Leicht hängige Ackerlandschaft mit blühendem Rapsfeld am Bildhorizont. Auf drei von vier weiteren Feldern ist die Saat aufgegangen. Bebuschte Raine strukturieren die Landschaft.

Fuhrn
Flurneuordnung mit Weitblick – so brachten die Fuhrner die Umgehungsstraße weit schneller auf den Weg als alle dachten

S-förmiger Teil der Umgehungsstraße mit Abzweig

Mit Beginn der Flurneuordnung initiierten die Fuhrner eine Flurwerkstatt, um dem großen Interesse der 126 Dorfbewohner an der Neugestaltung ihrer Heimat gerecht zu werden. Sensibilisiert durch zahlreiche Flurbegehungen und Exkursionen wurde weitblickend klar, dass eine sinnvolle Flurneuordnung das ferne und trotzdem dringende Thema Umgehungsstraße nicht aussparen kann und eine schnelle Realisierung nur möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen. Fazit: Das hervorragende Bürgerengagement ersetzte ein Unternehmensverfahren und mit Hilfe des flexiblen Ansatzes der Ländlichen Entwicklung sowie dem Bodenmanagement wurden in Fuhrn öffentliche und private Interessen vorbildlich vereint.

Flurwerkstatt – Wettstreit um die beste Lösung

Fuhrn liegt in einer sehr bewegten Landschaft mit zahlreichen wertvollen Grünstrukturen. Entsprechend vielfältig stellten sich die Planungsaufgaben in dem 476 Hektar großen Gebiet dar: Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Land- und Forstwirtschaft, Vermeidung von Erosion, Sicherung der hochwertigen Kulturlandschaft. Und last but not least: die Entlastung des Ortes durch eine Umgehungsstraße, ein Kernanliegen der Menschen in Fuhrn.

In einem ersten Schritt machten sich die Fuhrner die Probleme und das Aufgabenspektrum bewusst. Dabei kam das öffentliche Vorhaben Umgehungsstraße hinzu. Der zweite Schritt war die Planung zur Neugestaltung der Flur in Kooperation mit dem Straßenbauamt Sulzbach-Rosenberg. Die BürgerInnen behielten selbstbewusst das Heft in der Hand und planten in drei Arbeitskreisen unabhängig voneinander. Das ganze Dorf war dabei, als die drei Planungsvarianten vorgestellt, diskutiert und bewertet wurden. Die vom Vorstand der Teilnehmergemeinschaft beschlossene Planung enthält die besten Lösungen aller drei Varianten. Dank der Flurwerkstatt verliefen Planung und Flächenbereitstellung für die Umgehungsstrasse einvernehmlich und ohne Hindernisse.
Wichtige Ergebnisse der Flurneuordnung für die Landschaft, die Landwirte und Bewohner: Erhaltung und Sicherung der bäuerlichen Kultur- und Naturlandschaft, ein Zusammenlegungsverhältnis von 3 : 1, drei Betriebsaussiedlungen, 60 Prozent der neuen Wege verlaufen auf alten Trassen, 53 Erdbecken für Hochwasser- und Erosionsschutz und eine Entlastung der Ortsdurchfahrt die gegenüber den ursprünglichen Planungen um Jahre früher wirksam wurde.

Dorferneuerungsleitbild wird Satzung

Was in der Flurwerkstatt so glänzend funktionierte, sollte in verfeinerter Form auch im Dorf Früchte tragen. Eine in allen Haushalten durchgeführte Befragung zeichnete ein aussagekräftiges Bild der momentanen Situation sowie der Wünsche und Vorstellungen für das künftige Fuhrn. Die Ergebnisse waren Grundlage für das Leitbild der Dorferneuerung, für die Planung und für die durchgeführten Maßnahmen. Das Leitbild wurde von der Stadt Neunburg vorm Wald als Satzung beschlossen und ist damit Grundlage für alle weiteren planerischen Überlegungen. Den Prozess strukturierte und moderierte die Ländliche Entwicklung und stand auch beratend zur Seite.
Nachdem nun der sehr hohe Durchgangsverkehr aus der Region Neunburg vorm Wald zur Autobahn Regensburg-Hof bereits über die Umgehungsstraße an Fuhrn vorbeiführt, gilt es noch die Früchte an Lebensqualität zu ernten: der Rückbau der Staatsstraße steht an. Selbstverständlich ist auch diese Schlüsselmaßnahme in bewährter Art mit den BürgerInnen und dem Straßenbauamt geplant worden. Schon heute freuen sich alle Fuhrner darauf, dass die ehemalige Staatsstraße dorfgerecht gestaltet ist, dass sie vor allem ihre trennende Wirkung des Dorfes verliert. Diese Aussicht hat sicherlich auch dazu beigetragen, wieder ein Dorfwirtshaus zu eröffnen. Es fördert als dörflicher Treffpunkt das Gemeinschaftsleben und ist gleichzeitig Diskussionsforum für aktuelle Themen und somit für die Zukunft im Dorf.

Für Jugendtreff kräftig angepackt

Die Kommune hat auch für die Interessen der Jugend ein besonders offenes Ohr. Die Stadt stellte für den von der Jugend gewünschten Treff die notwendige Fläche bereit und bezog die Maßnahme in die Dorferneuerung ein. Die Jugendlichen planten ihren Jugendtreff selbst und packten beim Bau in 1 600 Arbeitsstunden kräftig mit an. Ein Fuhrner Zimmermann leitete den Bau, die Fuhrner Waldbauern spendierten das Holz. Heute trifft sich nicht nur die Jugend aus Fuhrn und dem Landkreis, es sagt sich auch Besuch aus Regensburg und München an und gelegentlich kommen auch Freunde aus dem Ausland, die beim Bau im Rahmen eines Workcamps der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste mithalfen. Den Unterhalt des Jugendtreffs finanzieren die Jugendlichen weitgehend selbst.

Projektträger
Dorferneuerung und Flurneuordnung Fuhrn, Stadt Neunburg vorm Wald, Lkr. Schwandorf