Denkmäler gegen das Vergessen

Der jüdische Friedhof in Rödelsee gilt als eine der größten erhaltenen jüdischen Ruhestätten Deutschlands. Ein Netzwerk aus Kommunen und Ehrenamtlichen setzt sich mit Hilfe von LEADER für den Erhalt dieses Ortes der Erinnerung und die Bewusstseinsbildung für seine Bedeutung und Geschichte ein. Jüdische Gräber werden nicht aufgelassen. Deshalb sind ihre Friedhöfe generell für die Ewigkeit bestimmt, was sie zu wertvollen Orten macht, über die Geschichte des jüdischen Lebens in ihrer Region zu erzählen.

Aktualisiert am: 13.03.2026
Drucken
Blick über den jüdischen Friedhof Rödelsee © LAG Z.I.E.L. Kitzingen e.V. / Maja Schmidt

Warum der jüdische Friedhof Rödelsee so besonders ist

Unterfranken ist besonders stark von jüdischer Geschichte geprägt. 1933 waren gut die Hälfte der jüdischen Gemeinden in Bayern allein in diesem Regierungsbezirk vertreten. Der Friedhof in Rödelsee verbindet viele Orte mit jüdischer Geschichte in der Region, da hier die Verstorbenen der jüdischen Gemeinden ihre letzte Ruhe fanden. 5.500 Grabsteine umfasst die Ruhestätte am Fuß des Schwanbergs im südlichen Teil von Unterfranken. Damit zählt der 1432 erstmals urkundlich erwähnte jüdische Friedhof zu den bedeutsamsten in Bayern. Gut die Hälfte der Grabsteine sind noch erhalten. Die andere Hälfte hat sich die Natur mittlerweile komplett zurückgeholt und mit Erde bedeckt. Auch an den erhaltenen Steinen nagt der Zahn der Zeit. Zum Teil sind kaum mehr die Inschriften zu lesen, bei einigen sind schon ganze Teile abgebrochen. Das Gras, welches überall kniehoch steht, bettet die Gräber in die umliegenden Rebflächen und Felder harmonisch ein. Insgesamt sind jüdische Friedhöfe sehr naturnahe Orte. Die Besucher legen kleine Steine als Zeichen der Verbundenheit an den Gräbern nieder. Im Gegensatz zu den sonst in Bayern aufwendig geschmückten Gräbern soll dies auch ein Ausdruck dafür sein, dass alle Menschen vor Gott gleich sind.

Aussichtspodest mit Ruhebank am Vorplatz © LAG Z.I.E.L. Kitzingen e.V. / Maja Schmidt

Ein Netzwerk für den Erhalt der jüdischen Kultur in Bayern

Die Gemeinde Rödelsee und der Förderverein Ehemalige Synagoge Kitzingen haben 2019 in Abstimmung mit der Israelitischen Kultusgemeinde und dem Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte in Unterfranken das LEADER-Projekt "Netzwerk Jüdischer Friedhof Rödelsee" initiiert. 15 der direkt betroffenen Städte und Gemeinden im Umfeld des Friedhofs beteiligten sich inhaltlich und finanziell an dem Projekt. Größtes Vorhaben war die Gestaltung eines Vorplatzes zum Friedhof. Die Besucher können mit Hilfe eines Aussichtspodestes in den nicht öffentlich zugänglichen Bereich sehen und sich durch Informationstafeln und ein Tastmodel vom Friedhof weitere Einblicke verschaffen. Die Ehrenamtlichen des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kitzingen organisieren regelmäßig Führungen und Veranstaltungen zum Friedhof und die Geschichte der dort Ruhenden. Um diesen besonderen Ort für nachfolgende Generationen zu erhalten, pflegen sie die Anlage und dokumentieren beispielsweise die Inschriften der Grabsteine, bevor sie durch die unvermeidbaren Witterungseinflüsse nicht mehr erkennbar werden. Im Laufe des Projektes konnten bei intensiven Recherchen mit Heimatforschern und Kulturinteressierten neue Erkenntnisse zum Friedhof gewonnen und diese auf der neuen Website und bei verschiedenen Veranstaltungen präsentiert werden. Zusammengestellte Biografien der Verstorbenen stellen auch heute noch den Bezug zur Geschichte der Region und zur Gegenwart her. Durch die intensive Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure in dem von LEADER unterstützten Netzwerk konnte die jüdische Geschichte des Kitzinger Landes als Teil des kulturellen Erbes für viele verschiedene Zielgruppen erfahrbarer gemacht werden.

Tastmodell des jüdischen Friedhofes Rödelsee © LAG Z.I.E.L. Kitzingen e.V. / Maja Schmidt

Der Friedhof ist dadurch nicht nur ein Anziehungspunkt für die Lokale Bevölkerung geworden, auch Nachfahren der Verstorbenen von überall auf der Welt sowie Touristen suchen den Ort auf, um sich ein Bild vom jüdischen Leben in Bayern machen zu können. Das Engagement der Ehrenamtlichen führt mit der finanziellen Hilfe von LEADER zu einem besseren Verständnis des jüdischen Lebens in Bayern und unterstützt so die Bewusstseinsbildung und ein friedvolles Zusammenleben für die weitere Zukunft.