Donaudurchbruch Weltenburg (© Felix Brundke)

Naturwälder - Bayerns wilde Waldnatur
Naturwald "Buchenwälder in der südlichen Frankenalb"

Der Naturwald Buchenwälder in der südlichen Frankenalb ist 1.090 ha groß und umfasst ausgehend von den mischbaumreichen Buchenwäldern im östlichen Teil des Hienheimer Forstes Schlucht- und Hangwälder der Donau- und der Altmühlhänge bis nahe an Dietfurt a.d.Altmühl. Er vereint in seinen Grenzen mehrere überregional bedeutsame naturschutzfachliche und kultur-historische Highlights. Dazu zählen der Donaudurchbruch mit seinen beeindruckenden Felsformationen, die Steilhänge entlang der Donau- und Altmühl mit den ökologisch höchst wertvollen Trockenwald- und Schluchtwaldgesellschaften, die unzerschnittenen, buchenreichen Wälder der Hochfläche rund um den Hirschberg, die überwiegend im Verborgenen liegenden Karsthöhlen sowie die zahlreichen historischen Überreste und Denkmäler aus der Kelten- und Römerzeit bis in die Neuzeit. Der Hienheimer Forst ist zusammen mit den Natura-2000-Gebieten entlang der naturraumübergreifenden Verbindungsachsen im Donau- und Altmühltal ein ökologisch wichtiger Knotenpunkt.
Riesige Felsfomationen mit Laubwald neben einem Fluss (© Felix Brundke)Zoombild vorhanden

Donaudurchbruch Weltenburg
(© Felix Brundke)

Donau und Altmühl haben sich tief in die Massenkalke der Südlichen Frankenalb gegraben, so dass die vertikale Ausdehnung des Naturwaldes bei Kelheim bis hinunter zur Donau über 130 m beträgt. Die Hochfläche rund um den Hirschberg wurde in Kreidezeit und Tertiär mit Lehm und Sand überdeckt, auch kleinflächige Lösseinwehungen kommen vor. Die Standortvielfalt und das besondere Relief der Einhänge mit ihren Felsstrukturen schafft die Grundlage für eine herausragende Vielfalt verschiedener Waldgesellschaften in sehr baumartenreichen Ausprägungen. Von über 50 m hohen Eschen und vitalen Eichen auf nährstoffreichsten Talböden bis hin zu niedrig wachsenden Eichen- und Buchen-Krüppelwäldern auf magersten Karststandorten bietet der Naturwald eine Bandbreite, die selbst auf nationaler Ebene herausragend ist. So wurden die Wälder, Felsen und die Donau im Bereich der Weltenburger Enge zwischen Befreiungshalle und Kloster Weltenburg im Februar 2020 zum ersten Nationalen Naturmonument Bayerns erklärt.

Die bisherige schonende, naturnahe Bewirtschaftung hat nicht nur die ökologisch wertvollen unzerschnittenen Buchenwälder der Hochfläche und Einhänge erhalten, sondern auch seltene Baumarten und Raritäten integriert, wie bayernweit bedeutsame Eibenvorkommen oder Vorkommen der Donau-Mehlbeere. Sie ist ein Endemit des unteren Altmühltals und der Donauhänge, der in Einzelexemplaren auf den lichten, exponierten Felsköpfen im Naturwald wächst. Totholz und Biotopbäume sind in hohen Dichten gefördert worden, um als Lebensraum seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten zu dienen. So wurden in den Buchenwäldern des östlichen Hienheimer Forstes 435 Tiere und Pflanzen der Roten Listen nachgewiesen (FFH-Managementplan, 2011). Rund 165 Hektar des Naturwaldes werden bereits seit Jahrzehnten nicht mehr forstlich genutzt.

Lage, Größe und Ausformung

Der Naturwald bildet mit seinen 1.090 ha eine Landschaftsbrücke zwischen Donau und Altmühl bzw. Main-Donau-Kanal in der östlichen Hälfte des Hienheimer Forstes. Er umfasst weiter verschiedene von Felspartien durchsetzte Hang- und Schluchtwälder an der Altmühl flussaufwärts bis nach Dietfurt a.d.Altmühl.
Übersichtskarte des Naturwalds "Buchenwälder in der südlichen Frankenalb"
(Geobasisdaten: Bayerische Staatsforsten BaySF, Bayerische Landesvermessung LDBV, Landesamt für Umweld LfU)

Übersichtskarte des Artenschutzgebiets bei der die Ausweisungen als Naturwaldfläche nach Art. 12 a BayWaldG mit dunkelgrüner Farbe eingezeichnet sind. Naturschutzgebiete sind blau und Naturwaldreservate orange schraffiert. (Geobasisdaten: Bayerische Staatsforsten BaySF, Bayerische Landesvermessung LDBV, Landesamt für Umweld LfU)

Charakteristische Waldlebensräume

Durch das enge Verzahnen von Fluss, Fels- und Waldstandorten entsteht ein ungewöhnlich abwechslungsreiches Gefüge, mit teilweise extremen Standorten. So entsteht eine hohe Vielfalt verschiedener Waldgesellschaften. An steilen Hängen und auf trocken-heißen Felskuppen finden sich echte Raritäten, in totholz- und biotopbaumreicher Ausprägung. Besonders macht das Gebiet u. a. die Verzahnung der Waldflächen mit kleinflächig vorkommenden, wertvollen Offenlandlebensräumen, wie Kalk-Schutthalden, Kalkfelsen, Höhlen und ihrer typischen Vegetationsformen. Im Naturwald kommen u. a. folgende gebietstypischen Waldlebensräume vor:

  • Waldmeister-Buchenwälder
  • Waldgersten-Buchenwälder
  • Hainsimsen-Buchenwälder
  • Orchideen-Buchenwälder mit Buchenkrüppelwäldern
  • Schlucht-, Block, und Hangwälder
  • Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder mit Eichentrockenwäldern
Riesige Felsfomationen mit Laubwald neben einem Fluss

Donaudurchbruch Weltenburg
(© Felix Brundke)

Laubwald am Hang

Waldmeister-Buchenwald
(© Klaus Schreiber)

Bergulmen-Bergahorn-Steinschuttwald

Bergulmen-Bergahorn-Steinschuttwald
(© Boris Mittermeier)

Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald

Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald
(© Klaus Schreiber)

Fluss schlängelt sich durch Laubwaldlandschaft

Donaudurchbruch Weltenburg
(© Felix Brundke)

Charakteristische Arten mit Waldbezug

Eine sehr hohe Artenvielfalt sowie herausragende Vorkommen einzelner Arten machen den Naturwald so besonders. Rund 250 der im Teilgebiet des Hienheimer Forstes nachgewiesenen Arten sind nach Bundesnaturschutzgesetz besonders oder streng geschützt. Stellvertretend hierfür steht die Gruppe der Waldfledermäuse. Die Bechsteinfledermaus kommt im Hienheimer Forst in bayernweit herausragenden Dichten vor. Folgende charakteristische Waldarten leben u. a. im Naturwald:

  • Bechsteinfledermaus, Mopsfledermaus, Großes Mausohr und viele weitere Waldfledermausarten
  • Hohltaube, Kolkrabe
  • Schwarzsprecht, Grau,- Grün, Bunt-, Mittelspecht
  • Uhu, Raufußkauz
  • Wanderfalke, Rotmilan
  • Gelbbauchunke
  • Zauneidechse, Schlingnatter
  • Seltene Landschneckenarten
  • Diverse Tagfalter, holzbewohnende Käfer, viele weitere seltene Insektenarten
  • Donau-Mehlbeere (weltweit nur in dieser Umgebung vorkommend), Eibe
  • Orchideen
  • Dreimänniges Zwerglungenmoos und andere seltene Moosarten
Mopsfledermaus

Mopsfledermaus
(© H.-J. Fünfstück)

Kolkrabe

Kolkrabe
(© Boris Mittermeier)

Grauspecht an Spechthöle

Grauspecht
(© Norbert Wimmer)

Rotmilan

Rotmilan
(© H.-J. Fünfstück)

Gelbbauchunke auf Ast

Gelbbauchunke
(Foto: Boris Mittermeier)

Schlingnatter auf steinigem Untergrund

Schlingnatter
(© Boris Mittermeier)

Mehlbeere

Mehlbeere
(© Volker Binner)

Besonderheiten

Weit über Bayern hinaus bekannte Besonderheiten und Ausflugsziele liegen in den Naturwäldern oder grenzen an diese an. Im Folgenden wird eine kleine Auswahl beispielhaft vorgestellt werden:
Weltenburger Enge
In der Weltenburger Enge bahnt sich die Donau in einer engen Schlucht den Weg durch die harte Kalktafel des Oberen Jura. Sie benutzt dabei das alte Durchbruchstal eines Nebenflusses, der hier den Riegel zur ursprünglich weiter nördlich fließenden Ur-Donau (heute Altmühltal) durchbrach. Bereits 1840 erhob sie König Ludwig I. zum ersten Naturschutzgebiet Bayerns. Als Schutzgebiet von europäischem Interesse wurde der Weltenburger Enge als bisher einziges Naturschutzgebiet in Bayern bereits 1978 das „Europadiplom“ verliehen. Im Februar 2020 wurden 197 Hektar zum bayernweit ersten Nationalen Naturmonument erklärt. (Quelle: LfU, Bayern)
Kloster Weltenburg
Als ältestes Kloster auf bayerischem Boden, wurde um 617 das Kloster Weltenburg (heute Benediktinerabtei) gegründet.
Befreiungshalle
Auf dem Michelsberg im Osten des Naturwaldes thront die von König Ludwig I. in Auftrag gegebene Gedenkstätte für die siegreichen Schlachten gegen Napoleon.
Schloß Rosenburg
Schloss Rosenburg ist eine Burganlage im Altmühltal oberhalb von Riedenburg und liegt idyllisch eingebettet in einem der buchenreichen Teilgebiete des Naturwaldes. Von Riedenburg her kommend führt ein Wanderweg durch den Wald hoch zur Burg, auf der eine Falknerei mit beeindruckenden Vorführungen sowie einem Falknereimusem untergebracht ist.
Zeugen der Römer- und Keltenzeit
Jahrtausende alte Zeugnisse vergangener Kulturen beweisen, dass die Gegend bereits vor sehr langer Zeit vom Menschen besiedelt und beeinflusst wurde. So zeugen z.B. historische Erzschürfstellen und ein Keltenwall sowie Überreste aus der Römerzeit von deren Einfluss in der Region.
Jagdgebiet Hienheimer Forst
Seit dem 11. Jahrhundert war Kelheim Residenzstadt der bayerischen Herzöge und der Hienheimer Forst wegen des Eichenreichtums eines ihrer Lieblingsjagdreviere.

Naturwälder erleben

Die natürliche, ungestörte Entwicklung der Naturwälder bietet die Möglichkeit, der Natur bei diesem spannenden Weg „über die Schulter zu schauen“. Hierfür stehen Besucherinnen und Besuchern Forststraßen und je nach Gebiet Parkplätze, Rad- und Wanderwege zur Verfügung. Die Wege können gemäß ihrer Bestimmungen genutzt werden. Fußgängern und Wanderern gilt hierbei der Vorrang.
Schwarzpappel (© Felix Brundke)
Hinweis: Mehr Natur – mehr Totholz
In Naturwäldern wird die natürliche Entwicklung von Wäldern mit jungen, alten und absterbenden Bäumen geschützt. Ein erhöhter Totholzanteil ist hier durchaus erwünscht. Umfallendes Totholz und herabfallende Äste gehören zu waldtypischen Gefahren und können auf diesen Flächen in verstärktem Maße auftreten. Bitte seien Sie sich dieser waldtypischen Gefahren bewusst und verlassen Sie den Naturwald bei stärkerem Wind umgehend. Der Besuch des Naturwaldes erfolgt auf eigene Gefahr.

Foto: Schwarzpappel mit Totholzanteil (© Felix Brundke)

Im Hauptteil des Naturwaldes westlich von Kelheim

  • Parkplatz am Kloster Weltenburg
  • Parkplatz an der Befreiungshalle
  • Parkplatz Main-Donau-Kanal:
    Südlich des Main-Donau-Kanals liegt gegenüber der Ortschaft Essing am Nordrand des Naturwaldes ein Wanderparkplatz. Von Essing kommend überquert man den Kanal, biegt nach der Brücke links ab und folgt der Straße am Waldrand ca. 500 m bis man den Wanderparkplatz erreicht.
Die Forstwege im und um den Naturwald bieten eine hervorragende Infrastruktur für Wanderungen und Ausflüge zur Erkundung der Besonderheiten diese Gebietes. So lassen sich die Wege je nach Ziel und Länge der Wanderung verschiedentlich kombinieren.
Beispielhaft sind im folgenden drei Wanderwege genannt, die auf der Homepage des Naturparks Altmühltal näher beschrieben werden.

www.naturpark-altmuehltal.de Externer Link

Donau-Altmühl-Rundweg (12 km)
Verbindender Rundweg zwischen Donau-und Altmühltal, auf Wanderwegen entlang des Äußeren Keltenwalls durch schattige Eichenmischwälder. Über einen blumenreichen Kalkmagerrasen mit idyllischer Aussicht führt der Weg an den Altwassern der Altmühl vorbei und durch das Naturwaldreservat "Hammerleite" bis zur beeindruckenden Schellnecker Felswand.

Weitere Informationen (Naturpark Altmühltal) Externer Link

Weltenburger Höhenweg (13 km)
Von Kelheim aus mit spektakulären Ausblicken donauaufwärts zur Weltenburger Enge und zum Kloster Weltenburg. Südlich der Donau führt der Weg durch Wald und Wiesen mit Ausblick auf die Befreiungshalle zurück nach Kelheim.

Weitere Informationen (Naturpark Altmühltal) Externer Link

Altmühltal Panoramaweg (13 km)
Der Abschnitt von Essing nach Kelheim des insgesamt 15 Etappen umfassenden Panoramawegs quert den Naturwald von der Altmühl im Norden nach Süden zur Donau und führt dann die donauabwärts nach Kelheim.

Weitere Informationen (Naturpark Altmühltal) Externer Link

Deutsche Limes Radweg, Via Danubia
Der Deutsche Limes Radweg ist ein rund 818 Kilometer langer Radwanderweg zwischen Rhein und Donau. Ein landschaftlich sehr reizvoller Teilabschnitt führt vom Donau-Radweg her kommend zum Kloster Weltenburg. Von dort geht es auf Forststraßen quer durch den Naturwald hoch auf den Michelberg zur Befreiungshalle und weiter nach Kelheim.
Altmühltalradweg
Der Altmühltal-Radweg zählt zu den beliebtesten Radwegen Deutschlands. Inmitten der faszinierenden Schönheit des Altmühltals verbindet er verschiedene Naturwälder in drei Etappen von Dietfurt a.d.Altmühl über Riedenburg bis nach Kelheim.

www.altmuehl-radweg.de Externer Link

Neben den beiden hier beschriebenen Radwegen bieten das Altmühltal sowie das Donautal eine Vielzahl an weiteren Möglichkeiten für kurze und lange Radtouren.

Ansprechpartner

Wollen Sie mehr über die Naturwaldfläche erfahren, steht Ihnen das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Abensberg als Ansprechpartner zur Verfügung.