Landschaft mit Dorf inmitten von Getreidefeldern und Wiesen

Forschungsvorhaben der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Hofnachfolge in Bayern: Situationsanalyse und Erarbeitung von Vorschlägen zur Verbesserung der Situation

Zwei Personen besiegeln eine Vereinbarung per Handschlag

Foto: PantherMedia/budabar

Eine gelingende Generationenfolge auf landwirtschaftlichen Betrieben ist eine der wichtigsten Aufgaben der Agrarpolitik zur Zukunftssicherung der Landwirtschaft in Bayern. Ziel der Agrarpolitik bleibt es dabei, möglichst viele landwirtschaftliche Unternehmen, unabhängig von Größe, Produktionsausrichtung und Betriebsform, zu erhalten bzw. zu etablieren. Dies bietet die beste Gewähr für die von der Gesellschaft gewünschte flächendeckende Landbewirtschaftung, für eine breite Streuung des bäuerlichen Eigentums und für den Erhalt attraktiver, vitaler ländlicher Räume. Um dazu verlässliche Daten zu bekommen, hat das Staatsministerium die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf beauftragt, die aktuelle Hofnachfolgesituation in Bayern zu erheben und Vorschläge für eine Hofnachfolgestrategie zu erarbeiten.

Aufbau der Studie

Die Umfrage wurde als Onlinestudie konzipiert. Es wurden Mehrfachantragsteller in Bayern mithilfe einer Zufallsauswahl aus Datenbanken selektiert. Die Befragung startete Ende November 2019 und lief bis Ende Februar 2020. Insgesamt haben 2 221 Teilnehmer den Online-Fragebogen vollständig ausgefüllt. Die Beendigungsquote lag bei 48 %. Die Befragungen wurden ergänzt durch Expertenbefragungen aus den Bereichen Steuern, Agrarrecht, agrarsozialen Themen, Arbeitssicherheit und Gesundheit und der berufsständischen Vertretung der Landwirte.

Wichtige Ergebnisse

  • Für mehr als 80 % der Betriebe mit noch ungeklärter Hofnachfolge kommt eine Hofübergabe außerhalb der Familie nicht in Betracht, auch wenn die Bewirtschaftung aufgegeben wird oder noch ungewiss ist. Unter Aufgabe verstehen die Befragten auch Verpachtungen. Der Anteil an geplanten oder durchgeführten Hofübergaben an Personen außerhalb der Familie oder außerfamiliäre Adoptionen liegt bei unter 2 %.
  • Die größte Hürde für die Hofnachfolge sind die guten Verdienstmöglichkeiten für die potentiellen Hofnachfolger außerhalb der Landwirtschaft; auch die hohe Arbeitsbelastung auf den Höfen stellt ein bedeutendes Hemmnis dar.
  • Die befragten Betriebsleiter wünschen sich eine proaktive bzw. frühzeitige Kommunikation zum Thema Hofnachfolge, erwarten dabei auf die jeweilige Situation des Betriebes (Größe, Spezialisierung, etc.) abgestimmte Beratungen (ÄELF, berufsständische Vertretung oder komplett privat). Dabei wünschen sich die Befragten einen Prozessbegleiter bzw. Ansprechpartner, der die entsprechenden Leistungen aus einer Hand anbietet.
  • Bei 45 % der befragten Betriebsleiter steht momentan kein Generationswechsel an. 23 % der Befragten geben an, dass die Hofnachfolge bereits geklärt ist und 14 % geben die Bewirtschaftung voraussichtlich auf. Noch ungewiss ist die Hofnachfolge bei 18 % der Befragten.
  • Der klassische Hofübergabevertrag ist die am häufigsten eingesetzte bzw. geplante Hofübergabeform in Bayern.
  • Die Erstberufsausbildung der potentiellen Hofnachfolger ist eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft des Betriebes. Wenn die Hofnachfolger/innen eine landwirtschaftsnahe Berufsausbildung im Erstberuf einschlagen, ist die Hofnachfolge signifikant öfter bereits geklärt.
  • In der Regel wird die Hofnachfolge ab einem Alter des Betriebsleiters von 50 Jahren geklärt.
  • Je größer der Betrieb ist, umso eher ist die Hofnachfolge bereits geklärt.
  • Die Hofnachfolgesituation ist in den Regierungsbezirken unterschiedlich ausgeprägt. Der Anteil der Betriebe mit noch ungeklärter Hofnachfolge ist in Oberfranken mit 23 % am größten.
  • Haupterwerbsbetriebe haben zu 29 %, Nebenerwerbsbetriebe zu 19 % ihre Hofnachfolge geklärt.
  • Die meisten Betriebsleiter sehen ihre Zukunft durch den zunehmenden bürokratischen Aufwand beeinträchtigt, gefolgt von Produktionsauflagen, Unbeständigkeit der politischen Rahmenbedingungen und unzureichenden Produktpreisen. Betriebe mit bereits geklärter Hofnachfolge beklagen zudem signifikant häufiger eine knappe Flächenverfügbarkeit in der Region und Erschwernisse bei Baugenehmigungen.
  • Die wichtigsten Strategien zur Weiterentwicklung der Betriebe im Rahmen der Hofnachfolge sind Übergang zum Nebenerwerb und Optimierung der vorhandenen Produktionsverfahren. Erst mit deutlichem Abstand folgen mit nahezu gleicher Ausprägung Aufgabe der Tierhaltung, Wachstum (Tierzahl, Fläche), Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung und Diversifizierung. Kooperationen mit anderen Betrieben werden dagegen kaum ins Auge gefasst.
  • Insbesondere für kleinere und weniger spezialisierte Betriebe sind Einkommenskombinationen eine gute Möglichkeit, Arbeitsplätze auf den Betrieben zu erhalten.
  • Die meisten der Befragten informieren sich bei Steuerberatern, der berufsständischen Vertretung, Rechtsanwälten und Notaren über die Hofnachfolge. Sehr zufrieden waren die Befragten mit den Steuerberatern, Rechtsanwälten und Notaren.
  • Die befragten Betriebsleiter erwarten in der Zukunft eine Zunahme an Konflikten insbesondere bei Regelungen zum Altenteil und hier insbesondere bei der Pflege im Alter und der Abfindung weichender Erben.
  • Die Befragten sind an einer ganzheitlichen Beratung interessiert, die alle Themen (betriebliche Situation, Konflikte, Steuern und Recht) abdeckt. Über 50 % der Befragten wünschen sich eine kostenlose Erstberatung zur Hofübergabe, bei der im weiteren Prozess dann zusätzliche Spezialisten hinzugezogen werden sollten.

Empfehlungen aus den Expertenbefragungen

Förderliche Faktoren für eine erfolgreiche Hofübergabe

  • Bezug zur Landwirtschaft wird in der Familie hochgehalten
  • Frühzeitige Beschäftigung mit der Hofübergabe
  • Gute Kommunikation in der Familie; Beschäftigung mit der Familie als Ganzes

Trends in Bezug auf die Hofübergabe

  • Hofnachfolgestrategien sollten heutzutage breiter gesehen werden als früher (Kombination mit außerlandwirtschaftlichem Einkommen, zusätzliche Standbeine, …)
  • Hofnachfolgestrategien befinden sich oft im Spannungsfeld zwischen Erhaltung der Zukunftsfähigkeit des Betriebes und dem gerechten Umgang mit allen Kindern
  • Bei Hofnachfolgen sind die Rückzugsmöglichkeiten der Familien stärker zu berücksichtigen
  • Psychologische Belastungen im Zuge der Hofnachfolge sind für Übergebende und Übernehmende enorm gestiegen
  • Außerfamiliäre Hofnachfolgen sind unbedeutend

Abschließende Empfehlungen der Autoren

  • Einführung von Freibeträgen im Steuerrecht zur Abfindung weichender Erben (100.000 €/Kind) und zur Pflege
  • Erleichterungen hinsichtlich Bauen im Außenbereich (z.B. im Zusammenhang mit landwirtschaftsnahen Einkünften wie Ferienwohnungen) oder Umnutzung von Altgebäuden etc.
  • Erleichterung in den Ausweis- und Dokumentationspflichten; Förderung überbetrieblicher Kooperationen als mögliche Lösung, um Synergien zwischen Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe zu fördern und die Kapitalbelastung der Unternehmen zu senken.
  • Ausbau der Junglandwirte-Prämie zur Förderung der Übernahme und als Anreiz für eine frühzeitige Übergabe.
  • Ergänzung der landwirtschaftlichen Ausbildung um weitere Fertigkeiten und Kenntnisse, um die Resilienz der Betriebe bzw. Betriebsleiter bei zunehmenden Unsicherheiten im betrieblichen Umfeld zu erhöhen. Ein interessanter Ansatz ist die in Österreich angebotene "Doppelqualifikation". Dabei können die Auszubildenden neben dem/der einschlägigen Facharbeiter/in (im Bereich Landwirtschaft) auch gewerbliche Berufsabschlüsse und Qualifikationen in den Bereichen Gesundheit und Soziales, Ernährung und Tourismus, Büro, Handel und Handwerk erlangen.
  • Ausbau und Vertiefung eines planbaren, geregelten Weiterbildungsangebots in der Landwirtschaft, auch unter Nutzung der digitalen Möglichkeiten.
  • Aufbau von staatlich angelegten Gründerzentren und Einführung einer Existenzgründerförderung für landwirtschaftliche und nichtlandwirtschaftliche Existenzgründungen.
  • Neben Seminaren zur "Hofnachfolge" auch Angebote und Förderung von Seminaren zum Thema "Vermögenssicherung" in einem bewusst breiten Ansatz.
  • Angebot von Online-Seminaren zum Thema Hofnachfolge. Ziel sollte sein, Best-Practice-Beispiele zu vermitteln, in denen Praktiker Erfahrungswissen an Praktiker weitergeben.
  • Herausgabe einer Broschüre, in der die Schritte der Hofübergabe, insbesondere rechtliche & steuerliche Themen, übersichtlich dargestellt sind.
  • Förderung von Seminaren zu Fragen von Betriebszweiggründungen und zur Vermarktung.
  • Angebot einer kostenlosen neutralen Einstiegsberatung (betriebsindividuelle sozioökonomische Beratung) bzw. eines Prozessberaters, der bei der Hofübergabe begleitet.

Projektinformation
Projekttitel: Hofnachfolge in Bayern: Situationsanalyse und Erarbeitung von Vorschlägen zur Verbesserung der Situation
Projektleitung: Prof. Dr. Martin Spreidler
Projektbearbeitung: Prof. Dr. Markus Beinert
Laufzeit: 01.08.2019 - 31.07.2020
Finanzierung: Dieses Projekt wurde durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finanziert.