Stickstoff: Überschüsse senken, Effizienz verbessern

Die Maßnahmen wirken darauf hin, dass Stickstoffdünger effizient genutzt, Nährstoffkreisläufe geschlossen und Lachgasemissionen gemindert werden. Zentrale Ansatzpunkte sind die N-effiziente Tierfütterung, die effiziente Stickstoffdüngung und die Nutzung von Gülle in Biogasanlagen.

Aktualisiert am: 16.06.2026
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Biogasanlage, drumherum gemähte Wiese © Wolfgang Seemann

Vermehrt Gülle in Biogasanlagen nutzen

Gülle als Reststoff aus der Tierhaltung sollte aus Gründen des Klimaschutzes möglichst zur Biogaserzeugung genutzt werden. Der entstehende Gärrest wird zu einem hochwertigen und klimafreundlichen Dünger aufgewertet, der im Sinne der Kreislaufwirtschaft wieder auf die landwirtschaftliche Fläche aufgebracht werden kann. Derzeit werden in Bayern rund ein Neuntel des Gülleaufkommens aus der Rinderhaltung und ein Sechstel aus der Schweinehaltung in Biogasanlagen genutzt. Würden diese Anteile der Wirtschaftsdüngervergärung verdoppelt, könnten zusätzlich Treibhausgase in Höhe von jährlich rund 180.000 Tonnen CO₂-Äquivalenten vermieden werden.

Zwei Kühe beim Fressen im Stall © Bauer, Stefanie (StMELF)

Reduzierte Tierfütterung

Eine an die Bedürfnisse der Tiere angepasste Fütterung kann zur Minderung von Treibhausgasemissionen (THG) beitragen. Die Vorteile von geringeren Stickstoff-(N-)Gehalten in den Rationen von Rindern, Schweinen und Geflügel sind reduzierte N-Verluste sowie positive Einflüsse auf die Tiergesundheit und Fruchtbarkeit. Das "Füttern am Bedarf" setzt eine Futteruntersuchung und darauf aufgebaut eine optimierte Rationsgestaltung voraus.

Milchkühe und Mastbullen

Bei Milchkühen gelingt eine angepasste Fütterung durch die Bildung von Tiergruppen (Tockensteher, hoch-, spätlaktierend) und bei Mastbullen z. B. durch Phasenfütterung (Anfangs-, Mittel- und Endmast-Rationen).

Zuchtsauen, Ferkel und Mastschweine

Auch in der Zuchtsauen-, Ferkel- und Mastschweinefütterung wird Phasenfütterung praktiziert. In Betrieben mit Schweinemast, die im Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e.V. (LKV) organisiert sind, füttern bereits knapp 46% der Betriebe stark N-reduziert.

Legehennen

In der Legehennenhaltung hat das eingesetzte Futter einen sehr starken Einfluss auf den CO2-Fußabdruck der Eiererzeugung. Dieser konnte in ersten Versuchen mit N-reduziertem Futter bei Legehennen um knapp 10 % gesenkt werden - bei gleichbleibender Legeleistung.

Fütterungsstudie - LfL externer Link

Effiziente Stickstoffdüngung

Die bedarfsgerechte Versorgung der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen mit Nährstoffen ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Pflanzenbau. Der Einsatz von Stickstoffdüngern führt jedoch auch zur Emission von Treibhausgasen, sei es durch die energieintensive Mineraldüngerproduktion, durch den mikrobiellen Umbau von Stickstoff (N) im Boden oder Verlusten bei der Ausbringung von organischen Düngern. Ein gezielter Einsatz sowohl mineralischer als auch organischer Dünger nach dem Prinzip „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“ ist daher unerlässlich. Für eine optimale Nährstoffausnutzung sollte die Düngung möglichst nahe am zeitlichen Bedarf der Pflanzen liegen.

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) informiert über die gesetzlichen Vorgaben und den effizienten Düngereinsatz.

Düngung - LfL externer Link

Der Nitratbericht von 2024 zeigte, dass die Nährstoffeffizienz innerhalb der vergangenen zehn Jahre deutschlandweit deutlich gestiegen ist. Gleichzeitig gingen sowohl Viehbestände als auch Mineraldüngereinsatz zurück.

Nitratberichte - Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit externer Link
Gestelle und Pflanzen in einem Gewächshaus © Markus Konrad, AELF Augsburg

Energieeffizienz im Obst- und Gemüsebau

Bayern stärkt den klimafreundlichen Obst- und Gemüseanbau: Kurze Transportwege reduzieren CO2-Emissionen und machen uns unabhängiger von Importen. Gleichzeitig können Gewächshäuser Anbauzeiträume verlängern und Bedingungen schaffen, die die nachhaltige Produktion begünstigen.

Energieeffizienz im Obst- und Gemüsebau

Ausbau des Ökolandbaus

Der ökologische Landbau ist eine besonders ressourcenschonende und umweltverträgliche Form der Landwirtschaft, die sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert. Der Verzicht auf mineralische Stickstoffdünger und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und die Flächenbindung der Tierhaltung fördern geschlossene Nährstoffkreisläufe. Die organische Düngung und der Anbau von Leguminosen fördern Humusbildung und Bodenfruchtbarkeit. Der Ökolandbau leistet dadurch einen Beitrag zu Klimaschutz. In Bayern werden 436.000 Hektar ökologisch bewirtschaftet (Stand 31.12.2025), das sind 13,9 Prozent der Landwirtschaftsfläche. Die Staatsregierung unterstützt den Ausbau des Ökolandbaus in Bayern mit dem Landesprogramm BioRegio 2030.

Ökologischer Landbau
Finger tippt auf Tablet, auf dem Tabelle zu sehen ist © Birgit Gleixner, LfL

CO2-Fußabdruck - Klima-Check Landwirtschaft

Der LfL-Klima-Check ist ein international anerkanntes Tool, das die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) entwickelt hat und stetig weiterentwickelt. Es ist online verfügbar. Landwirtschaftliche Betriebe können damit ihre Klimabilanz transparent erfassen, Chancen für den Klimaschutz erkennen und konkrete Handlungsoptionen entwickeln.

Klima-Check Landwirtschaft - LfL externer Link
Grünpflanzen auf hoher Erdschicht © LfL

Humuserhalt und -aufbau im Ackerland

Humus ist die organische Substanz im Boden, neben Mineralteilchen und Bodenlebewesen. Er besteht überwiegend aus Kohlenstoff. Humus ist Grundlage für Pflanzenwachstum, Nährstoff- und Wasserspeicher, Nahrungsquelle für Bodentiere und Mikroorganismen. Winterbegrünung, vielfältige Fruchtfolgen, organische Dünger wie Gülle und Mist und Stroh das auf der Fläche bleibt erhalten und fördern Humus. Sie sind ein wichtiger Beitrag für die Klimaanpassung, denn Böden mit standorttypischen Humusgehalten sind weniger anfällig für Erosion, speichern mehr Wasser, puffern Trockenphasen besser ab und sind fruchtbarer. Eine dauerhafte Kohlenstoffbindung im Bodenhumus trägt zudem zum Klimaschutz bei.

Traktor mit Mähwerk auf Wiese © Annika Stehr, LfL

Klimaschutz durch Moorbodenschutz

Wenn es darum geht, die Klimaerhitzung zu stoppen rücken Moorböden in den Fokus. Gefragt sind Lösungen: Wie kann der Wasserstand auf Moorböden angehoben werden und zugleich das Land nachhaltig wertschöpfend genutzt werden? Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, um die Umsetzung zu ermöglichen? Das Moorbauernprogramm in Bayern ist ein freiwilliges Angebot für Interessierte Flächeneigentümer und Flächenbewirtschafter, die sich mit den Möglichkeiten zum Klimaschutz durch Moorbodenschutz informieren und die Umsetzungsmöglichkeiten für sich prüfen wollen. Maßnahmen zum Klimaschutz durch Moorbodenschutz können nur gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren erfolgreich sein. Die Beratung an AELF und ALE bringt die Akteure vor Ort zusammen. Gemeinsam werden Machbarkeiten und einzelbetriebliche Möglichkeiten geprüft und diskutiert und wo möglich umgesetzt.

Zentrale Elemente des Moorbauernprogramms sind:
  • Information und Beratung an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (KliMo-Beratung) und den Ämtern für Ländliche Entwicklung.
  • Förderprogramme, Instrumente der Ländlichen Entwicklung, Bayerisches Kulturlandschaftsprogramm (KULAP-M)
  • Forschung und Entwicklung zu moorbodenschonender Bewirtschaftungsmaßnahmen und Wertschöpfungsketten