniber einen klaren Appell an die Kommission: "Nur eine starke und zukunftsfähige Landwirtschaft sichert Europas Unabhängigkeit bei Lebensmitteln. Unsere Bauernfamilien und der ländliche Raum verdienen Respekt, Vertrauen und faire Rahmenbedingungen." Bei dem eintägigen Treffen in Brüssel führten Agrar- und Forstminister der deutschen Bundesländer und Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer Gespräche mit EU-Agrarminister Christophe Hansen und mit Generaldirektorin Elisabeth Werner.

Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber (8. von links) zusammen mit den weiteren deutschen Agrar- und Forstminister der Länder nach dem Gespräch mit Agrarkommissar Christophe Hansen (Bildmitte) in Brüssel. Das Treffen fand in der Vertretung Baden-Württembergs statt.