© Philip HerzhoffSanierungsbedürftige Schutzwälder
Verlichtete Schutzwälder ohne ausreichende Verjüngung
Überalterte Schutzwälder: Durchschnittsalter über 200 Jahren ohne ausreichende Verjüngung und mehr als einem Drittel kümmernder, absterbender oder toter Bäume in der Oberschicht
Durch Sturmwurf, Borkenkäfer, Schälschäden oder nachlassende Vitalität geschädigte Schutzwälder
Wegen hoher Verbissschäden oder Weidebelastung nicht entwicklungsfähige Schutzwaldverjüngungen
Sanierungsflächen im Alpenraum
Derzeit gibt es im bayerischen Alpenraum über tausend Sanierungsflächen deren Flächenumfang rund einem Zehntel der gesamten Schutzwaldfläche entspricht. Vor allem durch Sturmwürfe und nachfolgende Borkenkäferkalamitäten nahm der Umfang seit der ersten Planung 1986 stetig zu.
Da die Sanierungsmaßnahmen in der Regel großräumig koordiniert und mit anderen Maßnahmen abgestimmt werden müssen, wurden die Sanierungsflächen zu Sanierungsgebieten zusammengefasst. Sie umfassen zum Beispiel die Summe der Sanierungsflächen einer Bergflanke mit Lawinenschutzwald oberhalb einer Bundesstraße oder einer Ortschaft oder alle Sanierungsflächen in einem Wildbacheinzugsgebiet. Auf Ebene der Sanierungsgebiete werden notwendige flankierende Maßnahmen wie zum Beispiel großräumige Jagd- und Wildmanagementkonzepte koordiniert.
Erfolge der Schutzwaldsanierung
In den Schutzwäldern des bayerischen Alpenraums wurden seit Beginn des Sanierungsprogramms im Jahr 1986 rund 13,7 Millionen Bäume gepflanzt. Der Anteil der gepflanzten Nadelbaumarten nimmt dabei rund 72 Prozent ein.
Sanierungsmaßnahmen
Die Sanierungsarbeiten im Schutzwald lassen sich in zwei Schwerpunktbereiche unterteilen: Biologische Maßnahmen (Pflanzungen) und technische Verbauungen. Ziel muss es dabei sein, durch vorausschauende Waldpflege und rechtzeitige Waldverjüngung die Schutzfunktionen der Bergwälder zu erhalten und kostenintensive Sanierungsmaßnahmen zu vermeiden.

Pflanzarbeiten bilden den Arbeitsschwerpunkt bei der Schutzwaldsanierung. Viele Sanierungsflächen sind so stark vergrast, dass sich eine neue Waldgeneration nicht mehr natürlich ansamen kann und die Waldverjüngung künstlich auf dem Weg der Pflanzung eingeleitet werden muss. Die Baumartenwahl richtet sich dabei in erster Linie nach dem Standort, dem noch vorhandenen Altbestand und der natürlichen Waldgesellschaft. Aber auch die vom jeweiligen Bestand zu erfüllenden Schutzfunktionen beeinflussen die Auswahl der Baumarten. Neben den Hauptbaumarten des Bergmischwaldes Fichte, Tanne und Buche werden in größerem Umfang Pionierbaumarten wie zum Beispiel Mehl- oder Vogelbeere gepflanzt, um auf stark degenerierten Sanierungsflächen den Humusabbau zu stoppen und die Neubildung zu fördern.

Technische Maßnahmen, wie Gleitschnee- und Lawinenverbauungen sind aufwendig und teuer. Ein Hektar Gleitschneeverbauung kostet je nach Umfang und Schwierigkeit zwischen 250.000 und 950.000 Euro. Für die Lawinenverbauung ist mit mindestens dem doppelten bis dreifachen Kostenaufwand zu rechnen. Aus diesem Grund sind eine solide Planung und Abwägung aller notwendigen Sanierungsmaßnahmen unverzichtbar. Andererseits verdeutlichen diese Beträge den Wert eines intakten, funktionsfähigen Schutzwaldes und seiner Pflege.
Jagd auf Sanierungsflächen
Sanierungsflächen werden aufgrund ihrer oftmals südlichen Exposition gerne vom Wild genutzt, da diese Flächen relativ schneearm sind und ein für die Tiere günstiges Kleinklima aufweisen. Ziel ist es, durch ausgewählte Abschüsse männlichem Wild ausreichende Vergrämungseffekte dahingehend zu erzielen, dass diese Flächen möglichst wildfrei gehalten werden.

