Industriewelten begreifbar machen
Industriegeschichte aus Ostbayern im Kulturschloss Theuern

Wegen der reichen Erzvorkommen wurde in der Oberpfalz bereits in der Karolingerzeit Eisenerz in großem Umfang abgebaut und weiterverarbeitet. Daher trägt die Region auch den Beinamen "Ruhrgebiet des Mittelalters". Der Bergbau in der Oberpfalz hatte seine wirtschaftliche Blütezeit zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert. Die Region war zu dieser Zeit eines der größten Zentren für die Eisenerzgewinnung und Eisenproduktion im deutschsprachigen Raum. Der Landkreis Amberg-Sulzbach nahm hier eine führende Rolle im Montanwesen ein, bis 1964 der Bergbau zum Erliegen kam. Der Bergbau hat die Region, die Menschen und ihre Lebensumstände jahrhundertelang bis heute geprägt. Das Bergbau- und Industriemuseum in Theuern gibt ein eindrucksvolles Zeugnis davon.

Industriegeschichte gestern – heute – morgen

Um die Bergbau- und Industriekultur des gesamten ostbayerischen Raums zur erforschen, zu dokumentieren und darzustellen, wurde bereits 1978 das Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern mit Sitz in Theuern im bedeutendsten Hammerherrenschloss der Oberpfalz eröffnet. Das Museum liegt an der bayerischen Eisenstraße und der historischen Montan- und Industriekulturachse Auerbach-Sulzbach-Amberg-Regensburg.

In der Ausstellung in Theuern war die Abteilung Industriegeschichte des Museums sowohl in der Darstellung als auch in den historischen Bezügen und der Didaktik veraltet und benötigte dringend eine Auffrischung. In enger Kooperation mit verschiedenen Oberpfälzer Unternehmen, die sich mit aktuellen Produktionsbeispielen aber auch zum Teil wertvollen Objekten und Dokumenten aus ihren Familien- und Unternehmensarchiven beteiligten, entwickelte sich das Bild von einzigartigen und in Deutschland weitgehend unbekannten Industrielandschaften. Hier bekommt man nicht nur einen Einblick in die Welt der Industriegeschichte und der industriellen Entwicklung Ostbayerns, sondern auch in Arbeitsweisen und Lebensbedingungen vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis heute.

Made in Germany - Made in Bayern

Die Abteilung Industriegeschichte im Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern wurde unter dem Titel "Made in Germany - Made in Ostbayern" neu gestaltet. In sechs übersichtlichen Zeitabschnitten werden Anfänge, Hochblüte, Krisen und Aufschwung der industriellen Entwicklung Ostbayerns vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis heute präsentiert. Dabei wird besonders viel Raum für die gegenwärtigen Entwicklungen eingeräumt. Modernste Medientechnik und zahlreiche interaktive Ausstellungselemente laden zum aktiven Entdecken und Ausprobieren ein.

Enge Zusammenarbeit und intensiver Erfahrungsaustausch besteht bei diesem Kooperationsprojekt mit dem Industriemuseum Lauf an der Pegnitz. Das Industriemuseum Lauf zeigt auf ca. 3.600 Quadratmetern in 14 denkmalgeschützten Gebäuden die Arbeits- und Lebenswelten aus der Zeit von ca. 1900 bis 1970. Die Ausstellung erstreckt sich auf dem Areal eines ehemaligen Industrie- und Gewerbeviertels vor den Toren des historischen Altstadt Lauf. Durch die Einrichtung von interaktiven Mitmachstationen möchte das Projekt "Mitmachen im Industriemuseum" an den zahlreichen original ausgestellten Objekten und Gebäuden Besucher und geführte Gruppen zum Ausprobieren technischer und physikalischer Prinzipien einladen und dadurch die Originale selbst noch besser begreifbar machen.

Beide Museen stellen die jeweilige regionale Industriegeschichte der letzten zwei Jahrhunderte dar, wobei in Theuern der Schwerpunkt auf der zeitlichen Abfolge liegt. Die Ausstellung in Lauf beschäftigt sich hingegen hauptsächlich mit den technischen Prinzipien und zeigt wie sie funktionieren. Vor allem die Begeisterung von Kindern und Jugendlichen für die Themen Handwerk und Industrie soll geweckt und gestärkt werden. Die jungen Museumsbesucher können die Industriegeschichte der Regionen spielerisch entdecken und dabei Begeisterung für die Themen Handwerk und Industrie entwickeln.

LEADER macht bayerische Industriewelten erlebbar

Dank einer LEADER Förderung von 200.000 Euro konnte die Ausstellung Industriewelten in Theuern mit allen Sinnen erfahrbar gemacht werden. Weitere 140.000 Euro aus LEADER Mitteln wurden für das Schwestermuseum in Lauf an der Pegnitz bewilligt. Die enge Zusammenarbeit der beiden Museen bot durch den intensiven Erfahrungsaustausch die Voraussetzungen für die Entwicklung der innovativen Mitmachstationen, der Erstellung der Ausstellungskonzeption sowie einen interessanten Blick über den Tellerrand in einen angrenzenden Wirtschaftsraum.

Durch die Kooperation der beiden Museen werden Inhalte vermittelt, die ein Museum allein nicht abdecken könnte und Ähnlichkeiten wie Unterschiede zwischen den Regionen aufgezeigt. Durch Berufsinformation und abwechselnde Mini-Fachkräfte-Messen möchten die beiden Industriemuseen einen Bildungsauftrag für Handwerks- und Industrieberufe übernehmen. Das gut funktionierende Teamwork zeigt sich auch durch gemeinsame Kombitickets, Flyer und Wechselausstellungen. Hier kann die Industriegeschichte ganz konkret mit allen Sinnen erlebt werden. Dies trägt maßgeblich dazu bei, die regionale Identität zu stärken und die Attraktivität der Regionen für Einheimische und Gäste zu steigern. Ein echtes LEADER Leuchtturmprojekt.
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