Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung

Försterin mit Laptop begutachtet markierte, junge Fichte. (Foto: Florian Stahl, LWF)Zoombild vorhanden

Foto: Florian Stahl

Die Bayerische Forstverwaltung erstellt alle drei Jahre für die rund 750 bayerischen Hegegemeinschaften Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung (kurz auch Vegetationsgutachten genannt).

In den Gutachten werden die Situation der Waldverjüngung sowie ihre Beeinflussung durch Schalenwild bewertet und Abschussempfehlungen abgegeben. Die Forstlichen Gutachten sind für die Beteiligten ein wichtiges Hilfsmittel bei der Abschussplanung für Schalenwild. Das Verfahren der Forstlichen Gutachten gibt es seit 1986.

Forstliche Gutachten 2021

Förster bei der Verjüngungsinventur im Wald mit LaptopZoombild vorhanden

© Florian Stahl

Die Bayerische Forstverwaltung erstellt im Jahr 2021 zum 13. Mal seit 1986 für die rund 750 Hegegemeinschaften in Bayern die Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung.

Das Forstliche Gutachten in der jetzigen Form ist Ergebnis eines seit Jahrzehnten kontinuierlichen Weiterentwicklungsprozesses zwischen den beteiligten Verbänden und der Politik. Die letzten Weiterentwicklungen wurden im Vorfeld des diesjährigen Gutachtens beschlossen.

Forstliche Gutachten 2021 – Pressemitteilung vom 1. Februar 2021

Folgende Änderungen zum bisherigen Verfahren sind:

  • die sogenannten „Revierweisen Aussagen“ werden für mehr Jagdreviere erstellt und somit Bereiche, in denen das Wald-Wild-Verhältnis noch nicht passt, genauer untersucht,
  • das Wachstum und die Anteile der verschiedenen Baumarten unter dem Einfluss der Wildtiere werden neu dargestellt und dadurch die Entwicklung der Pflanzen besser beurteilt,
  • die waldbauliche Situation vor Ort wird deutlicher abgebildet und
  • die Qualitätssicherung wird ausgeweitet.
In den Gutachten äußern sich die Forstbehörden zum Zustand der Waldverjüngung und ihre Beeinflussung durch Schalenwildverbiss und Fegeschäden. Sie beurteilen die Verbisssituation in den Hegegemeinschaften und geben Empfehlungen zur künftigen Abschusshöhe ab.

Die Forstlichen Gutachten 2021 sollen die Beteiligten vor Ort in die Lage versetzen, für die Schalenwild-Abschussplanperiode 2022/25 einvernehmlich gesetzeskonforme Abschusspläne aufzustellen. Für die unteren Jagdbehörden stellen sie eine wichtige Entscheidungsgrundlage bei der behördlichen Abschussplanung dar.

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Revierweise Aussagen

Förster bei der Verjüngungsinventur im Wald mit Fluchtstab und Zollstock (© Lisa Schubert, AELF Fürstenfeldbruck)Zoombild vorhanden

© Lisa Schubert

Innerhalb der einzelnen Hegegemeinschaften gibt es häufig Unterschiede bei der Verbisssituation. Zum Beispiel kann eine Hegegemeinschaft mit insgesamt tragbarer Verbisssituation auch Jagdreviere umfassen, in denen beispielsweise die Verbissbelastung zu hoch ist. Umgekehrt können in "roten" Hegegemeinschaften auch "grüne" Reviere gegeben sein. Um solche Unterschiede aufscheinend zu machen und die Aussagekraft der Forstlichen Gutachten weiter zu erhöhen, wurden 2012 die ergänzenden Revierweisen Aussagen eingeführt.

Sie werden für die Jagdreviere der "roten" Hegegemeinschaften immer und in den Jagdrevieren "grüner" Hegegemeinschaften nur auf Antrag der direkten Beteiligten (Jagdvorstand, Eigenjagdbesitzer, Revierinhaber oder einzelne Jagdgenossen) erstellt.

Erstmals werden ab 2021 auch für alle Jagdreviere in den Hegegemeinschaften, die beim Forstlichen Gutachten 2018 "grün" waren und 2021 nach "rot" wechseln, ergänzende Revierweise Aussagen erstellt.

Aktuelle Arbeitsanweisungen und Antragsformulare

Gesetzliche Grundlagen

Gesetzliche Grundlage für die Erstellung der Forstlichen Gutachten ist der Artikel 32 Abs. 1 des Bayerischen Jagdgesetzes (BayJG):

  • "Bei der Abschussplanung ist neben der körperlichen Verfassung des Wildes vorrangig der Zustand der Vegetation, insbesondere der Waldverjüngung zu berücksichtigen. Den zuständigen Forstbehörden ist vorher Gelegenheit zu geben, sich auf der Grundlage eines forstlichen Gutachtens über eingetretene Wildschäden an forstlich genutzten Grundstücken zu äußern und ihre Auffassung zur Situation der Waldverjüngung darzulegen."

Wesentlicher Maßstab bei der Bewertung der Verjüngungssituation sind der im Waldgesetz für Bayern (BayWaldG) formulierte Grundsatz "Wald vor Wild" und das sogenannte "Waldverjüngungsziel" des Bayerischen Jagdgesetzes:

  • "Dieses Gesetz soll insbesondere dazu dienen, einen standortsgemäßen und möglichst naturnahen Zustand des Waldes unter Berücksichtigung des Grundsatzes "Wald vor Wild" zu bewahren oder herzustellen." (Art. 1 Abs. 2 Nr. 2 BayWaldG)
  • "Die Bejagung soll insbesondere die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen." (Art. 1 Abs. 2 Nr. 3 BayJG)

Erstellung der Forstlichen Gutachten

Die Forstlichen Gutachten werden mit folgendem Ablauf erstellt:

  • Vor dem Beginn der Vegetationsperiode im Frühjahr wird auf über 25.000 systematisch ausgewählten Waldverjüngungsflächen eine Inventur zur Verjüngungssituation durchgeführt. Die Jagdgenossen und Jäger können an den Inventuraufnahmen teilnehmen, um sich direkt vor Ort ein Bild zu verschaffen.
  • Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) wertet die Inventurdaten aus und leitet die Ergebnisse an die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten weiter.
  • Die Ämter stellen die Inventurergebnisse vorab den betroffenen Jagdvorständen, Eigenjagdbesitzern und Revierinhabern zur Verfügung, die dazu Stellung nehmen können.
  • Auf Basis der Ergebnisse der statistisch abgesicherten Verjüngungsinventur, der Stellungnahmen der Beteiligten und anderer Erkenntnisse, wie zum Beispiel aus ergänzenden Revierweisen Aussagen, gemeinsamen Revierbegängen oder Weiserflächen, werden dann von den Forstfachleuten die Forstlichen Gutachten erstellt. In den Gutachten wird u.a. die Verbisssituation in der Hegegemeinschaft in vier Stufen bewertet ("günstig", "tragbar", "zu hoch" oder "deutlich zu hoch") und eine Abschussempfehlung abgegeben ("deutlich senken", "senken", "beibehalten", "erhöhen" oder "deutlich erhöhen").
  • Die Beteiligten erhalten dann im Herbst das Forstliche Gutachten für die jeweiligen Hegegemeinschaften, um auf einer fundierten Basis die Drei-Jahres-Abschussplanung im kommenden Frühjahr durchführen zu können.

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