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Solidarität an der Borkenkäferfront - Forstinfo 03/2020
von Stefan Stirnweiß, AELF Fürth

Große Polter mit Borkenkäferholz an einem ForstwegZoombild vorhanden

Borkenkäferkalamität im Frankenwald (© Stefan Stirnweiß)

Schulterschluss trotz Abstandsregeln ist kein Widerspruch. In Katastrophenzeiten ist er oft sogar ein Erfolgsrezept. Ein beeindruckendes Beispiel dazu aus dem Frankenwald zeigt, wie Solidarität in der Forstverwaltung gelebt wird und verdient hohe Anerkennung. Stefan Stirnweiß von der Servicestelle für forstliche Öffentlichkeitsarbeit und Wissenstransfer Franken hat die Kollegen besucht:

Mein Bild von einem Novembertag im Frankenwald war ziemlich düster: Dichte, dunkle Fichtenwälder, deren Kronen die tiefhängenden Wolken am Weiterziehen hintern. Der Himmel grau und die Dächer und Wände der Häuser mit schwarzen Schieferplatten verkleidet. Als ich Mitte November von Erlangen nach Wilhelmsthal (Landkreis Kronach) fuhr, erlebte ich eine ganz andere Stimmung. Ab Lichtenfels strahlte die Sonne zwischen einzelnen Wolken. „Genau das ist unser Problem“, empfing mich Armin Hanke, Leiter des Reviers Wilhelmsthal am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kulmbach. Das dritte Trockenjahr in Folge und die damit verbundene Massenvermehrung der Borkenkäfer zerstörten im Landkreis Kronach bislang schätzungsweise 500 Hektar Wald.

Herausfordernde Ausgangssituation

Hankes Revier umfasst knapp 6.000 Hektar Privat- und Körperschaftswald mit einem Fichtenanteil von ungefähr 90 Prozent. Diese Waldflächen gehören rund 3.000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern, die im laufenden Jahr fast 600 Anträge überwiegend für die Förderung der insektizidfreien Borkenkäferbekämpfung stellten. Zur objektiven Arbeitsbelastung durch Borkenkäfersuche und Förderabwicklung kamen zusätzlich menschliche Faktoren: Krankheits- und Urlaubszeiten, demoralisierte Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer oder Konfliktsituationen zwischen hoheitlichen Tätigkeiten und der Beratung.

Gute Teambildung als Voraussetzung

Borkenkäferfläche mit großen Hackschnitzel-Haufen Zoombild vorhanden

Riesige Hackschnitzelhaufen auf den Schadflächen (© Stefan Stirnweiß)

„Wir waren ja nicht blind und wussten, was in diesem Jahr auf uns zukommen würde“, erklärte Armin Hanke. „Ich bin daher heilfroh, dass ich seit Anfang 2020 mit Markus Fröba eine dauerhafte Unterstützung habe.“ Aber auch zu zweit waren die Herausforderungen im Revier Wilhelmsthal nicht zu stemmen. Deswegen bemühte sich das Amt um die Abordnung weiterer Kollegen an die Borkenkäferfront im Frankenwald. Und sie kamen aus ganz Bayern: Franz Praun und Thomas Stadler vom AELF Regensburg, Stephan Steinbauer aus Straubing, Bernd Karrer und Dietmar Köhn, beide aus Krumbach (Schwaben) und Robert Herz vom AELF Weilheim i.OB.

Damit die reibungslose Zusammenarbeit der Kollegen funktioniert, ist eine entsprechende Teambildung Voraussetzung. Ein Team »Aufklärung« sucht nach Befallsflächen, wertet diese ein und gibt die Rohdaten wie Flurnummer, Schadensumfang und Waldbesitzerdaten an die »Borkenkäferzentrale« weiter. Diese führt eine Borkenkäfertabelle, die dem Amt als Grundlage dient, um mit den betroffenen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern in Kontakt zu treten. „Ohne Toughbook und BayWIS würden wir kein Land sehen“, räumt Stephan Steinbauer aus dem Team »Aufklärung« ein. Als große Hilfe hat sich die sogenannte Aufarbeitungserklärung erwiesen, mit der die Waldbesitzer dem Amt alle Daten der von ihnen geplanten Käferholzaufarbeitung zurückmelden. Der Rücklauf dieser Aufarbeitungserklärung an das Team »Aufklärung« setzt die Kontrolle des Aufarbeitungsfortschritts in Gang. Gleichzeitig kann das Team »Förderung« Kontakt zu den jeweiligen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern aufnehmen, sie entsprechend beraten und ihnen Hilfestellung beim Förderantrag anbieten.

Beeindruckende Moral, Entschlossenheit und Solidarität

Drei Forstbeamte im Büro Zoombild vorhanden

Büroalltag in der Borkenkäferzentrale Wilhelmsthal unter Coronabedingungen (© Stefan Stirnweiß)

Gute Kommunikation, ausgeprägte Teamfähigkeit und „einer, der die Fäden in der Hand hält“ – wie es Dietmar Köhn ausdrückte – machen aus den einzelnen Teams eine effiziente Einheit. Das Team »Backoffice und weitere Revieraufgaben« hat als Schwerpunkt die Abnahme der Förderanträge, die bis November ein Volumen von rund 1,5 Mio. Euro ausmachten. Hinzu kommen die ersten Wiederaufforstungen oder die Anlage eines geförderten Rückeweges. Bei der Schilderung der Kollegen kam mir der Vergleich mit gut eingespielten Blöcken beim Eishockey in den Sinn. Und tatsächlich bestätigte mir Armin Hanke, dass er erleichtert ist, „wenn nicht zu viel durchgewechselt wird, denn Ortskenntnis und Vertrautheit mit den Abläufen erhöhen den Wirkungsgrad spürbar.“

Die fast surreal anmutenden Bilder kahler Wälder und riesiger Hackschnitzelhaufen auf den Schadflächen verfolgten mich auf dem Heimweg noch lange, und ich spürte, wie schwer die Gesamtsituation auf den Schultern der Kollegen lastet. Umso mehr beeindruckte mich die Moral und die Entschlossenheit, mit der sich hier im Frankenwald Kollegen aus ganz Bayern den Herausforderungen der Borkenkäferkalamität stellen und ganz selbstverständlich Solidarität leben.

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