Liegendes Totholz im Naturwald

Naturwälder – Bayerns wilde Wälder
Naturwald "Irtenberger Wald"

Der Naturwald Irtenberger Wald ist ein südwestlich von Würzburg gelegener, rund 510 Hektar großer Laubwald. Er ist Teil des über 4.000 Hektar umfassenden Waldgebietes „Irtenberger- und Guttenberger Wald“, das aufgrund seiner hohen waldökologischen Wertigkeit in das europäische Netzwerk Natura 2000 aufgenommen wurde. Die lange Laubwaldtradition mit vielen Mischbaumarten ist Grundlage für eine ungemein hohe biologische Vielfalt. Das Vorkommen von Arten wie Bechsteinfeldermaus, Mittelspecht, Hirschkäfer und Halsbandschnäpper, die allesamt an strukturreiche, reife Laubwälder angepasst sind, unterstreicht die Bedeutung dieses Naturwaldes.

Die "Fränkische Platte" im Nordwesten Bayerns, in der der künftige Naturwald liegt, wurde aufgrund ihres milden Klimas und ihrer fruchtbaren Böden schon in vorchristlicher Zeit besiedelt. Die wenigen großen Waldgebiete wie der Irtenberger Wald sind erhalten geblieben, da sie im ausgehenden Mittelalter fürstbischöfliches Jagdgebiet und damit vor Rodungen geschützt waren. Den Irtenberger Wald prägen Muschelkalk- und Lößböden, auf denen Buchenwälder mit natürlichen Eichenanteilen und ungewöhnlich vielen weiteren Mischbaumarten, u. a. Elsbeere, Speierling oder diverse Wildobstsorten, gedeihen. Die große Laubbaumartenvielfalt hat ihren Ursprung in der bis ins 19. Jahrhundert praktizierten Mittelwaldbewirtschaftung. Diese historische Waldnutzungsform begünstigte Baumarten wie Eiche, Hainbuche und Linde, die aus den Baumstümpfen der zur Brennholznutzung gefällten Bäume wieder austreiben können. Eichen ließ man auch zu stärkeren Dimensionen heranwachsen um sie als Bauholz und zur Schweinemast zu nutzen. Nadelholz war hierzu völlig ungeeignet und hat deshalb nie eine Rolle gespielt. Es ergaben sich reichhaltigste Mischungen natürlich vorkommender Laubbaumarten, auf die heute auch im Klimawandel große Hoffnungen gesetzt werden.

Lage, Größe und Ausformung

Zwischen Würzburg und der Grenze zu Baden-Württemberg liegt der 510 Hektar große, kompakt ausgeformte Naturwald Irtenberger Wald. Südwestlich des Autobahndreiecks Kist wird er im Norden und Osten durch die Autobahnen A3 und A81 und im Süden durch die Staatsstraße 578 begrenzt.
Übersichtskarte des Naturwalds "Irtenberger Wald" (Geobasisdaten: Bayerische Staatsforsten BaySF, Bayerische Landesvermessung LDBV, Landesamt für Umweld LfU)

Übersichtskarte des Artenschutzgebiets bei der die Ausweisungen als Naturwaldfläche nach Art. 12 a BayWaldG mit dunkelgrüner Farbe eingezeichnet sind. Naturschutzgebiete sind blau und Naturwaldreservate orange schraffiert. (Geobasisdaten: Bayerische Staatsforsten BaySF, Bayerische Landesvermessung LDBV, Landesamt für Umweld LfU)

Charakteristische Waldlebensräume

In einer der wärmsten und trockensten Gegenden Bayerns wachsen auf den sehr fruchtbaren Mischlehmen Buchenwälder und Wälder mit teils höheren Eichenanteilen. Unter anderem kommen vor:

  • Waldmeister-Buchenwälder
  • Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
  • Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder
Waldmeister-Buchenwald in leichter Hanglage

Waldmeister-Buchenwald
(© Boris Mittermeier)

Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald

Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald
(© Klaus Schreiber)

Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald

Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald
(© Klaus Schreiber)

Charakteristische Arten mit Waldbezug

Die baumarten- und strukturreichen, wärmegeprägten Laubwälder beherbergen eine hohe Anzahl von an reife Naturwaldstadien angepassten heimischen Tier- und Pflanzenarten, die nachfolgend aufgeführt werden. Überregional bedeutsam ist der Naturwald für die Bechsteinfledermaus, die hier in mehreren Kolonien vorkommt.

  • Bechsteinfledermaus, Mopsfledermaus und verschiedene andere Waldfledermausarten
  • Hohltaube
  • Verschiedene Spechtarten, wie Schwarz-, Mittel-, Kleinspecht
  • Halsbandschnäpper
  • Hirschkäfer
  • Zauneidechse
Mopsfledermaus

Mopsfledermaus
(© H.-J. Fünfstück)

Großer Abendsegler

Großer Abendsegler
(© Boris Mittermeier)

Hirschkäfer

Hirschkäfer
(Foto: Boris Mittermeier)

Ein Mittelspecht hängt an Baum, ein weiterer schaut aus Astloch

Mittelspecht
(Foto: Boris Mittermeier)

Zwei Schwarzspechte an einem Baum. Einer davon schaut aus einer Baumhöhle heraus.

Schwarzspecht
(© Hubert Bosch)

Besonderheiten

Hoheitssäulen
Kulturhistorisch interessierte Waldbesucher finden am Südwestrand, knapp außerhalb des Naturwaldes, das ehemalige Forsthaus Irtenberg und das ehemalige bayerische Zollamt – eine von mehreren Exklaven der Gemeinde Kist. Nicht unweit von hier befinden sich zudem zwei Hoheitssäulen aus dem Jahr 1584. Die über 4 m hohen Sandsteinsäulen sind Zeitzeugen der Rivalitäten zwischen dem Fürststift Würzburg und dem Kurfürstentum Mainz und markieren deren Grenze an der alten Weinstraße. Sie stehen südlich der Staatsstraße 578 von Kist nach Gerchsheim ca. 160 Meter südöstlich der Kreuzung in die Staatsstraße 2298 nach Oberaltertheim. An der Kreuzung befindet sich ein Hinweisschild zu den Säulen.
Naturschutzgebiet Blutsee-Moor
Im Waldgebiet östlich des Naturwaldes, jenseits der Autobahn A 81, liegt das Naturschutzgebiet Blutsee-Moor. Das seit 1941 geschützte Niedermoor beeindruckt u.a. durch den größten Schwingrasen Unterfrankens. Die Parkplätze, nahe der Autobahn-Anschlussstelle Gerchsheim an der Staatsstraße 578 von Kist kommend, bieten einen guten Startpunkt.
Erstes Pilzschutzgebiet Bayerns
Das erste Pilzschutzgebiet Bayerns wird von den Bayerischen Staatsforsten gemeinsam mit den Pilzfreunden Mainfranken unterhalten und lockt Pilzfreunde aus ganz Bayern in den Irtenberger Wald. Das Pilzschutzgebiet liegt in fußläufiger Entfernung vom Naturwald nördlich des NSG Blutsee-Moor (Zufahrt s.o.) und umfasst einen Hektar unbewirtschafteten Eichenwald mit einer besonders hohen Vielfalt an Pilzen.

Naturwälder erleben

Die natürliche, ungestörte Entwicklung der Naturwälder bietet die Möglichkeit, der Natur bei diesem spannenden Weg „über die Schulter zu schauen“. Hierfür stehen Besucherinnen und Besuchern Forststraßen und je nach Gebiet Parkplätze, Rad- und Wanderwege zur Verfügung. Die Wege können gemäß ihrer Bestimmungen genutzt werden. Fußgängern und Wanderern gilt hierbei der Vorrang.
Schwarzpappel (© Felix Brundke)
Hinweis: Mehr Natur – mehr Totholz
In Naturwäldern wird die natürliche Entwicklung von Wäldern mit jungen, alten und absterbenden Bäumen geschützt. Ein erhöhter Totholzanteil ist hier durchaus erwünscht. Umfallendes Totholz und herabfallende Äste gehören zu waldtypischen Gefahren und können auf diesen Flächen in verstärktem Maße auftreten. Bitte seien Sie sich dieser waldtypischen Gefahren bewusst und verlassen Sie den Naturwald bei Wind umgehend. Der Besuch des Naturwaldes erfolgt auf eigene Gefahr.

Foto: Schwarzpappel mit Totholzanteil (© Felix Brundke)
  • Am Südwestrand des Naturwaldes bietet der Parkplatz am ehemaligen Forstamt und Zollamt an der Irtenberger Wiese eine gute Möglichkeit sein Auto für einen Besuch im Naturwald abzustellen. Der Parkplatz liegt an der Staatsstraße St 578 von Gerchsheim nach Kist, nahe der Abzweigung nach Oberaltertheim.
  • Im weiteren Verlauf der Staatsstraße 578 befinden sich nahe der Autobahn-Anschlussstelle Gerchsheim weitere Parkplätze.

Die Forstwege im Naturwald Irtenberger Wald bieten eine gute Infrastruktur für Wanderungen und Ausflüge in den wilden Wald. So lassen sich die Wege je nach Ziel und Länge der Wanderung unterschiedlich kombinieren. Beispielhaft wird im Folgenden eine Wanderung vorgestellt:

  • Vom Parkplatz nahe der Autobahn-Anschlussstelle Gerchsheim aus führt ein Wanderweg in den Naturwald und quert ihn in Richtung Nordwesten auf rund 4 km Länge. Kurz vor der Gemeindeverbindungsstraße Altertheim-Waldbrunn endet der Naturwald und die Wirtschaftswälder des Irtenberger Waldes geginnen. Folgt man dem Wanderweg weiter, kann man die Wälder nach Norden bis zur Straße Wü 31 von Helmstadt nach Waldbrunn erkunden.

Ansprechpartner

Wollen Sie mehr über die Naturwaldfläche erfahren, steht Ihnen das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg als Ansprechpartner zur Verfügung.