Holzmarktbericht
Der aktuelle Rohholzmarkt in Bayern

Holzmarktbericht für das zweite Quartal 2021

Wirtschaft / Konjunktur

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im 2. Quartal erneut deutlich verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juni auf 101,7 Punkte nach 99,2 Zählern im Mai. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage damit erheblich besser, wie das Münchner Wirt-schaftsforschungsinstitut berichtete. Für den Geschäftsklimaindex befragt das Institut monatlich rund 9.000 Unternehmen. Dabei werden sie gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate abzugeben. Im April war der Index leicht auf revidiert 96,6 Punkte gestiegen.

Auch im Bauhauptgewerbe konnte sich das Geschäftsklima weiter verbessern, und der Erwartungsindikator stieg zum zweiten Mal in Folge. Die Baubranche hat im April beim Neugeschäft einen Rekord von 7,9 Milliarden Euro eingefahren. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 7,0 Prozent mehr als vor Jahresfrist im ersten Lockdown und zugleich „der höchste jemals gemessene Wert an Neuaufträgen in einem April in Deutschland“, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Klammert man steigende Preise aus, lag das Plus bei real 4,1 Prozent.

Negativ bemerkbar machten sich in der Baubranche der sich weiter verschärfende Preisanstieg und lange Lieferzeiten bzw. schlechte Verfügbarkeit bei fast allen Rohstoffen. Für Überraschung an den Märkten sorgte besonders der rasante Preisanstieg bei Holz, der zwischenzeitlich vor allem in Nordamerika eine enorme Dynamik entfaltete. Konstruktionsvollholz zum Beispiel hatte sich in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Mai um 83,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat verteuert. Für Kies und Sand, Mauerziegel und Frischbeton wurden im gleichen Zeitraum dagegen nur leichte Preissteigerungen beobachtet. In der Holzbaubranche wuchs daher die Sorge, dass die in den letzten Jahren erreichten Marktanteile und die Konkurrenzfähigkeit am Markt wegen gestiegener Preise in Gefahr geraten könnten. Allgemein wird befürchtet, dass sich die Rohstoffrally in höheren Inflationszahlen niederschlagen könnte.

Holz verarbeitende Industrie

Die inländischen Preise für Nadelschnittholz sind im 2. Quartal weiter gestiegen. Die konstant anhaltende Stärke des Bauhauptgewerbes, ein nach wie vor gut laufender Do-it-yourself-Sektor (Baumärkte) und hervorragend laufende Exportmärkte hielten die Nachfrage bei Nadelschnittholz und Bauprodukten aus Holz anhaltend hoch.

Die Exporte von Nadelschnittholz aus Deutschland nach USA haben sich im 1. Halbjahr 2021 mit 992.000 m³ im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum kräftig um 38 % erhöht. Damit bleibt Deutschland hinter Kanada (16,9 Millionen m³, +20 %) der zweitwichtigste US-Lieferant für Nadelschnittholz. Mit deutlichem Abstand folgt auf Platz drei Schweden, das mit rund 380.000 m³ etwas (+0,3 %) mehr lieferte als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Gleichzeitig stiegen die Nadelschnittholzpreise in den USA im 2. Quartal auf Rekordniveau (umgerechnet für europäische Exporteure über 850,00 € pro m³ 2-by-4, frei Große Seen-Region), um danach in einen scharfen Sinkflug überzugehen; zum Quartalsschluss Ende Juni 2021 sank dieser Preis erstmals seit Januar 2021 wieder unter 500,00 € pro m³.

Die deutschen Nadelholzsäger produzierten daher mit sehr hoher Auslastung. Für den Zeitraum Januar bis März 2021 war laut Statistischem Bundesamt ein Produktionsrekord von 6,5 Millionen m3 Nadelschnittholz inklusive Hobelware zu verzeichnen. Nie zuvor wurde in einem Quartal in Deutschland mehr Nadelschnittholz erzeugt.

Auch im 2. Quartal waren jedoch von heimischen Holzbaubetrieben Klagen über Lieferverzögerungen und gestiegene Materialkosten zu vernehmen. In der Branche wird weiterhin damit gerechnet, dass der globale Bedarf an Nadelschnittholz 2021 die Produktion übersteigen wird.

Bei den laubholzverarbeitenden Betrieben in Deutschland hat sich die Stimmung im Vergleich zum Vorjahr im 1. Halbjahr 2021 etwas aufgehellt. Die aktuelle Geschäftslage wird besser eingeschätzt als noch Ende 2020, der Ausblick auf die kommenden Monate bleibt jedoch weiterhin verhalten. Nach Rückgängen bei der deutschen Produktion von Laubschnittholz in den Vorjahren hatte sich dieser Trend bis Ende 2020 noch verstärkt. Die Exporte von Buchen- und Eichenschnittholz waren 2020 im Vergleich zum Vorjahr erheblich zurückgegangen, sind jedoch im 1. Quartal 2021 beim Buchenschnittholz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum teilweise wieder kräftig gestiegen. Deutschland exportierte von Januar bis März 2021 insgesamt 138.000 m³ Buchenschnittholz und Hobelware. Das sind +8 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Forstwirtschaft

Abschnitte von Holzstämmen liegen zu mehreren Stapeln zusammengelegt im Wald Zoombild vorhanden

Frisch geschlagenes Holz im Wald (Foto: Jan Böhm)

Witterungsbedingt war im fast durchgehend kühlen Frühjahr bei hohen Niederschlägen der Anfall von Käferholz auch in den Hauptschadensgebieten zunächst gering. Der Hauptschwärmflug der Borkenkäfer setzte zeitverzögert ein, war aber massiv und konzentriert auf eine kurze Zeitspanne. In Nordbayern war im Berichtszeitraum zunehmend starker Borkenkäferbefall in den Beständen und hoher Schadholzanfall zu verzeichnen. Die Abfuhr der Hölzer aus dem Wald verlief wegen der hohen Nachfrage bei Nadelrundholz sehr zügig, sodass keine Waldlager aufgebaut wurden.

Trockenlager außerhalb des Waldes und die Nasslager größerer Forstbetriebe waren zum Beginn des 2. Quartals weitestgehend geräumt. Der – auch wegen der Ende April in Kraft getretenen Bundesverordnung zur Beschränkung des ordentlichen Holzeinschlags bei Fichte - zurückhaltende Einschlag von Frischholz in Südbayern hat weiterhin dazu beigetragen, dass Schadholzmengen aus Nordbayern kontinuierlich abfließen konnten.

Nadelstammholz

Holzpolter (Foto: LWF)

Holzpolter (Foto: LWF)

Die Situation am Rundholzmarkt hat sich im 2. Quartal weiter stabilisiert. Die ungebrochen hohe Nachfrage nach Nadelschnittholz im Inland und in den wichtigen Exportmärkten hat zu regional kräftigen Preisanstiegen auch beim Fichtenrundholz geführt, wobei diese keineswegs die Entwicklung auf den Abnahmemärkten widerspiegeln. Wurden außerhalb der Hauptschadgebiete zu Beginn des Quartals bei Frischholz noch Preise für Fichtenabschnitte 2b+ von knapp über 90,00 € bezahlt, waren zum Ende des 2. Quartals hin auf dem Spotmarkt in Süd- und Ostbayern Preise von 110,00 bis 115,00 € für das gleiche Sortiment zu verzeichnen. Für frisches Fichten-Langholz (B-Qualitäten, 2b) wurden in Südbayern zwischen 105,00 und in der Spitze 120,00 € bezahlt. Die Abschläge für Käferqualitäten betrugen in den meisten Fällen 10,00 - 25,00 € pro Festmeter und fielen damit deutlich geringer aus als in den Vorjahren.

Der Markt für Kiefernrundholz hat sich im Sog der sehr starken Nachfrage nach Fichte wieder belebt. Frei Waldstraße waren hier für Frischholz in der Spitze Preise bis über 85,00 € pro Festmeter zu erzielen. Die Nachfrage nach Douglasien- und Lärchenrundholz blieb bei weiter anziehenden Preisen sehr hoch; regional konnte trotz gesteigerten Angebotes die Nachfrage nicht befriedigt werden.

Laubstammholz

Die Laubholzsaison war im Berichtszeitraum bereits abgeschlossen.

Industrieholz

Schwierig blieb die Vermarktung von Nadel-Industrieholz. Papierholz (IS N) konnte zu den gültigen – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum abgesenkten - Preisen vermarktet werden. Die Vermarktung von F/K-Qualitäten begann sich im Berichtszeitraum zu normalisieren. Der Anfall an Sägerestholz war wegen der hohen Produktionsmengen beim Nadelschnittholz sehr hoch. Die Preise für Sägerestholz verharrten in der Folge im 2. Quartal auf niedrigem Niveau.

Energieholz/Brennholz

Durch das anhaltende Überangebot im Bereich der Sägenebenprodukte und im Industrieholzsektor standen die Märkte für Energieholzsortimente weiter unter Preis- und Mengendruck. Bei Waldhackschnitzeln war eine relativ große Preisspanne von 65,00 € pro t-atro bis über 90,00 € pro t-atro (frei Werk) festzustellen. In den Hauptschadensregionen konnten Waldhackschnitzel außerhalb bestehender Verträge nur schwer vermarktet werden. Außerhalb der Schadregionen konnte im Berichtszeitraum Nachfrage verzeichnet werden, das Preisniveau blieb aber für den Waldbesitz unbefriedigend.

Die deutschen Pelletproduzenten konnten im II. Quartal mit 850.000 t erneut einen Produktionsrekord verzeichnen. Die Anzahl der in Deutschland neu installierten Pelletheizungen war im Vorjahr gegenüber 2019 um fast 80 Prozent auf rund 62.000 Anlagen gestiegen. Die verbesserte staatliche Förderung und die Einführung der CO2-Abgabe haben sich hier deutlich bemerkbar gemacht. Der Markt für klassische Scheitholzsortimente war im 2. Quartal überwiegend stabil.

Interpreten

Zum Ausdrucken
Weitere Quartalsberichte