Planungsphase
Bauliche Anforderungen im HGK

Hand auf einem Bauplan

Richten Sie den Bau sowohl auf die Bedürfnisse der Bewohner als auch auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter aus.

Neben der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben ist vor allem die Funktionalität und auch die Sicherheit der Räume zu gewährleisten.
Im Folgenden stellen wir Ihnen vor, was Sie bei der Raumplanung beachten müssen und was sich aus Sicht der Interviewpartner als besonders praktisch erwiesen hat.

Räumlichkeiten im HGK

Der Fokus eines HGK liegt auf den Gemeinschaftsräumen, genauer auf der Wohnbereichsküche. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt des alltäglichen Lebens. Machen Sie sich zu Beginn genau Gedanken, welche Räume Sie für einen reibungslosen Alltag in der Hausgemeinschaft benötigen. Gehen Sie die Raumplanung aus Sicht der einzelnen Berufsgruppen und aus Bewohnersicht durch. Je nach Bewohner-Klientel kann es sinnvoll sein, Räume für die Ausübung von Hobbys etc. einzuplanen.

Bewohner- und Alltagsräume:

  • Wohnbereich mit Wohnküche
  • Rückzugsecken innerhalb der gemeinschaftlichen Wohnbereiche
  • Bewohnerzimmer mit barrierefreiem Bad
  • Pflegebad
  • Je nach Klientel: Musikzimmer, Fitnessraum, Bibliothek, Gottesdienstzimmer
  • Bewohner-Werkstatt
  • Großer Raum für wohnbereichsübergreifende Feste (falls gewünscht)

Funktionsräume:

  • Lagerräume für Lebensmittel (zentral und dezentral, Kühl- und Tiefkühllager)
  • Hauswirtschaftsräume für Reinigungsutensilien/-geräte und sonstige Lagergegenstände (Dekoration etc.)
  • Wäsche-Räume
  • Pausenräume und Umkleiden für Mitarbeiter
  • Büros für Wohnbereichsleitung und andere Mitarbeiter auf Wohnbereich

Tipps der Interviewpartner

Die Befragungen zeigen, dass eine detaillierte Planung des Arbeits- und Bewohneralltags bereits vor dem Bau wichtig ist, um die Räumlichkeiten den Abläufen und Anforderungen anzupassen. Folgende Aspekte sind aus Sicht der Interviewpartner wichtig.

Bewohnerorientierung:

  • Viel Platz in den Wohnbereichen (Rollstuhlfahrer müssen sich dort problemlos "bewegen" können)
  • Breite Türen, damit Betten gut durchpassen und bettlägerige Bewohner überall dabei sein können
  • Barrierefreiheit wichtig, vor allem in der Küche (unterfahrbare Arbeitsplätze)
  • Offene und helle Räume (viel Tageslicht, Beleuchtungssysteme)
  • Farbsysteme erleichtern die Orientierung in den Wohngruppen bzw. im gesamten Haus
  • Bewegungsmelder eigentlich gute Idee, aber machen Bewohner teilweise "verrückt" (Bewohnerinnen und Bewohner wollen aus Gewohnheit das Licht ausschalten)
  • Bewohnerbad: Schränkchen und Ablagen für private Utensilien einplanen, keine deckenhohen Spiegel nötig (Funktionalität)

Funktionalität:

  • Heimelige Atmosphäre vs. Funktionalität abwägen (Beispiel Teppichböden: behagliche Atmosphäre, weiche Stürze – aber: komplizierte Reinigung)
  • Böden sollen gut zu reinigen/desinfizieren sein
  • Helle Böden sind wichtig (demenziell Erkrankte fürchten sich davor, in einen dunklen Raum/Abgrund zu gehen)
  • Fenster müssen gut zu öffnen sein – auch vom Rollstuhl aus
  • Brüstung der Balkone darf nicht im Sichtfeld eines sitzenden Bewohners verlaufen
  • Milchglas für Trennwände und Türen einsetzen, da klares Glas von demenziell Erkrankten schwerer erkannt wird
  • Platz für Wäscheständer oder Wäschespinne einplanen, damit Bewohner Wäsche aufhängen können
  • Freier Zugang zum geschützten Garten
  • Die Räume so anlegen, dass ein "Rundenlaufen" für Bewohnerinnen und Bewohner mit Demenz möglich ist
  • Ggf. Verbindung zwischen den Wohngruppen z.B. durch eine Tür in Wohnbereichsküche; ermöglicht schnellere, wohngruppenübergreifende Hilfe und Unterstützung
  • Ort/Stelle für Informationsaustausch und -weitergabe zwischen den Mitarbeitern wichtig, v.a. bei Schichtwechsel

Sicherheit:

  • Küchen müssen vom Stromnetz abtrennbar sein (zum Schutze der Bewohnerinnen und Bewohner)
  • (Kühl-)Schränke sollten abschließbar sein
  • Geräte so einbauen, dass keine Verbrennungsgefahr besteht (z.B. Mikrowelle nicht über Kopfhöhe)
  • Transponder-Systeme für Menschen mit demenzieller Erkrankung
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