Schwarm von Schneidern. © Fotograf: Ulrich Pulg

Fischerei und Teichwirtschaft
Erwerbsfischerei in Bayern

In Bayern gibt es etwa 10.000 Fischwirtschaftsbetriebe. Davon betreiben allerdings nur 200 die Fischerei als Haupterwerb, alle anderen werden im Nebenerwerb geführt.

Es sind in jedem Fall reine Familienbetriebe, die sich teilweise seit vielen Generationen der Aufzucht, dem Fang und der Verarbeitung von Fischen widmen. Die Erwerbsfischerei gliedert sich in drei Produktionszweige, die sich in der Art der Bewirtschaftung deutlich unterscheiden:  

Karpfenteichwirtschaft

Spiegelkarpfen
Karpfenteiche liegen hauptsächlich in der Oberpfalz um Tirschenreuth und Schwandorf, sowie in Mittelfranken bei Höchstadt im Aischgrund und bei Ansbach. Die gesamte Teichfläche beträgt 20.000 Hektar. Es sind stehende Gewässer, die durchschnittlich nur 1 Meter tief sind und sich möglichst rasch erwärmen sollen, da der Karpfen dann am besten gedeiht. Die meisten Teiche werden im Frühjahr mit dem Niederschlagswasser befüllt, das aus dem Einzugsgebiet in Gräben zufließt. Man bezeichnet sie daher als „Himmelsteiche“.

Viele Teiche liegen in Teichketten der Hangneigung entsprechend untereinander gestaffelt vergleichbar den Reisfeldern. Damit kann ein leerer Teich mit dem Ablaufwasser des oben liegenden Nachbarteichs wieder befüllt werden. Durch Stoffkreisläufe und Nahrungsketten regeneriert sich das Teichwasser laufend selbst. Algen erzeugen Sauerstoff und dienen dem Zooplankton als Nahrung, das wiederum von den Fischen gefressen wird. Zooplankton – vorwiegend Wasserflöhe – ist also die natürliche und ausschließliche Eiweißquelle für den Karpfen. Der Teichwirt ergänzt sie nur noch bei Bedarf durch Getreidegaben.

Produktion

Nach dem Schlupf aus dem Ei – etwa im Juni jeden Jahres – wachsen die Karpfen drei Sommer lang heran. Im Herbst des dritten Jahres werden sie als Speisefische mit etwa 1.250 g geerntet. Sie werden bis dahin mehrfach abgefischt und in stetig verringerter Besatzdichte erneut ausgesetzt. Im dritten Sommer stehen jedem Karpfen circa 15 m² Teichfläche zur Verfügung.
Als Folge dieser traditionell extensiven Bewirtschaftung sind die Flachwasser-zonen der Karpfenteiche häufig auch Rückzugsgebiete für seltene Pflanzen- und Tierarten. Als Nebenfische werden Schleien, Welse, Zander, Hechte und viele andere Fischarten aufgezogen. Auch finden sich Kleinfischarten, wie Gründlinge oder Schlammpeitzger, von selbst ein.

Forellenteichwirtschaft

Forellenteichanlage mit mehreren Naturteichen
Die Betriebe der Forellenteichwirtschaft konzentrieren sich in den voralpinen Regionen Schwabens und Oberbayerns sowie den Mittelgebirgslagen Niederbayerns, der Oberpfalz und Oberfrankens. Forellenteiche oder -becken sind relativ kleinflächig und benötigen ständigen Zulauf von klarem, kühlem und sauerstoffreichem Wasser.

Produktion

Die Regenbogenforelle als Hauptfisch der Forellenteichwirtschaft wächst in etwa 18 Monaten vom Schlupf aus dem Ei bis zur Speisefischgröße von rund 300 g heran. Als Futter erhält sie ausschließlich Mischfutter, das in Pelletform verabreicht wird. An dieser Stelle ist zu betonen, dass diese Futtermittel keinerlei Hormone, Antibiotika oder Wachstumsförderer enthalten. Neben der Regenbogenforelle werden noch andere Salmonidenarten aufgezogen, wie Bachsaibling, Elsässer Saibling, Äschen und Huchen, aber auch Karpfenartige, wie Nasen und Barben oder bedrohte Kleinfischarten.

Fluss- und Seefischerei

Fischer im Boot auf einem See beim Auslegen der Netze
Diese beiden ältesten Formen der Fischerei haben im Lauf des 20. Jahrhunderts erheblich an wirtschaftlicher Bedeutung verloren. Ursachen dafür sind die Querverbauungen der Flüsse zur Energiegewinnung, ihre Längsverbauungen im mittlerweile überholten Sinn eines Hochwasserschutzes und die zeitweise extreme Belastung der Flüsse mit kommunalen und industriellen Abwässern. Auch die schrittweise Verbesserung der Verhältnisse ab etwa den 70er Jahren konnte nicht zur Erholung der Erwerbsfischereien beitragen. Die schwere Handarbeit in Verbindung mit geringer Ertragslage bietet im Vergleich mit anderen Berufen kaum eine ausreichende und attraktive Einkommensmöglichkeit.

Fischereirechte

Von den etwa 400 noch bestehenden Fischereirechten für Fluss- und Seefischerei werden etwa 220 noch ausgeübt, weit überwiegend nur im Nebenerwerb. Von den bayerischen Flüssen wird die Erwerbsflussfischerei nur noch an Main, Donau, Inn und Isar betrieben. In den beiden erstgenannten Flüssen hat die Fischerei auf Aal hohen Stellenwert, aber auch auf Wels, Zander und Weißfische. Die Seenfischerei wird noch an zahlreichen Seen Oberbayerns betrieben. Am Chiemsee zum Beispiel gehen noch 17, am Starnberger See 22 und am Ammersee 35 Familien der Fischerei nach, einige schon seit mehreren hundert Jahren. Am bayerischen Bodensee bestehen derzeit 12 berufsfischereiliche Betriebe.

Fischarten

Im Fang dominieren Renken, es werden aber auch andere Arten gefangen, wie Hechte, Zander, Seeforelle, Weißfische. Gerade in der Gastronomie um die touristisch stark frequentierten Seen haben die Renken als regionale Besonderheit einen hohen Stellenwert. An den Seen betreiben die Fischer Bruthäuser, in denen sie die Eier der gefangenen Laichfische erbrüten und die daraus gewonnenen Jungfische dann wieder im See aussetzen. Diese Maßnahme dient dem Erhalt der heimischen Fischbestände. Ähnliches gilt für den Bodensee. Dort werden die Renken allerdings als „Felchen“ bezeichnet. Daneben werden die ebenfalls bedeutenden Barschfänge in der Gastronomie als „Egli-Filets“ angeboten.

Befischung Bodensee

Der Bodensee wird – abgesehen vom Bereich bis 25 m Wassertiefe, der so genannten Halde – als internationales Gewässer von den Anrainerstaaten gleichberechtigt und ohne Grenzziehung (völkerrechtlich als Condominium bezeichnet) befischt. Die Fänge der Bodenseefischer gehen seit einigen Jahren allerdings zurück. Man führt dies auf die zunehmende Nährstoffarmut des Sees, auf Kormoranfraß und auf Eintrübungen durch den Alpenrhein zurück.