Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung

Alle zwei Jahre verleiht das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus den Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung. Das Staatsministerium würdigt damit vorbildliche und oft jahrzehntelange Leistungen privater und körperschaftlicher Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse und engagierter Jagdgenossenschaften für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung.

Aktualisiert am: 16.10.2025
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Die Preisträgerinnen und Preisträger repräsentieren das breite Spektrum des privaten und körperschaftlichen Waldbesitzes aus allen sieben Regierungsbezirken Bayerns. Kleine Bauernwälder oder Rechtlervereinigungen finden sich darunter genauso wie kommunale oder kirchliche Stiftungswälder, große städtische Forstbetriebe oder adelige Waldbesitzer. Aus den Vorschlägen von Forstverwaltung, forstwirtschaftlichen Vereinigungen und Berufsverbänden wählt eine unabhängige Jury die Preisträger aus. Wichtige Kriterien für die Entscheidung sind unter anderem eine naturnahe, wirtschaftliche Waldbautechnik, überbetriebliches Engagement, eine standortgemäße Baumartenzusammensetzung oder das Beschreiten neuer Wege und kreative Betriebsführung. Ein wichtiger Aspekt ist auch der vorausschauende Waldumbau hin zu klimastabilen Mischbeständen.

Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung 2025

Der Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung stand im Jahr 2025 unter dem Motto "Wir brauchen den Wald – der Wald braucht uns!". Mit diesem Motto sollten die Bedeutung des Waldes für die Menschen und die Notwendigkeit einer pfleglichen Waldbewirtschaftung für den Schutz der Wälder und die Sicherung ihrer vielfältigen Funktionen ins Bewusstsein gerückt werden.

Porträt Ministerin Michaela Kaniber (© Nadine Keilhofer)

Michaela Kaniber

Für den Wald von morgen übernehmen die 15 Preisträger aus allen Regierungsbezirken vorbildlich Verantwortung. Sie gestalten damit aktiv die Zukunft unserer wunderschönen bayerischen Heimat und bewahren sie für künftige Generationen.

Ausgezeichnet wurden acht private und kommunale Waldbesitzer, drei Stiftungswälder und ein Nutzungsrechtewald sowie eine Forstbetriebsgemeinschaft und zwei Jagdgenossenschaften. Die Preisträger bekamen ihre mit jeweils 1.000 Euro dotierten Staatspreise bei einem Festakt am 15. Oktober 2025 von Forstministerin Michaela Kaniber feierlich überreicht. Sie sind Vorbild für alle Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer und Ansporn, Bayerns Wälder fit für die Zukunft zu machen.

Pressemitteilung vom 15. Oktober 2025

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2025

Engagement für Wald, Wild und Heimat

Bemoster Baumstumpf mit Naturverjüngung © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Miesbach, Oberbayern

Der Preisträger bewirtschaftet 16 Hektar Familienwald auf ganz unterschiedlichen Standorten im nördlichen Landkreis Miesbach. Durch eine sehr naturnahe, einzelstammweise Nutzung begünstigt er das natürliche Aufkommen der Weißtanne. Seine Fichtenreinbestände unterbaut der diplomierte Landschaftsökologe konsequent mit Tannen-Wildlingen aus dem eigenen Wald. Die Vorausverjüngung von Buche und Tanne ist für Muth ein entscheidender Schritt, um die Wälder stabil zu machen für die Herausforderungen des Klimawandels. Tragbare Wilddichten sind die Voraussetzung für eine flächige Naturverjüngung der klimatoleranten Mischbaumarten ohne Schutzmaßnahmen. Der Preisträger geht selbst als "angestellter Jäger" in zwei Revieren der Jagdgenossenschaft Valley auf die Jagd. Hunderte Hektar Naturverjüngung vor allem der Weißtanne sind das Ergebnis seines jagdlichen Engagements.

Matthias Muth ist Netzwerker für den Wald über die eigenen Besitzgrenzen hinaus. Er ist 2. Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen und stellvertretender Jagdbeirat im Landkreis Miesbach. Er pflegt vertrauensvolle Kontakte zum örtlichen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und zu seinen Reviernachbarn. Regelmäßig führt er Exkursionen in den Wald und zeigt, wie der gesetzlich verankerte Grundsatz "Wald vor Wild" im Zusammenwirken von Grundeigentümern und der Jägerschaft in der Praxis umgesetzt werden kann.

Jagd als Schlüssel für den Waldumbau

Junger Laubwald © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Traunstein, Oberbayern

Die Jagdgenossenschaft Wonneberg mit ihren rund 300 Mitgliedern trägt Verantwortung für 1613 Hektar Jagdfläche im landschaftlich reizvollen Rupertiwinkel im östlichen bayerischen Alpenvorland. Etwa 500 Hektar davon sind Wald mit den Hauptbaumarten Fichte, Buche und Tanne. Der hohe Wildverbiss an der Waldverjüngung veranlasste die Jagdgenossenschaft im Jahr 2010 trotz vieler Widerstände aus der Jägerschaft, das Gemeinschaftsrevier nicht mehr zu verpachten, sondern in Eigenbewirtschaftung zu bejagen. Seither hat sich die Verjüngungssituation in den Wäldern enorm verbessert. Alle Baumarten - auch die empfindlichen Eichen und Tannen - können sich heute ohne Schutzmaßnahmen natürlich verjüngen.

Die Mitglieder der Jagdgenossenschaft stehen hinter den wissenschaftlich gesicherten Aussagen zur Notwendigkeit des Waldumbaus und zur Bedeutung angepasster Wildbestände für den Waldumbau. Aus dieser Überzeugung heraus organisiert Jagdvorstand Leonhard Strasser seit Jahren Waldbegänge für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, Mitglieder zahlreicher Jagdgenossenschaften, aber auch für Mitglieder von Naturschutzverbänden, der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft oder der Öko-Modellregion Waginger See. Dabei zeigt er, wie positiv sich die veränderte Jagdpraxis in den zurückliegenden 15 Jahren auf die Baumartenzusammensetzung im Revier und die Zukunftsfähigkeit der Waldbestände im Klimawandel ausgewirkt hat.

Über Generationen hinweg dem Wald verbunden

Portraitfoto im Wald: Josef Karl (l.) mit Enkel Thomas Karl jun. © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Fürstenfeldbruck, Oberbayern

Den familieneigenen Waldbesitz vorausschauend zu bewirtschaften, ist in der Familie Karl eine Generationen übergreifende Aufgabe. Großvater Josef Karl hat bereits vor 40 Jahren begonnen, den 22 Hektar großen Familienwald im westlichen Landkreis Fürstenfeldbruck durch frühzeitige Pflegeeingriffe und konsequente Durchforstung stabil und widerstandsfähig zu machen. Gleichzeitig richtete er sein Augenmerk auf die Verjüngung der Bestände. Er brachte schon früh geeignete Mischbaumarten ein und förderte die Naturverjüngung. Sein Sohn führt diese zukunftsorientierte Strategie seit 15 Jahren weiter. Mittlerweile übernimmt Enkel Thomas einen Großteil der Waldarbeiten. Drei Generationen, die sich mit großem Sachverstand und viel Fingerspitzengefühl für einen zukunftsfähigen, multifunktionalen Wald einsetzen.

Doch damit nicht genug. Josef Karl hat sich nicht nur um seinen eigenen Wald gekümmert. Als langjähriger Vorsitzender und Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Fürstenfeldbruck unterstützte er die Mitglieder im gesamten Landkreis bei der Bewirtschaftung ihrer Wälder und der Vermarktung ihres Holzes. Sehr zukunftsorientiert war auch die Errichtung einer Hackschnitzelheizung, mit der er über ein Nahwärmenetz 14 Gebäude im Ort mit nachwachsender Energie aus heimischen Wäldern versorgt.

Die Waldfunktionen für die Zukunft sichern

Kleines Schild "Biotopbaum" an einem Baumstamm © Tobias Hase/StMELF
Stadt und Landkreis Landshut, Niederbayern

Seit Mitte des 14. Jahrhunderts dient der Wald der Hl. Geistspitalstiftung Landshut der Kranken- und Armenfürsorge. Die Erträge aus dem 757 Hektar großen Stiftungswald kommen heute zwei Alten- und Pflegeheimen im Herzen Landshuts zugute. Der Stiftungswald hat aber noch eine Reihe weiterer Funktionen für die Allgemeinheit. Mehr als 400 Hektar sind als Erholungswald ausgewiesen. 62 Hektar liegen in einem FFH-Gebiet und 44 Hektar stehen unter Naturschutz. Auf zahlreichen Flächen hat der Stiftungswald Boden- und Wasserschutzfunktionen oder dient dem Lärm- und Immissionsschutz.

Um diese Funktionen auch in den kommenden Jahrhunderten erfüllen zu können, muss der Stiftungswald nachhaltig bewirtschaftet werden. Wiederkehrende Kalamitäten durch Borkenkäfer, Sturmwurf und Schneebruch haben die Verantwortlichen in Landshut vor große Herausforderungen gestellt. Aufwändige Aufforstungen mit Eichen, Edellaubhölzern, Elsbeeren und Esskastanien haben den Laubholzanteil erhöht und die Bestände klimatoleranter gemacht. Verstärktes jagdliches Engagement beispielsweise durch die Jagdausübung in Eigenregie ermöglicht heute die Naturverjüngung von Mischbaumarten, insbesondere der im Klimawandel wertvollen Weißtanne. Das Bewirtschaftungskonzept der Hl. Geistspitalstiftung ist daher ein Vorbild für die umliegenden Privat- und Körperschaftswälder.

Gemeinsam für den Wald

Wiesen und Waldfläche im Sonnenschein © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Freyung-Grafenau, Niederbayern

Es ist bemerkenswert, wie in Rentpoldenreuth acht Waldbesitzer bei der Waldbewirtschaftung an einem Strang ziehen. Dadurch können Strukturnachteile durch Besitzzersplitterung und viele kleine Waldgrundstücke überwunden werden. Bereits Anfang der 1990er-Jahre hat die Dorfgemeinschaft begonnen, waldbauliche Ziele besitzübergreifend abzustimmen und ehemalige Fichtenreinbestände in stabile Mischbestände umzubauen. Neben dem klassischen Baumartenspektrum im Bergmischwald aus Fichte, Buche und Tanne setzen die Waldbesitzer auch im Vorderen Bayerischen Wald zunehmend auf klimatolerante Mischbaumarten wie Eiche oder Kirsche.

Um die Wälder pfleglich und nachhaltig bewirtschaften zu können, haben die Beteiligten gemeinschaftlich ein Netz an Rückewegen angelegt. Die Waldarbeiten führen die einzelnen Waldbesitzer nach wie vor in Eigenregie durch. Dabei nehmen sie gerne das Beratungsangebot der Bayerischen Forstverwaltung und das waldbauliche Förderprogramm in Anspruch. Der Holzverkauf erfolgt in der Regel über die örtliche Waldbesitzervereinigung Freyung-Grafenau. Seit vielen Jahren organisiert die Dorfgemeinschaft regelmäßige Waldbegänge mit Beteiligung der örtlichen Jägerschaft, bei denen das waldbauliche Vorgehen abgestimmt wird. In der Umgebung sind die Rentpoldenreuther für ihre positive Waldgesinnung bekannt und als Vorbild anerkannt.

Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt

Hubertus von Eyb leht an einem Pickup, auf der Ladefläche sitzt sein Jagdhund. © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Amberg-Sulzbach, Oberpfalz

Für den Preisträger sichert der Waldbesitz einen wesentlichen Anteil seines Jahreseinkommens. Sein Leitspruch ist daher auch: „Leben vom, mit, im und für den Wald.“ Der 53-jährige Betriebswirt, der auch einige Semester Forstwissenschaften studiert hat, übernahm den knapp 600 Hektar großen Waldbesitz 2003 von seinem Vater. Seither baut er die ehemaligen Kiefernbestände am Oberpfälzer Jurarand und im Oberpfälzer Becken- und Hügelland Zug um Zug in Mischbestände um. Dabei legt er Wert auf naturnahe Waldbauverfahren mit langen Verjüngungszeiträumen. Der Pflegezustand der Wälder ist gut, und die Bestände sind mit einem durchdachten Netz von Forstwegen und Rückegassen optimal erschlossen.

Die Erkenntnis, dass "der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt", spornt Hubertus von Eyb seit über zwei Jahrzehnten an. Er führt dazu immer wieder Bewegungsjagden mit Hunden durch und beteiligt örtliche Jägerinnen und Jäger an Sammelansitzen. Der Lohn für sein jagdliches Engagement sind beeindruckende, gemischte Naturverjüngungsflächen mit allen örtlich vorkommenden Laubbaumarten, die er teilweise mit Douglasien und Weißtannen ergänzt. Als sehr gut vernetzter Waldbesitzer führt der Preisträger regelmäßig interessierte Gruppen durch seinen Wald, mit denen er seinen Waldbau und seine Jagdstrategie diskutiert.

Zukunftswald für die Bürgerinnen und Bürger

Altbestand mit Naturverjüngung © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Schwandorf, Oberpfalz

Stiftungszweck der 1443 erstmals urkundlich erwähnten Bürgerspitalstiftung Schwandorf ist die Förderung der Altenhilfe. Bis heute trägt der Erlös aus dem über 550 Hektar großen Stiftungswald zum Betrieb des Seniorenheims „Elisabethenheim“ mit seinen 180 Beschäftigten bei. Der Wald leistet aber noch mehr für die Allgemeinheit: Er ist ein beliebtes Naherholungsgebiet, beherbergt einen Waldkindergarten und versorgt aus drei Tiefbrunnen die Gemeinde Steinberg mit Trinkwasser. Jährlich vermarktet die Stiftung rund 2000 Festmeter Stammholz über die Waldbesitzervereinigung Nabburg-Burglengenfeld und zwischen 1000 und 1500 Raummeter Brennholz hauptsächlich an die örtliche Bevölkerung.

Um die auf den trockenen Sandböden des Oberpfälzer Becken- und Hügellands bislang vorherrschenden Kiefernbestände in einen klimatoleranten Zukunftswald umzubauen, treibt die Stiftung seit Jahren die Verjüngung der Altbestände konsequent voran. Streifenweise Bodenbearbeitung auf größeren Flächen fördert die Naturverjüngung. Ergänzt werden diese Verjüngungsflächen durch Pflanzung klimatoleranter Baumarten wie Eiche, Roteiche, Esskastanie oder Douglasie. Auf zwei Versuchsflächen, die in den Jahren 2016 und 2022 angelegt wurden, beobachten die Verantwortlichen die Entwicklung weiterer heimischer und fremdländischer Bäume. Dazu wurden mehr als 30 Baumarten aus verschiedenen Klimazonen eingebracht. Zahlreiche Waldnaturschutzmaßnahmen fördern die Biodiversität im Stiftungswald.

Effiziente Forstwirtschaft für Wald und Mensch

Holzschnitzerei im Wald © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Forchheim, Oberfranken

Heinrich Freiherr von Pölnitz lebt mit seiner Familie vom Wald. Vor seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre hat er den Beruf des Forstwirts erlernt. 2010 gab er seine Karriere als Bankkaufmann auf, um sich hauptberuflich um den Familienforstbetrieb zu kümmern. Dieser umfasst 455 Hektar und besteht aus drei Revierteilen in der Fränkischen Schweiz, im Steigerwald und im südlichen Frankenwald. Der Preisträger hat klare waldbauliche Konzepte für die naturräumlich und geologisch unterschiedlichen Teilreviere entwickelt. Er setzt auf flächige Naturverjüngung und eine frühzeitige, konsequente Waldpflege, um breit gemischte, stabile Wälder zu erreichen.

Die Kalamitäten der vergangenen Jahre durch Borkenkäfer und Trockenheit waren für Freiherrn von Pölnitz sehr schmerzlich. Wo nicht bereits Naturverjüngung vorhanden war, brachte er die Schadflächen rasch wieder in Bestockung. Wesentlichen Einfluss auf die waldbaulichen Ziele hat für den Preisträger die Jagd, die er traditionell, aber konsequent betreibt. Tragbare Wilddichten in den drei Eigenjagdrevieren erlauben Verjüngung ohne Zaun. Sehr wichtig sind Heinrich von Pölnitz auch die Sozialfunktionen seines Waldbesitzes. Er nimmt am Vertragsnaturschutzprogramm Wald teil und veranstaltet zusammen mit Partnern Waldgottesdienste und Wandertage. Seit 2020 betreibt er einen Begräbniswald. 2022 hat er ein privates Ökokonto eröffnet und 2023 einen naturnahen Wohnmobil- und Campingplatz für den sanften Tourismus in der Fränkischen Schweiz eingerichtet.

Wald als Anliegen der Bürgerschaft

Naturverjüngung aus Laubholz im Wald © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, Mittelfranken

Knapp zwei Drittel des 371 Hektar großen Gunzenhäuser Stadtwalds werden seit alters her von elf Rechtlergemeinschaften mit viel Engagement und Eigenleistung bewirtschaftet. Die Betriebsleitung liegt seit 2006 bei der Forstbetriebsgemeinschaft Franken Süd. Die größte Herausforderung in dem für die Region typischen "Steckerleswald" mit dominierender Kiefer sind die Auswirkungen des Klimawandels. Seit vielen Jahren treibt daher die Stadt gemeinsam mit den Rechtlern den Waldumbau voran. Allein in den vergangenen vier Jahren wurden mehr als 21 Hektar Wald umgebaut. Seit 2015 brachte die Stadt weit über 100.000 klimaresiliente Bäumchen ein. Nach dem neuesten Forstbetriebsgutachten sollen bis 2030 weitere 60 Hektar Laub- und Mischwälder begründet werden.

Ein stabiler Zukunftswald ist den Stadtvätern, wie auch der Bevölkerung Gunzenhausens, ein Anliegen. Der Arbeitskreis Wald der kommunalen Agenda 21 initiierte eine Erstaufforstung – den „Gunzenhäuser Zukunftswald“ – bei der Bürgerinnen und Bürger mit viel ehrenamtlichem Engagement klimatolerante Baumarten pflanzen. Mehr als die Hälfte des Stadtwalds ist als Erholungswald ausgewiesen. Für die Jüngsten gibt es einen Waldkindergarten, und die Grundschule Süd kümmert sich seit 2022 intensiv um ein Waldstück, den sie als ihren Schulwald nutzen. Bereits 2008 hat die Stadt Gunzenhausen ein Energieholzkonzept erstellt. Mittlerweile wird eine Reihe von Einrichtungen wie zum Beispiel Schulen oder das Klinikum Altmühlfranken mit regionalen Hackschnitzeln aus dem Stadtwald versorgt.

Mit Beharrlichkeit zum Mischwald

Junge Forstpflanze mit Staab markiert © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Roth, Mittelfranken

Der Preisträger war schon immer vom Mischwald überzeugt. Deshalb hat er bereits vor vielen Jahren mit dem Voranbau von Mischbaumarten in seinen Kiefernbeständen begonnen. Ursprünglich waren fast 95 Prozent seines gut neun Hektar großen, auf sechs Parzellen verteilten Waldbesitzes mit Kiefern bestockt. Mittlerweile beträgt der Anteil an Mischbeständen knapp die Hälfte der Waldfläche. Neben Eichen, Buchen und Douglasien wachsen in den Jungbeständen auch zahlreiche seltene Baumarten. Ein besonderes Augenmerk richtet Loy auf die Spalter Weißtanne, einer autochthonen Weißtannen-Herkunft aus dem zehn Kilometer entfernten Stadtwald Spalt. Die jüngsten Schäden in den Kiefernbeständen durch die Auswirkungen des Klimawandels bestätigen, dass der vom Preisträger seit langem eingeschlagene Waldumbau die richtige Weichenstellung war.

Vorausschauendes und vernetztes Denken zeichnen den Waldbesitzer in vielerlei Hinsicht aus. Sein Stammholz vermarktet er über die örtliche Forstbetriebsgemeinschaft Heideck/Schwabach e. V. Das anfallende Brennholz arbeitet er selbst auf und vermarktet es – wie auch Schmuckreisig und Weihnachtsbäume – direkt. Innerhalb der Jagdgenossenschaft ist er ein beharrlicher Mahner für waldverträgliche Wilddichten als Voraussetzung für den Waldumbau und die Verjüngung von Mischbaumarten. Seine Waldnachbarn sehen seinen waldbaulichen Kurs und sein Engagement für eine waldorientierte Jagd als Vorbild.

Besitzzersplitterung als Herausforderung

Flurkarte © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Main-Spessart, Unterfranken

Über die Auswirkungen der fränkischen Realteilung auf eine nachhaltige Waldbewirtschaftung kann der Preisträger ein Lied singen. Sein 7,3 Hektar großer Waldbesitz ist auf 85 einzelne Flurstücke verteilt. Seine kleinste Waldparzelle hat mit 42 Quadratmetern gerade einmal die Ausdehnung eines großen Wohnzimmers. Trotz dieser extremen Zerstückelung und kleiner Grundstücksgrößen betreibt Karl-Heinz Amend auf allen Teilflächen aktive Waldpflege. Besonders am Herzen liegen ihm seine ehemaligen Mittelwaldflächen mit einem hohen Anteil klimatoleranter Laubbaumarten. Auf wüchsigen Bundsandstein-Standorten dominiert die Douglasie. Ehemalige Fichtenbestände sind fast vollständig den Borkenkäfern zum Opfer gefallen. Wegen der extremen Trockenheit in den zurückliegenden Jahren forstet der Preisträger diese Schadflächen mit geeigneten, klimaangepassten Baumarten auf, um sie fit für die Zukunft zu machen.

Überhaupt hat Karl-Heinz Amend ein sehr enges Verhältnis zum Wald. Im Stadtwald der Gemarkung Wiesenfeld teilt er den Berechtigten jährlich ihr Losholz zu. Von seinen Waldnachbarn wird er oft bei der Grenzsuche herangezogen, da er alle Grundstücksgrenzen und fast jeden Baum im Wiesenfelder Wald kennt. Sein Engagement bei der Waldbewirtschaftung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen gilt als Vorbild für andere Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in der Region.

Forstwirtschaft sichert soziale Aufgaben

Junge Eichenblätter © Tobias Hase/StMELF
Waldbesitz in den Landkreisen Bad Kissingen und Main-Spessart, Unterfranken

Um Kranken und Bedürftigen zu helfen, gründete der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn im Jahr 1579 eine gemeinnützige Stiftung und stattete sie mit umfangreichen Ländereien aus. Heute betreibt die Stiftung Juliusspital neben einem Krankenhaus auch ein Seniorenstift, ein Hospiz und verschiedene Fachschulen. Bis in unsere Zeit trägt der Wald zur Finanzierung dieser sozialen Aufgaben bei. Der Forstbetrieb der Stiftung bewirtschaftet 3.350 Hektar Wald hauptsächlich in der Vorrhön entlang der beiden Flüsse Saale und Schondra. Außerdem bewirtschaftet er als Dienstleister die Kommunalwälder der Stadt Hammelburg und der Gemeinde Gräfendorf.

Seit über vier Jahrhunderten bewirtschaftet die Stiftung den Wald in Verantwortung für künftige Generationen – nachhaltig, schonend und naturnah. Starke Eichen und alte Buchen sind eindrucksvolle Zeugen dieser umsichtigen Forstwirtschaft. In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten konnte der Holzvorrat von durchschnittlich 263 Festmeter je Hektar auf 318 Festmeter gesteigert werden. Gleichzeitig führt die Stiftung großflächige Waldumbaumaßnahmen durch, um die Bestände auf die zu erwartende Klimaänderung vorzubereiten. Schon heute beträgt der Laubholzanteil im Stiftungswald über 72 Prozent. Noch vorhandene Nadelholzbestände sind auf ganzer Fläche mit Laubholz unterbaut. Eine waldfreundliche Jagdausübung in Eigenregie ermöglicht die flächige Verjüngung nahezu aller Baumarten ohne Schutzmaßnahmen.

Die Devise: Gemeinsam handeln

Mann markiert Holzpolter mit Farbe © Tobias Hase/StMELF
Mitgliedsfllächen im Landkreis Kitzingen, Unterfranken

Gegründet wurde die Forstbetriebsgemeinschaft Kitzingen (FBG) am 15. Februar 1974 als Selbsthilfeeinrichtung des privaten, genossenschaftlichen und kommunalen Waldbesitzes im Landkreis Kitzingen. Im Laufe der zurückliegenden mehr als 50 Jahre entwickelte sie sich von einer überschaubaren Interessenvertretung zu einem professionellen forstwirtschaftlichen Zusammenschluss. Heute zählt der Verein etwa 650 Mitglieder mit rund 13.000 Hektar Mitgliedsfläche. Die Waldflächen weisen eine bunte Baumartenzusammensetzung mit vorherrschenden Eichen- und Kiefernbeständen auf. Die Eichenwälder sind stark von der Mittelwaldwirtschaft geprägt und naturschutzfachlich sehr wertvoll. Die Nadelholzbestände leiden stark und den veränderten klimatischen Bedingungen und müssen in klimastabile Mischbestände umgebaut werden.

Unter der Devise "Gemeinsam handeln" überwindet die FBG strukturelle Nachnachteile des Waldbesitzes und ermöglicht eine naturnahe und nachhaltige Waldbewirtschaftung auf großer Fläche. Sie vermarktet jährlich zwischen 20.000 und 40.000 Festmeter Holz ihrer Mitglieder. Zahlreiche Betriebsleitungs- und Waldpflegeverträge sichern die vorbildliche Waldbewirtschaftung des privaten und kommunalen Waldbesitzes im Vereinsgebiet. In zwei Eigenjagdbezirken hat die FBG die Organisation des Jagdbetriebs übernommen und zeigt, wie mit einer angepassten Jagd die waldbaulichen Ziele bei der Verjüngung der Bestände erreicht werden können.

Bestandssicherheit durch Mischung und Pflege

Naturverjüngung im Wald © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Ostallgäu, Schwaben

Der Sechspfarrwald Rieder ist ein 69 Hektar großes, zusammenhängendes Waldstück östlich von Marktoberdorf. Seit alters her wird der Wald, der sich im Eigentum der Stadt Marktoberdorf befindet, von 186 Rechtlern bewirtschaftet. Auf den wüchsigen Böden dominieren zuwachsstarke Fichtenbestände, in denen es immer wieder zu Schäden durch Windwurf, Schneebruch oder Borkenkäfer kommt. Aus diesem Grund haben sich die Rechtler bereits vor Jahrzehnten für einen aktiven Waldumbau entschieden. Während der Fichtenanteil in den Althölzern noch bei über 85 Prozent liegt, beträgt der Anteil an klimatoleranten Mischbaumarten – vor allem Edellaubbäume, Buchen und Tannen – in den unter 20-jährigen Beständen mittlerweile 62 Prozent. Gleichzeitig werden die vorhandenen Fichtenbestände regelmäßig durchforstet, um sie stabil zu erhalten. Auf großer Fläche gibt es Vorausverjüngungen mit geeigneten Mischbaumarten, damit im Schadensfall keine Kahlflächen entstehen und die künftige Waldgeneration gesichert ist.

Mit den Holzerntearbeiten beauftragt der engagierte Rechtlervorstand hauptsächlich örtliche Forstunternehmen. Auch das anfallende Holz wird vorwiegend an Sägewerke in der Region als nachhaltiger Rohstoff der kurzen Wege verkauft. Bei allen Arbeiten im Wald hat die Vorstandschaft stets auch die Erholungsfunktion des Nutzungsrechtewalds, den Waldnaturschutz und den Schutz der Trinkwasserquellen im Auge. Mit dem Jagdpächter steht der Vorstand in engem Austausch, um ein günstiges Wald-Wild-Verhältnis zu erreichen.

Für die Zukunft des Plenterwalds

Hochsitz im Wald der Jagdgenossenschaft Weiler-Simmerberg © Tobias Hase/StMELF
Landkreis Lindau (Bodensee), Schwaben

Der Plenterwald ist ein strukturreicher, stabiler Mischwald, in dem alle Baumalter und -dimensionen auf ein und derselben Fläche vorkommen. Er wird einzelstammweise als Dauerwald genutzt. Für diese spezielle Bewirtschaftungsform ist ein hoher Anteil an Schatten vertragenden Baumarten wie Weißtanne und Buche notwendig. Die Plenterwälder des Westallgäus sind ein waldbauliches Juwel. Sie sind naturschutzfachlich sehr wertvoll und besitzen eine hohe Bedeutung als Schutzwald. Voraussetzung für den Erhalt der Plenterwälder ist eine tragbare Verbisssituation, die die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten – insbesondere der verbissgefährdeten Weißtanne – auf gesamter Fläche ermöglicht.

Dies in den vier Jagdrevieren in der Gemeinde Weiler-Simmerberg sicherzustellen, ist ein Anliegen der Jagdgenossenschaft. Das Jagdrevier Simmerberg-Südost mit einer Fläche von 635 Hektar und einem Waldanteil von 47 Prozent wird seit 2016 in Eigenbewirtschaftung mit vier Pirschbezirken von 12 Jägern bejagt. Seit Beginn der Eigenbewirtschaftung hat sich die Verbisssituation wesentlich verbessert. Treibende Kraft dieser Entwicklung war und ist der 2015 gewählte Jagdvorstand Martin Müller. Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Jagdvorstand ist Martin Müller auch aktiver Jäger. Als Forstunternehmer setzt er sich sehr engagiert für den Erhalt und die Pflege der Westallgäuer Plenterwälder ein. Er organisiert besitzübergreifende Sammelhiebe im Kleinprivatwald und arbeitet dabei vertrauensvoll mit der Bergwaldoffensive der Forstverwaltung zusammen.

Eindrücke von der Preisverleihung

Fotos von der Preisverleihung: Matthias Balk/StMELF, Abdruck honorarfrei

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